Wer professionell im Bereich 3D-Computergrafik oder gar Animation tätig ist, hat auf dem Mac wenig Alternativen. Was die benötigte Rechenleistung angeht, so ist das Beste gerade gut genug. 

Die Industrie sorgt selbst dafür, dass der Bedarf an mehr Geschwindigkeit bei der Berechnung von Bildern zunimmt. Kommende Standards wie HD-Fernsehen mit seiner vielfach höheren Auflösung und immer größere Bilddiagonalen werden zukünftig noch mehr Ressourcen verschlingen, als das derzeit beim PAL-Format der Fall ist. Hinzu kommt, dass natürlich auch der Qualitätsanspruch an 3D-Arbeiten gestiegen ist. 3D-Programme werden mit jedem Update um neue Funktionalitäten ergänzt, die die Berechnung oft besser, aber auch langsamer machen können.
Was liegt also näher, als sich die aktuellen Mac Pro-Boliden eingehender in Bezug auf pure Rechenkraft anzusehen und vor allem auch mit den älteren Top-Rechnern zu vergleichen. Gleich vorweg: Der Mac Pro ist die 3D-Maschine.
Apple bietet vergleichende Benchmarks an, wie verschiedene SPEC-Tests. Deren Vergleichbarkeit mit der praktischen Arbeit in bestimmten Programmen ist jedoch nicht immer gegeben. Für diesen Zweck eignen sich eher spezielle Testprogramme, die verschiedene Eigenschaften eines Computers gezielt angehen und dabei die tatsächliche Arbeit mit einer Software simulieren.

Der Standard: Cinebench

Im Bereich der 3D-Grafik hat sich dabei die Software Cinebench aus dem Hause Maxon als Standard etabliert. Anhand mitgelieferter 3D-Szenen wird dabei die Berechnungszeit verschiedener Bilder ausgewertet und in so genannte ­Cinespec-Werte umgerechnet.
Ein großer Vorteil dieser Applikation besteht darin, dass sie in der Lage ist, auch Systeme mit mehreren Prozessoren oder Kernen robust zu testen. Zudem beschränken sich die Tests nicht nur auf die prozessorlas­tige Berechnung, sondern auch auf das Anzeigen von Daten am Bildschirm. Es darf schließlich nicht vergessen werden, dass die Berechnung von Bildern und Animationen erst am Ende eines oft langen Arbeitsprozesses steht. Die Darstellungsgeschwindigkeit der 3D-Objekte während der Modellierung am Bildschirm ist also auch ein sehr wichtiges Kriterium für die Anschaffung neuer Hardware. Und hier kommt der Mac Pro gerade recht.
Zudem sind moderne Grafikkarten über Pixel-Shader und OpenGL-Beschleunigung in der Lage, viele Effekte bereits ohne das Zutun des Prozessors in Echtzeit anzeigen zu können Dazu gehören zum Beispiel Schattenwürfe oder realistische Schattierungen bei Bump- oder Normal-Mapping von Oberflächen.
Im Idealfall lassen sich dann die Objekte bereits ohne die Notwendigkeit des Renderns qualitativ hochwertig im Editor des 3D-Programms anzeigen, was ebenfalls viel Zeit für Testberechnungen einsparen kann. Das Cinebench-Programm testet daher auch die Leistung der Grafikkarte anhand verschiedener Routinen. Auch hierbei erweist sich als Vorteil, dass die Test-Software plattformunabhängig angelegt wurde. So erschließen sich oftmals interessante Vergleichsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Rechnern, die unter Umständen mit identischer Hardware ausgerüstet sind, aber unter verschiedenen Betriebssystemen wie Mac OS und Windows arbeiten.

Mac Pro abgesetzt

Wie die Ergebnisse verschiedener aktueller Rechner in der nebenstehender Tabelle zeigen, ergeben sich teilweise große Unterschiede. So können auf den ersten Blick identische Hardware-Ausstattungen, wie sie im neuen iMac und MacBook Pro zum Einsatz kommen, auch recht unterschiedliche Werte produzieren. Dies hat natürlich auch etwas mit den thermischen Vorkehrungen im Gehäuse und an den verbauten Komponenten zu tun.
Interessanter für den Profi sind freilich die Mac Pro-Modelle, die sich im Test recht deutlich von den vergangenen Spitzenmodellen absetzen können. Etwas überraschend ist jedoch das Ergebnis der ATI-X1900-XT-Karte. Deren OpenGL-Werte, die ausschlaggebend für die Darstellungsgeschwindigkeit während der Arbeit in 3D-Programmen, aber auch in Computerspielen oder bei Videoeffekten sind, liegen noch unter der Leistung der nVidia-Karte, die in der Basisausstattung der Mac Pros mitgeliefert wird. Möglich, dass dort noch etwas am Treiber dieser brandneuen Karte gearbeitet werden muss. Diese ATI-Karte ist an­sonsten wesentlich leistungsfähiger, als dies die Testergebnisse widerspiegeln. Hier wird Apple sicher bald ein Firmware-Update liefern, um die Grafikkarten-Leistungen zu optimieren.

Gesteigertes Interesse an 3D

Wer die einschlägigen Internet-Foren in den vergangenen Wochen etwas beobachtet hat, konnte seit der Einführung der Mac Pros wieder ein gesteigertes Interesse von 3D-Profis an Apple-Rechnern beobachten. Ein Großteil davon kommt aus dem Windows-Lager und empfindet die neuen Profi-Rechner von Apple erstmals auch in diesem Segment wieder als konkurrenzfähig.


Sicherlich spielt dabei auch die Veröffentlichung von Boot Camp eine große Rolle, da dadurch eine oft kostspielige Neuanschaffung von Software entfallen kann. Boot Camp ist soeben aktualisiert worden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Testergebnisse unter Mac OS X sogar etwas besser sind als unter Windows XP. Die Tabelle belegt dies am Beispiel des Mac Pro mit 2,66 GHz. Sowohl die Grafikleistung als auch die reine Prozessorauslastung sind unter Mac OS X besser. Apple hat dadurch eindeutig einen großen Schritt in die richtige Richtung getan und hat sich neue Kundenschichten eröffnet beziehungsweise bereits verlorene 3D-Profis wieder auf sich aufmerksam gemacht.

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