iPhone 8: Das Statussymbol, das du nicht haben willst

Stefan Bubeck
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Das iPhone 8 ist gut. Aber leider gibt’s da noch das iPhone X und das ist super. Was das für uns Kunden bedeutet.

iPhone 8: Das Statussymbol, das du nicht haben willst

Gestern im Steve Jobs Theater: Apple-CEO Tim Cook verlässt die Bühne und übergibt an Marketingchef Phil Schiller, damit dieser 20 Minuten lang das neue iPhone 8 vorstellt. Der legitime Nachfolger des 2016er-Flaggschiffs iPhone 7 ist der neue Stern am Apple-Produkthimmel – allerdings nur für diese 20 Minuten, denn dann folgt der Endboss aller Smartphones: Das iPhone X.

Statt einem Jahr an der Spitze des Portfolios – wie sonst bei Apple üblich – sind dem iPhone 8 nur wenige Minuten vergönnt. Das erinnert wahlweise an Andy Warhols geflügeltes Wort „15 minutes of fame“ (deutsch: 15 Minuten Ruhm) oder eine Folge Game of Thrones, wo ein Herrscher den Thron schneller abgeben muss, als man „Lord der Sieben Königslande“ aussprechen kann. Das iPhone 8: Live auf der Bühne ermordet, vom großen Bruder.

iPhone 8: Ich konnte mir kein iPhone X leisten

Das iPhone X ist nicht nur ein Stück Technik, das seinen Zweck erfüllt. Es ist ein Statussymbol – und das ist Absicht. Wie bei einem Aston Martin oder einer Louis-Vuitton-Tasche schwingt hier eine materielle Aussage mit, vielleicht auch ein Fashion-Statement. Eben das, was etwa einem Lenovo Moto G5 fehlt. Das iPhone X kann mehr als Technik – und das kostet.

Das iPhone 8 ist zwar ebenso luxuriös verarbeitet wie seine altehrwürdigen Vorgänger, aber jeder weiß: Es ist nur das zweitbeste Apple-Handy. Es ist das iPhone für diejenigen, die den Sprung in die 1.000-Euro-Klasse nicht machen wollten oder nicht machen konnten. Es tritt unfreiwillig in die Fußstapfen des iPhone 5c, jenem seltsamen Plastik-Klon des wahren Meisterstücks iPhone 5s. Beide Geräte wurden 2013 gemeinsam vorgestellt, aber glänzen durfte hinterher nur eines.

Wer sich bereits zum Kauf eines iPhone 8 entschieden hat, sollte sich schon mal auf folgende Frage von Freunden, Bekannten und Kollegen eine Antwort ausdenken: „Warum hast du dir nicht gleich das iPhone X gekauft?“

iPhone X: Wallpaper-Download

iPhone 8: Druck von unten

Als ob das nicht genug wäre, hat Apple ja auch noch die älteren Modelle iPhone 7 und iPhone 6s im Programm gelassen und etwas im Preis gesenkt. Wer also sein Glück im digitalen Alltag nicht von iPhone-8-Features wie Wireless Charging (beziehungsweise Quick Charging) oder der absurden Rechenleistung des A11-Chips abhängig macht, kann durchaus auch zu den preislich attraktiven Vorgängern greifen. Aus einigen Metern Abstand ist ohnehin kein Unterschied zu erkennen – warum also 799 Euro oder mehr locker machen, wenn’s auch das Vorjahresmodell tut?

Steile These: Das iPhone 8 muss sich bei den „Vernunftkäufern“ sogar noch hinter das 2015er iPhone 6s einreihen. Das bietet mit 4,7-Zoll-Display, A9-Chip und iOS-11-Unterstützung alles, was man braucht – erhältlich ab 519 Euro im Apple Store, eine Klinkenbuchse ist auch dabei. Das iPhone 6s ist Apples „Sweet Spot“, wo sich Preis und Leistung in der Mitte treffen.

Das iPhone 8 ist ... zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Es hätte der König sein können – jetzt ist es dieser sich anbiedernde Stellvertreter, nach dem niemand gefragt hat. Ein Statussymbol, das leider den falschen Status signalisiert.

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