„Notchgate“ beim iPhone X: Apple, wir müssen über diesen Balken reden

Stefan Bubeck
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Das wunderbare 5,8-Zoll-OLED-Display des neuen iPhone X hat einen Makel: Die Frontkamera und die Sensoren für Face ID befinden sich in einer Ausbuchtung („Notch“), die einen Teil des Inhalts verdeckt. Stört das oder wird das „Notchgate“ überdramatisiert? Und wie reagieren die Leute im GIGA-Büro?

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Notchgate beim iPhone X: Das sagen unsere Kollegen

Stell dir vor, du hättest ausgegeben und schaust dir einen Filmtrailer auf deinem neuen Smartphone an. So ein großes Display! Diese Farbenpracht! Diese Kontraste! Dann schaust du auf die linke Bildschirmseite und du kannst es einfach nicht mehr ausblenden: Die Sensor-Ausbuchtung am oberen Rand verdeckt wichtige Inhalte, stört das Erlebnis. Da wird ein Teil des Inhalts einfach nicht angezeigt – denn hier sind keine Pixel, sondern die Technik für Face-ID platziert.

#notchgate auf Twitter: Hat Apple einen Design-Fehler begangen?

Selbstverständlich haben schnelle Beobachter auf Twitter bereits einen Begriff und Hashtag geformt, der das Problem des abgeknipsten Bildes zusammenfasst: „Notchgate“ – eine Kombination aus dem englischen „Notch“ (Kerbe, Einschnitt, Aussparung) und dem Suffix „-gate“, mit dem – angelehnt an die Watergate-Affäre – Skandale benannt werden (Nipplegate, Antennagate, Bendgate). Übrigens: Unser Redakteur Holger hatte den Begriff „Notchgate“ bereits vor der offiziellen Vorstellung vorweggenommen:

Apple hat offenbar einen „Workaround“, mit dem man das ganze Bild im Blick hat – der hat aber seine eigenen Probleme.

Offenbar können wir zwischen einer abgeschnittenen Full-Screen-Ansicht oder einem Video wählen, das um das asymmetrische Notchgate herum angezeigt wird. Steve Jobs dreht sich im Grab um. (Übersetzung von uns, Quelle: Francis auf Twitter)

Apple hat beim Special Event geschickt versucht, von dem Thema abzulenken:

Der Designer Jed Bridges stellt fest:

Apples Entscheidung (bei der iPhone X Vorstellung) drei Videos mit dunklem Inhalt abzuspielen, sieht aus wie der Versuch, die Tatsache zu verheimlichen, dass die Aussparung Videos verdeckt. (Übersetzung von uns, Jed Bridges auf Twitter)

Die ersten Reaktionen zeigen ein gewisses Entsetzen – das für sein hervorragendes Design berühmte Unternehmen Apple hat hier in Sachen Hardware eine Gestaltung gewählt, die mit Perfektion nichts zu tun hat.

Ganz überraschend kommt das Gehäusedesign nicht, schon der uns Anfang August zugespielte iPhone-X-Dummy besaß die unschöne Kerbe. Seit gestern ist allerdings klar: Das war kein misslungener Prototyp, sondern das endgültige Design des Smartphone-Flaggschiffs, das laut Apple-CEO Tim Cook ein technologischer Wegbereiter für „die nächste Dekade“ sein soll.

Face ID: Geht’s noch?!

The Notch: Alles halb so schlimm?

Die 2.436×1.125 Pixel des „Super Retina Displays“ im iPhone X formen rechnerisch ein Seitenverhältnis 19,5:9 – das ist breiter als der Videostandard 16:9 (zum Beispiel YouTube) und reiht sich so in die Riege der neuen, schmalen Handys ein. Auch das Display der aktuellen Samsung-Flaggschiffe Galaxy S8, S8 Plus und Note 8 ist mit 18,5:9 ziemlich schlank, allerdings ohne Aussparung. Als eigentlicher Notchgate-Pionier sollte Andy Rubins Essential Phone gelten, nur steht das als unbekannter Außenseiter nicht so sehr im Rampenlicht wie der Smartphone-Riese Apple.

Immerhin: Videos, also die meisten YouTube-Videos und TV-Serien, lassen sich ja auch anders darstellen, etwa per „Pillarboxing“. Dann nutzt der Film die Höhe voll aus, wird aber links und rechts mit schwarzen Rändern versehen – zumindest, wenn sie wie die meisten YouTube-Videos und TV-Serien, im Bildverhältnis 16:9 vorliegen. Beim tiefen Schwarz des OLED-Displays sollte das beim iPhone X nicht allzu stark auffallen.

Filme in „breiteren“ Formaten müssen, wenn am linken Rand nichts abgeschnitten werden soll, jedoch mit zusätzlichen Balken oben und unten leben. Und das sieht einfach nicht gut aus.

App-Entwickler müssen künftig den „Notch“ einbeziehen

Apple beschreibt in seinen Richtlinien für App-Entwickler, was zukünftig zu tun ist: „Wenn Sie für das iPhone X entwickeln, dann müssen Sie sicherstellen, dass das Layout den Bildschirm ausfüllt, ohne dabei von den abgerundeten Display-Ecken, dem Sensor-Bereich oder dem Home-Screen-Indikator verdeckt zu werden.“ Mit anderen Worten: Liebe Programmierer, das ist jetzt so. Ihr müsst eure Apps anpassen, wichtige Inhalte oder Steuerungselemente dürfen nicht an dieser Position stehen.

Wir in der Redaktion sehen, siehe Video oben, das Notchgate dennoch als Problem, das künstlerische Visionen – im Fall von Filmen und Spielen – beschränkt und in manchen Apps Probleme verursachen wird. Zumindest während einer Übergangsphase werden wir von Notchgate noch ein paarmal hören.

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