Honor 9 im Test: Günstige Alternative zum Huawei P10

Johann Philipp

Ein Smartphone mit Highend-Ausstattung bekommt man erst ab 500 Euro? Das seit dem Sommer erhältliche Honor 9 beweist im Test das Gegenteil, auch wenn das mittlerweile für unter 350 Euro erhältliche Smartphone nicht in jeder Hinsicht Oberklasse ist.

Honor 9 im Test: Günstige Alternative zum Huawei P10
Bildquelle: GIGA

Honor 9 im Test: Bewertung

  • Verarbeitung und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Kamera: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Software: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 78 Prozent

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Unser Urteil: Ein Preis-Leistungs-Champion

Zwei Redakteure aus der GIGA-TECH-Redaktion haben das Honor 9 für insgesamt 3 Wochen getestet. Unser Ergebnis: Das Honor 9 setzt die Philosophie des Herstellers in Reinform um und ist für einen Straßenpreis von unter 350 Euro ein absoluter Preis-Leistungs-Champion.

Die Verarbeitung ist tadellos, der Kirin-960-Chip bietet in allen Bereichen genug Leistung, das LC-Display ist annehmbar scharf und hell. Satte Farben, die man in den Einstellungen an eigene Präferenzen anpassen kann und gute Blickwinkel runden das positive Bild ab.

Das nicht mehr ganz taufrische Android 7.0 ist vorinstalliert und, wie bei Huawei und Honor üblich, mit der eigenen Benutzeroberfläche EMUI angepasst, die immer noch in einigen Punkten an Apples iOS erinnert. Im Großen und Ganzen hat die Oberfläche gegenüber früheren Huawei- und Honor-Geräten eine positive Entwicklung genommen.

Beim Design setzt Honor auf Altbewährtes und folgt nicht dem aktuellen Trend zu randlosen Displays. Dafür kann aber auch der extrem schnelle Fingerabdrucksensor von der Rückseite auf die Vorderseite wandern. Vorn ähnelt es stark dem Huawei P10, auch an das Galaxy S6 und S7 von Samsung fühlt man sich erinnert. Ziemlich cool sind die schillernden Effekte, die die Glasrückseite bei wechselndem Lichteinfall erzeugt. Diese Rückseite ist naturgemäß recht glatt, immerhin wird aber ein Case aus hartem Kunststoff mitgeliefert, mit dem man das Problem in den Griff bekommt. Der Lautsprecher ist zwar nur mono, klingt dafür aber überraschend gut.

Dass eine IP-Zertifizierung fehlt, ist etwas schade. Das Honor 9 ist zumindest auf dem Papier also weder wasser- noch staubgeschützt. Außerdem unterstützt es kein Wireless Charging. Dafür hat das Honor 9 eine Klinkenbuchse, was bekanntermaßen heute kein Standard mehr ist.

Für Preisfüchse und Freunde von kompakten Smartphones der gehobenen Mittelklasse ist das Honor 9 die richtige Wahl. Wer mit Displayrändern keine Probleme hat und auch auf Wireless Charging verzichten kann, sich mit einer nur durchschnittlichen Kamera arrangieren kann, dafür ein Smartphone mit viel Leistung und ausdauerndem Akku sucht, findet hier das richtige Gerät.

