iPhone weiß: PR-Coup um das neue Schwarz

Sebastian Trepesch
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Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Die Detailaufnahme des weißen iPhone-Rahmens bildet eine Synthese mit dem Hintergrund der macnews.de-Seite: Ton in Ton. Die Entwicklung und Produktion des hellen Smartphones stellte sich für Apple als schwere Geburt heraus. Kennen Sie ein Produkt, das sich nur in der Farbe von einem “Vorgänger” unterscheidet, und so zahlreich beschrieben, kommentiert, diskutiert wurde? Und jetzt, wo es bestellbar ist, wie wird es von den potentiellen Kunden angenomen?

Einer der heutigen Maßstäbe für Präsenz in der Gesellschaft ist die Anzahl der Google-Ergebnisse. Weißes iPhone 4 erzielt 1.590.000 Treffer. Korrekter müsste man den Ausdruck in Anführungszeichen setzen, um in der Suchmaschine abzufragen, wie häufig der komplette Begriff gefunden wird – immerhin noch 844.000 mal. “iPhone 4 weiß” findet Google 433.000, plus Variationen wie “iPhone 4 in weiß” (126.000) und so weiter.

Zum Vergleich: “schwarzes iPhone 4″ liefert nur gut ein Fünftel der entsprechenden weißen Suche, magere 162.000 Treffer. Ähnlich schaut es im englischsprachigen (Web-) Raum aus, “white” und “black iPhone 4″ ergeben 17.600.00 beziehungsweise 3.020.000 Suchergebnisse. Allein auf macnews.de erschienen über 50 Beiträge zum Thema.

Available someday

Warum? Weil etwas für Apple untypisches passierte. Normalerweise stellt der Elektronikkonzern aus Cupertino ein Produkt, zum Beispiel auf einer sogenannten Keynote, vor. Die Präsentation endet mit dem Hinweis “Available now” – ab sofort erhältlich, in einigen Fällen müssen sich die Käufer höchstens noch einige Wochen gedulden. Diese Regel – Ausnahmen bestätigen die Regel – durchbrach Apple schon bei der Vorstellung des allerersten iPhones. Grund: Über die Zulassungsbehörden wären die Informationen schon weit vor Verkaufsstart an die Öffentlichkeit gekommen. Die Präsentation sollte jedoch Apple-, ja sogar Chefsache bleiben. Und so stellte Steve Jobs es ein halbes Jahr vor Verkaufsstart vor.

Bei dem weißen iPhone 4 ist jedoch wieder alles anders: Apple hat das Handy im Juni 2010 zusammen mit dem schwarzen Modell auf einer Keynote gezeigt. Bestellen konnte man allerdings erst nur das dunkle Exemplar. Das weiße, es kam nicht.

Und kam nicht. Zwischendrin tauchte es mal hier, mal da auf, sogar im Apple Store. Aber kam trotzdem nicht. Monate strichen ins Land…

Das besondere in diesem Fall: Apple hat es zunächst nicht geschafft, die Produktversion ordentlich herzustellen. Der Vorgang ist komplizierter, als einmal mit weißer Wandfarbe über das schwarze Modell zu malern. Die Umgestaltung betreffe einerseits die Werkstoffkunde, schließlich soll sich das Produkt nicht gleich verfärben. Philip Schiller, Senior Vice President Worldwide Product Marketing von Apple, gab in einem Interview von gestern einen weiteren Aspekt zu bedenken: Das Zusammenspiel mit den Sensoren sei nicht ganz einfach. Zum Beispiel habe der Fotoblitz Schwierigkeiten bereitet, plauderte Urgestein Steve Wozniak vor längerem aus. “Wir sind jedem dankbar, der geduldig gewartet hat, während wir daran gearbeitet haben, alle Details zu fixen”, sagte Schiller mit der gestrigen zweiten Ankündigung des weißen iPhones.

Peinlicher Vorfall und genialer PR-Coup

Jetzt ist es tatsächlich da, und kann bestellt werden. Den Vorfall kann man als peinlich bezeichnen. Angesichts oben genannter Zahlen trifft jedoch “genialer PR-Coup” viel besser zu – sicher war es wirklich ein ungewollter “Schachzug”. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob es Käufer findet. Das iPad 2 ist überraschender Weise in schwarz begehrter als in weiß. So informierten mehrere deutsche Händler macnews.de.

Apropos PR-Coup: Das Desaster mit der Koordinatenspeicherung um das Telefon hat Apple kurz vor Verkaufsstart noch geklärt. Auch schlechte Publicity ist Publicity, aber sicher ist sicher…

Die Preise sind für beide iPhone-Farbversionen identisch. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Das MacBook hat Apple vor einigen Jahren in der exklusiveren, schwarzen Version mit ein klein wenig mehr Speicherplatz, jedoch einem deftigen Preisaufschlag, serviert.

Nicht im Preis, aber in Sachen Exklusivität ist Weiß das neue Schwarz.

Jetzt ist es nur noch ein kurzer Weg bis zum weißen iPod touch.

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