Steve Jobs' Vermächtnis: Die Apple University

Florian Matthey
5

Im Mai beschrieb ein Fortune-Artikel den Arbeitsalltag bei Apple. Alles drehe sich um Steve Jobs, hieß es damals. Doch die “Apple University” bereite die Mitarbeiter auf die Zeit nach einem möglichen Führungswechsel vor. Die Los Angeles Times berichtet nun, dass eben diese “Universität” Jobs’ Philosophie bei Apple weiterleben lassen soll.

Fortune berichtete seinerzeit, dass Steve Jobs einst den Dekan der Management-Fakultät der US-Elite-Universität Yale für die Apple University engagiert habe. Doch scheint sich die Apple-eigene Schule nicht nur zum Ziel gesetzt haben, betriebswirtschaftliches Wissen zu vermitteln. Der Los Angeles Times zufolge habe Jobs “seit Jahren” penibel daran gearbeitet, was in der Zeit nach ihm zu tun sei.

Apples DNA für künftige Generationen

Es handle sich bei der Apple University um ein lange Zeit geheim gehaltenes Projekt, das Apple-Mitarbeitern beibringen soll, “so wie Steve Jobs zu denken”. Ein ehemaliger Apple-Manager, der nicht namentlich genannt werden möchte, erklärte der Zeitung, dass Jobs “über sein Vermächtnis” nachgedacht habe. “Die Idee war, das, was Apple einzigartig macht, zum Teil eines Forum zu machen, das diese DNA auf zukünftige Generationen an Apple-Mitarbeitern übertragen kann.” Kein anderes Unternehmen habe eine Universität mit dem Auftrag, so tief in die Wurzeln dessen zu gehen, was das Unternehmen so erfolgreich mache.

Auch der Analyst Tim Bajarin, zwischenzeitlich selbst Apple-Berater, glaubt, dass Jobs vor allem daran gedacht habe, “dass Apple mit keinem anderen Unternehmen der Welt vergleichbar” sei. “Es wurde ziemlich klar, dass Apple Bildungsmaterial brauchte, damit Apple-Mitarbeiter lernen konnten, so zu denken und so Entscheidungen zu treffen, als seien sie Steve Jobs.” Der Yale-Professor Joel Podolny, der dieses Projekt leitete, soll auch andere Apple-Manager wie den heutigen CEO Tim Cook als Dozenten eingesetzt haben. Immerhin hat nicht nur Jobs, sondern auch Cook in der Vergangenheit wichtige Entscheidungen getroffen.

Joel Podolny: Von Yale zu Apple

Podolny habe die Arbeit im Jahr 2008 aufgenommen – kurz bevor sich Jobs zum zweiten Mal eine gesundheitsbedingte Auszeit nehmen musste. Der Professor verließ dafür sogar Yale, um “mit dem modernen Thomas Edison” arbeiten zu können. Podolny habe selbst auf dem Apple II sein erstes Programm geschrieben und sich in seiner akademischen Karriere auch vor seiner Verpflichtung durch Jobs der Studie der Apple-Führung gewidmet. Unternehmens-Universitäten seien zwar in den 1990er-Jahren aus der Mode gekommen, da sie als zu teuer und bürokratisch galten. Jobs habe die Idee aber nie verworfen und sich dafür eingesetzt, dass die Art, wie Apples und Pixars Unternehmer arbeiten, studiert werden sollte.

Pixar und HP als Vorbilder

Als Vorbild nahm er sich deshalb sein – bis zum Verkauf an Disney – zweites Unternehmen, dessen Mitarbeiter regelmäßig an eigenen Schulungen teilnahmen. “Er hatte das Universitäts-Konzept bei Pixar, und er hat daran geglaubt”, so ein weiterer, nicht namentlich genannter früherer Apple-Manager.

Ein Vorbild sei auch das Beispiel von Bill Hewlett und David Packard gewesen, deren größte Erfindung nicht ihre Taschenrechner, sondern das Unternehmen HP gewesen sei. Die beiden Gründer hätten den Kern der Firma in den Werten des “HP-Weges” (“The HP Way”) genau definiert. Die Apple University solle ihrerseits Apples Werte vermitteln: Verantwortung, Hingabe bis ins Detail, Perfektionismus, Simplizität und Geheimhaltung.

Bild (von Podolny): Harvard University Gazette

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });