Huawei Ascend P6 im Test: Beauty-Offensive in der Mittelklasse

Amir Tamannai
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Für gewöhnlich schmücken die Smartphone-Hersteller ihr Produkt-Portfolio regelmäßig und unter großem Tamtam mit neuen Geräten der Superphone- oder High End-Klasse. Neuzugänge im Mittelfeld kommen hingegen weniger spektakulär oder wenigstens als Lite- oder Mini-Versionen, klar abgegrenzt von ersteren, auf den Markt. Mit dem Ascend P6 hat Huawei im Juni sein 2013er Topmodell ganz anders positioniert: Schön soll es sein, schlank ist es und Performance und Preis ordnen sich quasi mit Ansage deutlich unterhalb der Luxusklasse ein. Ob dieses Konzept aufgeht und ob das Ascend P6 möglicherweise das Smartphone für alles ist, die keine Octa Core oder S800-Performance brauchen, klärt unser Testbericht.

Huawei Ascend P6 im Test: Beauty-Offensive in der Mittelklasse

„Beauty. Worth waiting for.“ — mit diesen bedeutungsschwangeren Worten kündigte Huawei Anfang Mai den Launch des Ascend P6 an … und uns wurde ein bisschen schwummerig: Ausgerechnet Huawei, die in den vergangenen Jahren zwar oft mit schicken und nominell potenten Smartphones von sich Reden gemacht hatten, genauso oft aber ob der ständigen Verspätungen dieser in den Schlagzeilen standen, packen das Warten buchstäblich in den Slogan zum neuen Flaggschiff — ist das selbstironisch, dreist oder einfach nur unbedacht? Rückblickend tippen wir mal auch eine Mischung aus Ironie und augenzwinkerndem Understatement; denn lange mussten wir auf das Huawei-Model(l) in diesem Jahr nicht warten: Nur anderthalb Monate nach der Vorstellung in London, kann das 720p-Quad Core-Smartphone aktuell zu einem Preis unterhalb der 400 Euro-Marke in Deutschland bezogen werden. Dafür schon mal Lob an die Chinesen.

Huawei-Ascend-P6-total

Aber Pünktlichkeit in Sachen Verfügbarkeit ist eigentlich keine besonders hervorhebenswerte Tugend, sondern sollte selbstverständlich sein und ist ja auch und vor allem im Sinne des Herstellers selbst; deswegen muss sich das Ascend P6 natürlich an anderen Dingen messen lassen. Ob es tatsächlich schön ist und gut in der Hand liegt, ob die Performance des mittlerweile noch mehr ins Hintertreffen geratenen K3V2-Vierkerners aus eigener Herstellung noch ausreicht; auch für ein Gerät mit, zumindest im Angesicht der aktuell vorherrschenden 1080p-Elite, niedrig auflösendem 720p-Display und ob das Emotion UI, die Huawei über das installierte Android 4.2.2 legt, in der Benutzung sinnvoll oder gar störend ist. Und das alles natürlich vor dem Hintergrund, das Huawei mit dem P6 eben nicht HTC One (Test), Samsung Galaxy S4 (Test) oder Sony Xperia Z (Test) vom Thron zu stoßen sucht, sondern eher eine hochwertige, frische Alternative zu den mini-Modellen, aber auch dem Nexus 4 (Test) und Samsungs Vorjahres-Flaggschiff Galaxy S3 (Test) anbietet.

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Schauen wir uns die Schönheit aus dem Reich der Mitte als von allen Seiten an und prüfen dabei natürlich auch ihre inneren Werte …

Das Huawei Ascend P6 im Video

Direkt nach der Vorstellung des Ascend P6 am späten Nachmittag des 18. Juni haben wir uns in London ein Exemplar geschnappt und es im ersten Hands-On-Video begutachtet:

Außerdem haben wir in diesem Artikel auch die Kamera des P6 einem ersten, schnellen Test vor Ort unterzogen; detaillierte Informationen zur Kamera und der Kamera-App gibt es unten im entsprechenden Abschnitt.

