10 Jahre iPhone: Happy Birthday!

Sebastian Trepesch

„Dieses Telefon wird nur einen Knopf haben. Kriegt raus, wie.“ Das verlangte Steve Jobs von seinen Entwicklern, als es um die Entwicklung des ersten iPhones ging. Heute vor genau zehn Jahren hat Apple das bahnbrechende Smartphone erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Happy Birthday, iPhone!

10 Jahre iPhone: Happy Birthday!

Jetzt ist es so weit: Apple übernimmt sich. Das Unternehmen will in den umkämpften Mobilfunkmarkt einsteigen, und diesem Markt auch gleich noch neue Regeln diktieren. Das wird nichts.

Nicht nur ich dürfte mir das vor genau zehn Jahren gedacht haben, während der Präsentation von Steve Jobs auf der Macworld. Oh doch, es wurde was. Auch wenn sich damals die Wenigsten vorstellen konnte, dass der Computer(!)hersteller Apple Computer Inc. – pardon, Apple Inc. – den Handymarkt auf den Kopf stellt.

Der Fehlstart: Das halbe Apple-Handy

Der Wunsch, ein Smartphone zu entwickeln, entsteht aus weiser Voraussicht. „Was uns die Butter vom Brot nehmen kann, ist das Handy“, erklärt im Jahre 2005 der damalige Apple-Chef Steve Jobs in einem Meeting. Er erkennt die drohende Gefahr: Was passiert, wenn diese Telefone vernünftige Musikplayer werden? Der iPod wird überflüssig. Zu dieser Zeit verantwortet der Musikspieler aber fast die Hälfte des Unternehmensumsatzes.

Also tut sich der Elektronikkonzern mit Motorola zusammen. Heraus kommt das ROKR, ein normales Handy mit zwei besonderen Eigenschaften: Erstens, es kann 100 iTunes-synchronisierte Songs speichern, aber keinen mehr. Zweitens, es ist ausgesprochen hässlich.

Das Magazin Wired fragt provokativ: „Das soll das Telefon der Zukunft sein?“

Walter Isaacson schreibt in seiner autorisierten Biografie von Steve Jobs: Jobs war wütend. „Ich habe diese Idiotenfirmen wie Motorola wirklich satt“, erklärte er (…). „Wir machen es jetzt selbst.“

Es war die Geburtsstunde der iPhone-Idee.

10 Jahre iPhone: 27 Meilensteine – welches Modell war bisher am innovativsten? GIGA Bilderstrecke 10 Jahre iPhone: 27 Meilensteine – welches Modell war bisher am innovativsten?

Jetzt: Das Steve-Jobs-Handy, das iPhone

Das Apple-Handy soll anders werden als die verbreiteten Mobiltelefone. Eines, das man nicht hasst. Eines, das man leicht bedienen kann. Die Philosophie und viele Entscheidungen zum iPhone werden dem verstorbenen Steve Jobs zugerechnet.

In der ersten Entwicklungsphase verfolgen die Apple-Ingenieure zwei komplett unterschiedliche Bedienkonzepte, von denen eines umgesetzt werden soll:

  1. Die Bedienung über ein vom iPod (classic) bekanntes Click Wheel. Es zeigte sich jedoch besonders bei der Eingabe von Telefonnummern als zu umständlich.
  2. Zuschlag erhält die aufwendigere, riskantere, aber gleichzeitig vielversprechende Methode: Eine Multi-Touch-Bedienung auf dem Display.

Steve Jobs erlaubte nur einen Button an dem iPhone: den Homebutton. Keinen Einschaltknopf, keine Lautstärkebuttons, und erst recht keine Tastatur. (Gut, es kommt dann doch etwas anders – und die letzten iPhone-Generationen besitzen sogar fünf Hardware-Bedienelemente.) Das Smartphone muss ganz simpel sein. Ein Eingabestift, wie bei früheren Tablets üblich? Weg damit.

Warum so konsequent die Hardware reduzieren? Es bleibt mehr Platz für das Display. Und die Tastatur kann dem jeweiligen Zweck angepasst werden. Will der Nutzer eine Notiz eingeben, zeigt das Handy ein normales Keyboard an. Für eine URL wird häufig „.com“ und „/“ benötigt. Also zeigt die Tastatur diese Zeichen an. Will der Nutzer eine Telefonnummer eingeben, ist das halbe Display eine große Nummerntastatur.

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Am 9. Januar 2007 ist es soweit: Steve Jobs spricht auf der Macworld drei Produkte vor:

  1. Ein iPod mit großem Touch-Display,
  2. ein revolutionäres Handy und
  3. einen Internet-Kommunikator.

Alle drei Geräte sind in ein und demselben Gehäuse untergebracht: Tataa – es ist das erste „iPhone“. Die Präsentation – heute betrachtet eine Gänsehautnummer und eine Sternstunde von Steve Jobs – hier im Video:

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Steve Jobs präsentiert das erste iPhone 2007

„Wie können wir das Gerät bedienen? Oh, wir nutzen einen Eingabestift. – Nein. Wer will einen Stift? Niemand will einen Stift. Also lasst uns keinen Stift verwenden. Verwenden wir das Eingabegerät, mit dem wir alle geboren wurden.“

Ein halbes Jahr später kommt das iPhone dann in den Handel. Zuerst nur in den USA, im November 2007 auch in Deutschland, nochmal fünf Monate später in Österreich.

Glanzleistung iPhone: Lob ...

