Tim Cook, Jobs-Nachfolger auf dem Papier

Sebastian Trepesch

Der Apple-Chef eröffnet die Keynote – so war das meistens. Steve Jobs hat am 24. August in einem Brief erklärt, dass er sein Amt als CEO bei Apple niederlegt. Mit “Nachdruck” empfahl er Tim Cook als neuen Chef – dieser Empfehlung kam der Vorstand prompt nach. Wahrscheinlich betritt Tim Cook heute bei dem Apple Event also die Bühne. Er ist der Nachfolger von Steve Jobs auf dem Papier. Doch kann er es auch in seinem Handeln werden? Wer ist Tim Cook eigentlich?

“Der gnadenlose Langeweiler” – so bezeichnete der ehemalige Chefredakteur von macnews.de, David Andel, Tim Cook in einem Artikel. Warum?

Cook ist bei öffentlichen Auftritten langweilig und unsicher, hat eine ebenso zittrige wie quäkend-einschläfernde Stimme und scheint damit alles in allem so ziemlich genau das Gegenteil von Steve Jobs sein. Apples COO (Chief Operating Officer) unterhält sein Publikum nicht, macht beim Sprechen zu lange Pausen, betont falsch und wirkt auf Dauer gequält. Nach außen scheint der Mann eine PR-Katastrophe zu sein, den sich niemand längere Zeit an die Spitze Apples wünschen sollte und dem man das Halten von Keynotes daher auch meist erspart.

Nun ist also genau dieser Mann doch an die Spitze gekommen, und zwar sogar auf Anraten von Steve Jobs persönlich.

Damit beginnt eine neue Zeit bei Apple, beziehungsweise: Eigentlich hat diese Zeit bereits schon begonnen. Im Januar zog sich Steve Jobs bereits aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurück, aus gesundheitlichen Gründen. Jetzt hat er diesen Schritt nur noch auf Papier vollzogen.

Steve Jobs ist ein Charismatiker, ein Visionär. Einer, der Ideen und Vorstellungen zu komplett neuen Produkten entwickelt und den Entstehungsprozess bis ins kleinste Detail aktiv mitgestaltet. Einer Ingenieur, bei dem die Technik nur Mittel zum Zweck ist: Das Ergebniss muss stimmen!

Und sein Nachfolger? Ein komplett anderer Menschenschlag. Wie oben schon genannt lange nicht das versierte Unternehmensgesicht, das alle in den Bann zieht. Nein, er ist sachlich, nüchtern. Eher ein Buchhalter. Einer, der Master of Business Administration studierte und bei IBM im Logistik-Bereich Erfahrungen sammelte.

Tim Cook und Steve Jobs
Und genau im betriebswirtschaftlichen Bereich glänzte er ab 1998 im Unternehmen Apple. Er kümmerte sich um die Effizienz der Produktionsbereiche, Kostenreduzierungen, Personaleinsatz. Das klingt belanglos, doch zeichnete er sich für entscheidende Vereinbarungen und Kooperationen verantwortlich. Er kann aber nicht nur das, er kann den gesamten Konzern leiten. Das bewies er bereits 2004, 2009 und die letzten Monate.

Mit Tim Cook hat Apple also einen Lenker aus einem anderen Bereich am Ruder. Neue Produkte – wie von Steve Jobs – wird keiner von ihm erwarten.

Deshalb bleibt die Hoffnung, dass Apple die Philosophie des “Gurus” schon tief verinnerlicht hat. Dass in der Produktentwicklung lauter kleine Jobs arbeiten, die einfach bedienbare Produkte schön verpackt entwerfen.

Dann kann es funktionieren, dass ein BWLer wie Tim Cook an der Spitze von Apple steht.

Steve Jobs geht davon aus, dass es klappt. Er hat ja Tim Cook ausdrücklich empfohlen.

Viel Erfolg!

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