Optik, Haptik und Verarbeitung des Huawei Ascend P6

6,18 Millimeter ist das Ascend P6 dünn und damit das schlankste am Markt erhältliche Smartphones; und diese 6,18 Millimeter standen natürlich auf im Fokus von Huaweis Marketing-Abteilung. Wir können nach ausführlichem Testen des Gerätes dazu festhalten: Meine Güte, das ist wirklich dünn, das P6; dabei aber nicht etwa zu dünn — anders als zum Beispiel beim Xperia Z Ultra, dass ob seiner flachen Bauart und der großen Fläche fast schon zerbrechlich wirkt, hat man beim Ascend P6 nicht das Gefühl, hier ein unangenehm filigranes Gerät in der Hand zu halten. Stattdessen tragen die Rückseite aus Metall sowie die ebenfalls metallenen Ränder zu einem insgesamt sehr soliden und wertigen Handgefühl bei; auch das aus diesen Materialien resultierende „normale“ Gewicht von 120 Gramm hinterlässt einen robusten, aber nicht etwa klotzigen Eindruck.

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Eines wird natürlich überdeutlich, wenn man das Ascend P6 anschaut, vor allem in der uns vorliegenden weißen-Version: Die Reminiszenzen an Apples iPhone der vierten und fünften Genration sind frappierend. In Kombination mit dem Emotion UI, die in vielen Belangen (für uns bis heute unsinniger und unverständlicherweise) iOS zu imitieren sucht, macht sich sehr wohl der Eindruck breit, das Huawei mit dem P6 teilweise ganz gezielt in Apple-Gewässern fischt und möglicherweise speziell auf dem Heimat- respektive dem asiatischen Markt damit potenzielle Fans der Marke aus Cupertino „abzuwerben“ sucht.

Wie dem auch sei, dass Apples iPhones schöne Geräte sind, steht außer Frage; nach unserem Empfinden ist das Ascend P6 trotz der mutmaßlichen Anleihen bei diesen aber noch schöner: Hauptsächlich dadurch, dass es noch flacher ist und damit eleganter wirkt, aber auch durch den 0,7 Zoll beziehungsweise 1,2 Zoll größeren Screen, der die optische Schlankheit weiter unterstützt, und dem abgerundeten unteren Rand, der dem Smartphone dann doch noch eine gestalterische Eigenart verleiht.

Huawei-Ascend-P6-upsidedown

Ins Detail: Sämtliche Buttons und die Einschübe für Micro-SIM und micro SD hat Huawei auf den rechte Geräterand gelegt, von oben nach unten finden sich hier der Powerbutton und die Lautstärkewippe — beide beim Halten in der rechten Hand gut positioniert, erfühlbar und mit gefälligem Druckpunkt — darunter dann die Schlitte für SD- und SIM-Karte. Auf der gegenüberliegenden Seite ist lediglich ganz unten, in der Rundung der Unterkante der 3,5 mm-Anschluss für die Kopfhörer eingelassen. Der wird bei Nichtbenutzung von einem Metallstöpsel verschlossen, der gleichzeitig ob der daran angebrachten Nadel als Öffner für die Karten-Schlitten dient. Problem A an dieser Lösung: Ein seitlicher Kopfhörer-Anschluss ist dahingehend problematisch, dass eingesteckte Kabel natürlich beim Verstauen des Gerätes immer im Weg sind — oder umgekehrt: Der Stecker dürfte beim Einschieben des Smartphones in Taschen aller Art über kurz oder lang Bruchschaden erleiden. Wenigstens liegt Huawei dem Gerät Kopfhörer mit abgewinkeltem Stecker bei; die weisen aber nur mittelmäßige Qualität auf (und sind keine In-Ears), wie solche Dreingaben eben üblicherweise sind, und so bleibt das Problem bei der Nutzung eigener Ohrhörer bestehen.

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Problem B: Sind die Kopfhörer eingesteckt, gibt es keinen Ort am Gerät, an dem sich der Abdeck-Stöpsel für den 3,5 mm-Klinkenanschluss verstauen ließe, der Nutzer wird ihn also notgedrungen beispielsweise in die Jacken- oder Hosentasche stecken müssen. Wohin dürfte im Ergebnis aber wortwörtlich Jacke wie Hose sein, denn wir sind sicher, dass der kleine Stöpsel nach ein paar Tagen verschollen sein wird. Das ist an sich nicht weiter schlimm, bleibt die 3,5 mm-Buchse eben offen und die Karten-Schlitten kann man auch mit einer Büroklammer öffnen. Allein: Der Käufer wird sich über den Verlust dennoch ärgern — schließlich fehlt ja jetzt ein ursprüngliches Teil des Gerätes. Man hat uns zwar erklärt, dass der Stöpsel unter Umständen als Zubehörteil (hoffentlich zum kleinen Preis) erhältlich sein wird, dennoch hat Huawei nach unserem Empfinden hier ein vermeidbares potenzielles Ärgernis eingebaut.

