iPhone 5 Spider: Mehr als Phantasie?

Federico Ciccarese gestaltet Produkte. Keines davon kann man kaufen. Noch nicht. Einerseits entstehen bei ihm ganz realistische Konzepte wie ein iPad mini, ein iPhone 5 mit 4-Zoll-Screen oder ein Apple Fernseher, oder auch ein Google Nexus 3 oder eine XBox 720. Andererseits geht es auch mal richtig mit ihm durch und er erfindet ein iPhone 5 Spider. Der Designer im Interview.

iPhone 5 Spider: Mehr als Phantasie?

Unser Fleisch ist willig, unser Geist ist schwach. Die meisten von uns sind gespannt, welche neuen Produkte Apple jedes Jahr herausbringt. Ob iPhone, iPad, MacBook oder iMac, immer wieder wollen wir überrascht werden, aber auch gern schon vorher phantasieren, wie die neuen Geräte aussehen werden.

In den letzten zwei Jahren gab es von Apple keine echte Überraschung mehr. Das iPhone 4S schaut aus wie das iPhone 4, das MacBook Pro Retina ist flacher und kann mehr, das iPad 3 wieder dicker mit Retina. In der Schwebe ist ein imaginärer Apple-Fernseher, von dem niemand weiß, ob er wirklich kommt.

Das ist das Feld für 3D-Designer, die Renderstudien unserer oder ihrer eigenen Vorstellung nach gestalten. Was wir uns nur unwirklich vorstellen können, das stellen sie dar. Einmal anhand von möglicherweise kursierenden Einzelbauteilen oder Erzählungen und dem, was sie Apple zutrauen, ein andermal verlassen sie sich ganz auf das, was sie sich selbst wünschen oder vorstellen können.

Die Konzepte von Federico Ciccarese haben wir hier schon präsentiert. Seine Studien sind einerseits recht gewöhnlich, wie der Apple-Fernseher Apple iTV Screen, der mit gewölbtem Bildschirm und oben und unten gebogenen Kanten daher kommt, oder sein iPad mini, das ein ein reiner Größenvergleich ist. Praktische Vorschläge hat er auch parat, etwa einen Dock-Anschluss für das iPad im Querformat im Tastaturbetrieb oder die Idee einer Facebook-Kamera für Smartphones, die keine zweite Kamera auf der Nutzerseite besitzen.

Die iPhones jedoch haben es Federico Ciccarese besonders angetan. Insgesamt vier Konzepte hat er bereits erstellt. Sein iPhone 5 alleged (zu deutsch: mutmaßlich) ist ein Rendering vermuteter Maße und Qualitäten und kommt der erwarteten Wirklichkeit wahrscheinlich am nächsten. Sein iPhone Air nimmt wie die Giga-Studie die Keilform des MacBook Air auf und das iPhone 5 Concept mit gewölbtem Rücken entsetzte vor allem diejenigen, die auf einem flach aufliegenden iPhone tippen wollen.

Wieder näher am vermuteten nächsten Apple-Design ist sein iPhone 5 16/9, das den 4-Zoll-großen Touchscreen und einen verkleinerten Dockanschluss als Vorlage nimmt.

Federicos neuester Coup ist das iPhone 5 Spider, wie wir es genannt haben. Federico nennt es einfach nur “iPhone 5 new“. Neu ist es in der Tat, denn wir müssen gestehen, so etwas Verrücktes haben wir noch nicht gesehen. Das iPhone 5 Spider trägt man auf dem Handrücken. Es hat quadratische Ausmaße, ist wenige Millimeter dick und gewölbt. Auf der Hand hält es sich durch spinnenartige, verchromte Beine oder Arme, mit denen es in die Fingerzwischenräume und ums Handgelenk greift.

Anders als eine iWatch am Armband hat ein iPhone 5-Konzept auf dem Handrücken natürlich etwas mehr Platz. Allein, der Bildschirm hat sicher nur 2,5 Zoll im Quadrat. Dafür geht Federico davon aus, dass man mit einem solchen Smartphone auch nur spricht, und nicht etwa beide Hände zum etwaigen Tippen benötigt. Für Federico liegt die Zukunft in einer Verbindung von Maschinen und dem menschlichen Körper. Sein iPhone 5 Spider beschreibt er auf seiner Website als von Anonymous inspiriert – und der so animierte 3D-Renderer in ihm hat wahrhaft ganze Arbeit geleistet.

Wir wollten wissen, was hinter diesem wahnsinnigen Konzept und überhaupt hinter seiner Arbeit steckt.

Giga: Federico, Dein neues Konzept eines spinnenartigen iPhone 5 ist wohl der bisher ungewöhnlichste Weg über das neue Apple iPhone zu phantasieren. Was ist die Idee dahinter?

Federico Ciccarese: Die Studie erscheint nur unkonventionell weil die Leute nicht daran gewöhnt sind, elektronische Helfer auf dem Rücken ihrer Hand zu sehen. Oder sie sind vom Spinnen-Design geschockt, das ist schließlich ihre Phantasie. Ich denke aber wirklich, dass es bequemer ist, ein solches Gerät nicht in die Hand zu nehmen. Um dieses Design zu entwerfen, stellte ich mir vor, was ich selbst mögen würde.

