Falling Skies: Ab heute auf Pro7! – Spielbergs Amerika kämpft um sein Überleben

Hollywood sieht derzeit schwarz – die Apokalypse ist angesagt. Die Schlagzahl in der der amerikanischen Zivilgesellschaft grauenhafte Untergangsszenarien entgegengeworfen werden, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Ständig fordern die Autoren den bürgerlichen Status Quo mit immer neuen Endzeitvisionen heraus. Die von Steven Spielberg produzierte TV-Serie “Falling Skies” ist da keine Ausnahme.

Falling Skies: Ab heute auf Pro7! – Spielbergs Amerika kämpft um sein Überleben

Es scheint fast schon keine Rolle mehr zu spielen, ob es Zombies (“The Walking Dead“), tektonische Platten (“2012″), Erzengel (“Legion”) oder die menschlichen Wölfe sind (“The Road”, ““), die der Welt ihr vorzeitiges Ende bescheren. Hauptsache der Amerikaner muss beweisen, aus welchem Werte-Holz er im Angesicht der Apokalypse geschnitzt ist. Auch das von Steven Spielberg produzierte “Serien-Highlight des Jahres” fügt sich problemlos in die amerikanische Untergangsstimmung ein.

“Falling Skies” beginnt dort, wo der konventionelle “Aliens-greifen-die-Erde-an”-Film aufhört. Was fehlt ist nur das Happy-End. Anstatt die außerirdische Invasion in letzter Sekunde mit Heldenmut und einer cleveren Idee abzuwenden, sind die Menschen in “Falling Skies” hoffnungslos unterlegen. Die letzte Schlacht ging verloren, die Armeen sind zerschlagen, die Städte eingenommen – nur ein paar verängstigte Flüchtlingsgruppen irren heimatlos über den längst eroberten Planeten. Wo in Spielbergs “Krieg der Welten” noch ein Bakterium zur Rettung der Menschheit zitiert werden konnte, herrscht in “Falling Skies” die post-apokalyptische Depression.

Die aufwendig produzierte TV-Serie erzählt die Geschichte eines Flüchtlingszuges, der sich sechs Monate nach der Invasion aus dem zerstörten Boston zurückzieht, um im Umland Schutz, Nahrung und Waffen für den Widerstand zu finden. Im Zentrum der Handlung steht – wie sollte es bei Spielberg auch anders sein – eine Familie. Der durch die Wirren des Krieges zum Kämpfer gereifte Geschichtslehrer Tom Mason (Noah Wyle) muss als einer der Anführer der Überlebenden nicht nur für die Zukunft der Menschheit kämpfen, er muss sich nach dem Verlust seiner Ehefrau auch um das Seelenheil seiner Kinder kümmern. Die drohen nämlich langsam den Glauben an eine Zukunft zu verlieren. Sohn Ben wurde sogar von den invasiven “Skitters”, so werden die Außerirdischen in “Fallings Skies” genannt, mittels ekeliger Alien-Technologie zu einer willenlosen Arbeitsdrone gemacht. Ein furchtbares Schicksal, das alle Kinder und Jugendliche in “Falling Skies” teilen.

Was sich nach einer überaus appetitlichen Mischung aus “Krieg der Welten” und “Band of Brother” anhört, versagt nach nunmehr fünf Folgen gleich an mehreren Fronten. Für eine TV-Serie besonders ungünstig: Die Cast von “Falling Skies” ist zum überwiegenden Teil ein echter Griff ins Klo. Aus der faden Masse des schauspielerischen Mittelmaßes will niemand so recht hervortreten, um die dringend benötigte Identifikation mit den Überlebensschicksalen herzustellen. Zur Verteidigung der Schauspieler muss allerdings auch festgehalten werden, dass ihre Charaktere wenig spielbare Tiefe zulassen. Der grimmige Ex-Militär Captain Weaver (Will Patton) stellt zum Beispiel die Effizienz der Truppe über das Wohl der Zivilgesellschaft (schnarch) und die sanftmütige Ärztin Anne Glass ist, ehhh…. sanftmütig und Ärztin. Auch den bisher einzigen Schurken, den kochenden Überlebenskünstler John Pope (Colin Cunningham), hätte man sicher besser besetzen können.

Einzig Hauptdarsteller Noah Wyle gibt sich in der Rolle des nahkampftalentierten Militärhistorikers sichtlich Mühe, seine Zuschauer für den Kampf gegen die Alien-Übermacht zu inspirieren. Leider erinnert der aus “” bekannte Schauspieler dabei ein bisschen zu oft an seine Paraderolle des ewigen Nachwuchsarztes John Carter. Insbesondere in den (zahlreichen) Action-Szenen ist aber ein anderes Repertoire gefordert als im Kreissaal und das kann Noah Wyle nur bedingt bieten. Umso überzeugender ist Wyle dafür, wenn er die niedergeschlagene Rest-Menschheit mit schönen Allegorien zur Geschichte der Widerstandsbewegung wieder aufbauen darf.

Viel schwerer als die flachen Figuren in “Falling Skies” wiegt jedoch die Tatsache, dass Spielbergs neuestes Fernseh-Vehikel so verdammt harmlos daherkommt. Im Gegensatz zum eiskalten Horror, den der Altmeister zuletzt im “” mit einer kompromisslosen Darstellung der außerirdischen Eroberungs-Effizienz entstehen ließ, besteht “Falling Skies” bisher nur aus weichgespülten Genrestandards. Die Aliens und ihre Technologie bekommen zwar jede Menge Screentime, das wenigste davon ist allerdings angsteinflößend oder aufregend. Nur äußerst selten kommt mal das Gefühl akuter Bedrohung auf. Die vermeintlich aussichtlose Situation, die uns Spielberg und sein Zweit-Autor Robert Rodat (““) zeigen wollen, lässt sich so nie wirklich empfinden. Von den schrecklichen Entbehrungen und menschlichen Dramen eines “Walking Dead” ist “Falling Skies” zum Beispiel Lichtjahre entfernt.

Vielleicht entwickelt die Serie aber auch keinen echten Sog, weil das, was dort um sein Überleben kämpft, weniger mit echten Menschen zu tun hat als mit abstrakten Werten wie Freiheit und Demokratie. Untergebracht in einer John F. Kennedy High-School verbringen die Überlebenden der Apokalypse ihre Zeit mit der Bewahrung des amerikanischen Erbes. Das mag die sechs Millionen Zuschauer, die der Pilot in den USA vor den Fernseher lockte, interessieren – wer sich aber für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Alien-Apokalypse oder für das große Abenteuer interessiert, der sollte “Falling Skies” besser keine Chance geben.

Weitere Themen: Falling Skies, Die Abenteuer von Tim & Struppi, Catch Me If You Can, Der Weisse Hai, JURASSIC PARK (3D), Jurassic Park, Lincoln, Der Soldat James Ryan, Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn

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