Huawei P9 im Test: Die Leica-Dual-Kamera macht den Unterschied

Peter Hryciuk
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Mit dem Huawei P9 möchte das chinesische Unternehmen nicht nur ein im Vergleich zum Vorgänger besseres Smartphone anbieten, sondern durch die Leica-Dual-Kamera auch die Fotografie mit dem Smartphone auf ein neues Level heben. In unserem ausführlichen Testbericht sind wir aber nicht nur auf die Kamera eingegangen, sondern auch auf die vielen weiteren Verbesserungen und neuen Funktionen, die das Huawei P9 mitbringt.

Huawei P9 im Test: Die Leica-Dual-Kamera macht den Unterschied

Kurz-Fazit vorweg: Das Huawei P9 ist hervorragend verarbeitet, liegt sehr gut in der Hand und bietet eine tolle Performance. Mit der Leica-Dual-Kamera ist Huawei zwar ein Experiment eingegangen, doch dieses ist definitiv geglückt – auch wenn der letzte Schliff noch fehlt. Der Akku ist gewachsen, das Design wurde optimiert und es wurden endlich Funktionen integriert, die bei den Vorgängern sehnlichst vermisst wurden.

Im Hinblick auf das größere Schwestermodell Huawei P9 Plus sind die Einschnitte in der Ausstattung aber nicht wegzudiskutieren, auch wenn sich das Huawei P9 preislich deutlich günstiger einordnet. An der Software muss Huawei ebenfalls noch arbeiten, denn einige Punkte sind nicht komplett durchdacht.

Pro

  • Sehr wertiges Design
  • Hohe Performance
  • Lange Akkulaufzeit
  • Leica-Dual-Kamera
  • Fingerabdruckscanner
Kontra

  • Software an einigen Stellen nicht zu Ende gedacht
  • Keine Dual-SIM-Funktion
  • Kein Wireless-Charging
  • Nicht wasserdicht
  • Kein optischer Bildstabilisator

Huawei hat in den letzten Monaten sehr viele neue Android-Smartphones auf den Markt gebracht und damit oftmals ins Schwarze getroffen. Die Honor-Smartphones verkaufen sich zu günstigen Preisen genauso gut wie die Huawei-Modelle zum höheren Preis mit besserer Ausstattung. Huawei hat sich mittlerweile zum drittgrößten Smartphone-Hersteller der Welt gemausert und von Quartal zu Quartal steigende Verkaufszahlen vermeldet. Mit dem P9 hat das Unternehmen nun ein weiteres Flaggschiff ins Rennen geschickt, welches im Vergleich zum P8 viele nötige Verbesserungen mitbringt, um gegen die Konkurrenz sowie gegen die eigenen Honor-Smartphones zu bestehen.

Meisterstück: Das Hauwei P9-Design

Huawei P9 Design

Mit dem Huawei P9 hat das chinesische Unternehmen sein Meisterstück abgeliefert, wenn es um die Wertigkeit des Smartphones geht. Das kantige Design des Vorgängers ist Geschichte, das neue Modell ist deutlich abgerundeter gestaltet und wird so wahrlich zum Handschmeichler. Schon beim ersten Kontakt fühlt sich das Smartphone sehr angenehm an und liegt ausgezeichnet in der Hand. Das Metallgehäuse besitzt keine scharfen Kanten, ungleiche Spaltmaße oder andere Schönheitsfehler, die den Eindruck trüben würden. Allein das Finish ist nicht optimal, denn die Oberfläche ich sehr glatt. Man sollte das Smartphone also immer gut festhalten – was bei der Größe von 5,2 Zoll aber auch kein Problem ist.

Huawei P9 Dicke

Das Huawei P9 ist mit 6,95 mm zwar etwas dicker als der Vorgänger mit 6,4 mm, doch das hat auch einen guten Grund: Der Akku ist nämlich auf 3.000 mAh angewachsen und soll eine höhere Laufzeit erreichen. Um so überraschender ist dann aber, dass beide Smartphones genau so viel wiegen, nämlich 144 Gramm. Das Smartphone ist dafür insgesamt 1,2 mm schmaler geworden, was auch den inneren schwarzen Rahmen um das Display minimiert, den Huawei so gerne auf den Pressebildern wegretuschiert. Beim Huawei P9 ist das nicht mehr nötig.

