Obama kritisiert iPad und fordert Medienkompetenz

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In einer Rede vor der Abschlussklasse der Hampton Universität hat sich US-Präsident Barack Obama ungewohnt kritisch über die Medien und moderne Unterhaltungsgeräte geäußert: “Ihr lebt in einer Zeit, in der wir rund um die Uhr von einer Medienlandschaft umgeben sind, die uns mit allen möglichen Inhalten bombardiert und unterschiedlichsten Sichtweisen aussetzt, von denen nicht alle den höchsten Wahrheitsgehalt haben.” Im Zusammenspiel mit iPod, iPad, Xboxes und Playstations verkomme Information zur bloßen Zerstreuung, Ablenkung oder Unterhaltung, statt ein Hilfsmittel für soziale Kompetenz und Emanzipation zu sein, sagte Obama.

Die provozierende Aufzählung der Gadgets von Apple, Microsoft und Sony bleibt nicht ohne Folgen. Marek Hoffmann schreibt zum Beispiel auf “Basic Thinking“. “Wie glaubwürdig ist solch ein Statement eines Mannes, der die eben kritisierten Gadgets vor gar nicht allzu langer Zeit noch für seine eigenen Zwecke benutzt hat?” Obama hatte im Rahmen seines Wahlkampfes virtuelle Wahlplakate in Videospielen für Microsofts Xbox untergebracht, die auf seine Seite “voteforchange.com” führten. Entsprechend schonungslos gehen die US-Blogger mit Obama um. Max Read von “Gawker” etwa unterstellt dem Präsidenten, er setze iPad und Terrorismus gleich, da beides die Demokratie gefährde.

Tatsächlich war es wenig geschickt von Obama, diese Liste von Gadgets aufzuzählen und im gleichen Atemzug auch noch zu behaupten: “Ich habe keine Ahnung, wie diese funktionieren.” War es nicht Obama, der angeblich ohne Blackberry nicht leben kann? Und war er es nicht, der der britischen Queen einen iPod geschenkt hat?

Einmal ins vermeintliche Fettnäpfchen getreten, geht die eigentliche Aussage des US-Präsidenten in der Medienkritik unter. Im weiteren Verlauf der Rede sagt Obama deutlich, dass sich das Medien-Bombardement und die Vermischung von Information und Unterhaltung natürlich nicht aufhalten lasse. “Aber wir können diese Entwicklung kanalisieren, gestalten und anpassen. Das geht nicht ohne vernünftige Bildung. Sie befähigt euch, den Herausforderungen eurer Zeit gegenüberzutreten.” Kurz: Obama wünscht sich mehr Medienkompetenz bei den Nutzern. — Und nach dieser Rede sicher auch bei seinen Beratern und den Medienmachern.

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