Tim Cook über Steve Jobs, AR, HomePod und Innovationsstau: „Am liebsten würde ich schreien.“

Florian Matthey
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Tim Cook hat sich in einem Interview zum Vermächtnis von Steve Jobs, Augmented Reality und die Siri- und Musik-Funktionen des HomePod geäußert – und darüber, ob Apple Innovationskraft verloren habe.

Tim Cook über Steve Jobs, AR, HomePod und Innovationsstau: „Am liebsten würde ich schreien.“

Steve Jobs ist Apples „Verfassung“

Die „DNA“ von Steve Jobs werde immer der Kern von Apple bleiben – das sagte der Apple-CEO in einem Interview von Bloomberg unter anderem über seinen Vorgänger. Cook wolle, dass das auch in 50 und 100 Jahren so sein werde, wer auch immer dann CEO ist. Mit „DNA“ meint er Jobs’ Hingabe für Details, die Hingabe, die Simplizität, der Fokus auf den Benutzer und das Benutzererlebnis, den Fokus darauf, das Beste zu erschaffen und dass „gut“ nicht „gut genug“ sei – Produkte müssten eben „insanely great“ sein, wie Jobs zu sagen pflegte. Cook vergleicht diese „Werte“ mit einer „Verfassung“ eines Staates: So wie die US-Verfassung sollten diese Werte sich nicht ändern, man sollte sie ehren.

HomePod-Fokus liegt auf Musik – weil Siri schon zu Hause ist

Bezüglich des HomePod wirft Bloomberg die Frage auf, warum Apple das Gerät vor allem als Musiklautsprecher und nicht als Siri-Hardware verkauft – immerhin legten andere Hersteller wie Amazon mit Echo einen Schwerpunkt auf ihren Spracherkennungsassistenten. Cook verweist darauf, dass Siri auf dem iPhone schon vor dem HomePod Teil des zu Hause gewesen sei – auch dank der Schnittstelle HomeKit. Wenn Siri ihn morgens wecke, sage er „Guten Morgen“ und schon gehen im Zimmer die Lichte ran. Das funktioniere alles mit dem iPhone, dafür brauche man kein HomePod.

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Introducing HomePod

Auch mit dem Apple TV habe man Siri schon in den eigenen vier Wänden nutzen können. Das sei alles nicht neu. Bisher habe man sich aber eben noch nicht so sehr auf die Musik zu Hause konzentriert. Eben diese Lücke soll HomePod schließen. Den Preis von – in den USA – 349 US-Dollar hält Cook für diese Aufgabe für nicht überholt: Auch beim iPod, iPhone und iPad seien seinerzeit die ersten Reaktionen gewesen, dass die Geräte überteuert seien. Wie bei diesen Geräten setzt Apple darauf, dass das HomePod etwas sei, von dem die Leute noch gar nicht wüssten, dass sie es haben wollen. Wenn sie das Gerät aber erst einmal ausprobieren, werde es sie umhauen.

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Augmented Reality: „Ich könnte schreien“

Cook kam auch – wieder einmal – auf die Möglichkeiten von Augmented Reality zu sprechen, die Entwickler mit iOS 11 dank Apples Schnittstelle ARKit ausnutzen können sollen. Bisher sind Entwickler tatsächlich über die Möglichkeiten der Plattform begeistert. AR sei für Cook so aufregend, dass er „am liebsten schreien“ wolle. ARKit sei der erste Schritt, um AR Teil des Mainstream-Benutzererlebnisses zu machen.

Man könne noch gar nicht vorhersagen, was Entwickler alles für Ideen haben werden. Es gebe aber schon Ideen mit konkreten praktischen Anwendungsfällen: Beispielsweise habe man mit IKEA über 3D-Bilder der Möbel der schwedischen Händlerkette gesprochen. Diese könnten iPhone- und iPad-Benutzer virtuell in ihrer neuen Wohnung platzieren, um entscheiden zu können, ob diese in Sachen Platz und Optik dorthin passen.

Cook über „Innovationsstau“-Vorwurf: „Wir wollen nicht die Ersten sein“

Cook äußert sich in dem Interview auch zu dem Vorwurf, dass Apple in den letzten Jahren – einige sehen einen Zusammenhang mit dem Tod von Steve Jobs – weniger innovativ geworden sei. Als Reaktion darauf betont der Apple-CEO, dass es Apple noch nie darum gegangen sei, etwas als Erster erfunden zu haben. Der iPod sei nicht der erste MP3-Player gewesen, das iPhone nicht das erste Smartphone, das iPad nicht das erste Tablet. Für Apple sei es wichtig, der Beste zu sein und Benutzern etwas zu geben, dass sie wirklich haben wollen und das einen Unterschied in ihrem Leben machen werde.

Tim Cook und Donald Trump sind „dramatisch anders“

Schließlich kam der Apple-CEO auch auf den Bereich Politik zu sprechen – unter anderem schlägt er vor, dass US-Unternehmen einen möglichst niedrigen festen Steuersatz – vielleicht von 15 bis 20 Prozent – zahlen sollten, ohne jegliche Abschreibungsmöglichkeiten zu haben. Auch für international erzielte Gewinne sollte dieser Steuersatz gelten. Bisher liege der Wert aber bei rund 40 Prozent – was Apple und andere davon abhalte, ihre Gewinne in die USA „zurückzuholen“.

Dies ist ein Punkt, der sowohl mit dem aktuellen als auch mit dem letzten US-Präsidenten für Konfliktpotential sorgt. Dass Cook den aktuellen nicht bevorzugt, ist kein Geheimnis: Er erklärt in dem Interview, dass Donald Trump „dramatisch anders“ sei als er selbst. Er hoffe, dass ein paar Bereiche gibt, in denen das anders sein werde. Ihm gefalle, dass sich Trump für Arbeitsplätze in den USA einsetzt. Das Paris-Klimaabkommen aufzukündigen, sei aber eine sehr schlechte Entscheidung gewesen.

Anders als beispielsweise der Tesla-Chef Elon Musk könne Cook aber nicht aus einem Beratergremium des Präsidenten zurücktreten – er sei nicht Mitglied eines solchen gewesen. Letztendlich sei es aber wichtig, das Gespräch aufrecht zu erhalten. Es gehe um Amerika, und auch ihm sei es wichtig, dass es Amerika gut gehe. Das sei wichtiger als „die verdammte Politik“.

Bloomberg hat bislang nur Highlights des Interviews mit Tim Cook auf der eigenen Website veröffentlicht. Das komplette Gespräch soll am 19. Juni im Magazin „Bloomberg Businessweek“ erscheinen.

Quelle: Bloomberg via 9to5Mac

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