Angeboten wird das neue Modell in den Farben „Titanium Grey“ und „Mystic Silver“. Wir haben die dunklere Version erhalten, die absolut unaufdringlich wirkt und einen schönen Hingucker aus dem Smartphone macht. Die neue Leica-Dual-Kamera sticht in der Farbkombination auch nicht so ins Auge, da das Glas der Kameraeinheit in Schwarz gehalten ist. Gleiches gilt für den Fingerabdruckscanner auf der Rückseite und den Lautsprecher an der Unterseite. Diese sind optisch sehr dezent ins Design integriert. Die Rückseite ist zudem absolut unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken – ständiges Abwischen des Geräts, wie bei manch anderen Konkurrenten üblich, entfällt.

Huawei P9 Tasten

Die Anordnung der Tasten entspricht dem Standardlayout bei Huawei: Der Power-Knopf befindet sich auf der rechten Seite unter der Lautstärkewippe, beide Knöpfe sind aus Metall gefertigt und haben einen sehr guten Druckpunkt. Die Oberfläche des Power-Knopfs ist zudem leicht schraffiert, wodurch man diesen sehr gut erfühlen kann. Der Fingerabdruckscanner sitzt unserer Meinung nach etwa 3 bis 4 mm zu hoch. Das merkt man aber nur, wenn man gleichzeitig auch ein anderes Huawei-Smartphone nutzt wie beispielsweise das Mate S. Obwohl man oft nur mit der Fingerspitze auf den Scanner kommt, wird das Smartphone jedoch immer zuverlässig entsperrt.

Huawei P9 Anschlüsse

Neu ist der USB Typ C-Anschluss an der Unterseite, der aber nur USB 2.0 unterstützt. Darüber lässt sich das Smartphone sehr zügig wieder aufladen oder mit dem Computer verbinden. Links daneben findet sich das erste Mikrofon und daneben der Kopfhöreranschluss, während auf der gegenüberliegenden Seite der Lautsprecher verbaut wurde. An der linken Gehäuseseite hat Huawei den SIM- und microSD-Slot untergebracht, der leider keine Dual-SIM-Funktion besitzt, und an der Oberseite wurde noch das zweite Mikrofon platziert. In der Hörmuschel ist die Benachrichtigungs-LED integriert, links daneben befindet sich die Frontkamera. Optisch alles sehr zurückhaltend gestaltet, was uns gefällt.

Die Tonqualität beim Telefonieren kann ebenfalls überzeugen. Die Hörmuschel kann laut genug eingestellt werden und man wird auch vom Gegenüber sehr gut verstanden. Der Empfang war sowohl im 3G- als auch 4G-Netz sehr gut. Gleiches gilt für das WLAN: Abbrüche oder Probleme mit der Verbindung sind nicht aufgefallen. Die Verbindung per Bluetooth mit dem Auto hat gut geklappt, ebenso die Kontaktaufnahme per NFC und die darauf folgende Datenübertragung.

Nur ein IPS-Panel: Das Display im Huawei P9

Huawei P9 Display 2

Darf man enttäuscht über die Wahl des Panels im Huawei P9 sein, wenn Darstellung, Helligkeit und Auflösung passen? Eigentlich nicht, doch einen etwas faden Beigeschmack hat die Wahl des IPS-Panels schon, denn im größeren P9 Plus und auch im Mate S wurden jeweils AMOLED-Displays verbaut. Die Auflösung ist gleich, die Pixeldichte sogar höher – doch der Schwarzwert und die Farben wirken nicht so knallig, wie es mit einem AMOLED-Display möglich wäre. Besonders der Vergleich mit dem Display des Huawei Mate S zeigt die Unterschiede sehr gut auf. Möglicherweise konnte Huawei die Kosten für das Smartphone so etwas senken, um es noch günstiger anbieten zu können.

