Todestag von Steve Jobs: Ein Jahr, nachdem er recht bekam

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“Das gab es vorher nur für Michael Jackson” bemerkte eine TV-Mitarbeiterin. Vor genau einem Jahr starb Steve Jobs und ein großer Medien-Rummel um Tod und Leben des Mitbegründes von Apple startete. Wir blicken zurück und erinnern an diesen denkwürdigen Tag.

Todestag von Steve Jobs: Ein Jahr, nachdem er recht bekam

Für viele Apple-Fans, Technik-Interessierte, Händler und Entwickler ist es eine Radiomeldung, die sie morgens am  05.10.2011 aufschreckt: “Steve Jobs ist in der Nacht im Alter von 56 Jahren gestorben.” Steve Jobs, das war mehr als ein CEO, er war die Personifizierung von Apple, ein Visionär. Er machte mit dem Mac die Computer ansehnlich, stellte mit dem iPod das Verkaufmodell der Musikindustrie auf den Kopf und läutete mit den iOS-Geräten das Tablet-Zeitalter ein. Verbunden mit seinem Charisma war er für viele in der IT-Szene eine respektierte Person, wenn nicht sogar ein Vorbild.

Krebsleiden: Jeden Tag leben, als wäre es der letzte

Ein Schock, obwohl die Meldung für niemanden eine Überraschung sein kann. Steve Jobs muss gerade zum dritten Mal seine Arbeit bei Apple aussetzen. Grund: Ein Krebsleiden. Für die Präsentation des iPad 2 kommt er dennoch auf den Apple-Campus, wenngleich sein Gesundheitszustand besorgniserregend ist. Nicht auf der Bühne steht er dagegen bei der Veröffentlichung des iPhone 4S – sie fand zwei Tage vor seinem Tode statt. Wie ernst es um ihn tatsächlich schon steht, weiß während des Vortrags von Tim Cook in der Öffentlichkeit niemand.

Auch wenn er auf die Wahrung seiner Privatsphäre Wert legte: Sein Krebsleiden ist kein Geheimnis. Legendär ist seine Rede für die Standford University im Jahre 2005. Hier erzählt er den Studenten nicht nur von seiner Diagnose, sondern auch von seinen Ansichten zum Tod.

“Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens. Er schafft Platz für neues.” Jobs versucht sich, mit dem Tod als ein “Schicksal, das wir alle teilen” abzufinden. Schon in frühen Jahren habe er den Satz bedacht: “Wenn Du jeden Tag lebst, als sei es Dein letzter Tag, wirst Du irgendwann recht haben”.

Trauer vor dem Sturm

Am 05.10.2012 bekam er recht.

Mein Kollege Ben verfasst noch in der Nacht die Meldung für den Blog benm.at (jetzt GIGA \\ iPhone & iPad): “Ich weiss auch gar nicht, was mich um 2 Uhr morgens veranlasst hatte, meine E-Mails abzurufen. Als immer mehr E-Mails im Postfach eintrudelten, wusste ich, dass irgendwas passiert sein musste”, schreibt er. “Mir fehlen die Worte.”

Die Situation am Morgen in der Redaktion muss man am ehesten mit “Lähmung” beschreiben. Das eben präsentierte iPhone 4S spielt nun überhaupt keine Rolle mehr, es wird an diesem Tage keine weitere Nachricht geben. Apple zeigt seine Trauer auf der Webseite mit einem schlichten Bild vom einstigen Chef und verabschiedet in ein paar Worten das “visionäre und kreative Genie”.

Zeit für Trauer bleibt in der GIGA-Redaktion dennoch nicht. Die Telefone klingeln heiß, denn Radio- und TV-Sender suchen Experten zum Thema. Einen Thementag wie für Steve Jobs bekam wahrscheinlich nur Michael Jackson, erklärt mir die Mitarbeiterin eines Nachrichtensenders, selbst etwas verwundert über den plötzlichen Hype.

Wer vorher Steve Jobs noch nicht kannte, wird ihn wenigstens nach seinem Tode kennen lernen. Wirklich jeder berichtete über den Apple-Guru, sogar die Bravo – inklusive Poster.

Im Prinzip ist alles über Steve Jobs gesagt, sowohl seine großen Verdienste (ich habe seinen Einfluss bei Apple im Nachruf auf drei Punkte fokussiert), als auch seine Schattenseiten (Jobs konnte nämlich gegenüber seinen Angestellten sehr ungemütlich werden). Leseempfehlungen siehe unten.

Time goes on: Apple ohne Jobs

Auch während der Auszeiten mischte Jobs bei Apple mit. Sogar auf die Entwicklung des eben erschienenen iPhone 5 soll Steve Jobs noch direkten Einfluss gehabt haben. Wie sich der Elektronikkonzern ohne ihren charismatischen Gründer meistert, das kann also auch ein Jahr nach seinem Tod noch nicht beurteilt werden. So etwas wie das Desaster der Karten-App von iOS 6 wäre mit Steve Jobs nicht passiert, glauben manche. Doch auch Jobs’ Entscheidungen waren nicht unfehlbar (Stichwort Twiggy, Antenna-Gate).

Mit Tim Cook sitzt der Wunschnachfolger von Jobs an der Spitze von Apple. Ein solider Firmenlenker, aber kein Visionär. Rat seines Vorgängers: Die Produkten verlangen die höchsten Aufmerksamkeit, nicht die Gewinnmaximierung des Konzerns, warnt Jobs in seiner Biographie. Sonst gehe es bergab wie bei IBM oder Microsoft.

Die Mitarbeiter werden die Philosophie ihres einstigen Chefs weiter verfolgen – hoffentlich. Viele andere Menschen erfuhren erst durch seinen Tod von seinem Einsatz für Apple, von seiner Bedeutung für die IT-Landschaft und nicht zuletzt von seinen persönlichen Ansichten zu Leben und Tod. Seine Appelle, das zu tun, wofür das Herz schlägt, haben eine ungewöhnliche Tiefe – gezeichnet von der eigenen Krankheitsgeschichte.

Was wäre, wenn heute unser letzte Tag wäre? “Euere Zeit ist limitiert, also verschwendet sie nicht. (…) Habt den Mut, auf euer Herz zu hören.”

Zum Weiterlesen:

Biografie

  • von Sven Kaulfuss

    Faszinierend: Zu den hunderten, bereits erhältlichen Büchern über den Mitbegründer und langjährigen CEO von Apple gesellt sich dieser Tage nun auch noch ein Kinderbuch hinzu.

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    Faszinierend: Zu den hunderten, bereits erhältlichen Büchern über den Mitbegründer und langjährigen CEO von Apple gesellt sich dieser Tage nun auch noch ein Kinderbuch hinzu.

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