NovaFlex: 3D auf 2D-Smartphone-Screens per Displayfolie

Frank Ritter
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3D erobert die Smartphone-Welt: Nachdem Sharp Onyx, LG Optimus 3D und HTC Evo 3D mit teuren 3D-Displays ausgerüstet werden, bringt die französische Firma PrimaVril nun die “NovaFlex”-Displayfolie auf den Markt, mit dem auch aus jedem herkömmlichen 2D-Display ein “Glasses Free”, also ohne spezielle Brille betrachtbares 3D-Display werden kann.

NovaFlex: 3D auf 2D-Smartphone-Screens per Displayfolie

Konkret funktioniert NovaFlex so: Eine speziell präparierte Folie wird auf ein Handy-Display geklebt. Das Handy muss Software-seitig einen Halbzeilenmodus unterstützen. Die Folie setzt diesen Modus mithilfe von mikroskopisch kleinen Polarisationswaben so um, dass das linke und rechte Auge des Betrachters zwei unterschiedliche Bilder erreichen. Somit wird ein stereoskopischer Effekt erzielt, den das menschliche Gehirn in ein 3D-Bild umsetzt. Vorteil der NovaFlex-Waben gegenüber herkömmlichen 3D-Displays von LG, Sharp und Co. ist zudem, dass der Blickwinkel mit ca. 140° wesentlich größer ist, in dem der Screeninhalt in 3D angezeigt wird. Außerdem ist 3D sowohl im Landscape- als auch im Portrait-Modus möglich, sofern das Gerät mit einem Gyroskop ausgestattet ist.

NovaFlex-Waben
Dominique Gendron, Gründer und technischer Leiter der Firma PrimaVril gibt gegenüber der Seite flipmobile.fr zu Protokoll, dass man bereits seit 3 Jahren an dieser Technik entwickle. „Zuerst hatten wir es mit Polarisationsrillen versucht, aber als wir auf Waben kamen, war das der Durchbruch. Mit Waben konnten wir Blickwinkel und Flexibilität der 3D-Darstellung erheblich vergrößern.“

Die Benutzbarkeit und Präzision des Touchscreens wird laut Aussage von Dominique Gendron nicht eingeschränkt. Die Folie ist Spritzwasser-abweisend und funktioniert sowohl auf Glare- wie auch auf matten Displays; der Kleber hält Temperaturen zwischen -10°C und +40°C problemlos aus.

Die Displayfolie wird im Handel etwa 10 € für eine Fläche von 10 cm x 10 cm kosten — das Nachrüsten der 3D-Fähigkeit geht also nicht ins Geld. Einziger Haken: Softwareseitig muss der erforderliche Halbzeilenmodus unterstützt werden. Laut Gendron ist das mit Android-Geräten kein Problem, solange die Kernel-Quellen für die Geräte veröffentlicht sind. „Im Kernel müssen 30 Zeilen Code hinzugefügt werden. Kompilieren, flashen, Folie aufkleben, fertig ist das 3D-Gerät“.

Man stehe mit zwei Dutzend Hardware-Firmen zur Lizenzierung der NovaFlex-Folien im Gespräch. Einige “Global Player” seien darunter, merkt Gendron an, ohne ins Detail zu gehen. Eine Information lässt er sich dann aber doch entlocken: Man sei auch an Apple herangetreten. „Leider konnte man uns dort keinen Ansprechpartner nennen. Wir vermuten, dass Cupertino keine preiswerten Technologien verbauen möchte, selbst wenn diese funktionieren und keinerlei Haken haben.“ Prinzipiell könne aber nahezu jedes Gerät mit NovaFlex auf 3D aufgerüstet werden, solange die Gerätesoftware mitmacht. „Wir haben nicht nur Smartphones und Tablets getestet. Ein LED-Fernseher mit gerootetem Google TV konnte nachträglich mit 3D ausgestattet werden. Wir konnten sogar die Firmware von einem Siemens-Kühlschrank und einem Casio-Taschenrechner so modifizieren, dass diese 3D-fähig wurden.“

Ist das Zeitalter von komplexen und preisgünstigen 3D-Displays endlich angebrochen? Klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Wir bemühen uns bereits um ein kompatibles Testgerät und eine Testfolie, um die Qualität von NovaFlex einzuschätzen. Einstweilen halten wir euch natürlich auf dem Laufenden, wenn es neue Infos gibt.

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