Apple-Manager äußern sich zum vermeintlichen „Innovations-Stau“, iOS-Betas und mehr

Florian Matthey
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Apples Top-Management hat sich in einem ausführlichen Interview zu Wort gemeldet: Tim Cook, Eddy Cue und Craig Federighi erklären unter anderem, warum auch Apple nicht perfekt ist und wie eine Fehleinschätzung zum iOS-Public-Beta-Programm führte.

Apple-Manager äußern sich zum vermeintlichen „Innovations-Stau“, iOS-Betas und mehr

Fast Company hat sich ausführlich mit Apples CEO Tim Cook und den Senior Vice Presidents für die Bereiche Internet-Dienste und Software, Eddy Cue und Craig Federighi, über Apples jüngere Vergangenheit und Zukunft geäußert. In diesen Tagen müssen sich die Manager auch Kritik stellen – es handelt sich letztendlich um Luxusprobleme, aber: Aktuell sehen Apples Zahlen nicht so gut aus wie in den vergangenen Jahren. Zuletzt waren sowohl iPhone-Verkaufszahlen als auch der Umsatz rückläufig, viele Beobachter verlangen ein bahnbrechendes neues Produkt, wie es einst der iPod oder das iPhone war.

Eddy Cue räumt ein, dass man in der IT-Branche immer nur so gut ist, wie das jüngste Produkt: Heute wolle niemand mehr einen iPod der ersten Generation oder ein iPhone 3GS mehr haben. Innovationen seien jedoch meistens eine Verbesserung der jeweiligen Hardware und Software. Viele hätten zwar den Eindruck, dass Apple zur Zeit von Steve Jobs jedes Jahr ein bahnbrechendes neues Produkt herausgebracht habe. Schon damals sei eben das aber nicht der Fall gewesen: Die komplett neuen Produkte habe Apple über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt.

Tim Cook verweist darauf, dass Kritik an Apple und Negativprognosen durch Beobachter Teil seiner Arbeit seien, seit er vor 18 Jahren bei Apple angefangen habe. Er könne nicht einschätzen, ob Apple mehr Fehler mache als früher. Apple habe aber nie behauptet, perfekt zu sein – das Unternehmen gebe lediglich das Ziel vor, nach Perfektion zu streben. Manchmal erreiche man diese aber eben nicht. Oft würden Apples Produkte aber nicht an dem status quo gemessen, sondern daran, was vielleicht in Zukunft möglich sei oder was jemand anderes in Zukunft machen will. Letztendlich lese er selbst aber nicht alle Kommentare über Apples Geschäft.

Ein Produkt, bei dem Apple in jüngerer Vergangenheit weit von Perfektion entfernt war, sind die Apple-Karten: Als Apple diese mit dem iOS 6 einführte, musste das Unternehmen viel Spott für ein fehlerbehaftetes Kartenmaterial ertragen. Das Problem sei damals gewesen, dass Apple die Karten zwar intensiv intern testete – vor allem aber in der kalifornischen Heimat, wie Cue berichtet. Dort habe es jedoch keine Probleme mit dem Kartenmaterial gegeben.

Aus diesem Grund habe sich Apple seinerzeit entschieden, in Zukunft mehr auf Tests durch einen weiteren Personenkreis zu setzen – was zum Public-Beta-Programm des macOS und des iOS führte. Jetzt testen zahlreiche Menschen auf dem ganzen Globus neue Funktionen. Gleichzeitig habe Apple bei den Apple-Karten lernen müssen, dass ein solches Produkt ganz neue Arbeitsabläufe benötige: Federighi berichtet, dass das Unternehmen Kompetenzen aufbauen musste, die man vorher nicht für wichtig hielt. Digitale Karten benötigten ein ganz anderes Niveau an Datenintegration und Qualitätsüberprüfung von Daten.

Ein Bereich, in dem Apple früher kaum eine Rolle spielte ist der der Gesundheits- und Fitness-Produkte. Cook will, dass Apple Menschen in allen Lebensbereichen hilft – „ob man im Wohnzimmer sitzt, am Desktop-Rechner arbeitet, das Telefon benutzt oder im Auto sitzt“. Gesundheit sei für Apple ein komplett neuer Bereich gewesen, in dem man bereits große Fortschritte erzielt habe: Man habe sich zunächst den Bereich Wellness angesehen, dann „an der Schnur gezogen“, um zur Unterstützung von Forschung zu gelangen, dann weiter gezogen, um sich den Bereich Patientenunterstützung anzusehen. Dadrauf folgten dann wiederum weitere Bereiche.

Heute gibt es von Apple schon diverse Gesundheitsprodukte: Die Health-App im iOS, die Daten unter anderem über die Gesundheits-Sensoren der Apple Watch und dank der HealthKit-Programmierschnittstelle auch über Geräte von Drittherstellern sammelt. Außerdem die Programmierschnittstelle ResearchKit, mit der Wissenschaftler mit Hilfe von Apples Produkten Gesundheitsstudien durchführen können. Offenbar plant Apple gerade in diesem Bereich noch weitere Produkte.

Fast Company verweist dadrauf, dass das Gesundheitsgeschäft insgesamt einen globalen Umsatz von 9 Billionen Dollar erziele. Wenn Apple von diesem Kuchen nur einen Prozent abschneiden könnte, wären das 90 Milliarden Dollar. Selbst für Apple wäre das ein ziemlich gutes Geschäft.

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WWDC 2016 – iOS 10

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