Bewiesen: Apple kann reparierte iPhones unbrauchbar machen

Florian Matthey
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Das letzte Woche veröffentlichte iOS 11.0.3 behebt nicht nur Probleme. Es zeigt auch, dass Apple mit Software-Updates dafür sorgen kann, dass von Dritten reparierte iPhones und iPads nicht mehr funktionieren – immer dann, wenn es das Unternehmen will.

Bewiesen: Apple kann reparierte iPhones unbrauchbar machen

iOS 11 machte einige iPhone 6s unbrauchbar

Wer auf einem iPhone 6s das Update auf iOS 11 installierte, hatte unter Umständen Probleme mit der Touchscreen-Eingabe des Gerätes – was das iPhone mehr oder weniger unbrauchbar machte. Betroffen waren Benutzer, die das Display ihres Gerätes durch ein nicht von Apple selbst stammendes Ersatzteil haben austauschen lassen. Mit dem iOS 11.0.3 hat Apple die Funktionalität mit diesen Displays wiederhergestellt – Benutzer aber in der Dokumentation zum Update aber auch gleich vor Nicht-Original-Displays „gewarnt“, da diese in Sachen Bildqualität hinter dem Original-Apple-Teil zurückbleiben können.

Reparaturshops sind auf Apples Gnaden angewiesen

Dieser Vorfall verdeutlicht wieder einmal, dass auch unabhängige Reparaturshops komplett darauf angewiesen sind, dass Apple sich nicht eines Tages dazu entscheidet, gegen sie vorzugehen: Wenn das Unternehmen diesen Shops die Existenzgrundlage entziehen will, muss es einfach mit einem Softwareupdate dafür sorgen, dass iPhones oder andere Geräte mit nicht-offiziellen Ersatzteilen den Dienst verweigern.

Original-Apple-Ersatzteile gibt es lediglich für zertifizierte Apple-Reparateure, die für das Zertifikat eine Gebühr bezahlen müssen und dann auch nur die Leistungen anbieten dürfen, die Apple ihnen erlaubt. Gerade für Benutzer älterer Geräte lohnt sich aber wirtschaftliche nur eine Reparatur durch inoffizielle Shops, die inoffizielle Ersatzteile verwenden können – die aber durchaus ebenso hochwertig wie die offiziellen Apple-Teile sein können. Zumindest bisher – eine weitere interessante Frage dürfte sein, ob es auch vom Display des iPhone X mit dem integrierten Face-ID-Kamerasystem erschwingliche Ersatzteile geben wird. Wie dieses aufgebaut ist, seht ihr in unserem Video:

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iPhone X im Hands-On

Wer will, kann diese Ersatzteile auch günstig selbst erwerben und mit dem richtigen Werkzeug einbauen – beispielsweise mit den Reparatursets von GIGA FIXXOO. Das spart nicht nur Geld, sondern hilft auch der Umwelt: Eine Aktion von Greenpeace und iFixit verdeutlicht, wie wichtig es ist, Geräte reparierbar zu gestalten. Apple ist diesbezüglich ohnehin schon nicht wirklich ein Vorbild.

Erinnerung an den „Fehler 53“

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple-Software eigentlich problemlos funktionierende Hardware lahmlegt – nur, weil es sich nicht um Original-Apple-Teile handelt. Letztes Jahr sorgte bei einigen Benutzern der „Fehler 53“ für Unmut, der iPhones mit Touch ID nach einem Austausch von Display und Home Button komplett unbrauchbar machte – nachdem diese mit Ausnahme der Touch-ID-Funktion problemlos funktioniert hatten.

Vom ersten iPhone bis zum iPhone 8 und X: 10 Jahre Evolution des Innenlebens

Damals ließen sich noch Sicherheitsbedenken anführen: Apple selbst muss den Touch-ID-Fingerabdrucksensor mit der Secure Enclave, in der das iPhone die Fingerabdruckdaten speichert, gekoppelt sein, um Missbrauch und ein ungewolltes Auslesen der Daten zu verhindern. Dennoch musste Apple angesichts des großen Ärgers einiger Benutzer auch damals mit einem Update reagieren, das die Benutzung des Gerätes – dann eben weiterhin ohne Touch ID – erlaubte. Bei einem isolierten Austausch des Displays gibt es für Apple allerdings keinen Grund, inoffizielle Ersatzteile zu blockieren – außer, um Kunden zu Reparaturen durch Apple selbst zu zwingen. Bisher hat sich Apple offenbar noch nicht zu diesem Schritt entschieden, die Gefahr bleibt aber. Was sagt ihr zu den Möglichkeiten?

Quelle: Motherboard

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