Honor 8 im ausführlichen Test: Für den Preis gibt’s kaum etwas Besseres

Marco Di Lorenzo
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Für umgerechnet 310 Euro wurde das Honor 8 vor wenigen Monaten in China vorgestellt und hat dabei weltweit ein Mega-Interesse auf sich gezogen: High-End-Prozessor, Dual-Kamera, Riesen-Akku, brillantes Full-HD-Panel – für den Preis quasi ein „No-Brainer“ . Schade, dass es bei uns nun rund 100 Euro mehr kostet. Wir verraten euch, warum es trotzdem mehr als nur einen Blick wert ist.

Honor 8 im ausführlichen Test: Für den Preis gibt’s kaum etwas Besseres

Kurzfazit des Autors: Mit dem Honor 8 bekommt man ein sehr performantes 5,2-Zoll Smartphone mit beeindruckender Akkulaufzeit und tollem Display. Das Design ist mal etwas Besonderes, gefällt mir persönlich auch ziemlich gut – leider hat sich die Glasoberfläche in unserem Test aber als nicht sehr widerstandsfähig erwiesen.

Die verbaute Dual-Kamera ist brauchbar und vor allem lichtstark, zeigt aber Probleme beim Weißabgleich und Fokussieren. Das installierte EMUI wirkt in Sachen Design und Bedienbarkeit oft gewöhnungsbedürftig. Funktioniert aber, bis auf ein übereifriges Energiemanagement, ohne Probleme.

Aktuell ist das Honor 8 mit 32 GB internen und 4 GB Arbeitsspeicher für einen Preis 399 Euro zu haben. Das ist kein Schnäppchen, für das gebotene Gesamtpaket aber mehr als gerechtfertigt. Im Grunde könnt ihr mit dem Smartphone wenig falsch machen. Welche Features ihr erwarten dürft und auf was für Schwächen ihr euch einstellen müsst, lest ihr in folgenden Zeilen und Absätzen.

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Auffälliges Design und handlicher Formfaktor Oberfläche anfällig für Kratzer
Helles-, farbkräftiges und blickwinkelstabiles Full-HD-IPS-Display EMUI-Launcher mit gewöhnungsbedürftigem Design und vorinstallierter Bloatware
Ordentliche Akkulaufzeit Energieplan schließt Apps ungefragt im Hintergrund
Lichtstarke 12 MP Dual-Kamera Kamera hat Probleme mit Fokus und Farben

Huawei P9, nur in günstiger

Dies soll das erste und gleichzeitig vorletzte Mal sein, dass ich den großen Bruder, das aktuell 460 Euro teure Huawei P9, in diesem Artikel erwähne. Denn obwohl die beiden Smartphones quasi aus dem selben Haus kommen und auf den ersten Blick über fast identische Ausstattung verfügen, genügt es bei weitem nicht, das Honor 8 als die „Light-Version“ des P9 abzuhandeln.

Honor 8 Back

Schon beim Design spricht das 5,2-Zoll-Gerät eine gänzlich andere Sprache: Das Smartphone ist mit Schwarzem-, Weißem- und Blauem-Finish erhältlich. Und gerade letztere Farbe ist DER Hingucker. An der Vorder- und Rückseite besteht das Gerät aus 2,5D-Glas. Dieses soll laut Hersteller aus 15 Schichten gefertigt worden sein, um den für das Honor 8 besonderen Glanz zu erzeugen. Tatsächlich schimmert besonders die Rückseite im Licht ziemlich elegant – ohne, dass darauf hinterlassene Fingerabdrücke zu deutlich zum Vorschein kommen.

Trotz verwendetem Gorilla Glass 3 ist aber Vorsicht geboten: Tatsächlich sind bei meinem mehrwöchigen Test mehrere kleine Kratzer an Display und Rückseite entstanden, obwohl ich ziemlich sorgsam mit dem Honor 8 umgegangen bin und es sich niemals in der gleichen Tasche mit Schlüssel, Kopfhörer oder ähnlichen „Gefahrenquellen“ befunden hatte. Ohne einen härteren Belastungstest durchzuführen, muss ich daher annehmen, dass Front und Rückseite ziemlich empfindlich sind. Was das Ganze nicht weniger gefährlich macht: Das Honor 8 rutscht ohne Case auf beinahe jeder Oberfläche fast so gut wie ein Puck auf dem Eis.

