Heute hätte er seinen 60. Geburtstag gefeiert. Leider hatte das Schicksal andere Pläne für Steve Jobs – verfrüht „abberufen“ im Herbst 2011. Statt dem Zelebrieren der beeindruckenden Biografie des Apple-Gründers, gibt’s diesmal eine persönliche Anekdote.

Zum 60. Geburtstag: Mein Popstar Steve Jobs
Bildquelle: Apple

Heute werden wir sie wieder vielerorts nachlesen können, die fantastische Geschichte eines gewissen Steven Paul Jobs, geboren am 24. Februar 1955 in San Francisco, aufgewachsen in Palo Alto und gestorben am 5. Oktober 2011 als einer der wohl einflussreichsten Innovatoren der letzten Jahrzehnte. Adoptivsohn, Ehemann, Vater, Visionär…viele Rollen prägten und erfüllten das Leben des Apple-Gründers. Ich möchte euch heute von seiner Bedeutung als Popstar der „Nerds und Geeks“ berichten – quasi, ein Schwank aus meiner Jugend.

Ein Jungspund auf großer Reise

Im Sommer 2000 verdingte ich mich bereits seit einem Jahr als Produktmanager für einen aufstrebenden Online-Shop. Dank meiner jugendlichen Leidenschaft für Apple, erhielt ich bei Cyberport eine Werkstätte für mein illustres „Hobby“. Entlohnt wurde dies unter anderem mit der Ehre einer Geschäftsreise. Zusammen mit drei weiteren Kollegen (Geschäftsführung inklusive) durfte meine Wenigkeit zur Macworld Expo nach New York aufbrechen. Nach einem etwas ruppigen Flug quartierten wir uns in einem bescheidenen Hotel gegenüber dem Central Park ein. Da war ich nun, in diesem für mich so großen und unbekannten Zentrum des amerikanischen Kapitalismus.

Am nächsten Morgen sollte es ins Jacob K. Javits Convention Center gehen – Veranstaltungsort der Macworld Expo und der dazugehörigen Apple-Keynote. Zuvor lernte ich aber noch die „Annehmlichkeiten“ amerikanischer Bedürfnisanstalten kennen. Nur so viel: Diese sind aufgrund ihrer Bauform nicht unbedingt den Exkrementen eines fettleibigen, europäischen Apple-Fanboys gewachsen. Nachdem nun der hilfsbereite Hotelangestellte den Abwasserkanal erfolgreich bereinigte, legte ich mich zur Bettruhe. Selbige fand ich jedoch nicht. Dies lag jedoch nicht an der vorigen, etwas peinlichen Situation, sondern vielmehr an einer inneren Unrast. Immerhin sollte ich in wenigen Stunden mein persönliches Idol live und in Farbe erblicken dürfen – Steve Jobs, Apple-Gründer und –Retter in einer Person.

Steve Jobs Tribute
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Die erste persönliche Begegnung mit Steve Jobs

Bereits gegen vier in der Früh sprang ich aus dem Bett und machte mich zu Fuß auf ins Convention Center. Meine Kollegen weilten zu dieser Zeit selig im Traumland. Die Tags zuvor noch lebhafte Weltstadt New York, befand sich gleichfalls in Dämmerstimmung – eine solche Ruhe, nur vereinzelt Menschen auf den Straßen. Vor dem Veranstaltungszentrum jedoch tummelten sie sich schon. Hunderte Gleichgesinnter die auf baldigen Einlass hofften. Nach einer mehrstündigen Wartezeit betaten wir dir Halle zur Keynote. Die Musik verstummte, Steve Jobs betrat unter tobenden Applaus die Bühne. An diesem Tag stellte er unter anderem den Power Mac G4 Cube vor. Im Nachblick kein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt. Apple zeigte sich zwar erstarkt, jedoch bis zum iPhone und der „Weltherrschaft“ war es noch immer ein weiter Weg. Für Steve Jobs war dies aber nicht relevant an diesem Tag, er vermochte wie kein anderer die Leidenschaft des ganzen Teams in seiner Person zu präsentieren, er beherrschte den Raum, zelebrierte den Apple-Spirit und war zugleich entscheidender Teil dieser Inszenierung.

Motion: Thoughts on Life
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Und unsereiner? Wie ein Teenager saß ich andächtig im Publikum und lauschte seinen Worten. Der Vergleich mit einem Rockkonzert war und ist noch immer angebracht. Steve Jobs war UNSER Popstar. Statt launigem Gesang, gab es Kunst und Kommerz in Form von Bits und Bytes.

Nach der Keynote galt es Speis und Trank einzunehmen. Hierfür wählten wir die Cafeteria des Jacob K. Javits Convention Centers. Fast hätte ich dabei einen weiteren, nicht unwichtigen Apple-Mitarbeiter übersehen. Ungläubig fragte mich mein Kollege, ob denn gegenüber am Tisch nicht Jony Ive gleichfalls eine Vesper einnahm? Mit verschmitztem Lächeln bejahte ich dies.

Selbiger Kollege erblickte wenig später im oberen Ausstellungsbereich von Apple gleichfalls zuerst eine verdächtige Menschenansammlung. Steve Jobs führte, vertieft im Gespräch, den Tross der Journalisten herum. Keinen Meter von mir entfernt gestikulierte er über die Vorzüge der Produktneuheiten. Sollte ich ihn ansprechen, „Hallo“ sagen? Nein. Zu groß die Ehrfurcht vor dem Pop-Idol, zu gering damals die Sicherheit im eigenen Auftreten.

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Store-Modell für New Yorker Apple Store: Hinfort mit den Altlasten von Steve Jobs

Selbstreflektion: Geil war die Zeit

Wenn ich nun diese Zeilen niederschreibe muss ich über mich selber schmunzeln. Hab ich mich damals wirklich SO gefühlt und aufgeführt? Ja, peinlich ist mir dies jedoch mitnichten. Vielmehr denke ich rührselig an diese spannende Zeit zurück. Heutzutage dagegen vermisse ich etwas diese naive Leidenschaft in mir. Bin zu abgeklärt, erfahren, zu alt? Doch vor allem vermisse ich meinen damaligen Popstar. Andererseits: Eben diese Reflektion der eigenen Geschichte lässt die alte Glut wieder leicht entfachen. Gibt es einen besseren Beweis für die Unsterblichkeit eines Steve Jobs?

Danke Steve für diesen schönen Tag im Juli des Jahres 2000, er wird mir stets in Erinnerung bleiben.

…Steve has left the building.

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