Huawei P9 Display Sonne

Huawei setzt weiterhin auf eine Full HD-Auflösung mit 1.920 x 1.080 Pixeln, um die Performance und Akkulaufzeit nicht unnötig zu verschlechtern. Die Darstellung ist sehr gut, das Display lässt sich auch im direkten Sonnenlicht noch gut ablesen und in den Einstellungen kann der Nutzer die Farbtemperatur individuell einstellen. Perfekt für jene, die es wahlweise wärmer oder kühler mögen. So lässt sich auch ein sehr guter Weißwert erreichen, ohne dass die anderen Farben negativ beeinflusst werden.

Huawei P9 Test Display Farbtemperatur

Der Helligkeitssensor des Huawei P9 arbeitet absolut zuverlässig und wählt genau die richtige Einstellung für jede Situation. Nur wenn es etwas dunkler wird, muss man manuell eingreifen und nachjustieren, da das Display sonst etwas zu hell bleibt. Das geht direkt über die Schnelleinstellungen, wenn man die Benachrichtigungsleiste herunterzieht. Positiv anzumerken ist auch, dass sich das Display sehr dunkel einstellen lässt, ohne zu flackern. Das ist besonders praktisch, wenn man etwa nachts kurz aufs Smartphone schauen möchte, ohne dabei zu stark geblendet zu werden.

Leica-Dual-Kamera animiert zum Fotografieren

hauwei P9 leica Dual-Kamera

Das Huawei P9 ist mit einer neuen Dual-Kamera ausgestattet, die in Kooperation mit Leica entwickelt wurde. Das chinesische Unternehmen setzt dabei auf zwei Sensoren, um unterschiedliche Aufgabenbereiche besser abdecken zu können. Es handelt sich einmal um einen RGB-Sensor für Farbaufnahmen und einen Monochrom-Sensor für Schwarz-Weiß-Fotos. Die Auflösung liegt jeweils bei 12 MP, die Brennweite bei 27 mm und die Blende bei f/2.2. Auf dem Datenblatt klingt das zwar nicht berauschend, doch die beiden Sensoren arbeiten sehr gut zusammen und ermöglichen tolle Aufnahmen.

Viele Analysten sehen Dual-Kamera-Setups in Smartphones als Zukunft an und sagen den Durchbruch für das kommende Jahr voraus. Huawei setzt bereits jetzt auf eine neue Dual-Kamera und hat dafür auch gute Gründe. Denn wieso sollte man versuchen, einen Sensor zu entwickeln, der in jeder Situation hervorragende Ergebnisse abliefert, wenn sich die Arbeit doch perfekt auf zwei Sensoren aufteilen lässt? Nicht umsonst lagern immer mehr Hersteller Funktionen aus. Bestes Beispiel ist der Laser-Autofokus, der auch in schwierigen Lichtverhältnissen und in absoluter Dunkelheit für eine gute Schärfe sorgt. In dem Fall unterstützt der Monochrom-Sensor den RGB-Sensor auch bei normalen Aufnahmen, um die Schärfe noch besser bestimmen zu können.

Huawei P9 Kamera App Modi

Beim Huawei P9 funktioniert das schon sehr gut. Die Kamera-App ist so umfangreich ausgestattet, dass man wirklich alles manuell einstellen kann. Das Smartphone eignet sich sowohl für normale Schnappschüsse, die man mit einem Messenger wie WhatsApp verschicken kann, als auch für wirklich ansehnliche Fotos, die man sich ausdruckt und an die Wand hängt. Huawei hilft dem Nutzer mit speziellen Programmen, die bestimmte Voreinstellungen treffen. Doch auch da kann man über die Einstellungen eingreifen. Der automatische Modus ist oft aber die bessere Wahl, da man so beeindruckende Ergebnisse erhält, ohne sich in in der professionellen Fotografie wirklich auskennen zu müssen.