Das hat uns gefallen

  • Das Honor 9 ist im Kern ein Huawei P10. Änderungen gibt es nur in puncto Design, Kamera und einigen Kleinigkeiten. Dafür ist das Honor 9 rund 100 Euro preiswerter – ein guter Deal.
  • Der extrem schnelle Fingerabdrucksensor ist zuverlässig, praktisch und beeindruckt bei jedem Entsperren auf Neue in Sachen Geschwindigkeit.
  • Das Design: Gerade die auffällige Rückseite zieht Blicke auf sich. Honor beschreibt das Gerät als „Lightcatcher“ und damit macht es seinem Namen alle Ehre. Das kurvenförmige Glas schillert je nach Bewegung im Licht anders und erzeugt einen wertigen Eindruck. Die Front mit dem planen Display und den großen Rändern oben und unten ist konservativer – aber nicht zwingend schlechter.
  • Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau: Nichts knarzt, nichts wackelt. Die Tasten haben eine gute Qualität, man hat den Eindruck, ein wertiges Stück Technik in der Hand zu halten. Honor schafft es auch die Dual-Kamera plan in das Gehäuse zu integrieren.
  • Die Leistung des Kirin 960 ist selbst für grafikaufwendige Spiele geeignet und schafft ein hohes Arbeitstempo. Alle Animationen, Menüs und Gesten funktionieren flüssig.
  • Die Akkulaufzeit ist mit ein bis zwei Tagen, je nach Anwendungsszenario, völlig ausreichend – die Kapazität von 3.200 mAh in Verbindung mit dem sparsamen Chip und dem genügsamen Display tun hier ihr Übriges, das mitgelieferte Huawei SuperCharge-Netzteil garantiert zudem schnelles Nachtanken. Man sollte aber die Einstellungen studieren und für Apps, die im Hintergrund laufen sollen, das zu aggressive Energiemanagement zurückfahren.
  • Die Kamera mit einem 20-MP-Monochromsensor und einem 12-MP-RGB-Sensor schießt oft gute Fotos, auch wenn das Leica-Branding des inoffiziellen Schwestergerätes Huawei P10 fehlt und das Gerät in einigen Bereichen nicht vollends überzeugen kann. Insbesondere die Lowlight-Fotos sind manchmal vermatscht, manchmal zu verrauscht. Der Bokeh-Effekt im Profimodus kann bei Weitem nicht so überzeugen wie derselbe im iPhone 8 Plus/X oder im Samsung Galaxy Note 8. Videos können in 4K-Auflösung mit 30 FPS aufgenommen werden.
  • Das LC-basierte Display bietet satte Farben, gute Blickwinkel und genug Helligkeit auch bei Sonnenschein im Freien. Die Full-HD-Auflösung von 1.920 × 1.080 ergibt bei der Displaydiagonale von 5,2 Zoll eine Pixeldichte von 428 ppi – völlig ausreichend.
  • Dual-SIM-Funktion: Es kann wahlweise der Speicherplatz mit einer micro-SD-Karte erweitert werden oder eine zweite SIM-Karte verwendet werden. Zwar ist ein solcher Kombislot nicht ideal, aber mit 64 GB internem Speicher kommen die meisten Nutzer auch ohne Speichererweiterung aus.
  • Die Software: Auch wenn noch nicht alles aus einem Guss wirkt wie bei Stock-Android und manche Aspekte wie die unnötig komplizierte Aktivierung von alternativen Launchern, sowie das gelegentlich zu aggressive Energiemanagement manchen Nutzer nerven dürften, macht EMUI an die Grundanforderungen Haken: Gute Performance ohne Ruckler, ein (optionaler) App Drawer, allgemein solide Apps und Einstellungen mit sinnvollen Erweiterungen gegenüber Stock-Android und eine Kamera-App mit gewaltigen Funktionsumfang.

Bildergalerie Honor 9 Kamera – Testfotos

Das fanden wir weniger gut

  • Kein Wireless Charging trotz Glasrückseite.
  • Keine IP-Zertifizierung, ist also theoretisch nicht gene Wasser und Staub geschützt.
  • Die vorinstallierten Bloatware-Apps hätten nicht sein müssen. Bei der ersten Einrichtung findet man ein Dutzend Spiele, Apps zum Suchen von Hotels oder zum Reservieren von Flügen und Fitness-Apps auf dem Gerät, die man mühevoll deinstallieren muss. Wer’s braucht, kann sich die selbst installieren.
  • Man kann das Honor 9 nicht mit Software-Tasten nutzen. Das ist schade, weil die kapazitiven Tasten nicht bezeichnet sind und nur an einem kleinen Punkt beleuchtet sind. Alternativ kann man die schon vom Huawei P10 bekannten Wischgesten vom Home-Button aus nutzen. Intuitiv ist aber beides nicht.

Gut zu wissen

  • Über die eingebaute Schnellladefunktion nach Huaweis SuperCharge-Standard ist das Honor 9 in 30 Minuten über den USB-C-Port knapp zur Hälfte aufgeladen. Das passende Netzteil wird mitgeliefert.
  • Mit dem Infrarot-Port an der Oberseite können auch weitere Geräte wie z.B. Fernseher gesteuert werden.
  • Für Selfie-Freunde nicht zu vernachlässigen: Die Frontkamera knipst mit 8 MP. Den Beauty-Modus der Kamera sollte man aber besser ausschalten, sonst wirken Hauttöne zu unnatürlich und Gesichter zu lehmartig.

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bewertete "
Honor 9
" mit
78 von 100 Punkten
(04. Dezember 2017)

Weitere Themen: Honor, Honor: Huaweis Ableger für „Digital Natives“

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