Herausgeputzt

Claudia Runk

Während früher die Veredelung in erster Linie dem Schutz vor Abrieb, Feuchtigkeit und Schmutz diente, ist sie heute ein Stilmittel, ein Gestaltungselement mit eigener Aussage, das auch für höhere Aufmerksamkeit sorg.

Herausgeputzt

Veredelte Druck-Erzeugnisse sind heutzutage keine Ausnahme mehr. Sie liegen im Trend, begegnen uns täglich in Form von Verpackungen, aber auch Flyern, Einladungen, Menükarten, Katalogen, Zeitschriften oder sogar Büchern. Der erste Eindruck ist nun mal entscheidend, und wer will da nicht glänzend abschneiden. Besonders bei Printprodukten von Objekten, deren Optik und Haptik eine bedeutetende Rolle spielen, greift man zu einer der zahreichen Veredelungsmöglichkeiten. Aber auch Privat- und Geschäftsleute, die ihren Auftritt mit einer ganz speziellen Visitenkarte unterstützen möchten, wählen gern aus dem Veredelungssortiment.

Lack ist in

Lacke, Farben und Effektpigmente sind auf dem Vormarsch. Das Lackieren von Druckerzeugnissen kann man mit dem Lackieren eines Möbelstücks vergleichen. Ein transparenter Lack wird auf das Objekt aufgetragen, der Geschmack des Kunden entscheidet zwischen der matten und der glänzenden Variante. Je nach Wunsch wird der Auftrag flächig oder partiell, aber in der Regel als Effektlack eingesetzt. Ähnlich wie bei Möbeln wählt man zwischen dem einfachen, wasserlöslichen Dis­persionslack oder dem hochwertigeren UV-Lack. Abhängig von der Art des Lacks kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Bei der Folienbedruckung und den Hybrideffekten wird mit der UV-Offset-Technik gearbeitet. Um dickere Lackschichten aufzutragen, ist der Siebdruck notwendig. Auf diese Art und Weise lassen sich auch Leder- oder sogar Betonoberflächen lackieren.
Letztlich sind der Wahl des Lacks und den damit entstehenden Effekten kaum Grenzen gesetzt. So findet man Glitterlack im Angebot, bei dem Metallpigmente das Licht reflektieren; durch das Kombinieren von Mattlack und Hochglanzlack entstehen im sogenannten Drip-off-Verfahren feine Tropfen und versehen das Ergebnis mit einer ganz besonderen Dramatik. Rubbel- oder Streichholzfarben, auch Antirutschbeschichtungen sind keine Aus­nah⁠me. Der Relieflack ermöglicht eine hohe Schichtdicke und stellt damit eine preisgünstige Alternative zur Blindprägung dar.
Duftlacke finden ihre Abnehmer besonders im Bereich der Kosmetik oder Reinigungsmittel. Reisekataloge mit Meeresduft oder Broschüren von Kaffeemaschinen, die nach frisch gerösteten Kaffeebohnen duften, eröffnen im Marketing neue Dimensionen. Möglich wird dies durch Lacke mit Aromastoffen. Diese werden partiell oder flächig zuoberst als letzte Lackschicht auf das Druck-Erzeugnis aufgetragen. Reibt man daran, werden die Aromakapseln zerstört, der Duft strömt aus. Das Besondere ist, dass sich durch das Reiben nur ein paar Kapseln öffnen, die anderen bleiben intakt. Somit frischt der Duft nach erneutem Reiben immer wieder auf.

Geprägt

Kaum eine Verpackung, ein Etikett auf einer Flasche, einem Flakon oder einem Glas ist „einfach nur gedruckt“. Mittlerweile gehört es schon fast zum guten Ton, dass man prägt – in Metalloptik, mit Farbeffekten, im Holzdesign. Als Prägedruck bezeichnet man grundsätzlich das Erstellen von erhöhten oder vertieften Prägungen auf dem Bedruckstoff mit einer Art Stempel.
Durch den Prägedruck werden gleichzeitig die Form mit ihren Erhöhungen und Vertiefungen sowie die Farbe gedruckt. Geprägt wird mit Klischees, die für geringe Auflagen aus Zink oder Magnesium bestehen; bei größeren Auflagen verwendet man Messing, für besondes hohe Auflagen Stahl oder Kupfer. Als Vorlage dienen Vektordaten, auf deren Basis die Klischees erstellt werden. Abhängig vom Unternehmen und dessen technischer Ausstattung, aber auch je nach Anforderung werden die Klischees teilweise noch von Hand hergestellt. Letztlich lassen sich nahezu alle Oberflächen, sogar Kunststoffe oder Samt, prägen.

Plan, Struktur und Relief

Bei der Planprägung liegen sämtliche Schichten auf einer Ebene. Nur manchmal zeichnet sich die Form schemenhaft auf der Rückseite ab. Der Effekt entsteht durch die Farben beziehungsweise Folien, die geprägt werden. Häufig verwendet man Folien mit Metalleffekt, um einen deutlichen Kontrast zwischen matten und glänzenden Objekten zu erzielen.
Eine der Planprägungen ist die Hologramm-Applikation. Diese ist besonders fälschungssicher und somit in Bereichen der Sicherheit, bei Labels, Verpackungen und im Finanzbereich gern gesehen – auch wenn das Verfahren aufwendig und somit kostenintensiv ist.
Wer seine Vorlage mit noch mehr Leben versehen will, sollte sich die Strukturprägung genauer ansehen. Dabei erhält das Druckbild eine rasterartige Oberfläche, indem sie mit dem Strukturprägewerkzeug verformt wird. Je nach Lichteinfall entstehen so wunderbare Effekte und optische sowie haptische Erlebnisse. Das Verfahren eignet sich auch bei filigranen Vorlagen mit feinsten Details.
Bei der Reliefprägung verwendet man nicht nur den Prägestempel, sondern zusätzlich noch eine Gegenform, die sogenannte Patrize. Geprägt wird dann mit einer Platte aus Messing oder Stahl. So erscheint die geprägte Form auf der Vorderseite erhaben, auf der Rückseite negativ. Auch hier gibt es noch Steigerungen und Besonderheiten: Neben einem einstufigen Relief, bei dem sich alle erhabenen Elemente auf einer Ebene befinden, liegen beim mehrstufigen 3D-Relief die Formen auf verschiedenen Ebenen, wodurch der plastische Eindruck noch gesteigert wird.
Wer sich nicht zwischen einer Plan- und einer Strukturprägung entscheiden will, könnte sich für das Micro-Embossing erwärmen, das eine Mischung aus beiden Verfahren darstellt. Hier arbeitet man ohne Gegendruckform, die Oberfläche wird aber trotzdem leicht verformt. Ob Pralinenverpackungen oder Etiketten, durch das Verändern des Betrachtungswinkels bricht sich das Licht unterschiedlich, wodurch ein ganz besonders edle Wirkung entsteht.

Vorsicht, heiß!

Jeder kennt die mit goldenen Buchstaben verzierten, ledernen Buchdeckel – ein Ergebnis der Heißfolienprägung. Hier werden beschichtete Folien geprägt, deren Metall- oder Pigmentschicht sich beim Aufpressen durch die Wärme löst und am Bedruckstoff hängenbleibt.
Wer Sorge hat, dass eine Heißfolienprägung nicht edel genug wirkt, kombiniert die dritte Dimension dazu – eine Heißfolienreliefprägung. Dabei wird die Folie aufgebracht und gleichzeitig hochgeprägt. Allerdings eignet sich dieses Verfahren nicht bei sehr filigranen Elementen, da sich durch die Kombination ein kleiner Rand um das Motiv ergibt.

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