Woodkid: “The Golden Age” – Album-Kritik: Vom epischen Assassin’s-Creed-Soundtrack zum Orchester-Remix

Beschreibung

Vor zwei Jahren war da dieser E3-Trailer von Assassin’s Creed: Revelations, zu dem eine epische Musik aus Orchester und elektronisch geschulten Rhythmen lief. Der Track “Iron” von Woodkid wurde inzwischen 20 Millionen Mal auf YouTube angehört, und nun ist endlich sein Debüt “The Golden Age” erschienen, das die Zauberformel des Franzosen auf Albumlänge erweitert.

Dabei ist Woodkid aka Yoann Lemoine vor allem als Regisseur von Musikvideos im Geschäft: Für Rihanna, Katy Perrys “Teenage Dream“ oder Lana Del Rays „Born To Die“ lieferte er spektakuläre Clips ab. Aber auch die Videos zu seiner eigenen Musik sind Meisterwerke, wie eben “Iron”, das 2011 auf einer EP erschien:

Den Song hatten wir schon auf den Spitzenplatz der besten Songs aus Games/-Trailern 2011 gewählt und Woodkid und sein Debüt-Album in die Liste der kommenden Stars 2012 geschrieben. Jetzt hat es doch ein paar Monate länger gedauert und “Golden Age” ist am vergangenen Freitag erschienen.

Und vollkommen unzeitgemäß liefert der Franzose ein echtes Album ab, was nicht über einzelne Singles funktioniert, sondern sogar ein Gesamt-Konzept besitzt. In 14 Songs verfeinert Lemoine seine Rezeptur aus Pauken, Trompeten, Streichern und Rhythmen, wie man sie eher aus Remix-Formaten kennt – mal nervös, mal stampfend, mal gebrochen, mal schleppend. Und formuliert darin auch einige echte, zerbrochene Pop-Balladen, mit Klavier oder Orgel und einem ganz ganz großen emotionalen Bogen. Wie z.B. bei “I Love You”:

In anderen Tracks verweist Woodkid auf klassische liturgische Formen wie bei “Stabat Mater”, schlägt ein Western-Sujet an (“The Great Escape”) oder bringt bei “Run Boy Run” einen schlagenden Schreibmaschinenbeat mit Coldplay-Hymnen zusammen.

Dazu kommt diese Stimme, die vielleicht nicht ganz so ausdrucksstark wie die eines Thom Yorke oder Antony Hagerty ist, aber doch sehr eindringlich und gut zu diesen orchestralen Arrangements passt (wenn man jetzt keine Opern-Arien erwartet).

Woodkid: The Golden Age
Fazit: Woodkid “The Golden Age”

Auf der einen Seite erschafft Woodkid mit “The Golden Age” einen Soundtrack zu einem Film oder Spiel, die erst noch geschrieben werden müssen, aber nichts weniger als episch werden. Auf der anderen Seite fühlt sich Woodkid an wie ein Solo-Elektro-Projekt, das aber mit den Mitteln eines großen Orchesters arbeitet. Ergreifende Down-Tempo-Songs und ein Ideenreichtum in Rhythmus und Arrangement machen “The Golden Age” zu einem Ausnahmealbum, für das man allerdings auch in Stimmung sein muss.

“The Golden Age” und

Und so sieht das dann live aus, wenn Woodkid mit Orchester auftritt:

Woodkid – Baltimore’s Fireflies & Stabat Mater (Live @ Le Grand Rex, Paris FR) from WOODKID on Vimeo.


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