Huawei-Ascend-P6-Headset

An der Oberkante findet sich der Micro-USB-Anschluss und das kleine Mikro für die Umgebungsgeräusche respektive deren Unterdrückung bei der Telefonie, am runden unteren Rand lediglich das Mikrofon zum Sprechen.

Die Rückseite des Ascend P6 besteht wie erwähnt aus seidenmatt weiß-lackiertem beziehungsweise schwarz-gebürstetem Metall und wird oben links von Kamera und LED-Blitz, oben mittig vom Huawei-Logo und unten links vom Lautsprechergrill unterbrochen. Auf der Front finden sich über dem 4,7 Zoll-Display der Hörer-Grill, die Frontkamera und rechts daneben Licht- und Näherungssensor, zusammengefasst in einem länglichen „Bullauge“. Unter dem Screen dann noch einmal der Huawei-Schriftzug.

Huawei-Ascend-P6-Randoben

Die Unterkante des P6 ist zwar schön abgerundet, ein wenig schnöde wirkt aber, wie diese auf den Korpus „aufgeflanscht“ wurde: Sowohl auf der Vorderseite als auch auf dem Rücken ist der Übergang von Plastik zu Metall respektive Glas deutlich sicht- und spürbar; noch schöner wäre es gewesen, hätte man hier den Metallrücken einfach um die Kurve bis nach vorne zum Display gezogen – vermutlich ist dieser Materialwechsel aber technischen Notwendigkeiten geschuldet.

Nichstdestotrotz, im Fazit ist das Ascend P6 ein sehr ansehnliches Smartphone, das eben anders als die zuletzt viel gescholtenen echten Laufstegmodels nicht nur superdünn ist, sondern auch mit schlichter Eleganz besticht. Dabei gefällt uns das schwarze Modell fast ein wenig besser, denn dessen Rückseite im Brushed-Alu-Look wirkt noch edler und wertiger als die weiße Version.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass der (ebenfalls sehr schönen) Umverpackung des P6 neben Kopfhörern, Micro-USB-Kabel und Netzteil auch noch eine transparente Schutzhülle beiliegt.

Huawei-Ascend-P6-huelle

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Das Display des Huawei Ascend P6

Huawei-Ascend-P6-Display

Nominell und auf den ersten Blick scheint das mit 720p auflösende HD In-Cell LC-IPS+-Display nichts Besonderes, True HD-Auflösung reißt 2013 niemanden mehr vom Hocker, 4,7 Zoll sind zwar für viele Nutzer angenehmer als Screens jenseits der 5-Zoll-Marke, aber eben nicht weiter weltbewegend.

Nach einigen Tagen der Benutzung hat mit dieses Display aber umgehauen — auch und gerade im direkten Vergleich mit dem fast gleich großen und ebenfalls mit 1280 x 720 Pixeln auflösenden AMOLED-Screen meines Galaxy S3: Das Huawei Ascend P6 ist das allererste Gerät, das ich konstant mit aktivierter automatischer Helligkeitsregelung nutzen konnte, weil diese das Display stets ausreichend hell beleuchtet und sich erstaunlich schnell und treffend dem jeweiligen Umgebungslicht anpasst. Ganz großes Lob an Huawei dafür, dass sie gezeigt haben, wie so eine Automatik ausschließlich Sinn macht — und gleichzeitig bewiesen haben, dass diese durchaus sinnvoll eingesetzt werden kann. Und das Beste daran: Diese Lösung geht nicht etwa auf Kosten des Akkus, wie man in Anbetracht der Tatsache, dass die Konkurrenz ihre Screens ja mutmaßlich zur Verlängerung der Laufleistung dunkler einstellt, annehmen könnte; dazu mehr im Abschnitt „Alltagstauglichkeit und Akku“.

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Damit bin ich aber noch nicht am Ende mit meine Lob für den Screen des P6: In den vergangenen Tagen, als die Sonne so richtig auf Deutschland herunterbrannte, saß ich ein ums andere Mal mit S3 in der einen und P6 in der anderen Hand mitten auf einem See, auf der grünen Wiese oder auf dem heimischen, sonnendurchfluteten Balkon — und während unter solchen Kondition auf dem Samsung-Smartphone schlicht nichts mehr zu erkennen war, lies sich der Screen des Ascend P6 stets halbwegs ordentlich ablesen; ebenfalls mit aktivierter Auto-Helligkeit!

