Apple Store Angestellter - Offener Brief an Tim Cook

Ralf Bindel
34

Die knapp 360 Apple Stores weltweit sind ein Musterbeispiel für erfolgreiche Kundenansprache. Sie sehen nicht nur schick aus, die Angestellten sollen auch dafür sorgen, dass sich die Besucher mehr als wohl fühlen. Doch immer mehr Store-Arbeiter sprechen über den zunehmenden Druck und die geringe Wertschätzung bei ihrer Arbeit. Das beklagt Ex-Mitarbeiter Chad Ramey in einem offenen Brief an Apple Chef Tim Cook.

Apple Store Angestellter - Offener Brief an Tim Cook

“Wenn Sie wirklich an der Zukunft des Apple-Store-Geschäfts interessiert sind, kehren Sie zu der Basis ihrer Gründung zurück“, beendet Ramey seinen Brief. “Schaffen Sie eine Atmosphäre, wo Beschäftigte sich erwünscht und benötigt fühlen. Gehen Sie zurück zu den Tagen, als Verkauf und Support auf den Kunden ausgerichtet waren und nicht auf das Endergebnis. Wenn nicht, verlieren Sie weiterhin einige der größten und talentiertesten Kräfte ihrer Mitarbeiter.“

Ramey ist nicht der erste und einzige Store-Mitarbeiter, der sich über die Arbeitsbedingungen bei Apple beschwert. Neu scheint aber zu sein, dass trotz des hohen Pro-Kopf-Verkaufsumsatz pro Mitarbeiter, der Druck auf die Angestellten weiter anzieht. Chad Ramey, 39 Jahre, Apple-Genius im Arrowhead-Store im US-Bundesstatt Arizona, hatte selbst gekündigt, allerdings auf Druck der Store-Führung. Daraufhin schrieb er den Brief an Tim Cook, um ihm einerseits für die Erfahrung zu danken, ihn andererseits aber vor den Auswirkungen des Wandels innerhalb der Stores zu warnen.

Aus einer lebensbereichernden Aufgabe sei eine lebensbelastende geworden, von Leidenschaft sei nicht mehr viel zu spüren, die Angestellten würden ausgesaugt werden, und weder Kunden noch Mitarbeiter würden respektiert werden. Einst ein spektakulärer und wunderbarer Verkäufer, sei Apple nun eher Kisten-Schieber wie die Discounter Best Buy oder Walmart.

Ramey beklagt, dass das Erlernte in den Verkaufstrainings keine Bedeutung mehr habe, Apple nicht wie früher seine Angestellten als Menschen sondern wie austauschbare Nummern behandele. Es würden von den Mitarbeitern immer mehr gleichzeitige Aufgaben und Aktionen verlangt, so dass sie sich kaum noch mit den eigentlichen Belangen des Kunden beschäftigen könnten. Und das bei abnehmender Mitarbeiter-, zunehmender Kundenzahl und ohne Ausgleich. Im November hatte Apple das verkäuferlose Bezahlen per iPhone in den Stores eingeführt. Das neue “Easy Pay” war von den Mitarbeitern als “Easy Theft” mit noch mehr Aufwand bezeichnet worden.

Rameys Brief ist ähnlich dem des Michigan-Genius Kevin T., der im letzten Juli sich mit seinem Bericht über zunehmende Arbeitsbelastung an die Öffentlichkeit wandte. Als Reaktion auf die wachsende Unzufriedenheit der mehreren Tausend Apple-Store-Mitarbeiter hat sich die Apple Retail Workers Union gegründet. Die schreibt in ihrem Neujahrsgruß, dass es zahlreiche Klagen über mangelnde Pausenpläne, geringe Bezahlung und keinen Ausgleich für höhere Lasten und in manchen Stores sogar seitens der Leitung Verstöße gegen geltende Arbeitschutzgesetze gäbe.

Um so mehr freut sich die noch junge Apple-Verkäufer-Gewerkschaft über den Eintritt der Deutschen in die Mitbestimmung: Im Dezember haben Mitarbeiter des Apple Store Rosenstraße in München eine Mitarbeiterversammlung gebildet, unterstützt von Ver.di und anerkannt von Apple. Der Münchener Store war der erste in Deutschland von mittlerweile acht. In diesem Monat wollen die Mitarbeitervertreter mit ihrem Arbeitgeber über bessere Bedingungen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen verhandeln.

Bild: Apple-Store-Mitarbeiter in Chicago mit iPad 2, JaceHallShow

Weitere Themen: Apple Store

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });