Verschmierte Touchscreens: neues Wundermittel gegen Patina-Displays

Sebastian Trepesch
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Mit dem iPhone 4 stellte Steve Jobs das hochauflösende Retina-Display vor. In der Praxis müssen Touchscreens aber eher als Patina-Displays bezeichnet werden: Eine  Schicht von Fettschmierern der Finger ziert die Bildschirme. Ein deutsches Unternehmen stellt nun ein neues Produkt vor, dass die Fingertapser auf Glas und Plastik reduzieren soll. Nur große Sprüche, oder Zauberei?

Weder, noch: Es geht um Technologie, um eine spezielle Flüssigkeit, 100.000 Mal dünnflüssiger als Wasser.

Unser Handmuster, das wir noch vor der offiziellen Präsentation bekamen, besteht aus einem Fläschchen mit 50 Milliliter Flüssigkeit und zwei Tüchern. Ein paar Tropfen – etwa 12 für das iPad, etwa 5 für das iPhone – werden auf die Scheibe geträufelt und mit dem grünen Tuch verrieben. Der Vorgang wird dann mit dem weißen Tuch wiederholt. Der Bildschirm ist sauber, das wäre er mit anderen Mittelchen aber natürlich auch.

Langt man mit fettigen Fingern auf das Display, sind auch wieder Fingertapser zu sehen. Was ist nun das besondere daran, fragen wir uns? “Die neuen Fingerabdrücke gehen nun nicht so in die Tiefe und lassen sich ganz einfach mit jedem Tuch wieder abwischen”, erklärt uns Matthias Oesterwinter, der das Produkt unter dem Namen Clean2Go auf den Markt bringen will. Über mehrere Tage soll die Verschmutzungsneigung herabgesetzt sein, die neuen Fingertapser viel einfacher lösbar sein.

Die Technologie dahinter klingt in der Tat interessant. Sie stammt aus den Forschungslaboren von Oesterwinters Partner bubbles & beyond, einem Leipziger Unternehmen, das Flüssigkeiten und Schäume für industrielle und medizinische Anwendungen sowie den Lifestyle-Bereich entwickelt. Erst seit rund drei Monaten gibt es die spezielle Zusammensetzung der Komponenten. “Der Kunstgriff ist”, erklärt Oesterwinter die Schwierigkeit in der Entwicklung, “dass es auf Kunstoff und auf Glas funktioniert.” Das Geheimnis trägt den Titel “Phasenfluide“. Das dünnflüssige Wässerchen setzt sich vereinfacht ausgedrückt in die Poren des Materials, der Schmutz kann dadurch nicht so tief eindringen. Die Schmutzverminderung wird ergänzt durch die antibakteriellen Eigenschaften mittels strukturiertem Einsatz von Nanosilber. Dem Kunstoff oder Glas kann jedoch nichts passieren, da keine Stoffe enthalten sind, die reagieren. Die Flüssigkeit ist sogar kennzeichnungsfrei. “Das können Sie einem Baby über den Kopf schütten,” versichert uns Oesterwinter, er würde die Flüssigkeit sogar trinken.

Mit Schutzmitteln für Autoscheiben, wie sie die T.Oesterwinter GmbH & Co KG auch vertreibt, hat die neue Technologie nichts zu tun. “Das ist wie Bratkartoffel und Pizza”, verdeutlicht er den Unterschied zu der alten Technik, die auf Versiegelung durch Nanotechnologie beruht.

Die Anwendung empfielt er einmal pro Woche. Mit dem grünen Mikrofasertuch und ein paar Tropfen des Mittels wird der Schmutz herausgelöst. Das weiße Tuch für den zweiten Durchgang besteht nur aus Zellulose und Kunstoff, um die Beschichtung aus dem Material nicht wieder herauszuholen. Reinigungsmittel aus dem Supermarkt mit Tensiden, Fettlösern oder Lösungsmitteln machen den Schmutz zwar auch sauber, aber der Schmutz wird häufig erst auf der Oberfläche verwischt und muss dann mit größerem Kraftaufwand abgetragen werden. “Clean2Go geht bildhaft gesprochen wie ein Messer durch Butter”, so Oesterwinter.

Tatsächlich, das konnten wir mit einem Gang ins Büro unserer Eis essenden Kollegen von androidnews.de nachvollziehen. Während wir auf den unbehandelten Smartphones die Fettfinger mit dem T-Shirt-Ärmel nur dank großem Kraftaufwand abwischen können, gelingt es bei einem behandelten Bildschirm deutlich leichter. Jetzt trauen wir uns, das Wässerchen auch auf unserem Patina-iPad einzusetzen.

Nächste Woche soll der Vertrieb des neuen Produkts bei Oesterwinter und zwei einschlägigen Mac-Versandhändlern starten, der Preis beträgt voraussichtlich 6,95 Euro.

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