Honor 8 Kratzer

Der Rahmen aus Aluminium macht dagegen einen soliden Eindruck. Das Gerät ist auch ansonsten tadellos verarbeitet: Es sind keine Spalte im Gehäuse zu erkennen, der Fingerabdruckscanner wurde sehr schick und schlicht in die Rückseite eingearbeitet, lediglich der Powerbutton sitzt ein wenig locker im Gehäuse, was aber sonst keine großen Auswirkungen auf den Druckpunkt hat.

Display: Auch im Freien mit perfekter Strahlkraft

Das verbaute Display ist eines der besten IPS-Panels, das ich je in einem Smartphone gesehen habe: Die Helligkeit lässt sich erfreulicherweise sehr weit nach oben stellen – die Schwarztöne bleiben dabei satt. Generell erinnert der Screen in Sachen Kontrast und Farbdynamik schon sehr an ein OLED-Display. Auch wenn man den Bildschirm von der Seite betrachtet, leistet sich das Honor 8 keine Schwächen. Wem das Panel zu warm oder aber zu kalt erscheint, der kann die Farbtemperatur in den Einstelllungen noch anpassen.

Honor 8 Display

Bedienung: Lässt sich per Fingerabdruck in Millisekunden aufwecken

Huawei ist bekannt für die vielleicht besten Fingerabdruckscanner im Android-Sektor – davon profitiert natürlich auch Tochtermarke Honor: Der Fingerprintreader an der Rückseite des Honor 8 ist nicht nur perfekt positioniert, sondern reagiert präzise und entsperrt das Smartphone blitzschnell. Praktisch: Der Button lässt sich auch physisch drücken – Honor nennt diese Funktion den „Smart Key.“ Über die Einstellungen können diesem mehrere Apps, aber auch diverse Funktionen, etwa Taschenlampe oder Screenshot, zugewiesen werden – je nachdem, ob ihr den Knopf einmal oder zweimal drückt oder gedrückt haltet. Wie bei den Huawei-Geräten könnt ihr über den Scanner auch Wischgesten ausführen, damit die Schnelleinstellungen aufrufen, durch Galerien blättern oder die Kamera per Tap auslösen.

Honor 8 Kamera 2

Ansonsten wird das Honor 8 per On-Screen-Tasten bedient – einen physischen oder touch-kapazitiven Homebutton gibt es nicht. Obwohl die Rückseite nicht speziell abgerundet wurde, liegt das Smartphone mit seiner Breite von 71 mm ziemlich gut in der Hand und lässt sich auch toll einhändig bedienen. Für mich der klare Beweis: Dünner ist nicht immer handlicher – im Gegenteil! Mit seinen 7,5 mm ist das Honor 8 sicher nicht das schlankeste Smartphone, die Dicke ist aber perfekt, um es gut fassen zu können. Wer gewisse Stellen mit dem Daumen trotzdem nicht erreicht, der kann per Swipe über die untere Leiste die Einhandbedienung aktivieren, bei dem der Screen deutlich verkleinert dargestellt.

Honor 8: Speicher, Konnektivität und Anschlüsse

Das Honor 8 gibt es bei uns nur in der 32-GB-Variante. Das ist aber auch ziemlich egal, denn ihr könnt den internen Speicher per microSD-Karte um bis zu 256 GB erweitern. Alternativ könnt ihr eine zweite SIM-Karte nutzen. An Bord sind natürlich WLAN 802.11ac/a/b/g/n, Bluetooth 4.2, aber auch NFC und kurioserweise eine bei vielen Smartphones bereits wegrationalisierte Infrarot-Schnittstelle zur Steuerung eurer Fernseher, Musikanlagen oder ähnlichem.

Honor verbaut zum Glück noch eine Klinkenbuchse an der Unterseite, daneben einen USB-Type-C-Port, der nativ aber nur die Übertragungsgeschwindigkeit von USB 2.0 unterstützt.

Akku: Das Honor 8 meint's fast zu gut mit uns

Per USB Type-C wird das Smartphone natürlich auch geladen – und das geht fix! Dank Quick-Charging tankt ihr das Honor 8 mit dem mitgelieferten Netzteil in etwa eineinhalb Stunden wieder komplett auf. Nach 30 Minuten an der Steckdose hat der Ladestand in unserem Test immerhin fast 50 Prozent erreicht.

Dank großzügig dimensioniertem 3.000-mAh-Akku muss es aber tatsächlich nur etwa alle eineinhalb Tage wieder aufgeladen werden. Zusätzlich entpuppt sich das Honor 8 noch als wahrer Energiesparer, informiert euch regelmäßig über stromintensive Apps und schließt im Hintergrund automatisch Prozesse – und das kann auch ziemlich nerven: Alle Anwendungen, von denen ihr live Push-Notifications erhaltet möchtet, müssen auf eine Liste geschützter Apps gesetzt werden, da sie sonst vom Energiesparsystem regelmäßig beendet werden.

