Dieses Foto habe ich am 6. Juni 2011 während Apples WWDC-Keynote in San Francisco aufgenommen. Es ist eines meiner Lieblingsfotos und hat eine für mich besondere Bedeutung.

Steve im Schatten

San Francisco, Moscone Center. Es ist der 6. Juni 2011, kurz nach 11 Uhr lokaler Zeit (21 Uhr MEZ). Apples WWDC-Keynote läuft bereits seit rund zwei Stunden. Steve hatte gerade Photostream und iTunes in der Cloud vorgestellt und ließ Eddy Cue die neuen Funktionen sogleich vorführen.

Während Eddy hell angestrahlt im Mittelpunkt steht, sitzt Steve auf einem kleinen Barhocker ganz am Rand der Bühne in einer dunklen Ecke. Er schaut Eddy gespannt zu und wartet auf seinen Einsatz, um seine letzte Keynote zu beenden. Was ihm in diesen letzten Minuten auf der geschichtsträchtigen Bühne wohl durch den Kopf gegangen ist?

Auf diesem Foto sieht das zwar nicht so aus, aber die Scheinwerfer und die Leinwand waren so hell und die Bühne so weit weg, dass man Jobs in dieser Ecke eigentlich gar nicht sehen konnte. Ich habe dieses Foto dem Zufall zu verdanken.

Ich hatte die ganze Nacht vor dem Moscone Center mit tausenden anderen Teilnehmern auf den Einlass am nächsten Morgen gewartet. Man musste nicht anstehen, tat es aber, weil es einfach dazugehörte. Jeder hatte ein (teures) WWDC-Ticket und folglich einen garantierten Platz.

In den Stunden vor dem Moscone Center lernt man andere Teilnehmer aus aller Welt kennen und tauscht sich aus. Fast jeder hatte sich einen Camping-Stuhl besorgt und war mit Akku-Packs eingedeckt, um die Nacht zu überstehen. Einige packten sogar ihre MacBooks aus und fingen gemeinsam an zu programmieren. Es war wie ein großes Entwickler-Treffen unter freiem Himmel. Ganz anders als die Warteschlangen vor den Apple Stores.

Alle paar Minuten kam ein anderes Startup mit einem Roboter oder Wägelchen vorbei und verteilte kostenlos Kaffee, Snacks oder T-Shirts.

Man sollte dazusagen, dass die WWDC die größte Job-Börse überhaupt ist. Nirgends trifft man so viele und so talentierte Entwickler auf einem Haufen. Diese Gelegenheit nutzen etablierte Firmen und Startups für Guerilla-Werbung. Mit einem heißen Kaffee kann man um 3 Uhr morgens schon auf sich aufmerksam machen.

Um kurz nach 8 Uhr morgens öffneten sich dann die Türen des Moscone Center. Man war dann aber noch nicht am Ziel. Man musste noch einmal rund 1,5 Stunden innerhalb des Moscone Centers warten, bis man in das Presidio durfte. So heißt der größte Saal im Moscone. Hier findet traditionell Apples WWDC-Keynote statt. In den Gängen hatte Apple überall meterlange Tische mit Frühstück aufgebaut. Man war die ganze Zeit über also immer gut versorgt.

Irgendwann durfte man dann endlich ins Presidio. Ich war müde, aber auch sehr aufgeregt. Fast ein halbes Jahr lang hatte ich auf diesen Moment hingearbeitet. Ich hatte mir sogar extra wenige Tage vor Abflug ein lichtstarkes Teleobjektiv gekauft, um bessere Fotos machen zu können.

Aufgrund des Schlafmangels, der schwierigen Lichtverhältnisse und der Unvertrautheit mit dem neuen Objektiv, hatte ich einige Fotos fehlbelichtet. Eines dieser „verpatzten“ Fotos zeigt Steve im Schatten. Ein zufälliges Foto, das mir viel bedeutet.

Hätte ich mir das teure Teleobjektiv nicht quasi in letzter Minute gekauft, hätte ich mehr Erfahrung mit dem Objektiv gehabt, hätte ich mehr geschlafen, hätte ich diesen Moment so wahrscheinlich nicht eingefangen.

Ich habe hier versucht die Belichtung nachträglich auf Eddy anzupassen (so wie es eigentlich gedacht war), um zu zeigen, wie versteckt und wohl auch unbeobachtet Steve dort war.

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