Das iPhone und die PowerShot N: Canon sucht Anschluss

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Einst stand der Mac – respektive der PC – im Mittelpunkt. MP3-Player, Camcorder und nicht zuletzt Digitalkameras benötigten einen Computer, um ihr volles Potential zu entfalten. Die Idee des „Digital Hub“ ward geboren. iPhone und iPad brechen diese Regel zunehmend auf, die Industrie ist gezwungen umzudenken – aktuelles Beispiel, die neue Canon PowerShot N.

Das iPhone und die PowerShot N: Canon sucht Anschluss

Anfang des neuen Jahrtausends prognostizierten nicht wenige Analysten und andere Hellseher den alsbald bevorstehenden Untergang des Personal Computers, zumindest versprach der PC-Markt keine sonderlichen Wachstumsraten mehr. Das goldene Zeitalter war zu Ende, der Fokus richtete sich auf neue, kleinere Geräte wie Mobiltelefone, PDAs und MP3-Player. Apple und sein charismatischer Firmenchef Steve Jobs mochten jedoch nicht im Abgesang mit einstimmen und hielten dagegen. Er rief kurzerhand die Ära des „Digital Lifestyle“ aus. Der Mac spielte darin eine wesentliche Rolle, er stand im Zentrum, war „Digital Hub“ für all die neuen Gadgets.


Steve Jobs erklärt den Digital Hub auf der Macworld im Jahre 2001.

Digital Hub: Ein Erfolg

Das Konzept ging auf und insbesondere Apple partizipierte maßgeblich daran. Fotos verwaltet der Anwender auf dem Mac komfortabel über iPhoto, Videos schneidet er mit iMovie, Musik komponiert er mit GarageBand und Songs ordnet und kauft er über iTunes. Des Weiteren beließ es Apple nicht nur dabei. den „Digital Hub“ zur Verfügung zu stellen: Mit dem iPod und dem darauffolgenden iTunes Music Store präsentierte man den erfolgreichsten MP3-Player und krempelte nebenbei eine ganze Branche um. Ein Coup, den der Hersteller mit iPhone und App Store zu wiederholen wusste. Dank iTunes-Zwang war anfangs ein Mac beziehungsweise ein PC auch hierfür zwingend notwendig. Das Grundkonzept des „Digital Hub“ wurde beibehalten.

iPhone und iPad: Garanten des Wandels

Eine Dekade später steht die IT-Branche erneut vor einer neuen Herausforderung, der Mac und somit auch der PC könnte diesmal tatsächlich an Wert verlieren und müsste seinen angestammten Platz räumen. Smartphones wie das iPhone werden immer leistungsfähiger und vereinen die Funktionen mehrerer Geräte. Den PDA haben sie schon lange obsolet gemacht, ein separater iPod ist gleichfalls nicht mehr vonnöten, ebenso wie eine mobile Spielekonsole. Das iPad mit seinem größeren Display übernimmt als Compagnon des iPhones die bisherige Rolle eines Macs. Zuletzt fiel seit iOS 5 ferner der iTunes-Zwang, ab sofort operieren iPhone und iPad unabhängig von Mac und PC. Die Aufgabe der Datensynchronisation und des Backups übernimmt die iCloud – ein Computer wird nicht mehr unbedingt benötigt, der „Digital Hub“ steht vor seiner Ablösung.

Kompaktkameras: Keine Zukunft?

Leidtragende dieser Entwicklung sind die Hersteller besagter Geräte. Alternative MP3-Player? Gibt es nur noch vereinzelt im Markt und sind mittlerweile bedeutungslos. Ein vergleichbares Schicksal droht gegenwärtig den digitalen Kompaktkameras, auch sie haben in ihrer bisherigen Form keine Überlebenschance. Die Produzenten müssen nach neuen Wegen und Nischen suchen, möchten sie diese Produktkategorie nicht kampflos aufgeben und den iPhones dieser Welt überlassen.

Ist das iPhone denn überhaupt die bessere Digitalkamera? Fotoenthusiasten werden dies verneinen, selbst mittelmäßige Kompaktkameras bieten noch immer eine weitaus leistungsfähigere Optik. Unzweifelhaft steigerte sich jedoch die Qualität der Bilder mit jeder neuen iPhone-Generation, auch Full-HD-Videoaufnahmen sind heute eine Selbstverständlichkeit. Nicht wenigen Anwendern genügt diese akzeptable Güte der Fotos und Filme. Sie legen vielmehr Wert auf die Option, ihre fotografischen Werke jederzeit über Facebook, Twitter, Instagram und Co unkompliziert mit Freunden zu teilen. Freude haben die Anwender zudem an den unzähligen Foto-Apps, die eine Individualisierung mittels Filtern und Effekten ermöglicht. Bisherige Kompaktkameras erscheinen in diesem Licht wie Dinosaurier einer längst vergessenen Zeit. Möchten die Kamerahersteller nicht das Schicksal mit den Großechsen teilen, müssen sie sich den Marktgegebenheiten anpassen.

