Samsung Galaxy Nexus - Die Kamera auf dem Prüfstand

Andre Reinhardt
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Viel Kritik wurde an der 5 Megapixel-Kamera des Nexus geübt. Aber ist diese auch gerechtfertigt? Da ich gern und viel fotografiere, habe ich mich genauer damit befasst. Viele Beispielbilder und Informationen findet ihr in folgendem Artikel.

Samsung Galaxy Nexus - Die Kamera auf dem Prüfstand

Dieser Artikel hätte eigentlich kurz nach der Veröffentlichung des Haupttests vom Samsung Galaxy Nexus folgen sollen aber manchmal läuft nicht alles nach Plan. Zuerst war das Wetter außerordentlich bescheiden und dann hatte ich mir frecherweise Urlaub genommen. So, nun bin ich wieder da und das Nexus-Kamera-Special kann folgen. Meines Zeichens bin ich ein überaus ambitionierter Hobby-Fotograf und halte schon seit vielen Jahren alle erdenklichen Motive fest.

Besonders begeistert mich hierbei die Natur aber auch Autos und Tiere kommen häufig vor meine Linse. Die Linse, besser gesagt das Objektiv, ist in meinem Fall an einer Spiegelreflexkamera des Modells Nikon D5000 verbaut. Damit nehme ich auch immer die Fotos für meine Testberichte auf. Logischerweise kommt das Galaxy Nexus nicht einmal ansatzweise an die Ergebnisse meiner D5000 heran aber das verlangt auch niemand.

Ein Handy dient dazu, Schnappschüsse zu machen, ohne großartig vorher im Objektiv-Koffer zu kramen und unzählige Einstellungen vorzunehmen. Man hat dann meistens zwar nicht das allerbeste Ergebnis – aber die Erinnerung und die zählt am Meisten. Jedoch nutzt die allerbeste Erinnerung nichts, wenn man darauf nur Matsch erkennt. Ein gewisses Maß an Grundqualität sollte also auch eine Smartphone-Kamera gewährleisten können.

Im Idealfall kann man sogar gelegentlich seine Kompaktkamera zuhause lassen. Was bietet uns die Kamera des Samsung Galaxy Nexus? Nun, wir haben hier 5 Megapixel. Das reicht völlig aus, denn oftmals werden in Handys winzige Sensoren verwendet, die sowieso nicht genug Licht bei 8 Megapixeln und mehr aufnehmen können. Die Folge ist eine Erhöhung der ISO (Lichtempfindlichkeit) der Kamera-Automatik bei schlechteren Lichtverhältnissen.

Dies geht dann mit verrauschten Bildern einher, sprich, dunkle Partien sind oft nur noch schemenhaft zu erkennen. Bessere Sensoren findet man zum Beispiel bei Sony Ericsson (Exmor R) oder im Samsung Galaxy S2 (mehr Infos bei unserem Kamerahandy-Einkaufsführer). Bei einer Kamera gibt es also zwei wichtige Faktoren. Den Sensor und die Optik. Infos über den verbauten Sensor, wie zum Beispiel die Größe (in Kompaktkameras werden meist 1/2,3“ große Varianten verbaut), konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Anhaltspunkte zum Objektiv geben aber die EXIF-Infos (Eigenschaften der Bilder). Die Blende wird mir mit F/2.75 angegeben, was nicht für ein außerordentlich lichtstarkes Objektiv spricht. Je kleiner die Zahl, desto lichtstärker ist die Optik. Die Konkurrenz bietet hier schon bis zu F/2.2. Die Brennweite wird mit 3,43 mm angegeben. Das RAZR hat hier beispielsweise nur 4,28 mm. Eine kleinere Brennweite bedeutet mehr Weitwinkel.

Je mehr Weitwinkel man hat, desto größer ist der Bildausschnitt, den man bei gleichem Abstand aufs Bild bekommt (wichtig für Landschaftsaufnahmen oder Gruppenfotos). Der ISO-Bereich der Nexus Kamera reicht von 50-640. Häufig protzen Handys mit einer, eher den Werbezwecken dienlichen, hohen ISO-Anzahl, beispielsweise ISO 1600. Doch wie bereits gesagt, eine zu hohe Lichtempfindlichkeit sorgt für starkes Bildrauschen. So ist es auch beim Nexus.

ISO 640 gleicht einer Aquarellmalerei und ist nur im äußersten Notfall noch verwendbar. Beeinflussen kann man diesen Wert zu allem Übel auch nicht, denn in der Kamera-Software ist kein Eintrag zur Änderung des ISO-Wertes enthalten. Zwar gibt es bei Android 4.0 mehr Optionen, als zuvor, jedoch sind diese Einstellungen meilenweit entfernt von denen einer Kamera-Software wie beispielsweise im Samsung Galaxy S2. Was gibt's denn alles im Menü?

