Steve Jobs zeigt IBM den Finger

Ralf Bindel
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Ein Foto von Steve Jobs macht derzeit die Runde: Der junge Unternehmer zeigt IBM, bzw. einem Firmenzeichen, was er von Big Blue hält. Andy Hertzfeld hat das gute Stück erneut in Umlauf gebracht. Im Patentkrieg von heute fehlen solche Bilder.

Steve Jobs zeigt IBM den Finger

Es war die gute Zeit 1983, ein Jahr vor dem Orwell-Jahr und dem gleichnamigen Werbespot von Apple1984“. In diesem lässt sich IBM prima als Feindbild interpretieren, der “Big Brother“ wird vom Hammer Apple gestört, die Menschen wachen auf ...

Apple hat sich nie zu dem Feindbild IBM bekannt, auch wenn dies nach einer Keynote von Steve Jobs 1983 für die meisten offensichtlich war. Auf diesem Schwarzweißbild von 1983, das nach vielen Jahren jetzt erneut kursiert, zeigt Steve Jobs unter einem Firmenschild von IBM stehend den Finger. Andy Hertzfeld, einer der ersten – wenn nicht DER – Mac OS-Entwickler und heute verantwortlich für Google+, hat die Aufnahme nun in Hochauflösung dort platziert und schreibt dazu:

“In Erinnerung an Steve Jobs am Ende von 2011 hier ein eher seltenes Foto, dass seinen rebellischen Geist zeigt. Im Dezember 1983, ein paar Wochen vor der Veröffentlichung des Mac, machten wir einen kurzen Besuch in New York City, um mit Newsweek zu sprechen, die eine Titelgeschichte zum Mac machen wollten. Jean Pigozzi, ein wilder, französischer “Jet-Setter“, der damals mit uns abhing, machte spontan das Foto, als wir durch Manhatten gingen. Irgendwie kam ich dann in Besitz des Abzugs. Mein Lektor bat mich, es in mein Buch aufzunehmen, aber es war zu spät, um noch um Erlaubnis zu fragen, besonders weil IBM immer noch Prozessoren zu der Zeit für Apple herstellte.“

Gemeint ist sein Buch Revolution in The Valley: The Insanely Great Story of How the Mac Was Made

*, das Hertzfeld 2004 veröffentlichte. Tatsächlich gab Steve Jobs erst am 6. Juni 2005 bekannt, dass Apple die Macs in den Jahren 2006 und 2007 auf Prozessoren von Intel umstellen wollte, bis dahin lieferten IBM und Freescale. Der erste Intel-Mac erschien dann im Januar 2006 als MacBook Pro mit Intel Core Duo-CPU.

OS X Daily schreibt, dass das Bild noch einmal die “kämpferische“ Seite von Jobs und dem früheren Apple zeige. In deren jungen Jahren nahmen Apple-Mitarbeiter und Jobs IBM als größten Wettbewerber an, wie das Ghostbuster-Video und der Super-Bowl-Werbeclip 1984 zeigen.

Heute werden dagegen echte Kriege zwischen den Kämpfern um Marktanteile ausgetragen, so genannte Patentkriege. Apple vs. Samsung vs. Apple vs. Google/Motorola vs. ... Von einigen IT-Beobachtern wird 2011 auch als Jahr der “Patent Wars“ bezeichnet. Für die Zukunft vermuten die meisten von ihnen auch keine Einigung, sondern eher ein Anschwellen des Wettbewerbs. Ein einzelner “Big Brother“ wie IBM ist heute nicht mehr der Hauptfeind von Apple. Die Zeit der Blöcke ist vorbei, jetzt gibt es multilaterale Kämpfe.

Diese lassen sich in der Werbung nicht leicht vermitteln. Das Rebellische, Kämpferische, der Finger gegen die Übermacht, das gibt es nicht mehr. Was jetzt in den Werbespots vermittelt wird, zeigen die Samsung-Anti-Apple-Clips, die offenbar die iPhone-Verkaufksurve nach unten gekrümmt haben. Dort machen sich die Macher über die Naivität der Apple-Nutzer und ihre zwanghafte Affinität zu Apple lustig. Dabei könnte Samsung noch von Apple lernen, wie man es richtig macht: So war die “Get a Mac“-Kampagne (Hallo, ich bin ein Mac. Und ich bin ein PC) wenigstens ein Erfolg in Sachen Witz und Werbung.

Apple, der frühere Kämpfer der Gegenkultur, hält sich in Sachen Werbung und Anti-Wettbewerbs-Stimmungsmache im Moment auffallend zurück. Apple ist seriös und erwachsen geworden. Man ist auch kein Rebell mehr, sondern selber Großmacht. Wie würde auch ein Patent-War- oder ein Tablet-War-Clip aussehen? Mit der Wunderwaffe eines Fingers – selbst von Steve Jobs – wäre es da nicht getan.

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