Will der Apple-Chef US-Präsident werden?

Florian Matthey
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Tim Cook absolvierte letzte Woche eine USA-Tour – unter anderem, um ein Programm für lokale Bildungseinrichtungen zu starten. Ein Journalist stellte ihm daraufhin eine Frage, die die Gerüchteküche beschäftigt: Will der Apple-Chef US-Präsident werden?

Will der Apple-Chef US-Präsident werden?

Tim Cook äußert sich deutlich häufiger als sein Vorgänger Steve Jobs zu politischen Themen – und hat diese Tendenz in der jüngeren Vergangenheit sogar verstärkt. Im Interview mit der New York Times hat sich der Apple-CEO jetzt ausführlich zu Apples moralischer und gesellschaftlicher Verantwortung in den USA und in der Welt geäußert.

Ganz unabhängig von seiner wohl recht kritischen Haltung gegenüber der aktuellen Regierung erklärt Cook, dass US-Regierungen im Allgemeinen „weniger funktionsfähig“ geworden seien und nicht mehr in dem Tempo arbeiteten, das früher vorherrschte. Deswegen liege es nicht nur an der Industrie, sondern an allen Teilen der Bevölkerung, sich zu engagieren.

Apple habe nach seiner Auffassung eine moralische Verantwortung, dazu beizutragen, dass die Wirtschaft wächst, dass es mehr Arbeitsplätze gibt, dass man allgemein etwas zu diesem Land (also: den USA) beiträgt und zu allen anderen Ländern, in denen Apple tätigt ist. Es gebe wohl immer noch eine gewichtigere Gruppe, die glaube, dass seine einzige Verantwortung gegenüber der US-Börse an der Wall Street sei. Cook sieht das offenbar nicht so.

Und so hat der Apple-CEO letzte Woche Pläne für ein neues Datencenter in Iowa verkündet, das die dortige Wirtschaft stärken und Arbeitsplätze schaffen wird. Außerdem hat Apple Investitionen für Kurse an amerikanischen „Community Colleges“ verkündet, die Studenten Softwareentwicklung mit Apples Programmiersprache Swift beibringen sollen.

Apple habe sich bewusst für Community Colleges entschieden, die anders als Universitäten zwei- statt vierjährige Kurse anbieten und für viele Amerikaner ein Sprungbrett für reguläre Colleges sind: Über die Stärkung von Community Colleges könne Apple die Diversität in der Software-Branche stärken und andere Teile der USA erreichen. Bisher seien in der Branche nur wenige Teile der Bevölkerung in wenigen Teilen der USA – wie beispielsweise in Kalifornien – privilegiert.

Natürlich würde Apple davon profitieren, dass Studenten ausgerechnet die Programmiersprache Swift lernen – das räumt Cook selbst ein. Auch wenn er es sich anders wünsche, gäbe es Apps aber letztendlich dann doch meist für iOS und Android. Die Fähigkeiten, die Studenten in den Swift-Kursen erlernten, könnten sie ohnehin nutzen, um andere Programmiersprachen zu erlernen. Apple wolle damit nicht Geld verdienen, es handle sich um ein Geschenk.

Ein anderer Bereich, in dem Apple sich – sicherlich auch aus Gründen guter PR – einsetzt, ist der Umweltschutz. Cook verweist in dem Interview erneut darauf, dass Apple in den USA mit 100 Prozent erneuerbaren Energien arbeite und dies auch bereits in 23 anderen Ländern tue. Auch Apples neuer Campus „Apple Park“, der in diesem Video zu sehen ist, arbeitet in Sachen Energie komplett „grün“:

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Apple Park: Der neue Apple-Firmensitz im offiziellen Video

Als ein Beispiel für eine Zeit, in der die US-Regierung noch gut gearbeitet habe – und nicht Unternehmen solche Initiativen starten mussten – nennt Cook die Regierung des demokratischen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Dieser habe zahlreiche Gesetze auf den Weg gebracht – die Bürgerrechtsgesetzgebung, ein neues, inklusiveres Wahlrecht, Gesetze zu medizinischer Versorgung, die Eröffnung von Nationalparks, das „Head Start“-Programm für kompensatorische Erziehung sowie Gesetze gegen Diskriminierung bei Wohnungsmiete und der Zusammensetzung von Geschworenen vor Gericht. Egal, welche politische Ansicht man habe – man müsse erstaunt darüber sein, dass ein Präsident das alles in einer Amtszeit schaffen konnte.

Das lange Gespräch zur US- und Weltpolitik veranlasste den New-York-Times-Journalisten Andrew Sorkin dazu, dem Apple-Chef dann eine sehr direkte Frage zu einem Gerücht zu stellen, das – ebenso wie über den Facebook-CEO Mark Zuckerberg – die Runde macht: Könnte es sein, dass Cook selbst US-Präsident werden möchte? Seine Antwort fällt eher negativ, aber doch nicht kategorisch verneinend aus: „Ich habe einen Vollzeitjob. Aber ich schätze das Kompliment. Wenn das ein Kompliment sein sollte.“

Quelle: New York Times via 9to5Mac