Ein iPhone 8 mit USB-C? 5 Gründe, warum Apple bei Lightning bleibt

Kaan Gürayer
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Mit fast schon sadistischer Vorliebe zückt Apple die Schere und schneidet alte Zöpfe ab. Beim kommenden iPhone 8 könnte angeblich der Lightning-Stecker auf dem Abstellgleis landen und durch USB-C ersetzt werden – was für ein Quatsch! 



Ein iPhone 8 mit USB-C? 5 Gründe, warum Apple bei Lightning bleibt

Was war das Gejammer groß, als Apple 2012 den alten 30-Pin-Connector durch Lightning ersetzt hat. Bis zum Himmel konnte man die Schmerzensschreie der iPhone-Jünger hören, die mit Sicherheit auch Steve Jobs auf seiner Unibody-Wolke ein süffisantes Grinsen entlockt haben.

Quasi über Nacht hat der US-Konzern aus modernem iPhone-Zubehör Elektroschrott gemacht und musste von verärgerten Apple-Nutzern einen echten Shitstorm über sich ergehen lassen.

Steht fünf Jahre später jetzt der nächste Anschlusswechsel an? Gerüchten zufolge soll nämlich das iPhone 8 auf USB-C setzen. Doch bevor iPhone-Nutzer nun verzweifelt zur Tat schreiten und mit Tränen in den Augen ihr Lightning-Zubehör in die Tonne werfen: Es gibt gute Gründe, warum dem Lightning-Port noch rosige Zukunft bevorsteht – auch beim iPhone 8.

1. Keine Vorteile gegenüber Lightning

„USB-C ist die Zukunft“, pfeifen die Technik-Spatzen im Vorfeld jeder neuen iPhone-Präsentation von den Dächern – richtig! Aber eine Zukunft, in der Apple-Nutzer bereits leben. Der wohl größte Vorteil von USB-C besteht im beidseitig einstöpselbaren Steckerkopf. Lightning lässt sich aber ebenfalls von beiden Seiten einstecken, kann sowohl Daten als auch Strom übertragen und ist – das wissen iPhone-7-Nutzer wohl am allerbesten – natürlich audiofähig und bietet eine tolle Schnittstelle zur Übertragung von Musik.

Alle ach so tollen „Vorteile“ von USB-C, um die sich die Käufer wirklich scheren, bietet auch Lightning. Wofür also wechseln?

2. USB-C ist Chaos pur

Im Vergleich zu USB-C sind Nutzer bei Lightning auf der sicheren Seite. Aufgrund fehlender Standards ist die USB-C-Welt eine Welt voller Chaos. Mal lässt sich ein USB-C-Port zum Aufladen verwenden, mal nicht. Mal unterstützt ein USB-C-Port den schnellen Datentransfer über USB 3.0, mal nicht. Das Ladekabel des einen Smartphones kann unter Umständen nicht das andere Smartphone aufladen – obwohl beide USB-C nutzen.

Vereinheitlichung? Dass ich nicht lache!

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3. Lightning ist sicherer

Klar: Lightning ist nicht so genial wie MagSafe, trotzdem kann der Apple-Anschluss ein wahrer Lebensretter sein. Gegenüber Lightning ist der USB-Steckerkopf größer und dicker und geht im Gerät eine festere Verbindung ein. Stolpert man über das Ladekabel, zieht man bei USB-C mit großer Wahrscheinlichkeit das Smartphone mit. Bei Lightning – und ich spreche aus Erfahrung – plumpst einfach das Kabel aus der Ladebuchse und das iPhone bleibt heil.

Plus: Aufgrund der schmaleren Bauweise von Lightning kann Apple in Zukunft noch dünnere iPhones bauen – und wir alle kennen Apples „Schlankheitswahn.“

4. Lightning ist eine Gelddruckmaschine

Lightning ist eine proprietäre Schnittstelle von Apple. Oder anders: Apple verdient mit Lightning Geld. Wenn Zubehörhersteller ein Produkt mit Lightning-Anschluss verkaufen möchten, müssen sie einen Teil der Einnahmen an Apple abdrücken. An jedem zertifizierten Lightning-Zubehör verdient Apple also mit.

Warum sollte Apple auf diese Einnahmen verzichten und sich einem Standard wie USB-C anschließen?

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iPhone-8-Dummy im Hands-On

5. USB-C senkt die Hemmschwelle zum Wechsel

Der wichtigste Grund aber, weshalb Apple auch beim iPhone 8 und kommenden iPhone-Generationen nicht auf USB-C setzen wird: Es senkt die Hemmschwelle zum Wechsel. Zum Geschäftsmodell Apples gehört es, die Nutzer einzusperren – Stichwort: Walled Garden.

Zugegeben, bei den MacBooks setzt Apple auf USB-C. Aber die Apple-Notebooks machen nur einen Bruchteil vom Konzernumsatz aus. Die echte „Cash-Cow“ ist und bleibt jedoch das iPhone – und hier tut Apple alles daran, die Nutzer vom Wechsel abzuhalten. Wer hunderte Euro in Musik, Filme und Apps aus iTunes investiert hat, wird nicht von heute auf morgen zur Konkurrenz wechseln und alle seine Inhalte verlieren.

Dasselbe Prinzip trifft auch auf das Duell zwischen Lightning und USB-C zu: Man mag als iPhone-Nutzer vielleicht nicht mehr zufrieden mit seinem Apple-Handy sein – doch wenn der Wechsel auf Android damit einhergeht, sich eine neue Soundanlage kaufen zu müssen, eine neue Freisprecheinrichtung fürs Auto und neue Kopfhörer, überlegt man es sich zweimal, dem iPhone Adieu zu sagen.

Diese Wechsel-Hemmschwelle würde mit USB-C fallen, denn damit könnten iPhone-Nutzer ihr bereits vorhandenes Zubehör auch problemlos mit einem Android-Smartphone verwenden.

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Geschichte wiederholt sich nicht

Der Switch vom 30-Pin-Connector auf Lightning war seinerzeit eine technische Notwendigkeit und damit unvermeidbar. USB-C ist aber noch weit davon entfernt, eine echte Alternative zu Lightning zu werden – falls dieser Tag jemals kommen sollte. Bis auf Weiteres können sich iPhone-Nutzer also entspannt zurücklehnen. Denn auch beim iPhone 8 gilt: Geschichte wiederholt sich nicht.

Natürlich herrscht in der GIGA-Redaktion nicht immer heitere Einigkeit. Kollege Sven Kaulfuss widerspricht energisch und sieht die iPhone-Zukunft fest in USB-C-Hand: Ein iPhone 8 mit USB-C? Diese 5 Gründe sprechen dafür.

Weitere Themen: USB 3.1 Typ C, Apple Lightning, Apple iPhone, Apple