Auch die Blickwinkel des IPS+-Displays sind hervorragend, die Farben satt, schwarz ist schwarz und weiß ist weiß. Bei Bedarf lässt sich die Farbtemperatur in den Einstellungen auch nach eigenem Gusto nachjustieren und wer die Helligkeit manuell auf die höchste Stufe regelt, den strahlt das Ascend P6 fortan förmlich an.

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Der Screen des Ascend P6 ist in seiner Klasse also eine Wucht und bis auf die für heutige Standards etwas geringe, aber mit 312 ppi Pixeldichte trotzdem völlig ausreichende, Auflösung mit das Beste, was ich in den vergangenen Monaten ansehen durfte; ginge es nur nach dem Screen, würde ich mein S3 jetzt in die Ecke pfeffern und mir ein Ascend zulegen — aber es kommt ja noch mehr …

Performance: das Huawei Ascend P6 im Leistungscheck

Und was macht man mit so einem gelungenen Screen außer Mails checken, RSS-Feeds lesen und im Netz surfen? Man spielt natürlich Games darauf. Leider gibt es an dieser Stelle für Hardcore-Zocker einen kleinen Dämpfer: Der Huawei-eigene und mit 1,5 GHz getaktete Quad Core-Prozessor K3V2, dem 2 GB RAM zur Seite stehen, war schon im vergangenen Jahr — als er nagelneu und die mobile Welt gerade erst vierkernig geworden war — verglichen mit der Konkurrenz von Qualcomm oder Samsung kein Überflieger; ein Jahr später ordnet er sich insgesamt maximal noch knapp unter dem aktuellen Leistungsniveau eines zweikernigen Snapdragons 400 ein; oder eben unter dem Exynos 4412 aus dem S3.

Das bedeutet nun aber nicht, dass das Ascend P6 lahm wäre oder den Nutzer eine Ruckelorgie erwartet — schließlich sind ja weder das S3 noch das Galaxy S4 mini oder das HTC One mini Leistungs-„Gurken“. Im Drawer, auf dem Homescreen und in regulären Apps läuft alles stets flüssig und ohne merkliche Lags, dafür sorgen die vier Rechenkerne in Kombination mit den 2 GB RAM schon. Und auch die allermeisten Spiele lassen sich problemlos auf dem Ascend P6 zocken; nur High End-Power, wie etwa auf einem Galaxy S4, Xperia Z oder HTC One darf man eben nicht erwarten: Die GPU vom Typ Vivante GC4000 hat, wie unsere Recherche ergab, wohl besonders gute Benotungen hinsichtlich der Qualität seiner 3D-Darstellungen erhalten, reißt aber in Sachen Geschwindigkeit keine Bäume aus. Spiele wie Prince of Persia 2: The Shadow and the Flame oder Dead Trigger laufen mit leichte Rucklern, Riptide GP2, CSR Racing oder Real Racing 3 sind ob des deutlichen Stotterns quasi nicht spielbar — zumindest solange man, wo möglich, über die Einstellungen oder externe Apps nicht die Grafikqualität herunter regelt.

Huawei-Ascend-P6-black-and-white2

Erwähnenswert ist noch, dass die metallene Rückseite, aber auch der Alu-Rand des Gerätes unter Last ordentlich warm bis heiß werden — man verbrennt sich zwar noch nicht direkt die Finger, aber viel fehlt dazu zeitweise nicht …

In Benchmarks dargestellt, positioniert sich das Huawei Ascend P6 dann gegenüber S4 mini und Galaxy S3 so:

Benchmark Samsung Galaxy S3 (Android 4.2.2) Samsung Galaxy S4 mini Huawei Ascend P6
Antutu (Total) 15268 14336 14083
Antutu (CPU) 7085 5735 5326
Antutu (GPU) 5029 5119 5805
Antutu (RAM) 2337 2627 2157
Antutu (I/O) 817 855 795
CF-Bench (Overall) 14677 13758 12127
CF-Bench (Java) 7022 13309 5029
CF-Bench (Native) 26161 14433 22774
GFXBench (GLBenchmark 2.7)
(2.7 T-Rex HD C24Z16 Offscreen)
abgestürzt 347 Frames
6,2 fps
240 Frames
4,3 fps
GFXBench (GLBenchmark 2.7)
(2.5 Egypt HD C24Z16 Offscreen)
1783 Frames
16 fps
1889 Frames
17 fps
1675 Frames
15 fps