Naja, wir haben zum einen den eher witzlosen Digitalzoom, der sich aber immerhin stufenlos verstellen lässt. Witzlos daher, weil man diesen auch im Notfall nicht einsetzen sollte. Diese Art Zoom streckt das Bilddetail lediglich künstlich und je näher man das Bild heranholt, desto schlechter sieht es aus. Des weiteren können wir den LED-Blitz, der überaus hell ist an und ausschalten. Er ist sogar so hell, das er oft für Makros unbrauchbar ist, da er bei Nahaufnahmen zu hell beleuchtet.

Die obligatorischen 5 Weißabgleich fehlen auch hier nicht. Automatisch, Glühlampenlicht, Tageslicht, Neonlicht und Bewölkt sind die Optionen. Dem grellen Blitz etwas entgegen wirken kann man mit dem Belichtungswert (nicht zu verwechseln mit ISO). Damit kann man die Szenerie erhellen oder verdunkeln. Einen Szenenmodus mit 5 Einträgen gibt es ebenfalls. Automatisch, Action, Nachtaufnahme, Sonnenuntergang und Party kann man hier auswählen.

Abschließend lässt sich noch die Auflösung ändern und der Standort speichern, das war´s. Bei den Videos sieht es da schon kreativer aus, dazu aber später mehr. Der Fokus spielt eine entscheidende Rolle bei der Nexus Kamera. Die Optik stellt permanent automatisch scharf, man muss nur das Handy bewegen und das neu zentrierte Objekt wird fokussiert. Das funktioniert erstaunlich gut. Wenn man jedoch einen Bereich außerhalb der Bildmitte scharfstellen möchte, hilft die Touch-to-focus-Funktion.

Hierbei berührt man eine beliebige Stelle auf dem Bildschirm und schon stellt das Smartphone darauf scharf. Ein Signal ertönt, sobald erfolgreich fokussiert wurde und nun kann man den Auslöser drücken. Eine Panorama-Funktion hat das Nexus ebenfalls an Bord. Diese nimmt zwar nicht in voller Auflösung auf, verfügt jedoch über einen recht zuverlässigen Assistenten, der einem beim Schwenken durch die Szenerie zur Seite steht.

Eine Besonderheit hat die Kamera aber dann doch, die sie von den meisten Vertretern abhebt. Denn es befindet sich ein 8 MB großer Pufferspeicher, auf den beide Module zugreifen können, im Handy. Das ermöglicht die extrem schnellen Serienbildaufnahmen (4 Bilder/Sekunde ohne Blitz und 2 Bilder/Sekunde mit Blitz) der Front -und Hauptkamera. Die Dateigröße an sich variiert bei mir von knapp unter einem MB bis zu knapp über 2 MB. 2 MB für 5 Megapixel ist ein ordentlicher Wert und lässt auf ein nicht allzu aggressives Komprimierungsverfahren schließen.

Mich überzeugte die Bildqualität meistens. Schärfe und Details gehen bei brauchbarem Licht absolut in Ordnung und auch der Weißabgleich stellt die Farben fast immer treffsicher ein. Die Auslöseverzögerung ist erfreulich kurz und das rasche Aufnehmen mehrerer Bilder hintereinander ermöglicht Aufnahmen, die man mit anderen Handys nicht hinbekommt. Wenn man eine Serie von 10 Bildern macht sind zwar sicher fast alle verwackelt, da man in diesem Modus das Handy extrem ruhig halten muss, wenn aber nur 2,3 brauchbare Bilder dabei sind, reicht das auch aus.

In diesem Schnellaufnahme-Modus nimmt das Handy in 1/17tel Sekunden mehrere Fotos hintereinander auf. Dafür muss man einfach oft hintereinander auf den Auslöser drücken um ein Bild nach dem anderen zu machen. Da die Belichtungszeit von 1/17tel Sekunden sehr lang ist, auch wenn sich das nicht so anhört, sollte man sich irgendwo bei der Aufnahme abstützen. Im Artikel findet ihr viele Beispielbilder der Kamera und könnt euch ein eigenes Urteil bilden.

Gefallen hat mir zudem die effektive Auflösung. Oftmals lässt bei Handykameras die Auflösung zu den Bildrändern hin nach und man bekommt unscharfe Ecken. Beim Galaxy Nexus konnte ich so etwas nicht bemerken. Manchmal stört, auch bei helleren Partien, ein wahrnehmbares Bildrauschen, was auf die nicht besonders lichtstarke Optik zurückzuführen ist. Belichtungszeit und ISO wählt die Automatik jedoch meistens passend aus.

Im Videomodus kann man sich kreativ austoben. Ein Zeitraffer-Modus, Verzerrungen von Gesichtern und ein austauschbarer Hintergrund machen Laune. Sowieso ist der Videomodus durchaus gelungen und hier ist die sehr helle LED ein großer Pluspunkt bei schlechteren Lichtverhältnissen.

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