Doch selbst wenn alle davon ausgenommen werden und der Energieplan „Leistung“ gewählt ist, optimiert die Software im Hintergrund weiter. Das kann dazu führen, dass Nachrichten etwas verspätet ankommen. Wenn man über das strenge Energiemanagement des EMUI Bescheid weiß, sollte man im Großen und Ganzen aber wenig Probleme bekommen.

Honor 8 Screenshot_2
Honor 8 Screenshot_1

Leistung: kleines Kraftpaket

Im AnTuTu-Benchmark erreicht das Honor 8 rund 94.500 Punkte. Damit reiht es sich direkt neben dem Huawei Mate 8 ein – kein Wunder, in beiden ist der gleiche hauseigene Kirin-950-Prozessor integriert. Verbaut sind zudem 4 GB Arbeitsspeicher. Die Variante mit 3 GB RAM ist bei uns nicht erhältlich.

Die Leistung wird von vielen High-End-Smartphones zwar etwas überboten, reicht aber bei weitem aus, um aktuelle Games zu spielen und natürlich auch, um das Smartphone flüssig bedienen zu können. Ruckler, Abstürze oder lange Ladephasen musste ich während der gesamten Testzeit keine erleben.

Software: Clean sieht anders aus

Auf dem Honor 8 läuft derzeit noch Android 6.x Marshmallow. Das Unternehmen gibt aber ab Erscheinung eine zweijährige Update-Garantie – somit sollte das Smartphone auf jeden Fall noch „Nougat“ bekommen. Die Oberfläche von Huawei beziehungsweise Honor – das EMUI in der aktuellen Version 4.1 – trägt eine etwas gewöhnungsbedürftige Handschrift. Dank vielen verschiedenen Pre-Sets kann das Design aber nach Belieben verändert werden. Auf einen App-Drawer müsst ihr beim vorinstallierten Launcher jedoch verzichten.

Vorinstalliert werden dafür leider auch zahlreiche Third-Party-Apps, also klassische „Bloatware.“ Wer damit nichts anfangen kann, muss jede Anwendung einzeln per Hand wieder deinstallieren – zumindest ist dies aber möglich.

Kamera: lichtstark, aber langsam

Honor 8 Kamera

Das Honor 8 verfügt über eine 12 Megapixel starke Dual-Kamera. Die beiden Linsen mit f/2.2-Blende sind eben ins Gehäuse eingearbeitet – daneben befindet sich ein Laser-Fokus und ein sehr heller Dual-Tone-LED-Blitz.

Die meisten Fotos lassen sich definitiv sehen (überzeugt euch selbst und werft einen Blick in die Beispielfoto-Galerie). Leider hat der automatische Weißabgleich Probleme: Bilder weisen oft entweder einen Rot-, oder einen Grün-/Gelb-Stich auf, was gerade menschliche Motive sehr „ungesund“ aussehen lässt.

Positiv fällt auf: Gerade auch bei Dunkelheit sind sehr viele Details und verhältnismäßig wenig Rauschen zu erkennen, das wohl dem zweiten, monochromen Objektiv der Kamera zu verdanken ist. Dies ermöglicht es auch, bei Fotos, die im Blenden-Modus geknipst wurden, nachträglich den Fokus zu verändern. Gut funktioniert das aber nur, wenn die Entfernung zwischen den Motiven nicht mehr als zwei Meter beträgt.

Bildergalerie Honor 8 Beispielfotos Hauptkamera

Apropos Fokus: Hier zeigt sich ein deutlicher Schwachpunkt der Honor-8-Kamera. Das Scharfstellen dauert viel zu lange und macht sich durch ein pulsierendes Bild bemerkbar – besonders störend fällt das natürlich bei Videos auf. Bei Fotos passierte es mir oft, dass ich den richtigen Moment verpasst habe, weil der Fokus nicht schnell genug war oder ich vorzeitig abgedrückt habe und das Motiv somit total unscharf wurde. Oftmals fokussiert die Automatik zudem den falschen Bildbereich.

Die Frontkamera knipst mit 8 Megapixeln. Ziemlich penetrant wird euch nach jedem Wechsel zwischen Foto- und Videomodus der Verschönerungsfilter aufgezwungen, der sich als komplett unbrauchbar erweist. Doch selbst bei Deaktivierung dieser Funktion scheinen viele Selfies weichgezeichnet, blass und verzerrt zu sein.