Bildergalerie Huawei P9: Kamera-Testfotos

Kein optischer Bildstabilisator

Was fehlt, ist der optische Bildstabilisator. Das zeigt sich insbesondere, wenn man Bilder im Dunkeln machen möchte. Bei längeren Belichtungszeiten muss man das Smartphone absolut ruhig halten, was im Alltag kaum klappt. Selbst wenn man sich anlehnt, sind leichte Unschärfen zuerkennen. Auf dem Display des Smartphones sehen die Bilder im Grunde immer gut aus, auf dem PC und einem größeren Bildschirm unter Umständen nicht mehr. Es empfiehlt sich demnach öfter abzudrücken und manuell zu fokussieren, wenn man sich nicht sicher ist, dass die Schärfe wirklich korrekt erfasst wurde. Während des Huawei P9-Tests ist es uns öfter passiert, dass Motive einfach unscharf wurden, ohne dass es dafür einen Grund gab. Entweder saß der Fokus nicht richtig oder die Auslöseverzögerung war zu groß, wodurch es einfach verwackelte. Hier würde ein optischer Bildstabilisator definitiv helfen.

Huawei P9 Stativ

Wenn man in der Dunkelheit fotografieren möchte, dann sollte man ein Stativ mitnehmen, um gute Ergebnisse zu erhalten. Im normalen Modus sind die Fotos immer zu stark verrauscht – da enttäuscht die Leica-Dual-Kamera doch etwas:

Bildergalerie Huawei P9 Test Low Light Normal

Wählt man aber den Nachtmodus aus, können auch folgende Schnappschüsse entstehen, die zeigen, wozu die Kamera tatsächlich in der Lage ist:

Bildergalerie Huawei P9 Test Kamera Nachtaufnahme

Diese Fotos sehen wirklich sehr beeindruckend aus für ein Smartphone, doch auch hier kommt eine leichte Unschärfe heraus, wenn man das Bild vergrößert. Durch die hohe Belichtungszeit ist ein Stativ unverzichtbar, sonst gelingen die Fotos nicht. Im automatischen Modus wählt das Smartphone je nach Helligkeit die Länge der Belichtung aus. Im Pro-Modus lässt sich der Wert natürlich individuell bestimmen. Die Fotos in der Galerie wurden im automatischen Modus geschossen.

Schwarz-Weiß-Fotografie bringt den besonderen Effekt

sdr

Die Schwarz-Weiß-Fotografie liegt im Trend und wird mit dem Huawei P9 und dem Monochrom-Sensor auf ein neues Level gebracht. Klar, ein farbiges Bild kann ohne Probleme in ein Schwarz-Weiß-Foto umgerechnet werden, doch die perfekten Grauabstufungen erhält man nur mit einem Monochrom-Sensor. In einigen Situationen wirkt ein Bild in Schwarz-Weiß einfach kraftvoller und spiegelt die Geschichte eines Motivs besser wieder. Da Huawei im P9 zwei Sensoren verbaut hat, wechselt man einfach in den Monochrom-Modus und kann wunderbare Fotos machen.

Bildergalerie Huawei P9 Test Schwarz Weiss

Kamera-App nicht final durchdacht

Die Menüführung der Kamera-App ist etwas umständlich und mit Wischgesten gelöst. Öffnet man die App zum ersten Mal, wird man in das Menü eingeführt. Voreingestellt ist natürlich der automatische Modus. Mit einem Wisch vom rechten Rand ins Display kommt man in die Einstellungen. Dort lassen sich die Auflösung, der Speicherort, ein Raster und vieles mehr einstellen. Mit einem Wisch von links ins Bild gelangt man zu den Modi: Dort finden sich verschiedenste Optionen für so ziemlich jede erdenkbare Situation. Es wirkt fast schon überladen, denn die Funktionen passen nicht einmal auf eine Seite.

Huawei P9 Test Kamera-Einrichtung

Der Pro-Modus ist hingegen wieder an einer anderen Stelle versteckt, nämlich direkt über dem Auslöser. Ein länglicher Balken, den man nach oben beziehungsweise zur Seite wischen muss – je nach Ausrichtung des Smartphones. Dort lassen sich in den unterschiedlichen Modi zusätzliche Einstellungen treffen, wie beispielsweise den ISO-Wert, die Belichtungszeit und vieles mehr. Problem: Die Ausrichtung des Menüs ist nicht für den Landscape-Modus ausgelegt. Ähnliches ist Huawei bei anderen Menüs bereits in der Vergangenheit passiert. Gleiches gilt im Übrigen für die Einstellungen der Kamera-App – auch dort ist nur der Portrait-Modus nutzbar. Ärgerlich, wenn man schnell etwas ändern möchte, ohne das Smartphone aus dem Stativ zu nehmen.

