Warum das iPhone 8 existiert (Meinung)

Ben Miller

Mit dem iPhone X kommt im November die Zukunft des iPhone auf den Markt. Doch gleichzeitig stellte Apple vor zwei Wochen auch das iPhone 8 und das iPhone 8 Plus vor, die beide bereits jetzt zu haben sind. Warum lässt Apple Gegenwart und Zukunft gegeneinander antreten?

Warum das iPhone 8 existiert (Meinung)

Vor 10 Jahren stellte Apple das erste iPhone vor und revolutionierte damit nicht nur den Mobilfunkmarkt, sondern auch die Art und Weise, wie wir kommunizieren, Informationen teilen und abrufen, fotografieren, Medien konsumieren, reisen, arbeiten und vieles mehr. Heute ist ein Leben ohne Smartphone für 46 Prozent der Smartphone-Nutzer undenkbar. Für viele ist es ihr primärer Computer.

So wie Amboss und Hammer für einen Schmied, so wurde das iPhone zum Werkzeug unserer digitalisierten Gesellschaft. Man könnte sogar sagen, dass das iPhone maßgeblich dazu beigetragen hat, unsere Gesellschaft zu einer digitalisierten zu machen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Eines steht aber fest: Am 9. Januar 2007 um 18:42 Uhr deutscher Zeit erfand Apple mehr als nur das Telefon neu.

In den vergangenen 10 Jahren hat Apple jedes Jahr eine neue iPhone-Generation vorgestellt und mit jedem neuen Modell die Vision des iPhone verbessert, optimiert und verfeinert. Manche Neuerungen waren vergleichsweise unscheinbar, andere Schritte offensichtlich größer, und manchmal schien Apple die Richtung zunächst nicht nachvollziehbar zu ändern. Apple hielt aber immer am bewährten Erfolgsrezept fest.

Während manch andere Hersteller immer wieder notgedrungen deutlich mutiger sein mussten, um gegen Apple nicht unterzugehen, und auch schon mal Produkt-, Design- und Bedienkonzepte von einer Geräte-Generation zur nächsten über den Haufen warfen, blieb sich das iPhone in all den Jahren immer treu.

Zum Jubiläum des iPhone hatte sich Apple jetzt aber etwas außergewöhnlich waghalsiges vorgenommen: das iPhone, sein milliardenschweres Zugpferd und gleichzeitig das erfolgreichste Tech-Produkt der Geschichte, neu zu erfinden.

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iPhone X im Hands-On

Die Zukunft des iPhone, schon heute.

Mit dem iPhone X will Apple das iPhone neu erfinden und ändert hierfür nicht nur das ikonische Design deutlich, sondern auch das Bedienkonzept.

Der Home-Button, von Anfang an das Markenzeichen, ist nicht mehr. An seine Stelle treten Wischgesten. Ein fast rahmenloses, hochauflösendes OLED-Display ziert die gesamte Gerätefront. Ein TrueDepth Frontkamerasystem, quasi eine Mini-Version einer Kinect für Face ID, löst Touch ID ab. Eine neue Dual-Kamera mit verbesserter optischer Stabilisierung. Und dann noch der A11 Bionic Chip mit neuronalem Netzwerk für künstliche Intelligenz. Ein Chip, schneller als ein Intel Core i5 eines aktuellen MacBook Pro.

Nun ist die Technik der Zukunft in unserer Gegenwart weder günstig, noch in ausreichender Stückzahl produzierbar. Das iPhone X alleine könnte die erwartete Nachfrage nicht stillen und somit die Nachfolge des iPhone 7 und iPhone 7 Plus gar nicht antreten. Der Preis des iPhone X ist zweifelsohne eine Hürde: Es kostet ab 1.149 Euro aufwärts, zumindest zum Verkaufsstart, und ist somit das mit Abstand teuerste iPhone, das Apple bisher auf den Markt gebracht hat. Das kann und will sich nicht jeder leisten. Hinzu kommt, dass das iPhone X trotz seines durchaus atemberaubenden Designs und der ebenso beeindruckenden Face ID Gesichtserkennung nicht für jeden geeignet ist.

Es gibt durchaus einige Gründe für die Existenz eines vergleichsweise konservativen iPhone 8.

iPhone 8 und iPhone 8 Plus kommen im vertrauten Gewand daher. Die Gehäuseform kennen wir seit dem iPhone 6. Beim iPhone 8 und dem Plus-Modell setzt Apple jedoch auf Glas statt Aluminium. Dadurch wirkt das angestaubte Design zwar etwas frischer und eleganter, aufgrund der unveränderten Display-Ränder aber auch nicht mehr wirklich zeitgemäß. Dafür findet man bei diesen iPhones immer noch einen Home Button mit Touch ID Fingerabdrucksensor. Face ID gibt’s nur beim iPhone X. Apple setzt aber nicht nur aus ästhetischen Gründen auf Glas. Es ermöglicht erstmals das kabellose Aufladen. Dieses Feature teilen sich iPhone 8 und iPhone 8 Plus mit dem kommenden iPhone X.

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Touch ID versus Face ID

Beim iPhone X kommt eine Gesichtserkennung namens Face ID anstelle von Touch ID zum Einsatz. Wie auch bei Touch ID verlassen die persönlichen Daten von Face ID nie das iPhone. Sie werden lokal in einem Hochsicherheitsbereich im A11 Bionic Chip gespeichert und nicht ins Internet übertragen. Laut Apple soll Face ID sogar noch sicherer als Touch ID sein.

Während man sein iPhone mit Touch ID auch beiläufig entsperren kann, beispielsweise noch während es in der Hosentasche ist, muss die Frontkamera des iPhone X, in der Face ID verbaut ist, Blickkontakt mit dem Gesicht des Nutzers haben. Man muss das iPhone X zwar nicht wie ein Samsung-Gerät direkt und sehr präzise vor die Augen halten, da Face ID, wie der Name schon sagt, das Gesicht erkennt und nicht, wie ein Galaxy S8 oder Note 8, nur die Augen scannt. Dennoch mag es Lebensumstände und -situationen geben, in denen Face ID nicht genutzt werden kann, Touch ID aber sehr wohl – und natürlich auch umgekehrt.

Die Alternative

Mit dem iPhone 8 bietet Apple eine Alternative an. Ein bewährtes Design kombiniert mit einigen neuen Features des iPhone X. Es kann kabellos aufgeladen werden, besitzt ein brillantes True-Tone-Display mit 3D Touch und größerem Farbraum, wird vom selben Apple A11 Chip angetrieben und die Hauptkamera ist die beste, die derzeit in einem Smartphone zu finden ist.

Das iPhone 8 ist für all jene, die keine Early-Adopter sind, die nicht immer die fancieste und teuerste Technik haben müssen. Für jene, die nicht die Geduld haben Wochen, wenn nicht vielleicht sogar Monate, auf ein iPhone X zu warten. Für jene, deren Mindestvertragslaufzeit jetzt im September ausläuft. Denn die Liefersituation beim iPhone X dürfte mindestens bis ins Frühjahr 2018 sehr angespannt sein. Zu guter Letzt ist das iPhone 8 auch für jene, denen der jetzige Schritt vom iPhone der Gegenwart hin zum iPhone der Zukunft noch zu groß und gewagt ist.

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