Videos nehmt ihr mit der Hauptkamera übrigens in maximal Full-HD, dafür mit bis zu 60 FPS auf. Ein optischer Bildstabilisator ist beim Honor 8 nicht an Bord. Wie bereits erwähnt, gibt es auch bei den Videos Probleme mit einem langsamen und sichtbaren Fokussier-Vorgang. Nicht zuletzt möchte ich einen Bug des Honor 8 mit Snapchat erwähnen, der in der App bewirkt, dass der Bildausschnitt beim Filmen plötzlich stark vergrößert wird.

Bildergalerie Honor 8 Beispielfotos Selfiecam

Audioqualität: Das Honor 8 sorgt für ordentlich Wumms

Mit dem Honor 8 könnt ihr gut einen kleinen Raum mit eurer Lieblingsmusik beschallen. Dumm nur: Der Mono-Speaker wird gerne unabsichtlich durch die Hand verdeckt – dann ist plötzlich gar kein Ton mehr zu hören oder der Lautsprecher beginnt zu krachen. Verzerrung und Übersteuerungen sind mir übrigens auch beim Abspielen von Sprachaufnahmen aufgefallen. Ansonsten klingt Musik dank DTS-Audio sehr klar, jedoch fehlt's an Bass.

Gar nicht meckern kann man bei der Sprachqualität: Während es beim Vorgänger, dem Honor 7, noch gröbere Probleme gab, klingt der Gesprächspartner durch das Honor 8 stets klar und deutlich.

Fazit: Honor 8 – der (fast) perfekte Allrounder

Das Honor 8 hat mich als täglicher Begleiter in fast allen Belangen überzeugt: Es verfügt über ein hochwertiges Display, ordentliche Performance und Akkulaufzeit und sieht zu guter Letzt einfach richtig schick aus. Das Gerät ist toll verarbeitet. Praktisch ist der „Smart Key“-Fingerabdruckscanner auf der Rückseite.

Was nerven kann, ist das vorinstallierte EMUI – ein alternativer Launcher kann hier (zum Großteil) aber Abhilfe schaffen. Ebenfalls enttäuschend ist das zu aggressive Energiemanagement, die sehr rutschige und Kratzer-anfällige Oberfläche und die Kamera, die sich in vielen Situationen mit Weißabgleich und Fokus schwertut. Alles Jammern auf hohem Niveau: Speziell in Anbetracht des Kaufpreises von 399 Euro bekommt man mit dem Honor 8 ein sehr ordentliches Gesamtpaket, auch wenn das Smartphone bei uns deutlich mehr kostet als in China.

Honor 8 vorne

Und genau hier kommt noch einmal das Huawei P9 ins Spiel, das aktuell nur noch 60 Euro mehr kostet. Welches Design besser gefällt, ist natürlich Geschmacksache. Trotzdem muss man urteilsfrei anmerken, dass im P9 höherwertige Materialien, der schnellere Prozessor und die bessere Kamera – Leica hin oder her – verbaut sind.

Wem es nicht zu groß sein kann, der kann sich alternativ auch das OnePlus 3 ansehen, das zum gleichen Preis wie das Honor 8 verkauft wird. Gerade in Sachen Displayqualität und Handlichkeit müsst ihr beim 5,5-Zöller aber einige Probleme in Kauf nehmen – mehr dazu findet ihr in unserem ausführlichen Test des OnePlus 3.

Test-Wertung zum Honor 8

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Kameras: 3/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 5/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 5/5

Gesamt: 85 %

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Honor 8: Produktvideo

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Honor 8 Produktvideo

Honor 8: Spezifikationen

Display 5,2 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel (423 ppi)
Prozessor Kirin 950, Octa Core, 2,3 GHz
GPU Mali-T880 MP4
Arbeitsspeicher 4 GB RAM
Interner Speicher 32 GB, erweiterbar per microSD-Karte
Hauptkamera Dual-Kamera, 12 MP + 6 MP, f/2.2
Frontkamera 8 MP, f/2.4
Software Android 6.0 Marshmallow, EMUI 4.1
Akku 3.000 mAh
Farben Weiß, Gold, Schwarz, Pink, Blau
Maße 145,5 x 71 x 7,45 mm
Gewicht 153 Gramm
Sonstiges Fingerabdruckscanner, USB Typ C

bewertete "
Honor 8
" mit
85 von 100 Punkten
(26. September 2016)

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