Zehn dringende Fragen an Steve Jobs

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Apple-Boss Steve Jobs ist zur Zeit präsent wie lange nicht mehr. Er antwortet allem Anschein nach persönlich auf E-Mails von Kunden, Entwicklern oder Journalisten und lässt über sie seine Philosophie und Strategie nach außen tragen. Für Tech-Kolumnist Don Reisinger von eWeek.com bleiben aber viele Fragen ungeklärt. Diese Kommunikationsstrategie lenke von den eigentlichen Problemen ab, sagt er und stellt eine Liste mit den zehn dringlichsten Fragen auf, “die Steve Jobs über die Zukunft Apples beantworten muss”.

1. Sind die echten Infos zum iPhone 4G wirklich schon durchgesickert?

Reisinger fordert Jobs auf, endlich Klarheit in die Berichterstattung zum iPhone 4G zu bringen. Ist das im April gefundene Gerät, über das das Tech-Blog “Gizmodo.com” berichtet hat, wirklich das Nachfolgemodell? Die Nachricht habe laut Reisinger das Internet in Ekstase versetzt, ohne dass es eine offizielle Bestätigung von Apple gibt.

2. Wann wird das iPad drucken können?

In einer E-Mail an einen Apple-Kunden hat Steve Jobs versprochen, dass die Druckfunktion kommen wird, ohne aber eine Zeit oder Details zu nennen. “Die fehlende Druckfunktion ist eine grobe Unterlassung am iPad”, sagt Reisinger. “Die Funktion muss früher als später kommen”. Reisinger hofft, dass Jobs die Funktion auf der im nächsten Monat stattfindenden Entwicklerkonferenz WWDC ankündigt.

3. Kann Apple Google nicht mehr leiden?

Noch vor ein paar Jahren hätte jeder behauptet, dass Apple und Google Verbündete im Kampf gegen Microsoft seien. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Erst verlässt Google-CEO Eric Schmidt den Aufsichtsrat von Apple, dann wettert Jobs öffentlich gegen die Firmenpolitik des Suchmaschinenbetreibers. Reisinger ist die Zankerei leid und fordert eine offizielle Stellungnahme des Apple-Boss zur Haltung gegenüber Google.

4. Hat Apple mehr Angst vor Google oder Microsoft?

Es ist ein Irrglaube, dass Apple im Wettbewerb keine Gegner mehr habe. “Der Computerhersteller erfährt großen Druck von Microsoft und Google, die beide im Software-Markt und im mobilen Geschäft unterwegs sind”, sagt Reisinger. Er versteht nicht, warum sich Apple bei der öffentlichen Analyse der Konkurrenz derart wortkarg gibt und fordert: “Vielleicht kann eine kleine E-Mail-Nachricht von Steve Jobs uns mehr verraten.”

5. Hat Apple Pläne fürs Web?

Im Dezember 2009 hat Apple den Online-Musikdienst Lala gekauft und wird ihn zum 31. Mai wieder schließen. Über die Gründe konnte bislang nur spekuliert werden. Reisinger fordert deshalb ein offizielles Statement von Jobs zu Lala und der Webstrategie des Unternehmens.

6. Wer wird Steve Jobs’ Nachfolger, wenn er Apple verlässt?

Kaum ein Unternehmen weltweit wird so mit einem Namen in Verbindung gebracht wie Apple: Steve Jobs. Aber wer kommt nach Steve Jobs? Reisinger hält es für “unglücklich”, dass Apple Investoren und Aktionäre, die Millionen Dollar in das Unternehmen investiert haben, über die Nachfolge im Unklaren lässt. “Sie sollten sich bewusst machen können, was sie erwartet, wenn der Messias das Unternehmen verlässt”, sagt Reisinger.

7. Wann wird die Produktion des iPods eingestellt?

Reisinger mutmaßt, dass in einer der nächsten Sitzungen der Apple-Führung das Ende des iPods beschlossen wird. Die Funktion des tragbaren Medienplayers, der einst das Gesamtgeschäft des Unternehmens gestützt hat, wird allmählich durch andere Produkte des Unternehmens wie iPhone oder iPad ersetzt. “Es wird ein trauriger Tag sein, wenn Jobs beschließt, den iPod aus den Kaufregalen zu entfernen”, so Reisinger.

8. Wird “Mac OS X” oder wird das “iPhone OS” Apple in die Zukunft führen?

Man kann Reisinger nicht unterstellen, er mache sich keine Gedanken über die Zukunft Apples. Seines Erachtens muss Apple die Entscheidung treffen, welches der beiden hauseigenen Betriebssystemen maßgeblich für die Zukunftsstrategie des Unternehmens sein soll: “Mac OS X”, das weltweit nur einen kleinen Markteinteil einnimmt und weit hinter Windows liegt? Oder soll sich das Unternehmen auf die Entwicklung des “iPhone OS” konzentrieren, an dem sich alle konkurrierenden mobilen Betriebsysteme messen lassen müssen?

9. Tut sich Apple mit seiner Politik der Verschwiegenheit auf Dauer einen Gefallen?

“Über das vergangene Jahrzehnt hat sich Apple zu einem der verschwiegensten Unternehmen der Branche entwickelt”, sagt Reisinger. Jahrelang sind bis zur offiziellen Veröffentlichung keine Details über Produkte nach außen gedrungen. Aber ist diese Kommunikationsstrategie auch heute noch sinnvoll? Die Vielzahl der E-Mail-Kommentare vom Apple-Boss in den vergangenen Wochen könnten ein Indiz für einen Wandel hin zu mehr Offenheit sein.

10. Wird Apple jemals die Lizenbestimmung für “Mac OS X” lockern?

Das Betriebssystem “Mac OS X” darf laut Apple-Lizenzbestimmungen nur auf Apple-Hardware genutzt werden. Unabhängig davon, ob die Rechtsauffassung von Apple begründet ist, glauben viele Experten, dass eine Aufhebung dieser Lizenz dem Unternehmen helfen kann, mehr Marktanteil zu erwerben und gegen Windows zu konkurrieren. Andere halten diesen Schritt für einen Fehler und auch Steve Jobs will an der bisherigen Bestimmung nichts ändern. Für Reisinger ist ein “Nein” ein Grund, noch einmal nachzuhaken. “Es wäre schön”, so Reisinger, “wenn Steve Jobs wenigstens Gründe nennen würde, warum er ‘Mac OS X’ nicht lizensieren möchte.”

Don Reisinger ist IT-Experte, freier Autor und Kolumnist unter anderem für “CNET“, “Los Angeles Times“, “Computerworld” oder “InformationWeek“.

Externe Links

Bild: Annie Bannanie 09; Titel “steve jobs co founder of apple computer”. Some rights reserved. Flickr

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