Schenker XMG U726 im Test: Mehr Gaming-Desktop-Replacement geht nicht

Robert Kern
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Schenker XMG U726 im Test: Mehr Gaming-Desktop-Replacement geht nicht

Keine Kompromisse mehr! Das Schenker XMG U726 entlehnt sein Innenleben in Form des Skylake Intel Core i7-6700-Prozessors und einer Nvidia GTX 980-Grafikkarte aus dem High-End-Desktop-Bereich. Mit 4K UHD-Display schlägt das Schwergewicht aber auch ein 4000 Euro tiefes Loch ins Portemonnaie.

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Schenker XMG U726 Testfazit

Mobile Leistung kostet eben deutlich mehr, insbesondere im High-End-Segment

„Wer kauft denn so ein teures Notebook?“, werden Tests von leistungsstarken Desktop-Replacement-Systemen in der Regel kommentiert. „Dafür bekomme ich einen Desktop mit zwei Grafikkarten, einen 55-Zoll 4K-Fernseher und ein Ultrabook“, wird daraufhin auch sehr schnell bestätigend von den Milchmädchen die Rechnung aufgemacht. Wer nicht auf Mobilität angewiesen ist, kann für das 4000 Euro-Preisschild des Schenker XMG U726 wenig Verständnis aufbringen. Aber es gibt auch für diese sündhaft teuren Desktop-Ersatzsysteme eine Käuferschaft.

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Studenten mit reichen Eltern beispielsweise, die bauen nicht für den Wochenend-Heimaturlaub extra den PC auf und ab. Das gleiche gilt für Bundis und Kasernen, für Ingenieure auf der Bohrinsel oder auf Montage, für Außendienstler beim Hotel-Hopping: Es finden sich genug Hardcore-Gamer mit dicker Brieftasche und wenig Kompromissbereitschaft, wenn es um die Grafikdetails aktueller Blockbuster geht. Im Zug wird man das 5 Kilo schwere Schenker XMG U726 wohl eher nicht für eine Battlefront-Session auspacken. Mit einer knappen Stunde Laufzeit reicht der Akku nicht mal für die Strecke Berlin-Hamburg oder umgerechnet zwei Kampfläufer-Angriffe – „mobiles Gaming“ darf man hier nicht ganz so wörtlich nehmen.

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Dafür kann man mit dem XMG U726 seine Desktop-Power überall auspacken, jeder Schreibtisch mit einer Steckdose ist eine potenzielle Gaming-Zentrale. Das ist die eine Erklärung für das saftige Preisschild des XMG U726: Mobile Leistung kostet einfach mehr. Die andere: Im absoluten High-End-Bereich driften Preis- und Leistung in der Regel immer stärker auseinander. Gegenüber Gaming-Notebooks der Mittelklasse kostet dann halt jedes Quäntchen mehr Performance gleich überproportional mehr. Was gut betuchte Käufer mit dem Schenker XMG U726 für ein Monster bekommen, wollen wir uns im Test näher anschauen.

Wuchtige 5 Kilo Kampfgewicht und Entscheidungsfreiheit bis 8.000 Euro

Schenkers XMG U726 wirkt äußerlich wie ein Sumo-Ringer unter den Notebooks, welcher unter der Haube das Zeug zu Usain Bolts 100 Meter-Rekordsprints trägt: Mit Netzteil knackt das Gerät die 5-Kilo-Marke und von den Abmessungen her überfordert es gängige Rucksäcke. Da muss es schon eine Kraxe sein für den Transport zur LAN-Party. Zieht man aber den Fußabdruck eines normalen Desktop-PCs inklusive Monitor, Soundsystem und Tastatur auf dem Schreibtisch zum Vergleich heran, sieht die Gleichung schlagartig ganz anders aus – dann bekommt man mit dem XMG U726 nämlich eine Menge Leistung und Ausstattung pro Kubikzentimeter geboten.

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Das Gehäuse kommt vom taiwanesischen Unternehmen Clevo (P870DM), dort wird das Grundgerüst für sogenannte „Rebrands“ gefertigt. Schenker hat als Built-to-Order Hersteller seine Vorstellungen einfließen lassen, entscheidet über die Komponenten-Auswahl und bietet als Leipziger Unternehmen einen in Deutschland angesiedelten Support.

Built-to-Order bedeutet, dass die Auswahl von Komponenten auch vom Endkunden getroffen werden kann. Schenker liefert ein Basismodell für 2.550 Euro und empfiehlt eine Konfiguration für 3.340 Euro. Schöpfen wir alle Optionen und die Garantie voll aus, kommen wir auf 7.710 Euro ohne Zubehör. Da ist jetzt noch kein XXL-Rucksack für 18-Zoller dabei, mit Maus und T-Shirt sind die 8.000 Euro dann auch schnell voll. In der Vollausstattung finden sich dann aber auch zwei brandneue SSDs mit 2 TB Kapazität zu je 1.000 Euro. Weil wir es uns wert sind.

