iPhone 5: Ein 4-Zoll-Display im gleichen Gehäuse

Ralf Bindel
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Das neue iPhone 5 wird Apple nicht auf der WWDC vorstellen, vielleicht aber eine neue Displaygröße. Mit iOS 6 könnte Apple dort jedoch erste Anzeichen geben, wie sich der Platzgewinn auswirkt, wenn das Gehäuse gleich groß oder vielmehr klein bleibt.

iPhone 5: Ein 4-Zoll-Display im gleichen Gehäuse

In den letzten Wochen kochte die Diskussion um neue Displaygrößen richtig hoch. Allen erscheint logisch, dass angesichts der Mega-Displays der neuen Samsung S3-Smartphone-Generation von 4,8 Zoll auch Apple nachziehen müsse und das iPhone der nächsten Generation mit einem größeren Touchscreen ausstatten werde.

Nicht, dass das unbedingt nötig wäre, denn die Zufriedenheitswerte mit den gehäusegleichen iPhone 4 und iPhone 4S sind nach wie vor gut, die Verkaufszahlen ebenfalls. Zudem wollen viele Nutzer auch kein größeres Smartphone für eine größere Bildschirmdiagonale in Kauf nehmen.

Das iPhone 4 und das iPhone 4S seien gerade gut für jede Tasche und als Immer-dabei-Gerät, die sich Mini-Tablets annähernden Superdisplays der Android-Konkurrenz schon wieder zu sperrig und weniger praktisch.

Alles bleibt, wie es ist

Allenfalls das Handschmeichlerische des Samsung Galaxy S3 mit abgerundetem Rücken gefällt und erinnert an die guten alten iPhone 3 und den iPod touch. Diese Gehäuseform trauern viele Apple-User nach und wünschen sie sich zurück.

Dennoch: Liquid-Metal, kohlefaserverstärktem Kunststoff oder andere neue Werkstoffe und Konstruktionen könnten Apple größere Displays bei schmaleren Trägerrahmen oder gar nahezu rahmenlose Displays ermöglichen. Mehr Display bei gleicher iPhone-Größe wie bisher, da würden wohl die meisten iPhone-Fans mitgehen – und viele neue dazukommen, die weniger Phone aber mehr Sicht in der Tasche haben wollen.

Dass Apple das bisherige Design des iPhones wesentlich ändert, also von Gehäuseform und Grundriss abweicht, scheint unwahrscheinlich. Es passt nicht nur zum Buchhalter-Pragmatismus von Apple, sondern folgt auch der gestalterischen Konsequenz. Mindestens eine weitere Generation wird, schaut man sich die Entwicklung des Apple-Geräte-Portfolio an, noch die bewährte Form wahren – so sehr wir uns auch an Designstudien und Mockups vergnügen.

Größeres Blickfeld

Dass Apple an etwas ganz Besonderem, Bahnbrechendem, Revolutionären arbeite, wie Design-Ritter Jonathan Ive diese Woche im Interview bemerkte, muss nicht unbedingt mit dem neuen iPhone zu tun haben. Kann auch der Fernseher, das iCar oder ein Elektrofahrrad sein.

Nehmen wir also mal an, dass Apple das nächste iPhone mit einem 3,95 oder 4 Zoll großen Display ausstattet, um den Anschluss an den Wettbewerb nicht zu verlieren. Dabei erscheint logisch, dass sich die Pixeldichte 326 Pixeln pro Zoll (ppi) nicht ändert und damit die Breite gleich bleibt.

Mehr und weitere App-Icons auf gleichem Raum durch höhere Auflösung? Unwahrscheinlich, denn Daumen und Fingerkuppen werden auch in Zukunft nicht kleiner.

Die Auflösung wäre dann 1136 x 640 Pixel bei gleicher Breite von 640 Pixeln wie bisher und ebenso hoher Pixeldichte wie bei den iPhone 4. Statt der bisherigen 960 Pixeln in der Höhe erhalten wir dann 176 Extrapixel mehr. Damit würde sich das bisherige Seitenverhältnis von 3:2 auf etwa 16:9 ändern.

