iPhone 4S: Neue Kamera, schneller Prozessor, guter Sprachassistent

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Das Apple-Event am 4. Oktober ist vorübergegangen und Apple hat das iPhone 4S vorgestellt. Ein iPhone 5 blieb uns der Hersteller zwar (vorerst) schuldig, doch das neue “alte” hat einiges zu bieten. Schneller, besser und praktischer – dafür stehen Prozessor, Kamera und Sprachassistent im neuen Smartphone aus Cupertino.

Vorab waren sich die Beobachter fast einig: Apple wird ein iPhone 5 vorstellen. Vielleicht, möglicherweise und eventuell auch einen kleinen Bruder, der dank günstigerer Hardware auch Kunden in weniger zahlungskräftigen Märkten, wie etwa China erreichen soll. Der “kleine Bruder” war letztlich der Star der Show und hat das gesamte Rampenlicht für sich beansprucht.

Aber noch ist nicht alles verloren. Nur weil es nicht iPhone 5 heißt, sind nicht alle erhofften Funktionen und Merkmale im Nirvana verschwunden. Das iPhone 4S vereint viele der Gerüchte und Spekulationen in sich, die eigentlich der ausgebliebenen Neuvorstellung galten. Es ist dank neuem Prozessor und neuer Grafik bis zu sieben Mal schneller, verfügt über eine verbesserte Kamera und kann mit noch einem weiteren Pfund wuchern: Dem sprachgesteuerten, vollautomatischen Assistenten!

Außen bewährt, innen alles frisch!

Das Wort “alt” passt beim Design des iPhone 4 einfach nicht, es wirkt eher zeitlos. Daher auch die Wendung “bewährt”, denn das ist das

Aussehen des iPhone 4S. Es weist auf den ersten (und auch zweiten) Blick keinerlei Unterscheidungsmerkmale zu seinem Vorgänger auf. Nach wie vor ist es in weiß und schwarz verfügbar, dieses Mal sogar von Beginn an.

Die vielen Zubehörhersteller, die bereits iPhone-5-Hüllen in alle Welt verschickt haben, werden also ihre Verluste zählen und nach vorne schauen müssen. Immerhin gibt es einen Vorteil an der Sache: Ein komplett unerwartetes Design gibt es nicht, die alten Produkte passen auch für das neue Apple-Smartphone. Sogar Blitz und Retina-Display sitzen noch an der “richtigen” Stelle und der Home-Button ist auch nicht plötzlich oval. Glück im Unglück.

Zwei Kerne für CPU und Grafik

Im Innern des iPhone 4S hat sich dagegen einiges getan. Der bisherige Hauptprozessor Apple A4 ist durch einen A5 ersetzt worden. Neben der höheren Ordnungszahl verfügt dieses kleine Modul aber auch über die doppelte Rechenpower dank Dual-Core-Technologie. Der Chip ist bereits aus dem iPad 2 bekannt, wo er ebenfalls mit 1 Gigahertz Taktfrequenz schlägt.

Dank Dual-Core-Grafik schafft das iPhone 4S sogar laut Hersteller eine sieben Mal höhere Rechenleistung für Polygone – das ist das, was Titel wie Infinity Blade II (ab 1. Dezember im App Store erhältlich) so richtig interessant macht. Eindrucksvoll wurde dies auf einer Demonstration während des Apple-Events illustriert.

Ich sehe was, was Du nicht siehst: Die bessere Kamera

Das war schon lange ein offenes Geheimnis. Wenn Tim Cook auf die Bühne tritt, wird innerhalb der darauffolgenden Stunde eine neue Kamera präsentiert, in welchem iPhone auch immer. So kam es dann auch, denn das iPhone 4S verfügt über einen völlig neuen Sensor mit nunmehr 8 Megapixel (3264 x 2448, Seitenverhältnis 4:3). Doch das ist nicht alles, auch die Lichtempfindlichkeit wurde erhöht (73 Prozent mehr als in der Kamera des iPhone 4) und dank seiner fünf Linsen-Elemente (“Lichtstärke” f2,4) sollen die Aufnahmen noch schärfer und farbechter sein.