Muss ja nicht sein, aber die Wahlfreiheit ist für viele Käufer ein starkes Argument und erlaubt Fragen wie: Nvidia G-Sync mit FullHD oder lieber 4K-UHD-Display ohne G-Sync? Zwei Nvidia Geforce GTX 970M Grafikkarten im SLI-Verbund oder lieber das Desktop-Monster GTX 980 für 264 Euro Aufpreis? Intel Core i5-6600 mit 65 Watt Abwärme oder aber gleich die Overclocking-CPU Intel Core i7-6700K mit offenem Multiplikator, die dann aber ganz schnell mehr als 91 Watt verbraucht?

Kantige Optik mit Understatement und Anschluss-Overkill

Egal, wie viel Power und Geld man in den Schenker XMG U726 steckt, die Leistungsfähigkeit lässt sich nur durch die Abmessungen erahnen. Das Aluminium für den Displaydeckel und Innenraum, LED-Beleuchtung für Deckel und Tastatur, Lüftergitter am Heck und die Anschlussvielfalt an den Gehäuseseiten verraten schon mal: Billig war es nicht. Sieht man als Nutzer von einer quietschbunten Beleuchtung ab, darf das mattschwarze, kantige Chassis sogar als schlicht bezeichnet werden. Als Kreativer im Filmschnitt, Compositing oder 3D-Design schindet man Eindruck mit dieser Workstation, Schenker und Clevo halten sich mit diesem gewissen Understatement den Einsatz im professionellen Bereich offen. Manch anderer Gaming-Laptop verursacht da mehr Erklärungsbedarf mit seinem verspielten Design und „Bling-Bling“.

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Dass es sich beim Schenker XMG U726 um eine „get shit done“-Maschine handelt, zeigen auch die vielen Anschlussmöglichkeiten: Welches Notebook bietet sonst zwei Gigabit-LAN-Ports? Fünfmal USB 3.0, ein USB-Type-C 3.1 mit Thunderbolt 3 und zwei DisplayPorts sprechen eine deutliche Sprache. Der HDMI-Ausgang auf der Rückseite arbeitet mit dem HDMI 2.0 Standard und kann so auch 4K-Inhalte bei 3.840×2.160 Pixel und 60 Bildern pro Sekunde ausgeben. Bei 2.560×1.600 Pixel sind es sogar 120Hz, auch für die beiden DisplayPorts. Insgesamt kann man mit dem XMG U726 schon eine kleine Kommando-Zentrale aufbauen, ganze vier Displays inklusive dem am Notebook können gleichzeitig betrieben werden. Wohlgemerkt: Mit 4K-Auflösung. Nutzt man nur FullHD-Bildschirme in Reihe über die DisplayPorts, sind es sogar noch mehr.

Damit man auch drahtlos flott unterwegs ist, sollte es schon ein Dualband WLAN-Modul sein. Vier separate Audiobuchsen inklusive optischem S/PDIF Ausgang, ein Kartenleser und eine 2 Megapixel-Webkamera vervollkommnen die Ausstattung.

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Das Touchpad erlaubt angesichts der enormen Pixelmenge flotte und präzise Navigation, zudem integriert es einen Fingerabdruckscanner für sichere Anmeldungen. Mit der Tastatur im klassischen Layout müssen sich Vielschreiber erst anfreunden. Die Tastenzwischenräume entstehen im Gegensatz zum Inseldesign bei Chiclet-Tastaturen nur durch Abschrägungen der aneinander liegenden Tasten. Der Druckpunkt ist deutlich und mit der konfigurierbaren Hintergrundbeleuchtung kommt nicht nur Disko-Feeling auf, im Dunkeln findet man die Tasten auch leichter.

Knackiges 4K-Display, satter Sound und Wahnsinns-Performance

Nun hat man also tief in die Tasche gegriffen und sich diesen Schenker XMG U726 Alleskönner geholt – was darf man erwarten und gibt es Enttäuschungen? Die erste Begegnung mit dem 17,3-Zoll IPS-Display in unserem Testmodell hinterlässt einen sehr guten Eindruck: Satte 3.840 x 2.160 Bildpunkte fasst das matt beschichtete Panel von AU Optronics, die Darstellung ist knackscharf, hell und kontrastreich. Die Farben wirken ein wenig übersättigt, wir bemerken eine hohe Blickwinkelstabilität.