Kameras mit Android: Die Lösung?

Eine mögliche Antwort sind Kompaktkameras, ausgestattet mit einem Smartphone-Betriebssystem. Hier zu nennen die Samsung Galaxy Camera, Nikon Coolpix S800c und jüngst auf der CES vorgestellt die Polaroid IM1836 – alle drei verwenden Android und sind vernetzt, doch nur die Galaxy Camera bietet eine Mobilfunkunterstützung, der Rest begnügt sich mit WLAN. Ein Erfolgsgarant? Skepsis ist angebracht. Wer garantiert die Unterstützung zukünftiger Android-Versionen, benötige ich nun auch noch für meine Kamera einen Mobilfunkvertrag? Überzeugte Apple-Nutzer werden sich ohnehin schwer tun, ein solches Modell zu erwerben.

Canon PowerShot N: Die „externe Kamera“ fürs iPhone

Canon glaubt hingegen mit der neuen PowerShot N die Lösung gefunden zu haben. Ungewohnt die Form, fast quadratisch wirkt der Fotowinzling – pure Symmetrie im Auge des Betrachters. Die PowerShot N bricht auch mit anderen, traditionellen Werten bisheriger Kompaktkameras. Einen Auslöser gibt es nicht, ebenso wenig einen Zoomhebel. Ersetzt werden diese durch zwei Objektivringe, alternativ löst man mit einem Fingertipp auf den klappbaren 2,8-Zoll-Touchscreen aus. Dieser ersetzt ferner den optischen Sucher. Klassisch gut hingegen der optische Anspruch: Ein Sensor mit 12 Megapixel und ein achtfacher Zoom im Bereich von 28-224 Millimeter, äquivalent zum Kleinbildformat. Wohlgemerkt ein optischer Zoom, keine digitale Trickserei wie bei der iPhone-Kamera.

Inspiriert von diversen Foto-Apps der Funktionsumfang: Auf Wunsch erstellt die Kamera im Modus „Creative Shot“ gleichzeitig zur Originalaufnahme fünf weitere Bilder, aufgewertet durch automatisch ausgewählte und passende Filter. Experimentieren kann der Fotograf mit Effekten wie Fisheye, Monochrom oder Miniatur (Tilt-Shift). Videos werden in Full-HD aufgezeichnet, bei geringerer Auflösung steht eine Superzeitlupenfunktion zur Verfügung.

Die eigentliche Überraschung: Die Canon PowerShot N verfügt über ein WLAN-Modul. Der Anwender kann – eine Internetverbindung vorausgesetzt – Bilder und Videos so flink über Facebook, Twitter, YouTube oder E-Mail mit seinen Freunden teilen. Scheinbar konkurriert die PowerShot N demnach mit Smartphones wie dem iPhone. Doch weit gefehlt. Dank des WLAN-Moduls und der passenden App (Canon CameraWindow, ) verbindet sich die Kamera direkt mit dem iPhone oder iPad – zu diesem Zweck gibt es eine spezielle Taste an der Kamera. Bilder können so direkt auf den iOS-Geräten gespeichert und dort weiterverarbeitet oder versendet werden. Besonderheit: Das GPS-Signal des iPhones oder iPads nutzt die PowerShot N und integriert die Ortsdaten in den Fotos.

In diesem Zusammenhang betrachtet erscheint die Canon PowerShot N im neuen Licht. Der Hersteller versucht der Konkurrenzsituation aus dem Weg zu gehen, indem man eine Kamera vorstellt, die zugleich das Fotografieerlebnis eines iPhones bietet und sich mit diesem auf sinnvolle Weise verbindet. Gleiches gilt für das iPad und natürlich auch für Tablets mit alternativen Betriebssystemen. Die Canon PowerShot N ist für sich genommen also nicht nur irgendeine Kompaktkamera, sondern ein Zubehörprodukt – die bessere, externe Kamera für iPhone und Co.

Fazit: Erfolgsaussichten

Den allgemeinen Trend hin zum Smartphone, hinweg von der digitalen Kompaktkamera, wird auch die Powershot N nicht aufhalten können. Doch Canon sucht sich eine Nische, die recht vielversprechend ist. Der „Digital Hub“ stirbt nicht, wird allenthalben von iPhone und iPad besetzt. Entscheidend für den Erfolg wird zukünftig die Qualität der App-Integration sein. Die bisherige Version der CameraWindow-App bietet hierfür noch reichlich Potential, denn zur Zeit unterstützt diese noch nicht einmal den größeren Bildschirm des iPhone 5. Bis April hat Canon noch Zeit zu optimieren, dann erscheint die PowerShot N für .

Link Hersteller: Canon Powershot N

Bilderquellen: Hersteller

Zur Information: Beim Artikel handelt es sich um einen Kommentar, eine bewertende Darstellung des Sachverhaltes.

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