Lightning-Adapter des iPhone 7 im Labor: Audio-Gate verfehlt

Sebastian Trepesch
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Keine Kopfhörerbuchse, dafür ein Audioadapter – mit dem iPhone 7 streicht Apple einen oft genutzten Anschluss. Die Kompromisslösung wirkt sich negativ auf das Audiosignal aus, wie Messungen zeigen wollen. Und ist dennoch halb so tragisch.

Lightning-Adapter des iPhone 7 im Labor: Audio-Gate verfehlt

Die c’t nahm den Audioadapter von Apple – er liegt iPhone 7 und 7 Plus bei – ins Labor. Die Messungen ergaben, dass die Signalqualität am Ausgang des Lightning-auf-Klinke-Adapters schlechter sei als am Audioausgang des iPhone 6s. Die Dynamik von 24-Bit-Tracks am iPhone 6s sei um 4,5 dB(A) geringer. Bei CD-Qualität (16 Bit) sei der Unterschied zwischen Kopfhörerausgang und Adapter mit nur 1,8 dB(A) deutlich geringer.

Am iPhone 7 und 7 Plus lagen die Messergebnisse laut c’t auf dem selben Niveau wie bei dem Vorgänger-Smartphone. Der Ausgangswiderstand betrage über den Adapter knapp ein halbes Ohm, im Gegensatz zum Kopfhöreranschluss am iPhone 6s mit 5 Ohm.

Das Audio-Gate des iPhone 7?

Zeichnet sich hier ein Audio-Gate ab?

Nein. Zumindest diese Messungen bilden nicht die Klangqualität ab, beziehungsweise nur einen Teil davon, nämlich das Rauschverhalten. Und das ist eben nur minimal schlechter. Wer große Qualitätsunterschiede zu hören glaubt, wird vielleicht von der geringeren Lautstärke getäuscht. Ein bisschen lauter drehen schafft hier Abhilfe.

Die merkbare Beeinträchtigung, so gesteht auch die c’t, dürfte nur einen Teil der Besitzer des iPhones mitbekommen. Das Magazin geht davon aus, dass bei verlustbehaftet komprimierten Musikstücken (MP3, AAC) die meisten Anwender „kaum einen Unterschied feststellen“ dürften, sondern vor allem bei 24-Bit-Auflösung. Zudem seien die Unterschiede erst bei kabelgebundenen Kopfhörern ab einer Preisklasse von 100 Euro bemerkbar. Die meisten Nutzer hören aber vermutlich komprimierte Musik oder sogar Streamingdienste, die oft noch stärker komprimieren, als der Heimanwender seine CDs einliest. Und schon gar keine 24-Bit-Tracks.

Wer sein iPhone als HiFi-Zuspieler analog nutzt, der könnte allerdings beeinträchtigt sein – egal, ob das Smartphone am Kopfhörer oder an der Stereoanlage angeschlossen ist. Ihnen bleibt tatsächlich nichts übrig, als das iPhone 6s zu wählen, oder eine „echte“ HiFi-Lösung:

Audiophile dürfte der fehlende Kopfhöreranschluss nicht besonders stören. Viele Verstärker, Netzwerkplayer und bieten eine USB-Buchse „Made-for-iPhone“. Den D/A-Wandler stellt hier das HiFi-Gerät – und somit ist für eine bessere Qualität gesorgt als über jeden Kopfhöreranschluss. Und HiFi-Kopfhörer aus dem gehobenen Preissegment dürften eh nicht an einem Smartphone zum Einsatz kommen. Falls doch, dann über einen zwischengeschalteten Kopfhörerverstärker. Die gibt es auch für den mobilen Einsatz.

Schon eher nervt das Adapter-Herumgestöpsel an sich, sowie der blockierte Lightning-Steckplatz.

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Mainstream-Zukunft: kabelloses Audio

Die Mehrheit unserer Leser trauert dem Kopfhörerbuchse nicht nach: 38 Prozent hätten zwar lieber den Anschuss, aber 28 Prozent macht es nichts aus und 31 Prozent finden es sogar gut, dass Apple die Buchse gestrichen hat.

Vielleicht, weil zahlreiche Leser eh schon auf kabellose Modelle setzen: Bluetooth-Kopfhörer sind stark im Trend, in den nächsten Monaten und Jahren wird die Auswahl noch deutlich größer werden. Auch bei den qualitativ hochwertigen Produkten: Die Bluetooth-Technologie ist mittlerweile gut genug.

Manch Hersteller setzt dagegen ganz bewusst auf die Vorteile des Lightning-Anschlusses, wie zum Beispiel der Libratone Q Adapt: Er bietet aktive Umgebungsgeräuschunterdrückung, benötigt aber keinen Akku. Das iPhone versorgt den Hörer über Lightning mit Strom.

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