Ascend-P6-AnTuTu
Ascend-P6-CF
Ascend-P6-GFX

Fazit: Etwas langsamer und hinsichtlich des Grafikchips zum Teil deutlich schwachbrüstiger als S3 oder auch die minis von HTC und Samsung, ist das P6 keine Gaming-Maschine; wer ohnehin nicht mit dem Smartphone spielt, oder sich dabei auf wütende Vögel, kleine Diebe oder sonstige 2D-Spielereien beschränkt, dem bietet der 4,7-Zoller aber ausreichend Leistung für alle anderen Belange des mobilen Lebens.

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Die Software des Huawei Ascend P6

Auch beim User Interface orientiert sich Huawei beim P6 eher an iOS (oder von mir aus auch MIUI, das sich aber seinerseits aber ursprünglich an iOS orientierte), denn am Android-Standard. So liegt über Android 4.2.2 das neue UI der Chinesen mit dem emotionalen Namen Emotion UI — und dessen augenfälligstes Merkmal ist die Abwesenheit eines App-Drawers. Wie beim iPhone liegen also sämtliche Apps direkt auf den bis zu neun Homescreens. Ein wenig Ordnung verschaffen zwar vordefinierte Ordner und solche, die der Nutzer nachträglich selbst anlegen kann; auch das blaue „New“-Bändchen um noch nicht gestartete Apps erleichtert die Orientierung. Dennoch ist für mich das Fehlen eines App Drawers eine vollkommen unnötige und sinnfreie Funktions-Beschneidung, die Huawei da am Android-OS vorgenommen hat.

Ascend-P6-Home1

Auch ärgerlich: Die Apps auf dem Homescreen lassen sich nicht irgendwie automatisch anordnen, neue Apps werden lediglich hinten angehängt. Schlimmer noch, es wird nicht nachgerückt — soll heißen, dass deinstallierte Anwendungen Lücken hinterlassen, die der Nutzer selbst mit anderen Apps wieder füllen muss. Das wirkt alles nicht zu Ende gedacht und so, als hätte man bei Huawei einfach mal etwas streichen wollen, um anders (oder iOS ähnlicher) zu sein, sich aber nicht weiter darum kümmern wollen, die so veränderte Nutzererfahrung neu zu optimieren. Unter dem Strich ist es nämlich genau das: Ein Feature gestrichen, sonst ändert sich nix.

Ascend-P6-Home2

Man merkt möglicherweise, dass mich das Emotion UI in dieser Hinsicht geradezu verärgert hat; ebenso wie das nicht eingehaltene Versprechen Huaweis von vor ein paar Monaten, das eigene UI stets nur als Alternative zu Vanilla-Android, also mit der Option zum fliegenden Wechsel, anbieten zu wollen: Das Emotion UI ist die einzige vorhanden Nutzeroberfläche. Zwar steht es jedem P6-Besitzer natürlich frei, sich einen Alternativ-Launcher wie Nova oder Apex zu installieren, aber das ist ein Vorteil, den Android mitbringt, kein Feature, das Huawei dem Ascend P6 spendiert hätte.

Huawei-Ascend-P6-Themes

Wo Schatten ist, da ist auch Licht und so hat das Emotion UI natürlich auch seine Vorzüge; besonders eminent (in der Theorie) sind die vielen Themes, die Huawei über die vorinstallierte Design-App zur Verfügung stellen wird: Aktuell kann der Nutzer dort aus fünf verschiedenen lokalen Themes wählen, die auch in ihren einzelnen Komponenten noch modifizierbar sind; irgendwann soll dann auch der Zugriff auf über tausend Online-Design möglich sein — wann das geschehen soll, steht aber noch nicht fest.

