Ein vermeintlicher Trend: Das 1.000-Euro-Smartphone im Realitätscheck

Sven Kaulfuss
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Die Branche hebt ab und hat jeglichen Bezug zur Realität verloren: 1.000 Euro Einstandspreis für ein Samsung Galaxy Note 8! Demnächst wird Apple die Preismarke mit dem neuen Heilsbringer iPhone X noch übertreffen. Wer soll oder will das bezahlen?

Ein vermeintlicher Trend: Das 1.000-Euro-Smartphone im Realitätscheck

Freilich, es gibt ein paar „Verrückte“ die gerne derartige Summen für technische Spielzeuge aller Art ausgeben. Warum? Weil sie es können und für den Bruchteil eines Augenblicks die Aura des Trendsetters und der ihn umgebenen Exklusivität schnuppern möchten – geschenkt. Hingegen weigere ich mich in der neuesten Preisentwicklung einen durch Kundenwunsch getriebenen Trend zu sehen.

Knappe Luft: Wie viele 1.000-Euro-Smartphones kann es geben?

Es ist eben nicht so, dass die Mehrzahl der Kundschaft laut nach derartigen Preisen und Profilierungsprodukten schreit. Hier möchte ich Kollege Stefan Bubeck widersprechen (vergleiche seinen Kommentar vom gestrigen Tage). Der Markt dieser teuren Mobilfunkspielzeuge ist begrenzt und wird nicht schlagartig weiter wachsen. Auch weil die herbeigewünschte Exklusivität nicht allein von einem hohen Preis herrührt. Apple mag einen derartigen Kurs fürs neue iPhone 8 (respektive iPhone X) ausrufen und die Preislatte über ein Jahr lang oben halten können. Samsung dagegen wird es schon schwerer fallen fürs Note 8 in den Sphären der unverbindlichen Preisempfehlung zu verbleiben. Der Erfahrung nach werden vor allem die Android-Flaggschiffe schon nach wenigen Monaten „verramscht“ und für einige hundert Euro weniger über die Theke geschoben. Viele weitere Hersteller können erst recht nicht im Premiumspiel mitmischen, ihnen fehlt der hierfür notwendige Markenwert.

Alternativen selbst von Premium-Herstellern

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iPhone SE im Test

Doch auch die zahlungsbereite Kundschaft akzeptiert schon lange nicht mehr jeden nach oben hin offenen Preis. Wie sonst möchte man sich den Erfolg eines iPhone SE und das breite und tatsächlich überzeugende Angebot der Android-Mittelklasse erklären? Apple selbst glaubte 2015 noch nicht so recht daran und wurde förmlich von der Kaufnachfrage fürs preiswerteste iPhone überrascht. Heutzutage erhält man für den Bruchteil der Summe des Spitzenmodells – das iPhone SE gibt's schon für knapp über 300 Euro – ein überzeugendes Produkt, selbst vom Premiumhersteller Apple.

Vor einigen Jahren war dies noch anders. So kaufte ich beispielsweise 2012 ein iPhone 5, nicht die billigste Variante. Knapp 800 Euro wanderten so in Apples Geldsack durch meinen Kauf. Allerdings fehlte es seinerzeit an wirklichen Alternativen für mich, um halt weniger ausgeben zu können, trotzdem aber keine sonderlich großen Kompromisse eingehen zu müssen. Heute ist dies anders. Und so warte ich freudiger auf einen bezahlbaren Nachfolger des artverwandten iPhone SE, als denn auf das neue Top-Modell aus dem Hause Apple. Bis dahin tut das iPhone 5 noch seinen Dienst – wohlgemerkt seit 5 Jahren.

Realitätscheck: Fahren wir alle etwa Porsche?

Die Quintessenz: Selbstverständlich gibt's einen Markt für Smartphones jenseits der 1.000 Euro, nur attestiere ich ihm keine übergroßen Wachstumschancen. Wer solche Summen ausgibt will Exklusivität. Sie ist der natürliche Gegenpol zu überhöhten Wachstumsprogosen. Seien wir ehrlich: Anderseits würden wir doch alle Porsche fahren, vor der Tür steht dann am Ende aber Golf oder Polo. Es soll sogar Leute mit einer Monatskarte des ÖPNV geben – auch die kommen von A nach B.

1.000 Euro fürs iPhone 8? Vergiss es, da kauf ich lieber diese 10 Dinge …

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

Bildquellen (Titel): Martin Hajek und iStock (AlekZotoff)

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