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Combustion 2008

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Fast schien es so, als hätte Autodesk sein Compositing-Programm aufgegeben. Jetzt ist mit Combustion 2008 die fünfte Version und somit die ein­zige Mac-Alternative zu Adobe After Effects und Apple Shake erschienen.

 Die Videosparte von Autodesk befindet sich seit Jahren auf Schrumpfkurs und die schleppende Entwicklung ließ vermuten, dass nach dem Schnittprogramm Edit auch Combus­tion dem Rotstift zum Opfer fallen würde. Mit der Version Combustion 2008 meldet sich das Programm nach nun fast vier Jahren ohne Update wieder zurück – ohne viel Neues zu bieten.

Prozessbaum

Combustion setzt auf eine einheitliche Bedienoberfläche. Um die Fenster aus diesem starren Verbund zu lösen, muss man erst in die Tiefen des Menüs abtauchen.

Dabei hat jede Funktion ihren Platz. Dank der kontextsensitiven Bedienung ist im Bearbeitungsfenster nur das zu sehen, was man gerade benötigt. Die Oberfläche unterscheidet sich stärker von den Konventionen des digitalen Videoschnitts und erinnert im Aufbau mehr an ein 3D-Programm. Das Organisationsprinzip eines Projekts baut sich über das Workspace-Fenster und die Baumstruktur auf. Letztere ist eine schematische Ansicht, in der Spuren und Operatoren ohne Zeitverlauf angezeigt werden. Operatoren sind alle verwendbaren Einzelelemente, ganz gleich ob Videoclip, Grafik, Effekt, Maske oder Generator. Dass ausgewählte Operatoren nicht automatisch im Workspace-Fenster angezeigt werden, ist allerdings störend. Zudem ist der Prozessbaum nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit; die Handhabung gelingt in Programmen wie Fusion oder Shake einfacher, da wichtige Funktionen in Combustion nur über Menübefehle ausgeführt werden. Wer will, kann aber die Zeitleiste für alle Aufgaben nutzen.

Color Warper und VectorScope

Highlight von Combustion 4 war der Diamond Keyer, der aus dem Flame-System integriert wurde. Auch diesmal stammt das Highlight, der ­Color Warper, aus dem Flame-System. Das ist ein schnelles und umfangreiches Werkzeug für Farbkorrektur, kreative Lookgestaltung und Farbverfremdungen. Dazu gibt es eine primäre und drei selektive Farbkorrekturen. Zahlreiche Eigenschaften stehen in einem übersichtlichen Fenster zur separaten Einstellung zur Verfügung: Lichter, Mitten, Schatten, Gamma,

Gain Offset, Hue und Saturation. Auch die ColorMatch-Funktion überzeugt: Einfach zwei Pixelbereiche abgreifen und Match klicken, und die Bildcharakteristik wird angepasst. In der selektiven Farbkorrektur können bis zu drei verschiedene Farbbereiche für selek­tive Farbkorrekturen ausgewählt werden, ohne dass mit Masken gearbeitet werden muss. Schon mit wenigen Klicks hat man so beispielsweise ­einen Pleasantville-Effekt erstellt. Allerdings sind die Farbkreise für die Lichter, Mitten und Schatten zu klein ausgefallen und daher nicht ganz exakt zu bedienen.
Das Compare-Tool, mit dessen Hilfe das Original mit der Farbkorrektur oder einem anderen Clip verglichen wird, ist zwar nicht neu, aber sehr praktisch, da es als eigenes Werkzeug integriert ist und sich mit jedem Arbeitsschritt kombinieren lässt. Man kann Clips damit sogar innerhalb der Zeitleiste vergleichen und die Teilung des Kompositionsfensters nicht nur vertikal oder horizontal verwenden, sondern auch mit einem Rechteck in beliebiger Position und Größe.
Damit die Farbkorrektur auch grafisch überwacht werden kann, wurden ein 2D- und ein 3D-Vektorskop integriert. Die 2D-Version zeigt Farbgebung und ­Sättigung des Bildes und das 3D-Vektorskop ­zusätzlich die Helligkeit beider Eigenschaften. Leider ist die Darstellung nicht sonderlich genau und bietet nur einen groben Eindruck der Charakteristika. Sonst gibt es keine neuen Features. Trotzdem bietet Combustion 2008 für viele Compositing-Aufgaben das richtige Werkzeug.

