Der gewisse Kik

Fast hätte man glauben können, es gäbe genug Software- und Protokollvarianten, um kurze Texte miteinander auszutauschen, doch sind SMS, Chat-Dienste aller Couleur, Twitter, Facebook und die guten alten E-Mails wohl immer noch zu eingeschränkt, um dem steten Drang nach totaler Kommunikation gerecht zu werden.

Was eine Handvoll Kanadier mit Kik erreicht haben, ist durchaus beeindruckend. Im November 2010 startete man den neuen Messaging-Dienst, kam schnurstracks auf drei App-Downloads die Sekunde und konnte bis Jahresende schon drei Millionen Kunden verbuchen – bereits nach zwei Wochen hatte man die erste Million überschritten.

Das Prinzip, das Kik dabei verfolgt, entspricht in etwa dem des BlackBerry Messengers, mit dem Unterschied allerdings, dass es plattformübergreifend und ausgerechnet nicht für den BlackBerry verfügbar ist. Die aktuell verfügbaren Systeme sind iOS und Android, wohingegen BlackBerry-Hersteller RIM den unerwarteten Messenger-Konkurrenten Kik zunächst im eigenen Store willkommen hieß, um ihn kurz darauf zu verklagen.

Die Argumente, die für den neuen Über-Messenger sprechen, sind durchaus überzeugend. So weiß man beispielsweise nicht nur, dass eine Nachricht versendet wurde, sondern man erfährt es auch unmittelbar, sobald diese empfangen oder gelesen wurde – ein absolutes Paradies für Kurzmitteilungs-Junkies. Mit Kik schließt sich auf einfache Weise einer der letzten Ausstattungslücken gegenüber der BlackBerry-Plattform, seit Anfang des Monats ermöglichen die Betreiber zusätzlich zur Textkommunikation auch den Austausch von Fotos und die Gruppenkommunikation mit bis zu zehn Personen gleichzeitig.

Der Erfolg des Herstellers ist bemerkenswert, erst jüngst erhielt er eine weitere Geldspritze in Höhe von acht Millionen US-Dollar von seinen Kapitalgebern RRE Ventures, Spark Capital und Union Square Ventures. „Das Produkt ist schnell, so verdammt schnell, weit schneller als alles andere auf dem Markt ... Schaut man auf eine Liste mit zehn Dingen, die eine Web App braucht, so fängt diese mit Geschwindigkeit an.“, meint Investor Fred Wilson von Union Square Ventures, der mittlerweile auch dem Vorstand von Kik angehört.

Natürlich stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Warum des Ganzen. Ganz einfach, fürs Kommunizieren per Kik sind im Gegensatz zu SMS keine zusätzlichen SMS-Tarife oder -Kontingente erforderlich, denn alles läuft per TCP/IP – es braucht für unterwegs also nur einen reinen Datentarif, zuhause reicht die AirPort-Verbindung. Dass das System auch an Ländergrenzen nicht Halt macht, dürfte selbstverständlich sein. Wer also immer schon die totale Kommunikation gesucht hat (der Verfasser dieser Zeilen ganz bestimmt nicht), dem kann mit Kik geholfen werden.

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