Tim Cook im Interview: Steve Jobs, Apple Watch und Apple Campus 2

Florian Matthey
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Tim Cook hat sich in einem ausführlichen Interview zu seiner Arbeit geäußert. Der Apple-CEO sprach über die Firmenphilosophie, Steve Jobs, die Erfolgschancen der Apple Watch und den Apple Campus 2.

Tim Cook im Interview: Steve Jobs, Apple Watch und Apple Campus 2

Die Website Fast Company hatte erst in der Nacht zum Mittwoch Auszüge des neuen Buchs “Becoming Steve Jobs” veröffentlicht, das ebenfalls zahlreiche Zitate von Tim Cook enthält. Einen Tag später folgt nun ein ausführliches Interview direkt mit dem Apple-CEO.

Cook spricht unter anderem über Steve Jobs’ Vermächtnis in der Firma: Jobs habe geglaubt, dass die meisten Menschen “in einer kleinen Box” lebten und glaubten, dass sie viele Dinge nicht beeinflussen oder ändern könnten. Stattdessen sollte man den Glauben haben, dass es keine Grenze für die Dinge gibt, die man tun kann. Dann könne man “die Welt verändern”.

Außerdem müsse der Fokus darauf liegen, das bestmögliche Produkt zu erstellen – und nicht primär, möglichst viel zu verkaufen. Letzteres sei die übliche Herangehensweise in der IT-Welt, die Cook auch in seiner Zeit bei Compaq gekannt habe. Seit seinem Wechsel zu Apple im Jahr 1998 habe er gelernt, anders zu denken.

Auch bei der Apple Watch habe Apple zuerst evaluiert, was für Technologien für ein entsprechendes Gerät verfügbar sind, ob Apple diese Technologien beherrschen könne und ob mit dem Gerät ein spürbarer Beitrag für die Gesellschaft möglich sei. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, steige Apple nicht auf einen neuen Markt ein.

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Die Apple Watch sei insofern besonders, weil Apple die Benutzeroberfläche an die Voraussetzungen eines kleinen Displays angepasst habe – mit dem “Krone”-Bedienungsrädchen und der Touchscreen-Technologie Force Touch. Auch habe sich Apple – wie immer – erst zur Veröffentlichung entschieden, als das Produkt wirklich fertig war.

Wie bei früheren Produkten – iPod, iPhone und iPad – seien viele Beobachter skeptisch, ob Apple mit dem neuen Gerät Erfolg haben könnte. Der iPod sei nicht der erste MP3-Player, das iPhone nicht das erste Smartphone und das iPad nicht das erste Tablet gewesen, jedoch habe es sich jeweils um das erste moderne Gerät der Kategorie gehandelt. Cook glaubt, dass die Apple Watch die erste moderne Smartwatch ist.

Zwar bestehe dadurch, dass für die Apple Watch ein iPhone 5(s), 6 oder 6 Plus Voraussetzung sei, eine Grenze für den möglichen Erfolg. Trotzdem glaube Cook, dass sich das Gerät gut schlagen werde. Eine wichtige Rolle würden hierfür auch die Entwickler spielen.

Apple ist dafür bekannt, Kunden komplett durchdachte Produkte “aus einem Guss” zu bieten. Da es mittlerweile viele verschiedene Produkte – Mac, iPhone, iPad und bald Apple Watch – gebe, müsse auch das Zusammenspiel entsprechend abgestimmt sein.

Was Apples Philosophie laut Cook hier von der des Mitbewerbers Microsoft unterscheidet ist die Tatsache, dass Apple keine Hemmungen habe, sich von Dingen zu lösen, um Produkte zu verbessern – er nennt das Diskettenlaufwerk, optische Laufwerke und den 30-Pin-Dock-Anschluss als Beispiel. Das Zusammenspiel der einzelnen Geräte sei zwar komplex; entscheidend sei aber, dafür zu sorgen, dass diese Komplexität dem Kunden verborgen bleibt und ihn nicht stört.

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Bezüglich Apples Arbeitsweise erklärt Cook, dass auch unter Jobs der Schlüssel des Erfolges schon in der Kollaboration verschiedener Teams bestanden habe. Jobs habe zwar die Fähigkeit gehabt, sich um unheimlich viele Dinge selbst zu kümmern; er sei sich aber bewusst gewesen, nur eine einzelne Person zu sein. Wichtig sei gewesen, welche Personen er ausgesucht habe – und dass er diesen etwas beibringen konnte. Cook hält Jobs für den besten Lehrer, den er je hatte.

Apple werde immer größer, was es schwieriger mache, effektiv, schnell und unbürokratisch zu handeln. Deswegen sei es wichtig, sich um effektive Kollaboration zu kümmern, und dabei werde auch der neue Apple Campus 2 eine wichtige Rolle spielen: Apples Mitarbeiter seien aktuell über hunderte Gebäude verteilt, weil das Unternehmen unvorhergesehen groß geworden sei. Mit dem neuen Campus werde es häufiger geschehen, dass sich Mitarbeiter auch außerhalb von Meetings – in der Cafeteria oder unterwegs auf dem Flur – treffen. Solche Begegnungen seien wichtig für die Zusammenarbeit.

Bei der Auswahl neuer Mitarbeiter schaue Apple bereits, ob die Person zum Unternehmen passt, wobei Apple gleichzeitig an Diversität glaubt. Durch Orientierungsmaßnahmen und die Apple University bilde das Unternehmen die Mitarbeiter dann fort. Das Top-Management habe dann die Aufgabe, “den Ton anzugeben”.

In vielerlei Hinsicht lebt so die von Steve Jobs geschaffene Philosophie fort – wobei sich Apple wie auch zu Jobs’ Zeiten lediglich “nur” an fundamentale “Werte” gebunden fühlt. Jobs habe seine Meinung oft geändert; “er war nicht mit einer Position oder einer Sichtweise verheiratet. Er war mit der Philosophie, den Werten verheiratet”, so Cook.

In gewisser Weise hat es eine gewisse Symbolik, dass Steve Jobs’ Büro mitsamt Namensschild nahezu unverändert in Apples Hauptgebäude verblieben ist. Cook berichtet, es hätte sich nicht richtig angefühlt, dieses Büro zu übernehmen, da Jobs eine unersetzbare Person gewesen sei. Wie Apple die Situation handhaben werde, wenn Ende 2016 der Umzug auf den neuen Campus ansteht, weiß Cook noch nicht.