Darüber hinaus bietet die neue Kamera einen verbesserten Weißabgleich sowie Gesichtserkennung und eine Funktion für Makro-

Aufnahmen. Vom Gerätestart bis zur ersten Aufnahme sollen nur noch 1,1 Sekunden vergehen sowie 0,5 Sekunden zwischen zwei Aufnahmen. Damit wäre dann auch den Spöttern der Wind aus den Segeln genommen, die sich lange ob der zähen Reaktionszeit der Kamera im iPhone 4 mokiert haben. Ein Hybrid-Infrarot-Filter ist ebenfalls verbaut. Dieser lässt an einen Patentantrag aus Cupertino denken, in dem die Deaktivierung von Smartphone-Kameras auf Konzerten via Infrarot-Signal die Rede ist.

Da Fotografie aber nicht alles ist, hat Apple auch an die Videografen unter den Anwendern gedacht und ihnen 1080p-HD-Aufnahmen spendiert. Hinzu kommt ein Bildstabilisator für zittrige Hände und eine Rauschunterdrückung für gute Bilder bei weniger guten Lichtverhältnissen. Insgesamt eine runde Sache, diese neue Kamera. “Für viele Kunden wird dies die beste Fotokamera und die beste Videokamera sein, die sie je besessen haben”, meint Phil Schiller während der Präsentation.

Siri: Der persönliche Assistent

Wer bisher mit Sprachsteuerung zu tun hatte, dem wird vor allem eines aufgefallen sein: Die Kommandos müssen präzise gesprochen werden und folgen einer bestimmten Syntax. Abweichungen werden mit Unverständnis gestraft oder führen zu ungeplanten nächtlichen Anrufen beim Chef. Dank dem neuen Assistenten im iPhone 4S namens “Siri” sollen diese Probleme der Vergangenheit angehören. Den Begriff “Assistent” hat Apple wörtlich genommen und ermöglicht dem Anwender, mithilfe simpler, natürlicher Kommandos alle möglichen Operationen durchzuführen.

So lassen sich nicht nur Kontakte anrufen oder Aktienkurse abfragen. “Brauche ich heute einen Regenschirm” ruft zudem die Wetter-App mit Informationen zur frischen Luft hervor. “Wie spät ist es in Paris” sorgt für die Anzeige einer Uhr sowie der Ansage der dortigen Uhrzeit durch Siri. “Erinnere mich daran, meine Frau anzurufen, wenn ich von der Arbeit komme” – mehr

brauch es nicht um Siri zu veranlassen, eine Erinnerung mit Geo-Tag zu erstellen, die automatisch dazu auffordert, die gewünschte Nummer zu wählen, sobald man den Bereich “Arbeit” verlässt. All diese Funktionen sind über einen Druck des Home-Buttons zugänglich.

Die Verarbeitung der Sprachbefehle erfolgt dabei auf Apples Servern, so dass wohl für die Funktion eine Datenverbindung benötigt wird.Vorerst wird die Funktion auf Englisch, Deutsch und Französisch erhältlich sein. Phil Schiller hält das für “das coolste Feature des iPhone 4S”.

Lang soll sie leben: Batterielaufzeit im iPhone 4S

Trotz dieser Leistungssteigerungen verspricht Apple für das iPhone 4S recht ordentliche Batterielaufzeiten. 3G-Telefonie soll 8 Stunden am Stück möglich sein, 6 Stunden lang kann man im Internet surfen und 9 Stunden, wenn das via Wi-Fi geschieht. Zudem sind 10 Stunden Video- sowie 40 Stunden Musik-Wiedergabe mit einer vollen Ladung möglich.

