EU-Roaminggebühren werden am 15. Juni endgültig abgeschafft

Stefan Bubeck
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Horrende Handyrechnung nach dem Urlaub oder einer berufsbedingten Reise? Damit ist ab Juni flächendeckend Schluss – bis auf eine kleine Ausnahme.

EU-Roaminggebühren werden am 15. Juni endgültig abgeschafft
Bildquelle: Pixabay

Die Vertreter des Europaparlaments und der Mitgliedsstaaten machen ernst und geben den Mobilfunkanbietern strenge Regeln vor: Das Aus für EU-Roaming, welches bereits seit längerem geplant wurde, steht seit heute Vormittag endgültig fest. Der letzte Verhandlungspunkt – die Roaming-Großhandelspreise – ist geklärt. „Das war das letzte Puzzleteil“, so der zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Andrus Ansip. „Ab dem 15. Juni können die Europäer in der EU ohne Roaming-Gebühren reisen.“

Hinter den Kulissen fließt weiterhin Geld, nämlich zwischen den Netzbetreibern: Für die Berechnung für die Nutzung der Auslandsnetze wurden Höchstbeträge festgesetzt. So darf der ausländische Netzbetreiber dem deutschen Anbieter maximal 3,2 Cent pro Minute berechnen, wenn dessen Kunden das fremde Netz nutzen. Bei den Datenvolumen sinken die Obergrenzen ab dem 15. Juni zunächst auf 7,70 Euro pro Gigabyte. Ab dem 1. Januar 2022 sollen sie auf 2,50 Euro pro Gigabyte sinken.

Die finnische Europaabgeordnete Miapetra Kumpula-Natri erklärt: „Die vereinbarten Obergrenzen sorgen dafür, dass die Anbieter überall in Europa ihre Kosten abdecken können, sind aber niedrig genug, um den Wettbewerb auf den europäischen Telekommärkten zu sichern.“

Ein Auslandsaufenthalt konnte bisher aufgrund von Telefonaten nach Deutschland, aber auch aufgrund von Internetnutzung ein ganz schön kostspieliger Spaß werden. Die sorglose Benutzung von Facebook und Whatsapp im Urlaub bescherte so manchem Mobilfunkkunden ein böses Erwachen. Einige Anbieter lassen ihre Kunden bereits jetzt schon die monatlichen Datenpakete auch im EU-Ausland nutzen – aber nur in bestimmten Mobilfunkverträgen und in Kombination mit einer Erhöhung der Tarife.

Telefon und Daten: Die Kosten sinken

Den Verbraucher freut es, denn innerhalb der EU muss man sich dann zukünftig nicht mehr über Zusatzbeträge bei der Auslandstelefonie ärgern. Flatrate-Pakete dürfen dann EU-weit – ohne Preisaufschläge durch den Anbieter – genutzt werden. „Roam like at Home,“ wie das die EU-Kommission in ihrem Factsheet nennt.

Welche Folgen die Regelung auf Mobilfunkttarife im Allgemeinen haben wird, dürfte interessant werden. Einige Beobachter befürchten, dass die Anbieter versuchen könnten, den Wegfall der Roaming-Einnahmen zu kompensieren – beispielsweise in Form grundsätzlich höherer Flatrate-Tarife.

Ausnahme: Tricksen nicht erlaubt

Wenn man die aktuellen deutschen Preise für Mobilfunktarife anschaut, könnte auf die Idee kommen, sich im Ausland eine supergünstige SIM-Karte zu holen, um diese dann hierzulande dauerhaft zu nutzen. Daraus dürfte allerdings nichts werden: Denn die Mobilfunkanbietern können diese Art der Nutzung nach einer vorangegangenen Warnung an den Kunden verhindern. Zusatzgebühren sind in Sonderfällen also weiterhin möglich, zumindest wenn der Anbieter die „Fair Use“-Klausel in Gefahr sieht. Entscheidend ist der Wohnort oder eine “feste Verbindung“ zu einem EU-Staat.

Quellen: EU Commission, ZEIT

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