Huawei P9 Kamera-App Einstellungen

Ärgerlich ist zudem, dass Funktionen, die an der Oberseite mit kleinen Symbolen untergebracht sind, extrem schwer zu treffen sind. Möchte man beispielsweise den Blitz ausschalten, einen Filter wählen oder zur Frontkamera wechseln, trifft man eigentlich nie beim ersten Mal das Symbol. Dieses Menü hätte deutlich stärker abgetrennt werden müssen, denn die Knöpfe sind viel zu klein. Besonders nervig wird es, wenn man ein Selfie gemacht hat und dann wieder zurück zur Hauptkamera wechseln möchte. Trifft man den kleinen Button nicht, wird andauernd ein Selfie gemacht, da das Display als Auslöser voreingestellt ist. So etwas sollte während der Testphase des Geräts eigentlich auffallen – oder wir Europäer haben einfach zu dicke Finger.

Die Frontkamera kommt mit fixem Fokus und einer Auflösung von 8 MP. Fotos und Videos gelingen aber auf Anhieb, die beliebten Selfies sind in so gut wie allen Situationen kein Problem. Einen Front-LED-Blitz gibt es aber nicht.

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Videos kann das Huawei P9 maximal in Full HD mit 60fps aufnehmen. Auch hier macht sich der fehlende optische Bildstabilisator zwar bemerkbar, insgesamt überzeugt aber die Qualität der Videos. Der Abgleich der Helligkeit funktioniert sehr sanft und auch der Fokus pumpt nicht unnötig. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn Huawei endlich die Möglichkeit zur Aufnahme von 4K-Videos schaffen würde. Die Mikrofone sind zudem sehr anfällig für Windgeräusche. Optional lassen sich auch Zeitraffer- und Zeitlupen-Videos aufnehmen.

Huawei P9: Testvideo der Kamera

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Huawei P9 Testvideo der Kamera

EMUI 4.1: Die Software des Huawei P9 im Test

Huawei P9 Test Software_01
Huawei P9 Test Software_02

Wer bereits ein Huawei-Smartphone besitzt beziehungsweise besessen hat und nun zum Huawei P9 mit der neuen EMUI 4.1 wechselt, wird sich im Großen und Ganzen gut zurechtfinden. Optisch ist die Oberfläche etwas an iOS angelehnt, farblich hat sich im Vergleich zu früheren Versionen aber viel verbessert. Die Chinesen haben ihr Design „europäisiert“. Während man bei der EMUI 3 eigentlich sofort einen anderen Launcher installieren wollte, da die Performance extrem unter den Anpassungen gelitten hat, ist das bei der neuen Oberfläche nicht mehr zwingend nötig. Über die Designs-App lässt sich die Optik zusätzlich anpassen, die Community liefert unzählige Optionen. Alternativ lässt sich natürlich auch ein Drittanbieter-Launcher installieren, der auch das nachfolgende Problem lösen kann.

Bildergalerie Huawei P9: Vorinstallierte Apps

So verzichtet Huawei nämlich weiterhin auf einen App-Drawer und verfrachtet einfach im Stile von iOS alle Apps auf dem Homescreen. Auf dem Startbildschirm befinden sich die wichtigsten Anwendungen von Huawei und Google. Mit einem Wisch nach links kommen alle anderen vorinstallierten Apps zum Vorschein – und da liefert Huawei eine Menge mit. Es gibt eigene Apps für Musik, Videos, den Kalender, E-Mails, die Gesundheit, Dateien, Wetter, einen Kompass, einen umfangreichen Telefonmanager und vieles mehr. Durch die Google-Apps sind einige Funktionen damit doppelt belegt.

Huawei P9 Datensicherung
Huawei P9 Datensicherung Auswahl

Wirklich sinnvoll ist die Funktion der Datensicherung: Damit lassen sich alle persönlichen Daten speichern und im Notfall wiederherstellen. Zusätzlich installiert Huawei auch noch einige andere Apps und Spiele vor, die zum Großteil aber als Bloatware bezeichnet werden können. Zum Glück lassen sich die Spiele und Apps aber auch ohne Probleme deinstallieren.