Weitere Neuerungen: Download-Geschwindigkeit, World Phone, Bluetooth 4.0, AirPlay Mirror

Im Übrigen gibt es ein paar kleinere Neuheiten, die es nicht zu übersehen gilt. Da wäre zunächst eine Funktion, die schnellere Downloads über HDSPA (3G) ermöglicht. Damit sollen bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen möglich sein, was an die Geschwindigkeit anderer LTE-Smartphones heranreicht. Der Upload bleibt mit theoretisch 5,8 Megabit pro Sekunde gleich.

Auch will Apple sich das Hin und Her mit CDMA- und GSM-Versionen des iPhone in Zukunft sparen. Ein “World-Chip”, der beide Netze

unterstützt, sorgt für einheitlichen Vertrieb sowie unkomplizierte Herstellung. Wie Steve Troughton-Smith via Twitter bekannt gab, nutzt das iPhone 4S zudem den Bluetooth-Standard 4.0. Ob es sich hierbei jedoch um die Variante “Classic”, “High Speed” oder “Low Energy” handelt, ist unklar. Spannend, nicht nur für “Zocker”: Mit dem iPhone 4S ist es möglich, über AirPlay Mirroring kabellos direkt auf dem Fernseher zu spielen. Was immer das iPhone-Display zeigt, ist dann auch auf dem großen TV-Bildschirm zu sehen.

Was fehlt: LTE (4G), NFC, Tropfen-Design

Natürlich gab es auch ein paar kleine Wermutstropfen. Also eigentlich fehlte ein Tropfen, nämlich der im Design: Einiges deutete vorab auf ein sich nach unten verjüngendes Gerät hin. Das führte sogar dazu, dass die Kollegen von giga.de einen Prototypen herstellen ließen, der alle Vermutungen, Gerüchte und Apple-Interna in sich vereinte. Leider ein Irrtum, aber zum Glück sind wir bei weitem nicht die Einzigen, die ihm unterlagen. Auch über die Nahfeldkommunikation (NFC) wird mancher eine kleine Träne weinen, doch dafür ist ja vielleicht im iPhone 5 noch Platz.

Dass Apple sich gegen einen 4G-Chip entschieden hat, ist insoweit zu verschmerzen, als die Geschwindigkeiten des neuen Mobilfunkstandards wie gesehen dennoch erreicht werden können.

Fazit

In der Tat ist es wieder einmal eine Überraschung geworden. Tim Cook hat mit seinen Kollegen ein iPhone 4S vorgestellt, das viele so nicht erwartet hätten. Tolle Sprachsteuerung, schnelle Grafik und ein fixer Dual-Core-Prozessor sorgen neben der neuen, verbesserten Kamera dafür, dass es sich hierbei um ein “echtes” Update gegenüber dem Vorgänger handelt. Ähnlich wie beim iPhone 3G/3GS dürfen wir nun vermutlich im kommenden Jahr mit der nächsten Aktualisierung rechnen, die auch die Modellnummer nach vorn schnellen lässt.

Das iPhone 4S kann ab dem 7. Oktober im Apple Online Store*, bei der Deutschen Telekom*, bei o2* und bei Vodafone* vorbestellt werden. Ab dem 14. Oktober um 08:00 Uhr morgens ist es dann für 629 Euro (ohne SIM-Lock) auch im Apple Store um die Ecke erhältlich.

Vorteile
+ Schneller Dual-Core-Prozessor
+ Schnelle Dual-Core-Grafik
+ Neue, bessere 8-Megapixel-Kamera
+ 1080p-Video
+ Hervorragender Sprachassistent

Nachteile
- Kein NFC

Bilder: engadget.com, theverge.com


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iPhone 4S

  • von Ben Miller

    Als großes Finale der heutigen Keynote präsentierte Apple das Siri Im Gepäck hat das iPhone 4S auch den neuen sprachgesteuerten Assistenten "Siri". Damit lassen sich beispielsweise Texte wie Emails, Notizen, Termine und SMS mittels Ansage verfassen, eintragen...

Weitere Themen: iPhone, Kamera, Apple


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