iPhone 4S: Testergebnisse im Überblick

Flavio Trillo
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Was kann das neue iPhone 4S eigentlich nicht? Es hört zu, es spricht, es fotografiert (besser) und offenbar nutzt es bei all dem seine Hardware so effizient, dass es auch noch sehr, sehr schnell ist. Die ersten Tests kursieren in den Weiten des Internet und wir haben ein paar Ergebnisse zusammengestellt.

Da es sich um ein Smartphone handelt, steht die Telefonie schon lange nicht mehr im Vordergrund. Für die Vermittlung von Gesprächspartnern anhand mehrstelliger Ziffernfolgen gibt es heutzutage keine Medaillen mehr – da müssen schon Browser, Sprachassistent und Kamera glänzen um sich die Anerkennung des Publikums zu verdienen.

Seitenaufbau: Der Browser flitzt

In einer Gegenüberstellung des mobilen Safari im iPhone 4 mit dem des iPhone 4S zeigt sich ein deutlicher Geschwindigkeitsvorteil. Slashgear demonstriert den Ladevorgang einiger aufwendiger Webseiten wie der des Wall Street Journal oder der New York Times. Das neue Apple-Smartphone hat trotz gleich großen Arbeitsspeichers (512 Megabyte) die besseren Karten. Dann folgt ein Vergleich mit dem Erzfeind, dem Samsung Galaxy S2. Auch hier kann das iPhone 4S nicht nur Schritt halten, es lädt die Seiten bisweilen sogar schneller.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass im Android-Smartphone Flash-Elemente geladen werden. Darauf werden auch die dortigen Kommentatoren nicht müde in teils recht “blumigen” Formulierungen hinzuweisen. Zudem seien die Testbedingungen “unfair”, da das iPhone über Wi-Fi, das Galaxy S2 aber über die 4G-Verbindung Daten abrufe. Ergebnis: Nicht beweiskräftig. In einem zweiten Video zeigt Vincent Nguyen daher, dass auch ohne aktiviertes Flash-Plug-In auf dem Galaxy S2 die beiden Geräte Webseiten nahezu gleich schnell laden.

Schneller als der Vorgänger ist das iPhone 4S in jedem Fall, was jedoch aufgrund der neuen Hardware kaum überraschen dürfte.

Sprachassistent Siri

Durchweg begeistert sind die Tester von dem neuen Sprachassistenten Siri. Durch normalsprachliche Kommandos lässt sich das System steuern und zu diversen Operationen bewegen. Dabei müssen die Befehle keiner besonderen Syntax folgen – Siri versteht auch mehrere Varianten einer Frage. John Gruber von Daring Fireball freut sich über den Kontrast, den Siri gegenüber dem übrigen iOS 5 bildet. Es sei “absichtlich verschwommen” und nicht trennscharf in seiner Bedienung, wie die grafische Bedienoberfläche des Betriebssystems es ist.

Das Erforschen der Möglichkeiten und teils drolligen Antworten Siris sei äußerst befriedigend. Auch Walt Mossberg von AllThingsDigital

gefällt der Assistent ausgesprochen gut. Er bemängelt lediglich das, was auch vielen anderen aufgefallen ist: Siri könnte mehr. Man merke dem System an, dass es noch lange nicht an seine Grenzen stößt. Wie John Gruber bemerkt, ähnelt es diesbezüglich dem ursprünglich iPhone OS, dem man ebenfalls bereits seine Berufung für Größeres anmerken konnte.

Ein paar kleine Spielereien hat Apple sich auch einfallen lassen. Siri antwortet auf viele Fragen mit einer Suchmaschinen-Abfrage. Manches weiß aber weder Google, noch Bing, noch Wolfram: “Siri, welches ist das beste Smartphone?” Die Antwort:”Moment! Es gibt noch andere Smartphones?”. Auch auf die Frage aller Fragen weiß das System schlagkräftig zu kontern: “Siri, willst Du mich heiraten?” – “Meine Lizenzbestimmungen decken die Ehe leider nicht ab. Es tut mir leid”.