Huawei-Ascend-P6-Profile

Schick umgesetzt ist der Profil-Manager, der sich beim Aufruf über den Shortcut in der Benachrichtigungsleiste in einem coolen Ringmenü präsentiert. Das Feintuning oder Hinzufügen neuer Profile freilich findet in einer normalen App im Draw …äh, auf dem Homescreen statt. Festlegen lassen sich hier erfreulicherweise nicht nur unterschiedliche Lautstärken für verschiedenen Situationen und Umgebungen, sondern auch die Bildschirmhelligkeit, ob WLAN und/oder mobile Datenverbindung aktiv sein sollen, GPS, Bluetooth, die Auto-Synchronisation, die Vibration und sogar abweichende Bildschirm-Timeouts.

Huawei-Ascend-P6-Berechtigungen

Sehr praktisch und gerade für Neueinsteiger oder solche Nutzer, die nicht ständig sämtliche Berechtigungen jeder installierten App vor dem inneren Auge vergegenwärtigt haben, äußerst hilfreich ist Huaweis Berechtigungsmanager, der sich im Ordner Verwaltung auf dem Homescreen findet: Dieser überwacht jede App, die Push-Nachrichten ans Benachrichtigungsfeld senden möchte, über Netzwerke ins Internet will, auf die Daten des Nutzern (Kontakte, Nachrichten, Kalender, Anrufprotokoll, etc.) oder dessen Standort zugreift und SMS versenden oder gar Anrufe tätigen möchte und gibt entsprechende Warnungen in die Notification-Bar. Versiertere Nutzer, können sich in der App Protokolle dazu ansehen, Apps nachträglich freischalten oder ihnen Berechtigungen entziehen und festlegen, ob überhaupt Alarm bei Daten- respektive Push-Zugriff geschlagen werden soll.

Wie man es von Samsungs TouchWiz UI oder aus verschiedenen Custom ROMs kennt, finden sich in der heruntergezogenen Benachrichtigungsleiste auch beim Ascend P6 sogenannten Schnellzugriffe für häufig genutzte Einstellungen (Quick Toggles) — die können vom Nutzer über das zugehörige Menü auch nach den eigenen Vorlieben umpositioniert werden.

Huawei-Ascend-P6-Notification-Bar

Ganz anders als Samsung, die mit dem neuen Einstellungsmenü unter Android 4.2 für Verwirrung und Unverständnis bei uns gesorgt haben, bietet Huawei im Emotion UI zwei Menü-Reiter an: Unter einem finden sich die wichtigsten Punkte kompakt zusammengefasst, unter dem anderen dann die vollständigen Settings, mit allen bekannten und relevanten Einträgen — das ist übersichtlich und nutzerfreundlich gelöst.

Ascend-P6-Settings

Der Vollständigkeit halber sei auch noch erwähnt, dass auch dem Ascend P6 eine App zur Sicherung der eigenen und App-Daten auf der SD-Karte oder in der Hauwei-Cloud, eine gelungene Hilfe-App, die die Grundlagen der Benutzung des Smartphones in Piktogrammen erklärt, eine Taschenlampen-Anwendung, Polaris Office 4.0, eine Notiz-, eine Kalender- und eine Wetter-App sowie ein Dateimanager vorinstalliert sind; das sind allesamt vielleicht jeweils nicht die besten Anwendungen ihrer Zunft, erfüllen ihren Zweck aber, stören nicht und sind für Einsteiger eine willkommene Erstausstattung. Erfreulich: Bloatware findet sich auf dem P6 keine.

Einziger Bug, über den ich gestolpert bin: Die Google Plus-Anwendung in ihrer aktuellsten Version stürzt auf dem Ascend P6 ab; ob das nun an Google oder Huawei liegt, kann ich nicht beantworten. Ein Update entweder der App oder der Firmware sollte diesen Missstand aber unkompliziert und hoffentlich bald beheben. Apropos Update: Ob und wann das P6 mit Android 4.3 versorgt werden wird, darüber gibt es zur Stunde keine offizielle Stellungnahme.

Die Kamera des Huawei Ascend P6

Huawei-Ascend-P6-Kamera

Die 8 MP-Kamera des schlanken Smartphones ist leider ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite stehen die sehr guten Makro-Aufnahmen, die sich mit dem P6 schießen lassen. Die sind zwar nicht atemberaubend, aber zumindest ganz schick anzusehen:

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Die Landschafts- respektive Stadtfotos hingegen zeigen sich allesamt etwas verwaschen, ja beinahe milchig und etwas unscharf aus, sind beim Hereinzoomen zudem recht detailarm.