Neue Geräte, neue Apps

Das wird im allgemeinen als großer Gewinn gefeiert, denn damit wäre das Videoformat-Standardverhältnis erfüllt, schwarze Ränder gehörten der Vergangenheit an. Doch für iOS und seine Apps würde sich einiges ändern. Denn wie würden Entwickler den neuen Raum nutzen, ohne gleich komplett neue Apps für die Geräte programmieren zu müssen. Schließlich könne an einem App-Angebot für 4-Zoll-Displays (iPhone 5) und an einem für 3,5-Zoll-Displays (iPhone 4) niemand Interesse haben. Dann sind wir bald bei einem fragmentierten Angebot wie bei Google-Android mit 4000 verschiedenen App-Versionen.

Andererseits haben wir den Wandel auch schon bei den Universal-Apps für iPad und noch einmal bei der Retina-Vergrößerung fürs iPad 3 erlebt. Diese Veränderungen haben die Entwickler geschultert und uns einen vollen App-Store mit angepassten Apps und Auflösungen beschert. Warum sollte das also nicht beim iPhone 5 mit wie auch immer verändertem Display der Fall sein?

Bild: Will Hains

Schon jetzt können Entwickler und Apps mit unterschiedlichen Fenstergrößen und Statusleisten gut umgehen, wie John Gruber von Daring Fireball meint. Bei der zu erwartenden Vorstellung von iOS 6 auf der kommenden Entwicklerkonferenz WWDC  könnte Apple die Entwickler dazu animieren, die „Notification“-Meldung als fensterbestimmende Größe ernst zu nehmen, statt sie wie bisher über die Apps zu legen. Wie bei WebOS, wo ein Notification-Banner die Darstellung der darunterliegenden App schrumpfen lässt und die volle App-Ansicht zu sehen ist.

Niemals ohne besser

Würde eine solche Methode mit iOS 6 eingeführt, würden die iOS-Entwickler mit der entsprechenden API die Fensterhöhe variabel halten können – um damit bestens auf einen verlängertes Display im iPhone 5 vorbereitet zu sein. Denn, Hand aufs Herz: Gemessen an der bisherigen Geheimhaltungspraxis wird das iPhone 5 auf der WWDC nicht zu sehen sein, Apple wird auch den Entwicklern nichts verraten, was auf ein größeres oder wie auch immer geformtes Display schließen lässt. Das wird aber im Oktober garantiert kommen. Das iPhone 5 hat ein größeres Display bei gleichem Grundmaß, wetten?

Viele der Deuter vermuten, dass Apple mit die Extrahöhe für eine permanente Anzeige des Wechsel-Docks vorsieht. Das Dock ist das, das durch doppeltes Drücken des Home-Buttons am unteren Rand erscheint und die zuletzt geöffneten Apps zeigt. Darüber könnten die „alten“ Apps in der gleichen Größe stehen.

„No Way“, wie John Gruber sagt. iOS-Apps nehmen das ganze Displayformat ein, abzüglich der Statusleiste oder eventuellen Notifications. Außerdem wäre es ein Desaster für die fehlerfreie Bedienbarkeit. Würde man die Tastatur nutzen und die Leertaste nur leicht verfehlen, riefe man aus dem Dock gleich eine weitere App auf, mitten im Satz. So, wie einem das auch bei manchen Android-Apps mit virtuellen Tasten unter dem Display schon passieren kann. Zudem würde ein permanentes App-Dock kein Problem lösen, das zweimalige Drücken des Home-Button ist jetzt kein Manko des iOS.

Das neue iPhone

Will Hains hat mit ähnlichen Überlegungen ein entsprechendes 4-Zoll-iPhone 5 entworfen, das mit 8,96 Millimetern einen Hauch dünner als das bisherige iPhone 4S mit 9,34 Millimetern ist. Seine 3D-Fähigkeiten sind nicht so groß wie die von Ciccarese- oder ADR-Design, aber für eine Vorstellung von einem realistischen 4-Zoll-Display in einem weitgehend gleichen iPhone 4-Gehäuse reichen sie.

Bilder und Video: Will Hains

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