Paint, Partikel und Text

Combustion besitzt umfangreiche Möglichkeiten, mit Pinselspitzen und dem Klonwerkzeug zu arbeiten, da jeder Pinsel als Klonwerkzeug ­definiert werden kann. Beim Erstellen von Masken beherrscht es neben Bezierkurven auch B-Splines. Diese besitzen nur die Parameter X- und Y-Position und die Eigenschaft Gewicht, was in vielen Fällen eine einfachere Bedienung erlaubt. Das Motion-Tracking bietet alle notwendigen Features – von der Bildstabilisierung bis zur ­geometrischen Vier-Punkt-Bestimmung mit der Möglichkeit zur Subpixelanalyse. Der Diamond Keyer vereint fast alle Operationen für das Keying in einem Fenster. Neben zahlreichen Presets gibt es jede Menge Möglichkeiten, den Key aufzuräumen, weichere Kanten einzustellen, Toleranzen hinzuzufügen, den Farbkanal festzulegen und überlaufende Hintergrundfarben zu entfernen. Außerdem bietet Combustion eine überzeugende Zusammenstellung an Effekten von Weichzeichungs- und Scharfzeichnungsfilter, Grain-Management bis hin zu dem Morph-Effekt Re:Vision. Die Auswahl richtet sich dabei an filmischen Bedürfnissen aus, „gewollte“ Effekte wie etwa den Look eines Ölgemäldes gibt es kaum.
Ein seit Jahren zumindest in dieser Preisklasse von anderen Anbietern immer noch nicht erreichtes Highlight von Combustion sind die Partikeleffekte. Angefangen bei rauschartigen Farbspielen über den Beam-Effekt bis hin zur Simulation von Feuer, Explosionen, Wolken, Sternen und Gräsern bietet die vorhandene Bibliothek viele Möglichkeiten. Die Effekte sind sehr realitätsnah und lassen sich durch eigene erweitern. Combus­tion hat einige Schnittfunktionen wie Ripple, Overwrite, 2-Punkt, Slip-and-Slide-Bearbeitung sowie einfache Blenden und Wipe-Übergänge.

Beim Import von Illustrator-Dateien stellt es sogar Hilfslinien bereit. Dank des Animate-
Buttons können alle Arbeitsschritte sofort als Animation aufgenommen werden – eine Funk­tion, die After Effects bis heute fehlt. Das Textwerkzeug von Combustion bietet alles Nötige, ­allerdings gibt es keine Vorlagen für Animationen, die daher immer erst Schritt für Schritt angelegt werden müssen. Expressions können zwar helfen, doch hier sind die Hilfefunktionen auf einige Pfadvorlagen beschränkt und man kommt nicht darum herum, sich in die Javascript-Programmiersprache einzuarbeiten.

Fazit

Trotz der seit Jahren schleppenden Entwicklung von Combustion ist es immer noch ein gutes Compositing-Programm und dem Hauptkonkurrenten After Effects in den Disziplinen Farbkorrektur, Keying, Rotoscoping und Painting zumindest einen kleinen Schritt voraus. Beim effektorientierten Animieren wie dem Erstellen abstrakter Animationen oder Typografie-Animationen wird Combustion von After Effects überrundet, weil eine Preset-Bibliothek, Formebenen und Hilfsmittel für Expressions fehlen. Auch wenn der Color Warper als hervorragende Farbkorrektur taugt, rechtfertigt das noch keine kostenpflichtige neue Version. Für die Neuanschaffung und das Update von Combus­tion 3 kann man dennoch eine Empfehlung aussprechen, während das Update von Combustion 4 sein Geld nicht wert ist.

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