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Die Frontkamera löst nominell mit beeindruckenden 5 MP auf, produziert aber ähnlich unspektakuläre Ergebnisse wie das rückseitige Modul. Der Beauty-Modus, der bei Selbstablichtungen in 10 Stufen zugeschaltet werden kann, darf im Ergebnis maximal als Spielerei angesehen werden — zu offensichtlich ist der Weichzeichner, der sich über das Foto legt und zu beinahe grotesken Fotos führt – wenigstens, wenn man den Beauty-Regler auf Anschlag stellt.

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Ganz und gar enttäuschend sind aber die 1080p-Videos, die das P6 aufnimmt: Unscharf, ebenfalls milchig, mit deutlichem Rolling-Shutter-Effekt und vor allem stark ruckelig präsentieren sich die Clips, wie unser Testvideo an der Berliner East Side Gallery aufzeigt.

Die Kamera-App kommt mit Standardfunktionen wie HDR, Panorama-Funktion, Instagram-artigen Effekten und Shortcuts für den (Auto-)Blitz, den Wechsel zwischen Front- und Rückkamera, Foto- und Videoaufnahmen und die Galerie — alles da, was man so für den schnellen Schnappschuss benötigt.

Man muss es leider so deutlich schreiben: Die Kamera den P6 taugt zu nicht viel mehr als eben diesem schnellen Schnappschuss; und eigentlich darf man 2013 auch von einem Gerät dieser Preisklasse mehr erwarten. So aber sollten alle, die bei einem Smartphone auch Wert auf tolle Fotofunktionalität legen, einen Bogen um das Ascend P6 machen.

Speicher, Konnektivität und Telefonie

Lediglich 8 GB interner Speicher finden sich im Ascend P6, und davon stehen dem Nutzer beim ersten Hochfahren nur magere 4,7 GB zur Verfügung. Das ist wirklich, wirklich wenig — aber glücklicherweise verfügt das Smartphone ja über einen micro SD-Kartenslot und so kann der geneigte P6-Besitzer den Speicher so nicht nur erweitern, sondern auch unkompliziert Daten zwischen Smartphone und anderen Geräten austauschen. Dennoch hätten 16 GB Festspeicher dem Ascend P6 auch gut gestanden — wir schreiben ja schließlich das Jahr 2013 und Apps, Fotos oder gar HD-Videos sind inzwischen keine kleinen Kilobyte-Päckchen mehr.

Huawei-Ascend-P6-flach

Was dem P6 ebenfalls gut gestanden hätte, von mir aber schmerzlich vermisst wird, sind NFC und LTE-Konnektivität; beides spart sich Huawei aber — eine LTE-Variante des Ascend P6 soll wohl später im Jahr folgen, wir sind gespannt, wie viel Aufpreis dafür dann verlangt wird. Warum NFC fehlt und ob ein etwaiges späteres Modell damit ausgestattet sein wird, ist unklar — so teuer sind diese Module ja nun nicht.

Was das P6 aber kann, ist, mit HSDPA und damit bis zu 21,6 MBit/s im Download beziehungsweise HSUPA und 5,76 MBit/s im Upload mobil funken, sich in WLANs nach 802.11 b/g/n-Standard (2,4 GHz) einwählen, über Bluetooth 3.0 inklusive der Profile EDR, AVDTP, AVCTP, A2DP, AVRCP, PAN, GAP, GAVDP, HFP, HSP, OPP, PBAP und HID Kontakt zu externen Geräte aufnehmen. Das GPS findet zwar diverse Satelliten, es kommt aber selbst unter freiem Himmel so gut wie nie ein Fix zustande – als Navi ist das Ascend P6 so praktisch nicht zu gebrauchen. Dank der WLAN- und Mobilfunk-gestützten Ortung von Google sind die meisten Apps, die auf Ortserkennung setzen, aber gut benutzbar.

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Keine Besonderheiten gibt es hinsichtlich der Telefonie zu vermelden: Sämtliche Gespräche verliefen (bis auf zwei Ausnahmen, an denen aber auch die jeweilige Netzabdeckung schuld gewesen sein kann) stabil und ohne Abbruch, Gesprächspartner sind klar und deutlich zu verstehen und diese wiederum verstanden den P6-Nutzer problemlos.