Huawei P9 Benachrichtigungsleiste_01
Huawei P9 Benachrichtigungsleiste_02

Die Benachrichtigungsleiste ist in zwei Seiten unterteilt. Auf der linken Seite befinden sich die normalen Benachrichtigungen, die chronologisch nach der Zeit aufgelistet werden. Bei einzelnen Nachrichten bekommt man mehr Inhalt zu sehen – folgen weitere Benachrichtigungen, werden die Informationen sauber gruppiert und können mit einem Wisch ausgeklappt werden. So behält man den Überblick. Mit einem Wisch nach links erreicht man die sogenannten Verknüpfungen. Hier handelt es sich um die bekannten Schnelleinstellungen aus Android, denen Huawei eine eigene Seite spendiert hat. Dort lassen sich viele Einstellungen vornehmen und die Helligkeit manuell nachjustieren.

Huawei P9 Fingerabdruckscanner

Wirklich toll ist dabei auch die Funktion des Fingerabdruckscanners, denn damit lässt sich das Smartphone nicht nur einschalten und sofort entsperren, sondern es lassen sich auch Gesten nutzen. Wischt man von oben nach unten über den Fingerabdruckscanner, öffnen sich die Benachrichtigungen. So häufig, wie man das am Tag macht, ist das eines der besten Features und erleichtert natürlich auch die Bedienung des Smartphones mit einer Hand. Der Fingerabdruckscanner kann weiterhin auch als Auslöser genutzt werden, was bei Selfies sehr praktisch ist, oder aber einen Alarm stoppen beziehungsweise einen Anruf entgegennehmen.

Huawei P9 Einstellungen_01
Huawei P9 Einstellungen_02

Die Einstellungen wurden insgesamt etwas überarbeitet und einige Funktionen findet man nicht mehr auf Anhieb. Besonders wer von einem älteren Modell umsteigt, wird einige Funktionen suchen müssen. In erster Linie ist damit der Akkumanager gemeint, den man doch öfters mal besucht. Dieser findet sich nicht mehr direkt unter den Einstellungen, sondern im Untermenü „Erweiterte Einstellungen“. Das verwirrt und muss nicht sein, denn diese Funktion ist mit Sicherheit deutlich häufiger in Benutzung als die Huawei-ID, die ebenfalls dort hausiert. Insgesamt erinnern uns auch die Einstellungen ein bisschen sehr an iOS – wir würden uns wünschen, wenn sich die Softwaredesigner mal etwas eigenes einfallen lassen würden.

Kirin 955: Die Performance des Huawei P9 überzeugt im Test

Wie bereits erwähnt, hat sich die Performance im Laufe der Zeit bei Huawei-Smartphones mit der angepassten Oberfläche sehr positiv entwickelt. In Benchmarks waren die Smartphones immer ziemlich gut, die Oberfläche hat bei alten Modellen aber teilweise sichtbar geruckelt. Beim Huawei P9 ist das nicht der Fall, es läuft alles wirklich flüssig, Apps und Spiele öffnen sich schnell und der neue Kirin 955-Prozessor hat mit der Full HD-Auflösung leichtes Spiel. Genau so wünscht man sich ein leistungsstarkes Smartphone in der Preisklasse.

In den Benchmarks ordnet sich das Huawei P9 deutlich unter der Konkurrenz von Samsung, LG oder HTC ein. Da die Oberfläche aber absolut ruckelfrei läuft, der Wechsel zwischen Apps schnell vonstattengeht und Spiele in den höchsten Einstellungen flüssig gezockt werden können, lässt sich damit gut leben. Gute Ergebnisse in Benchmarks sind schon lange kein Garant mehr für eine hohe Performance. Trotzdem haben wir natürlich einige Benchmarks durchlaufen lassen.

