Steve Jobs und die Kunst: Rückblick auf einen Design-Fanatiker

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Was Steve Jobs mit den Künsten verband, weiß jeder, der eines seiner Produkte zu Gesicht bekommen hat. Stets suchte der langjährige Apple-Chef nach Designern, die seine Vorstellungen von Funktionalität und Ästhetik umsetzen konnten. In einem Gastbeitrag für macnews.de beleuchtet der Kunsthistoriker Dr. Harald Klinke die tiefe Verwurzelung des Design-Gedankens bei Apple.

Was für eine Biografie: Im Alter von 21 Jahren gründet Steve Jobs die Firma Apple Computer, mit der er in kurzer Zeit zum Multimillionär wurde. Als er bald darauf jedoch entlassen wurde, gründete er zum einen das Animatiosstudio Pixar, dessen Filme und Verkauf an Disney ihn zum Milliardär machte, und zum anderen das Computerunternehmen NeXT, das ihn zurück an die Spitze von Apple führte. Als er Apple im Jahr 1996 übernahm, stand das Unternehmen kurz vor dem Bankrott – 15 Jahre später ist es das teuerste Unternehmen der Welt. Mit dem iMac, dem iPod, dem iPhone und dem iPad hat Steve Jobs eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die schier unglaublich klingt. Was ist das Geheimnis hinter diesem Erfolg?

Das wohl wichtigste Element des Erfolges ist die von Steve Jobs immer wieder geforderte Verschmelzung von Technologie mit den Künsten. “We’ve always tried to be at the intersection of technology and liberal arts – we want to make the best tech, but have them be intuitive“, sagte er noch im vergangenen Jahr. An dieser Schnittstelle befindet sich das Design. Design bezieht sich bei Apple jedoch nicht nur auf das Produktdesign als Hülle der Technologie, sondern wird viel weiter begriffen. Design ist vielmehr tief integriert in die Entscheidungsprozesse des Unternehmens.

Als Chef Steve in das von ihm mitgegründete Unternehmen zurückkehrte, machte er den Designer Jonathan Ive zum „Senior Vice President of Industrial Design”. Damit wurde es zur Chefsache und die Bedeutung für das Unternehmen deutlich: Design sollte nicht bloßes Styling sein, um Produkte besser verkaufen zu können. Design sollte vielmehr auf einer Stufe mit anderen Abteilungen wie Entwicklung oder Marketing stehen. Der Designer wird dadurch nicht mehr nur zum Gestalter der Oberfläche eines von den Ingenieuren entwickelten oder von den strategischen Entscheidern geforderten Produktes, sondern arbeitet mit diesen Hand in Hand an innovativen Lösungen.

Viel ist über die halbtransparente Kunststoffhülle des iMac geschrieben worden. Die wirkliche Herausforderung bestand jedoch darin, die notwendige Hardware (Monitor, Mainboard, Festplatte etc.) in diesem runden Kunststoffgehäuse unterzubringen. Nachdem diese bis dahin ausschließlich in rechteckigen Kästen untergebracht worden war, die sich nach funktionalen Erfordernissen ausrichteten, kam der Impuls zu einer neuen Form nun aus der Designabteilung. Die Hardware in einer abgerundeten Form unterzubringen, wäre nicht ohne eine enge Zusammenarbeit der entsprechenden Abteilungen möglich gewesen: Design ist damit die treibende Kraft des Unternehmens.

Somit machte gleich das erste Produkt dieser Verbindung die angestrebte Neupositionierung des Unternehmens deutlich. Der iMac richtete sich klar an ein Privatpublikum, das sich ein Zugangsgerät zum Internet wünschte. Nicht technische Aspekte wurden als Verkaufsargument herausgestellt, sondern seine runde, bunte Gestaltung sprach das ästhetische Empfinden an und versprach eine einfache Bedienung. Damit war der Rahmen gesteckt, der die Prinzipien der neuen Unternehmensstrategien vorgab und die schließlich mit dem iPod, dem iPhone bis zum iPad erfolgreich weitergeführt wurden.

“Some people think design means how it looks. But of course, if you dig deeper, it's really how it works“, so Steve Jobs. Dieses Verständnis einer designgetriebenen Produktentwicklung zeigt sich überdies im Selbstverständnis der Entwickler: Wie eine Reihe von Aussagen erkennen lässt, empfinden sie sich zusammen mit den Designern als Künstler, die gemeinsam ein Werk schaffen. So erinnerte sich Andy Hertzfeld, einer der Entwickler des Macintosh, daran, dass bereits im Jahr 1982 alle an der Entwicklung des Geräts beteiligten Personen die Innenseite des Kunststoffgehäuses signierten, das anschließend in Produktion ging: „Since the Macintosh team were artists, it was only appropriate that we sign our work. Steve gave a little speech about artists signing their work, and then cake and champagne were served as he called each team member to step forward and sign their name for posterity.“

Und Steve Jobs resümierte: “I think part of what made the Macintosh great was that the people working on it were musicians and poets and artists and zoologists and historians who also happened to be the best computer scientists in the world.“

Die hohe Bedeutung von Design ist eines der Elemente, die den Erfolg von Apple ausmachen. Gerade Unternehmen, die hoffen, mit einem Me-too-Produkt erfolgreich zu sein, können daraus lernen, nicht einfach das Design von Apple zu kopieren, sondern durch die tiefe Integration einen eigenen Designansatz zu entwicklen. Dies sollte gerade die Strategie von Samsung sein, die wegen ihrer Galaxy-Reihe in einem Disput über Design-Patente mit Apple stehen. Diese Integration ist es auch, was Apple unter Tim Cook in Zukunft nicht vergessen darf: Der Genius von Steve Jobs lag vor allem darin, kreative Talente an das Unternehmen zu binden – in der Forschung und Entwicklung, im Marketing und im Design.

Weitere Grundprinzipien des Apple-Designs finden sich in dem Text von Harald Klinke in dem Katalog zur Ausstellung über Apple Design im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Der Kunsthistoriker und Medientheoretiker Dr. Harald Klinke ist Experte für Elektrodesign und visuelle Kommunikation. Er lehrt Kunst- und Mediengeschichte an der Universität Göttingen.

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