Die Wüste lebt

Klaus Preuschhof

Auf der NAB Show in Las Vegas gab es neben neuer Schnitt-Software auch verschiedene Lösungen für die 3D-Produk-tion, Speich­er­medien und Kameras zu bewundern.

Die Wüste lebt

Das Spielerparadies leidet. Die meisten der gigantischen Hotelbaustellen sind stillgelegt, die Preise für Eigentumswohnungen in Vegas um 70 Prozent gefallen. Wer arbeitslos wird, spart eben zuerst am Spielautomaten. Bei der Fernsehmesse NAB ist von diesen negativen Vorzeichen allerdings wenig zu spüren. Die Messehallen sind gut gefüllt, die neuen Produkte vielversprechend. Das Motto ist: „Wir haben die Talsohle durchschritten.“

Multiple Playback für iPad & Co

Obwohl Apple keinen Stand auf der Messe hat, ist das iPad in aller Munde und möglichst auch in jeder Hand. Viele der deutschen Messegäste haben sich das Pad gekauft, bevor es in Deutschland verfügbar ist.
In der Diskussion um „Multiple Playback“ spielen iPad, iPod und iPhone eine führende Rolle. Die Idee, einen Film einmal aufzunehmen und ihn dann über verschiedene Kanäle vom klassischen Fernsehen bis hin zum iPad-Playback zu vermarkten, spielt eine wichtige Rolle in den Diskussionen, aber auch bei den Herstellern von Software. Dass Apple mit iPhone OS 4.0 die Möglichkeit ausschließt, direkt aus Adobes CS5 iPhone-Applikationen zu kreieren, ist wohl dem fortschreitenden Grabenkampf zwischen den beiden Firmen geschuldet.

3D-Produktion

3D-Produktion erweist sich als das zentrale Thema an allen Ständen. Panasonic stellt mit der Kamera AG-3D1 die erste kompakte Lösung vor. Aufgenommen wird in AVCHD auf SD-Karten. Eine Besonderheit der Kamera ist die automatische Nachführung des Konvergenzpunktes: Die Achsen der beiden Objektive schneiden sich immer dort, wo das Hauptobjekt im Raum steht. Bei anderen Kameras muss dieser Schnittpunkt mechanisch eingestellt oder später in der Software korrigiert werden. AJA und Cineform ermöglichen das 3D-Play-Out aus der Timeline von FCP. So kann die fertige 3D-Produktion direkt auf eine HDCAM-SR-Bandmaschine ausgegeben werden.

Nachbearbeitung

Bei Adobes CS5 steht die neue Mecury Playback Engine im Vordergrund. Durch die Überarbeitung des Programmkerns werden alle Prozessorkerne beim Playback zu 100 Prozent ausgenutzt. In der Praxis heißt das, dass auf unserem Rechner statt einem nun vier Ströme AVCHD-Material abgespielt werden können. Die Nvidia-Quadro-Karten und ihre CUDA-Engine erlauben weitere Echtzeiteffekte. Dazu kommen erweiterte Importmöglichkeiten für QuickTime und ProRes.

Auch Avid hat mit dem Media Composer 5.0 wichtige Neuigkeiten eingeführt. Über die integrierte AMA-Engine (Avid Media Access) können QuickTime-Filme im Media Composer geschnitten werden. Das gilt auch für ProRes-Dateien, so dass einer nahtlosen Zusammenarbeit zwischen Final Cut und Composer nichts im Wege steht. Die Lücke beim HD-Playback hat Avid zusammen mit Matrox geschlossen. Hier wird man mit der Ver­si⁠on 5.0 die Matrox MXO2 Mini als Preview-Gerät für den Composer gebrauchen können. Insgesamt fällt auf, dass Apple in der Nutzung der Hardware der eigenen Rechner gegenüber den Mitbewerbern zurückgefallen ist. Eine neue Final-Cut-Ver­sion könnte diesen Rückstand wieder egalisieren.
Das Highend-Finishing ist inzwischen eine Domäne der Apple-CPUs. Autodesk hat eine Variante der Smoke-Software für den Mac he­r⁠ausgebracht, die im Trainingsbereich von Autodesk ständig umlagert war. Ausgestattet mit der AJA Kona 3 zeigen die Mac-Pro-Work­stations Leistungen, wie sie bisher nur auf den proprietären Linux-Systemen von Autodesk denkbar waren.

Ein- und Ausgabe

USB 3.0 war ein weiteres interessantes Thema auf der Messe. CalDigit zeigte die erste USB-3.0-PCIe-Karte mit Mac-Treibern und auch ein passendes externes Laufwerk dazu. Am Beginn der Messe war darüber spekuliert worden, ob die neuen MacBook Pros mit USB-3.0-Ports ausgestattet werden. Als dann die Daten veröffentlicht wurden, war die Ernüchterung besonders bei den Blackmagic-Kunden groß. Viele hatten gehofft, die neuen Produkte Ultra Studio Pro und Intensity Shuttle über diese Ports auch an den neuen Macs benutzen zu können. Nun werden diese Produkte wohl zunächst auf den PC-Markt beschränkt bleiben. Das Ultra Studio Pro ermöglicht Eingabe und Ausgabe von Video und Audio über SDI, HDMI und analog und ist mit seinem dem Mac angepassten Design im Profimarkt positioniert. Das Intensity Shuttle zielt mit HDMI und analogen Ein- und Ausgängen über RCA-Buchsen eher auf den Amateurmarkt.

Kameras

Auch im Kamerasektor tut sich viel. Als Speichermedium setzt sich die SD-Card durch. Sony stellte einen Adapter vor, mit dem man SD-Karten in SxS-ExpressCard/34-Systemen nutzen kann. Pana­sonic und JVC verwenden bereits SD-Cards als Speichermedium in ihren Camcordern. JVC konnte im vergangenen Jahr stark im Apple-Bereich punkten, weil bei den neuen Kameras das komprimierte Material als QuickTime auf SD-Cards geschrieben wird. Daten legt man damit unmittelbar vom Kartenlese-Slot im MacBook auf die Final-Cut-Timeline. Als neueste und größte Vertreterin dieser Serie wurde die GY-HM790 in Las Vegas vorgestellt.
Red zeigte auf einer eigenen Veranstaltung im Tropicana Hotel die ersten Aufnahmen mit der Red-Epic-Kamera. Ein Auslieferungs­datum gibt es aber nach wie vor nicht. Dafür war die deutsche Konkurrenz stark am Start. Arri zeigte mit der neuen Alexa und der D21 Red-Konkurrenten.     Klaus Preuschhof/sck

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