Hauwei P9 Test Benchmarks

 

Huawei P9: Technische Daten im Überblick

Display 5,2 Zoll mit Full-HD-Auflösung und 2.5D-Glas
Prozessor HiSilicon Kirin 955 Octa-Core mit 4 x 2,5 GHz und 4 x 1,8 GHz
Arbeitsspeicher 3 GB
Interner Speicher 32 GB (erweiterbar um bis zu 128 GB)
Hauptkamera 12 MP (Leica Dual) mit f/2.2-Blende, Summarit-H 27 Millimeter-Brennweite und Dual-LED
Frontkamera 8 MP mit f/2.4-Blende
Konnektivität Nano-SIM, Bluetooth 4.2 LE, USB Type-C, NFC, WLAN a/b/g/n/ac
Akku 3.000 mAh
Abmessungen & Gewicht 145 x 70,9 x 6,95 Millimeter, 144 Gramm
Betriebssystem Android 6.0 Marshmallow mit EMUI 4.1
Sonstiges Fingerprint 2.0
Farben Titanium Grey, Mystic Silver

Die Akkuleistung des Huawei P9

Das Huawei P9 kommt mit einem 3.000-mAh-Akku, der fest verbaut ist. Die Laufzeit hat sich im Vergleich zum Vorgänger spürbar verbessert. Das liegt zunächst einmal natürlich an der höheren Kapazität – beim Huawei P8 waren es noch 2.680 mAh. Es gibt aber auch einige Optimierungen an der Software und natürlich den modernisierten Prozessor, der weniger energiehungrig ist. Den größten Unterschied merkt man im Standby: Da waren ältere Huawei-Smartphones echte Akkufresser und haben im Vergleich zur Konkurrenz sehr viel Energie verbraucht. Das hat sich zum Glück deutlich verbessert – auch weil Android 6.0 Marshmallow vorinstalliert ist, das bekanntermaßen mit dem Stromspar-Feature „Doze“ ausgestattet ist.

Im normalen Betrieb mit vier E-Mail-Konten, WhatsApp, Facebook, Line, Slack, einigen Telefonaten und ein paar Videos auf YouTube, erreicht das Smartphone eine Display-On-Zeit von 4,5 bis 5 Stunden. Das ist ein ziemlich guter Wert – die meisten Nutzer dürften auch bei intensiver Nutzung über den Tag kommen. Während des Tests lag die Nutzungsdauer bei über einem Tag bis maximal eineinhalb Tagen, wenn man die Helligkeit des Displays etwas reduziert und den intelligenten Energieplan genutzt hat.

Huawei P9 Test Akkumanager
Huawei P9 Test Energieplan

Huawei P9 VIP-Service

Huawei P9 VIP Service

Wer sich für den Kauf des Huawei P9 entscheidet, sollte sein Smartphone auch beim Hersteller anmelden und so vom VIP-Service profitieren. So bekommt man für sein Gerät statt zwei Jahre direkt drei Jahre Garantie, kann sein Display innerhalb von 3 Monaten nach dem Kauf kostenlos tauschen lassen, sollte es beschädigt werden oder brechen. Zudem erhält man sofort ein Austauschgerät, wenn das Smartphone innerhalb der ersten 3 Monate einen Defekt bekommt. Weitere Details zu dem Service finden sich auf der VIP-Seite von Huawei.

Unsere Test-Wertung zum Huawei P9

Huawei P9 Test Fazit

Das Huawei P9 kann im Test definitiv überzeugen. Es gehört zu den hochwertigsten Smartphones auf dem Markt und ist im Vergleich zur Konkurrenz etwas günstiger. Die Nachteile des Vorgängers wurden aus der Welt geschafft und die Leica-Dual-Kamera kann in vielen Situationen überzeugen. Nur an der Software muss Huawei weiter arbeiten. Die Performance passt mittlerweile, doch einige Funktionen werden unnötig tief im System versteckt und sind zudem nicht bis zum Ende durchdacht. Funktionen wie 4K-Videoaufnahme, Wireless Charging, wasser- und staubabweisende Eigenschaften oder Dual-SIM fehlen leider. Damit hätte das Huawei P9 interessanter werden können, der Preis würde dann aber mit Sicherheit steigen.

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Kamera: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 83 %

Huawei-P9-Test-Wertung-Badge

Huawei P9
Peter Hryciuk

03. Mai 2016

83/100 Punkte

Weitere Themen: Huawei P9 Bedienungsanleitung, Huawei

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