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Kein Glück in Las Vegas

Christoph Dernbach

Microsoft-Chef Steve Ballmer versuchte auf der CES in Las Vegas vergeblich, dem Apple-Tablet die Show zu stehlen.

Zuerst hatten wir kein Glück. Und dann kam auch noch Pech dazu.“ Das berühmte Zitat des Fußballers Jürgen Wegmann hätte man auf der Consumer Electronics Show 2010 auch ­Steve Ballmer in den Mund legen können. Fünf Minuten, bevor der bullige Microsoft-Chef die größte Leitmesse der Unterhaltungselektronik-Branche der USA mit seiner Keynote im Hilton-Hotel in Las Vegas beginnen wollte, legte ein Stromausfall die Demo-Rechner auf der Bühne lahm. So mussten die rund 4000 Zuschauer gut 20 Minuten warten, bis die Rechner wieder gebootet waren und Ballmer loslegen konnte.

Slate-PC

Im Vorfeld hatten Mitarbeiter des Software­giganten über die „New York Times“ und „CNet“ bereits das Gerücht gestreut, Microsoft werde an diesem Abend ein überzeugendes Gegenkonzept zum Tablet-Computer von Apple präsentieren. Doch bis zur Demo der Studie eines Slate-PCs von Hewlett-Packard verging noch eine Dreiviertelstunde, die Ballmer nutzte, um die Vorzüge von Windows im Allgemeinen und Windows 7 im Speziellen anzupreisen.
Die mit Spannung erwartete Slate-PC-Demo geriet dann aber zu einer lustlos vorgetragenen Kurzpräsentation des frühen Prototypen eines Tablet-PCs, auf dem ein stinknormales Windows 7 lief. Das Gerät konnte zwar immerhin elektronische Bücher mit dem Kindle-Programm von Amazon anzeigen und ein Video abspielen. Doch Ballmer hatte mit seinen kräftigen Fingern sichtlich Mühe, die kleinen Bedienelemente von Windows 7 auf dem berührungssensitiven Bildschirm zu treffen. Eine für den Tablet angepasste Oberfläche? Fehlanzeige. Irgendwelche speziellen Tablet-Anwendungen? Nein. Nach der rund zweieinhalb Minuten dauernden Demo sahen sich viele Zuschauer im Auditorium ratlos an. Das sollte die große Sensation der CES 2010 gewesen sein? Mit Sicherheit nicht.

3D im Wohnzimmer

Wer spannendere Produkte auf der CES sehen wollte, musste die Stände der asiatischen CE-Hersteller wie Panasonic, Samsung, Sony, LG oder Lenovo besuchen. Die Produzenten von Fernsehgeräten wollen den Miniboom von 3D-Kinofilmen wie „Avatar“ oder „Ice Age: Dawn of the Dinosaurs“ ausnutzen, um den Absatz von neuen Flachbildschirmen anzuheizen. Ers­te 3D-Geräte gab es bereits auf der IFA im vergangenen Jahr zu sehen. Doch auf der CES wurden zum ersten Mal komplette 3D-Pakete präsentiert, die aus einem Flachbildschirm, einem 3D-tauglichen Blu-ray-Player, 3D-Camcorder und 3D-Filmen auf Blu-ray Discs bestehen.
Der US-Sportsender ESPN kündigte an, Spiele der Fußball-WM in Südafrika in 3D übertragen zu wollen. Theoretisch könnten auch in Deutschland WM-Spiele in 3D auf die Bildschirme kommen, denn die FIFA wird wohl bis zu 25 Begegnungen in stereoskopischem 3D produzieren. Doch im Gegensatz zu den USA gibt es hierzulande bis zum Sommer keinen TV-Kanal, der 3D-Sendungen ausstrahlt.
Besonders angetan zeigten sich die CES-Fachbesucher von den 3D-Plasma-Fernsehern von Panasonic mit Full-HD-Auflösung. Vier Modelle der VT25-Serie sollen im Frühjahr auf den Markt kommen. Die Geräte zeigen die Stereobilder abwechselnd mit 120 Hz an. Eine mit den Plasmamodellen ausgelieferte Shutterbrille versorgt jedes Auge 60-mal in der Sekunde mit dem richtigen Bild.

Smartphones

Bei den Smartphones dominierten auf der CES die Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android. Unmittelbar vor der Messe hatte der Suchmaschinengigant in Kalifornien sein Android-Spitzenmodell Nexus One vorgestellt. Mit dem Gerät, das von HTC entwickelt wurde, steigt Google zunächst mit einer englischsprachigen Version in den USA, Großbritannien, Singapur und Hongkong in den Direktvertrieb von Mobilfunktelefonen ein. Im Frühjahr soll es auch eine deutsche Version geben.
Eindrucksvolle Android-Modelle gab es aber auch in der Glücksspiel-Stadt zu sehen. So präsentierte Motorola in Las Vegas sein Google-Handy Backflip, das wie ein Buch geöffnet wird. Im geschlossenen Zustand befindet sich die Tastatur auf der Rückseite des Geräts. Klappt man das Handy halb wie einen Reisewecker auf, werden automatisch vom Anwender ausgewählte Widgets auf dem Display angezeigt, etwa die Uhrzeit oder aktuelle Wetterinformationen. Das Motorola Backflip arbeitet zwar noch nicht mit Android 2.1 (wie das Nexus One), sondern mit der Vorläuferversion 1.5. Es soll aber aktualisiert werden können.
Ein deutliches Lebenszeichen gab es auf der CES auch von Ex-Apple-Manager Jon Rubinstein, der inzwischen die Geschicke von Palm bestimmt. Ein Jahr nach dem spektakulären Debüt des Smartphone-Betriebssys­tems WebOS und des Palm Pre stellte Rubinstein in Las Vegas nun „Plus“-Versionen des Palm Pre und des kleineren Palm Pixi vor. Ein auf 16 GByte verdoppelter Hauptspeicher und eine verbesserte Betriebssystemversion lassen den Palm Pre nun seltener ins Stocken geraten. Außerdem kündigte Palm ein neues Software-Developerkit an, mit dem man nativ für WebOS Anwendungen schreiben kann. Bislang liefen auf dem Pre nur Programme, die auf Webtechnologie (HTML, CSS und Javascript) beruhen. Nun können beispielsweise Spiele­entwickler wie Electronic Arts ihre Games direkt auf den Palm Pre portieren.

MPEG Surround und HD AAC

Zwei spannende Innovationen präsentierte das deutsche Fraunhofer Institut. Zum einen hatten die Erfinder des MP3-Standards den Prototyp eines iPod-Docks entwickelt, mit dem sich von einem iPod Raumklangaufnahmen (5.1) als MPEG-Surround auf einer HiFi-Anlage abspielen lassen. Unterwegs können die­sel⁠ben Songs ganz normal über den Kopfhörer angehört werden. Außerdem zeigten die Erfinder aus Erlangen einen Prototyp des Players Logitec Touch, mit dem sich erstmals Musikstücke im verlustfreien Soundformat HD AAC abspielen lassen. Wie MPEG-Surround ist HD AAC rückwärtskompatibel, arbeitet also auch auf Systemen, die nur herkömmliches AAC unterstützen.               Christoph Dernbach/ok

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