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Die Akkulaufzeit des P6

Beim guten und vor allem hellen Display des P6 könnte die Befürchtung aufkommen, dass die Akkulaufzeit des schlanken Telefons nicht ausreichend lange sein könnte, zumal Huawei dem Gerät lediglich einen fest verbautes 2.000 mAh-Kraftwerk spendiert — zwar haben sowohl das S4 mini als auch das HTC One mini noch kleinere Batterien, aber auch neuere, mutmaßlich stromsparendere Chipsätze an Bord; während das Galaxy S3 immerhin 2.100 mAh im Rücken hat.

Huawei-Ascend-P6-speaker1

Diesbezügliche Sorgen dürfen aber verworfen werden: Im Test hielt das Ascend P6 locker 24 Stunden durch, auch bei häufiger Nutzung — und während so eines Reviews bedeute das eben häufiges Spielen, Benchmarken und Surfen. Im Alltag prognostizieren wir daher optimistisch, aber nicht verwegen, dass das P6 auch Power-User locker über den Tag bringt und bei weniger intensiver Nutzung auch ruhig mal ein nächtlicher Ladezyklus ausfallen kann, das Gerät den nächsten Vormittag dann dennoch durchhält. Gefühlt jedenfalls war das Huawei Ascend P6 im Test noch etwas ausdauernder als das Samsung Galaxy S3 — dessen Langatmigkeit ich eigentlich seit jeher zu schätzen weiß.

P6-Akkulaufzeit

Für alle Fälle stellt Huawei aber softwareseitig auch noch diverse Energiesparmaßnahmen bereit, mit denen sich das eine oder andere Stündchen Laufzeit mehr aus dem Akku pressen lässt; und die Möglichkeit, über ein Menü — fast wie unter Windows — die Apps, die beim Gerätestart nicht hochfahren sollen, einzeln abzuwählen, ist nicht nur praktisch und unter Sicherheits- und Leistungsaspekten sinnvoll, sondern schont den Akku zusätzlich.

Huawei-Ascend-P6-Energiesaver

Stellen wir also blumig fest: Das Ascend P6 ist nicht schlank, sondern drahtig — wie es sich eben für einen Langstreckenläufer gehört.

Testfazit zum Huawei Ascend P6

Und — hat sich das Warten (das eigentlich gar keines war) auf das Ascend P6 gelohnt? Hat es; und zwar sowohl im Sinne des Huawei-Slogans — also auf ein wirklich schönes Smartphone — als auch im Hinblick auf die viel gewichtigeren Inneren Werte des Gerätes: Das Display weiß zu gefallen, die Leistung geht für den Normal-Nutzer, der keine Hardcore-Mobile-Gamer ist, völlig in Ordnung, die Akkulaufzeit überzeugt. Das größte Manko ist die Kamera, die man getrost unter „ferner liefen“ abtun kann, das Emotion UI dürfte bei Android-Veteranen zwar für Kopfschütteln und Unverständnis sorgen, Einsteigern bietet sie aber viele nützliche Applikationen und Einstellungen und macht möglicherweise gerade aufgrund manches fehlenden Elementes den Umstieg von einem anderen OS oder Featurephone einfach. Schade bleibt aber, dass das P6 kein LTE versteht und sich auch NFC verweigert — gerade im Hinblick auf die zunehmende LTE-Wut der Provider und den damit einhergehenden Angeboten für Neukunden hätte Huawei das P6 bestimmt besser im Markt platzieren können, wenn es auch in 4G-Netzen funken könnte.

Huawei-Ascend-P6-Screen

Daneben bleibt dann aber vorrangig doch das Äußere: Das P6 ist schlank und schön und stellt allein dadurch eine Alternative zum einen oder anderen Vorjahres-High End-Gerät oder aktuellen Mittelklasse-Modell dar. Für unter 400 Euro bekommt der Kunde, der mehr Wert auf Look, denn auf höchste Performance legt, einen schicken Begleiter, der durchaus den einen oder anderen Blick auf sich ziehen wird — und sei es nur, weil sich Mitmenschen wundern, was für ein dünnes iPhone das denn sei …

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Unsere Wertung zum Huawei Ascend P6

  • Display: 5/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Kamera: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltagstauglichkeit: 4/5

Insgesamt: 3,7/5

Huawei-Ascend-P6-Test-Badge-androidnext

Pro

  • Schlank und schön
  • Tolles Display
  • Gute Akkulaufzeit

Kontra

  • Unterdurchschnittliche Kamera
  • Emotion UI nicht abschaltbar
  • Kein LTE, kein NFC, nur 5 GB interner Speicher frei

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