Aber ist es wirklich praktisch, ein Smartphone so zu tragen?

Ich glaube, dass Gewohnheit die praktischen Dinge schafft. Hast du dich nicht auch daran gewöhnt, auf Deine Uhr zu schauen? Wir brauchen eher mehr solche Verbindungen zwischen Körper und Maschine. Ich habe einige Ideen dazu. Ich bin sicher, dass in der nahen Zukunft die meisten mobilen Geräte das nicht bieten werden.

Heute schauen viele Menschen für die Uhrzeit eher auf ihr Handy als auf die Uhr. Hast Du denn irgendetwas dieser Art schon mal gesehen oder bist Du von irgendetwas dazu inspiriert worden?

Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber ich suche nach derartigen Produkten im meiner eigenen Vorstellung der Zukunft – und rekonstruiere es in 3D.

Du bist sehr produktiv mit Deinen gerenderten Konzepten. Um mal sarkastisch zu fragen: Hast Du zuviel Zeit?

Ich bin ganz fasziniert von mobilen Geräten, war ich schon immer. Wenn ich mir irgendein Objekt vorstellen kann, bin ich besessen davon, es in Zeichnungen umzusetzen. Ich höre nicht eher auf, das ist stärker. Dafür finde ich immer die Zeit.

Ich denke, die Idee Deiner Konzepte ist damit mehr Kunden für bezahlte Jobs als 3D-Designer zu finden?

Das erste Ziel ist die Emotion. Design ist Kunst und produziert Gefühle und Stimmungen.

Bist Du erfolgreich damit? Hast Du genug Kunden oder könnten es mehr sein, wie bei jedem freien Designer?

Tagsüber arbeite ich als angestellter Designer, CiccaresDesign ist meine zweite Beschäftigung. Ich würde gern für ein großes Unternehmen der Mobilgeräte-Industrie arbeiten. Um die Gelegenheit zu haben, das Beste in diesem Gebiet herauszuholen.

Arbeitest Du allein oder in einem Team?

Ich arbeite allein.

Welche Jobs machst Du normalerweise?

Smartphones, aber auch anderes. Ein Job, auf den ich sehr stolz bin, ist eine Prothese. Die soll jetzt bald in den Verkauf kommen.

Was ist das für eine Prothese?

Es ist eine Beinprothese, ich kann Dir aber im Moment nicht mehr dazu erzählen.

Welche Hard- und Software benutzt Du?

Einen guten Computer und Rhinoceros als Software.

Bitte. Unsere Leser wollen wissen, welchen Mac Du nutzt.

Meine Workstation ist ein MacBook Pro. Rhinoceros 4.0 läuft als kommerzielle Version allerdings nicht unter OS X. Ich benutze es auf einer virtuellen Maschine um damit zu gestalten.

Was kostet im Durchschnitt ein Renderjob bei Dir?

Hängt von der Komplexität des Projekts ab. Normalerweise zwischen 300 und 500 US-Dollar.

Wieviel Zeit brauchst Du für eine Konzept wie das des letzten iPhone?

Mit einem bereits klaren Projekt in meinem Kopf habe ich das iPhone 5 Spider in einer Woche geschafft.

Die meisten Produkte, die Du auf Deiner Website zeigst, sind Apple-Produkte. Sind die Dir am liebsten?

Ich mag das schlanke und minimalistische Design der Apple-Produkte.

Benutzt Du eigentlich noch andere Hard- oder Software von anderen Firmen?

Ich probiere gern unterschiedliche Produkte anderer Firmen aus aber ich kann auf Apple-Produkte aufgrund ihrer Zuverlässigkeit und Ansprechbarkeit nicht verzichten.

Willst Du so nah wie möglich an zukünftige Apple-Produkte mit deinen Renderings heran kommen oder sind das Deine Visionen der möglichen Möglichkeiten?

Ich würde gern die Produkte in den Apple-Laboren sehen und auf dieser Basis evolutionär entwickeln.

Welches Deiner eigenen ist Dein Liebling-Konzept?

Mein Favorit ist immer das jüngste Konzept.

Was machst Du, wenn Du nicht gerade Konzepte entwickelst? Was interessiert Dich?

Ich mag Technologie im allgemeinen, ich laufe gern, mache Fitness-Training. Ich nehme gern einen Aperetif zur Happy-Hour und gehe gern essen.

Was macht Dir Sorgen? Was liebst Du besonders?

Ich sorge mich um meine Familie und ich liebe es, mit ihr Zeit zu verbringen.

Federico, vielen Dank für das Interview.

 

Federico Ciccarese, Designer, ist 31 Jahre alt, verheiratet, hat einen 14 Monate alten Sohn, lebt und arbeitet in der Nähe von Milano und hat Maschinenbau studiert.

Bilder: Federico Ciccarese, CiccareseDesign

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