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Was wir so auch nach Erfahrung mit zahlreichen Gaming-Notebooks nicht erwartet hätten, sind die kraftvollen Foster-Lautsprecher. Bei der beeindruckenden vollen Lautstärke kratzen die Brüllwürfel zwar deutlich wahrnehmbar, nimmt man den Pegel etwas zurück, dann ergibt sich ein ausgewogeneres Klangbild. Frühere Gaming-Systeme setzten zwar auch schon auf 2.1-Lautsprecher mit Subwoofer, zwischen Bässen und Höhen klaffte jedoch meist eine Lücke, die der Sound des XMG U726 nun schließt. Im aktuellen Star Wars Multiplayer-Spiel Battlefront zischen uns die Blaster und Ionen-Torpedos nur so um die Ohren.

Noch beeindruckender als der Sound ist die Ingame-Optik. Im Schenker XMG U726 kommt mit dem Intel Core i7-6700 Quadcore Prozessor und der Nvidia GTX 980 Grafikkarte High-End Desktop-Hardware unter. In der Full HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel darf man mit unserer Ausstattung in den meisten Spielen alle Detail-Regler auf Anschlag stellen. Auch in 1440p läuft Battlefront mit durchgängig 60 FPS und damit butterweich, wie es sich für einen Multiplayer-Shooter gehört. Für die native 4K-Auflösung von 3.840×2.160 Pixel reicht die Performance nicht ganz, aber das wäre auch zu viel des Guten. Dafür braucht es Grafikkarten vom Schlage einer Nvidia Geforce GTX Titan X oder gleich zwei GTX 980 im SLI und dass man dieses Setting für ein Notebook überhaupt in Betracht zieht, sagt schon einiges. Bei dieser gewaltigen Pixelmenge müssen die Details dann doch auf das Setting „Hoch“ reduziert werden. Analog zu Battlefront erfordert auch Fallout 4 die Stufe „Hoch“ in der 4K-Auflösung, um etwas mehr als 30 FPS zu liefern.

Benchmark-Resultate

Benchmark Schenker XMG U726 Acer VN7-572G (V Nitro)
Valley Basic 4993 (119,3 FPS) 1510 (36,1 FPS)
Valley Extreme HD 2762 (66,6 FPS) 519 (12,4 FPS)
Cinebench R15 (CPU / Open GL) 817 / 130,83 301 / 132
PCMark 08 (Home) 4298 3732

Mit der leistungsstarken Desktop-Hardware im Notebook-Formfaktor darf natürlich nicht nur gespielt werden. Unser Testgerät trägt 16 GB DDR4-Arbeitsspeicher, in Verbindung mit der Intel Core i7-6700 Desktop-CPU und der 256 GB Samsung SM951-SSD ergeben sich auch professionelle Anwendungsmöglichkeiten. 4K-Filmschnitt, 3D-Modelling und Rendering kann man hier anführen. Für Bildbearbeitung braucht es in der Regel weniger starke Komponenten, der erweiterte Farbraum des Displays ist hier aber von Vorteil.

Fazit: Wers braucht, darfs kaufen

Für die spitze Zielgruppe, die kompromisslose und transportable Desktop-Leistung verlangt, hat Schenker mit dem XMG U726 das passende, wenn auch nicht ganz günstige Angebot. Gehäusequalität, Display, Sound, Anschlussvielfalt und nicht zuletzt die für ein Notebook monströse Performance sind gute Argumente. Dazu kommt die Wahlfreiheit für fast alle Komponenten – der mobile Desktop kann so individuell zusammengestellt werden.

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Natürlich sind 3.300 Euro aufwärts für eine sinnvolle Konfiguration eines Notebooks kein Pappenstiel. Ganz sicher laufen 99 Prozent aller PC-Nutzer eher zum 15-Zoll-Mainstream-Regal oder kaufen sich einen für 600 Euro gut ausgestatteten ALDI-Desktop. Wer bereit ist, den Preis für ein Desktop-Replacement wie das XMG U726 zu bezahlen, weiß jedoch sehr genau, worauf er sich einlässt. Die Hardware leistet sich keine Schwächen. Obwohl es mit 5 Kilo zwei Pfund mehr auf den Rippen hat als der Durchschnitt in dieser Kategorie, verzeiht man dem XMG U726 das hohe Gewicht aufgrund der überzeugenden Ausstattung und Konfigurierbarkeit. Wie bewertet man diese Art von Mobilität am besten? Es finden sich wenige Notebooks, die noch schwerer sind aber auch nicht viele, mit solch mobiler High-End Leistung.

Unsere Test-Wertung zum Schenker XMG U726:

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Tastatur / Trackpad: 4/5
  • Konnektivität: 5/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamt: 86 %

XMG U726 Testnote

Pro

  • High-End Desktop Performance
  • Gutes 4K-Display
  • Satte Anschlussvielfalt
  • Kräftiger Sound
  • Solides Gehäuse, individuell konfigurierbar

Kontra

  • 5 Kilo Gewicht
  • Hoher Preis

Bildergalerie XMG U726

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