Den Kollegen von thisismynext.com fiel zudem auf, dass die Verarbeitung der Siri-Befehle über Wi-Fi äußerst flüssig verlief. Schließlich findet die Umsetzung von Sprache zu Befehl auf einem entfernten Rechner statt, vermutlich in Apples Rechenzentrum in North Carolina. Über das mobile 3G-Netz hingegen wartet man bisweilen etwas länger auf eine Reaktion. Nach Angaben von Apple sei es jedoch in den vergangenen Tagen zu wartungsbedingten Hardwareausfällen gekommen, die ebenfalls für die Verzögerungen verantwortlich gewesen sein könnten.

Kamera: Neue Linsen-Freude

Natürlich ist ein wichtiges Merkmal des iPhone 4S gegenüber dem Vorgänger-Modell die verbesserte Kamera. Bessere Linsen, ein größerer Sensor, der mehr Licht aufnimmt, sowie naturgetreue Farbwiedergabe verspricht der Hersteller. Doch auch die häufig kritisierte Wartezeit auf die Bereitschaft der iPhone-Kamera wurde erheblich verkürzt. John Gruber vergleicht das Warten vor der Iris-Grafik der Kamera-App im iPhone 4, 3GS und 3G mit dem gefürchteten “kreisenden Regenbogenball”, der in Mac OS X für Verzweiflung sorgt, wenn das System einmal “hängt”.

Doch auch die Bildqualität habe sich merklich verbessert, was sich in einem höheren Dynamikumfang sowie mehr Detailreichtum unter schlechten Lichtbedingungen zeige. Zur Illustration hat Gruber eine Flickr-Galerie mit einigen Vergleichsfotos angelegt. Auch Joshua Topolsky findet, dass sich das iPhone 4S “wie eine echte Kamera anfühlt, die gute Bilder aufnimmt”. Für Walt Mossberg ist auch die HD-Videoaufnahme  ein Hit: “die beste, die ich je auf einem Smartphone gesehen habe”. Insgesamt ist für ihn die Kamera-Funktion eine Runde Sache, die das iPhone 4S unter seinen Konkurrenten herausragen lasse.

Die New York Times bescheinigt dem Apple-Smartphone sogar, ein nahezu adäquater Ersatz für herkömmliche Kompaktkameras zu sein.

Rest-Hardware: Prozessor und Akku

Dank Apples neuem A5-Chip, der auch im iPad 2 zum Einsatz kommt, hat das neue iPhone 4S offenbar einen spürbaren Geschwindigkeitsvorteil gegenüber seinen Vorgängern. Die Apps öffnen schneller und das Scrollen läuft noch flüssiger. Doch bei all dem wurde die Akkulaufzeit im Stand-By-Betrieb verringert – eine Tatsache, die Apple aus unerfindlichen Gründen an keiner Stelle erwähnt…

Allerdings schnitt das Gerät im 16-Stunden-Dauerspieltest von Joshua Topolsky trotzdem nicht schlechter ab, als Konkurrenten wie das Galaxy S2. Sicherlich kann man seinen alten “Nokia-Knochen” gefühlt wochenlang verwenden, ohne je eine Steckdose aufsuchen zu müssen. Die vielen Annehmlichkeiten eines Smartphone wollen aber nunmal mit regelmäßigem “Anleinen” bezahlt werden. Leider bedeutet das, dass viele Geräte beinahe jeden Abend geladen werden müssen, wenn sie tagsüber intensiv genutzt wurden.

Die versprochene Doppelnutzung der zwei 3G-Antennen führte übrigens bei den meisten Tests nicht zu erheblich höheren Transfer-Geschwindigkeiten. Allerdings könnte dies auch am Anbieter liegen, denn aktuell funktioniert die Technologie nur bei AT&T.

Am Ende lautet die Empfehlung vieler Tester: Wer ein iPhone 4 hat, wird am iPhone 4S zwar Freude haben. Doch nur für Wechsler von einem früheren Modell oder gar einer anderen Plattform ist es wirklich ein großer Schritt nach vorn.

Weitere Themen: iPhone, Apple

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