Vieles erscheint uns heute selbstverständlich, was damals revolutionär war. Neben der schon erwähnten variablen Tastatur gibt es viele, viele Kleinigkeiten, die das iPhone der ersten Stunde zu dem machen, was es ist. Beispiele:

  • Ein „Entsperren“-Wisch verhindert ungewolltes Einschalten.
  • Der Scrollen-Wisch ist auf dem gesamten Display möglich. Seiten und Listen sind dezent animiert, sie federn zurück. Schon das neuartige Scrollen erhält einen Zwischenapplaus in der iPhone-Präsentation…
  • Ein Näherungssensor erkennt beim Telefonieren, wenn das iPhone ans Ohr gehalten wird. Das Display wird abgeschaltet, um nicht versehentlich Touch-Funktionen zu bedienen.
  • Ein Helligkeitssensor dimmt das Display bei geringem Umgebungslicht.
  • Dank eines Bewegungssensors erkennt das Gerät, ob es hochkant oder waagrecht gehalten wird.
  • Mit Voicemail liegen die Anrufbeantworter-Nachrichten lokal auf dem Handy.
  • Für den Bildschirm verwendete Apple statt Kunststoff ein angenehmeres Material: Glas, speziell für das iPhone möglichst bruch- und kratzfest gefertigt.

Manches war geklaut, aber weit besser als bisher umgesetzt. Das amerikanische Magazin Time wies laut Isaacson darauf hin, dass das iPhone „eigentlich nicht viele neue Fähigkeiten bringe, die vorhandenen aber viel besser nutzbar mache.“ Es kürt das iPhone zur Erfindung des Jahres 2007.

Das iPhone ist wegweisend, und die ersten Jahre konkurrenzlos. Schnelle und billige Nachahmungen des Betriebssystems iPhone OS (jetzt iOS) gibt es zwar genug. Aber sie sind lange nicht so gut umgesetzt, so liebevoll durchdacht, wenn nicht sogar komplett unbrauchbar. Die Konkurrenz benötigt mindestens zwei Jahre, um Apple halbwegs die Stirn bieten zu können. Beispiel: HTC mit dem Desire. Dreimal so lange dauert es, bis Highend-Geräte der Konkurrenz dem iPhone und Apple ernsthaft gefährlich werden. Für den Hersteller stellt das Smartphone den größten Umsatzbringer dar.

Mittlerweile ist das iPhone weit mehr als nur drei Geräte in einem. Seit iPhone 4 und 4S sind sie die Smartphones beliebte Fotokameras, die es immer mehr mit Kompaktkameras aufnehmen können – die Dualkamera des 7 Plus ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Der App Store bietet abertausende von guten Anwendungen aus allen möglichen Themenbereichen. Dank der Leistungsfähigkeit der späteren Modelle sind die Telefone zusammen mit dem großen Bruder iPad eine erfolgreiche Spieleplattform.

... und Tadel

Perfekt ist das iPhone nicht. Es gibt ein paar dunkle Stellen, in der Geschichte des Apple-Handys. Eines der bekanntesten Hardware-Fehler ist die Antenne des iPhone 4. Sie schließt man leicht mit der Hand kurz, eine verminderte Empfangsleistung ist die Folge. Und so etwas bei einem teueren Hightech-Produkt – die Entrüstung ist groß. Durch schlechte Informationspolitik von Apple schaukelt sich „Antennagate“ zum Skandal auf, bis das Unternehmen jedem iPhone-Käufer einen kostenlosen Bumper, eine Minihülle, dazulegt. Kurzschließen wird dadurch unmöglich. Nach drei Monaten wird das Bumper-Programm leise vergessen. Wohl doch alles nur halb so schlimm?

Die Medien stürzen sich gerne auf Fehler von Apple. Kein Wunder, schließlich sind die Produkte teuer und der Anspruch von und an Apple hoch. Der Konzern kann froh sein, dass nie ein Fehler in der Dimension des explodierenden Samsung Galaxy Note 7 auftrat. Das wäre für den Konzern aus Cupertino weitaus schlimmer als für den aus Seoul.

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10 Jahre iPhone: Die Erfolgsgeschichte muss weitergehen

Die Hauptkritik am iPhone laufen derzeit in eine andere Richtung: die Entwicklungsfortschritte von Apple. Das iPhone sei anderen Handys fünf Jahre voraus, erklärte Jobs bei der ersten Präsentation. Dieser Vorsprung, der wohl nie sooo groß war, ist aufgebraucht, mehr noch: Die Konkurrenz ist in Sachen Innovation in vielen Punkten an Apple vorbeigezogen und bietet manch Ausstattung, die sich auch die Apple-Kunden wünschen (schmalere Ränder?!). Nur nicht die unsinnigen Trends bitte (Edge-Kanten?!). Die Konkurrenz macht es sich vielleicht nicht immer so schwer, geht nicht so ins kleinste Detail, wie wir das von Apple kennen und lieben. Dennoch wünschen die Kunden mehr Neues.

Zwangsläufig verlangsamt sich die Entwicklung der Smartphones, das ist gar nicht schlimm. In 10, 20 Jahren hat es ein anderes Produkt ersetzt. Aber dennoch darf Apple sich die nächsten Jahre anstrengen, technologisch an der Konkurrenz zu bleiben und sie gerade in Sachen Qualität, Nutzerfreundlichkeit und Simplizität weiterhin zu übertreffen. Wir benutzen das iPhone so oft, so gern, für so viele verschiedene Zwecke. Und wir wollen es weiterhin nutzen. Es ist ein fester Bestandteil unseres Alltags.

10 Jahre hat das iPhone nun auf dem Buckel. Happy, Birthday – alles Gute für unsere Zukunft.

Die Zitate stammen unter anderem aus den empfehlenswerten Büchern

Fotos: Apple; Birthday-Grafik: GIGA

Weitere Themen: iPhone 7 Plus, Apple iPhone 7, iPhone SE, iPhone 6s, Apple iPhone 6 Plus, iPhone 6, iPhone 5C, iPhone 4s, iPhone 3GS

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