iPhone X: Warum sich Steve Jobs jetzt im Grab umdreht

Kaan Gürayer
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Das iPhone X „katapultiert uns in die Zukunft“, begeistert sich Kollege Tuan. Ich muss leider vehement widersprechen: Das iPhone X ist nichts weiter als eine Ansammlung geklauter Features, die in ein liebloses Design gepresst wurden – und eine radikale Abkehr von Steve Jobs’ Vision. 

iPhone X: Warum sich Steve Jobs jetzt im Grab umdreht

Wer sich am gestrigen Abend das mehr als zweistündige Apple-Event zu Gemüte geführt hat, hat die zahlreichen Referenzen an Steve Jobs kaum ignorieren können. Der US-Konzern war sichtlich bemüht, den Geist des Apple-Gründers wieder aufleben zu lassen – passend zur Vorstellung des Jubiläums-iPhones, das seit gestern den offiziellen Namen iPhone X (Römisch 10) trägt.

Hier unser Hands-On zum iPhone X:

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iPhone X im Hands-On

Was die Führungsspitze um CEO Tim Cook dann aber aus dem Hut zauberte, war keine Hommage an Steve Jobs, sondern ein beinahe schon bedrückendes Beweisstück dafür, wie sehr Apple in den vergangenen Jahren von der einstigen Vision Steve Jobs' abgekommen ist – und kein anderes Gerät symbolisiert dieses Versagen mehr als das iPhone X.

Lauwarmer Aufguss bekannter Features

Das iPhone X ist demnach auch keine „Revolution“, wie mein geschätzter Kollege Tuan meint, sondern nur ein lauwarmer Aufguss von bereits lange in der Android-Welt bekannten Features. Nicht falsch verstehen: das ist kein Vorwurf. Es gehört zur Unternehmensstrategie Apples, neue Technologien nicht als erster zu integrieren.

Stattdessen wartet der iPhone-Hersteller zunächst ab und beobachtet, wie sich neue Funktionen bei der Konkurrenz machen und wo es unter Umständen noch Optimierungsbedarf gibt. An dieser Front bleibt sich Cupertino also treu. Bloß: Wenn Apple wie bisher weiter am „Verspätet, aber dafür richtig“-Ansatz festhält, kann das iPhone X nicht die Zukunft sein.

Eine Zukunft, die bei Samsung, Huawei und Co. schon Gegenwart und zum Teil bereits Vergangenheit ist, kann keine echte Zukunft sein. Das iPhone X ist allerhöchstens eine Revolution für iPhone-Nutzer, die nun endlich auch in den Genuss von Features wie Wireless Charging oder OLED-Displays kommen – es sei ihnen, ganz ohne Häme, auch gegönnt.

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Abkehr von Steve Jobs’ Vision

Viel wichtiger als ein paar von Android kopierte Funktionen ist aber die dramatische Abkehr von Steve Jobs' Vision, die das iPhone X darstellt. Im Gegensatz zu anderen Branchengrößen wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates war Jobs nie ein echter Programmierer. Für Jobs war Technik kein Selbstzweck, sondern nur ein Werkzeug, um der eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Deshalb war es stets der Anspruch Apples, die eigenen Produkte so einfach und benutzerfreundlich wie möglich zu gestalten: Vom Mac über den iPod bis hin zum iPhone. Das Apple-Handy war die unbestreitbare Kumulation dieser Strategie. Ob Kleinkind oder Rentner – jeder kann ein iPhone bedienen. Oder halt, Stopp: konnte.

Denn das iPhone X ist das allerste iPhone, dessen Funktionsweise sich nicht wie von Zauberhand selbstständig erklärt. In einem Schritt, der für Apple so untypisch wie ein Start-Menü am Mac ist, hat der Konzern den zentralen Homebutton gestrichen und die komplette Benutzerführung auf Gestensteuerung ausgelegt. Zum ersten mal in der iPhone-Geschichte müssen sich interessierte Käufer vorher darüber informieren, wie sie ein iPhone steuern können. Die einstmals berühmte intuitive Bedienung des iPhones? Mit der Jubiläums-Generation ein Relikt der Vergangenheit.

Über das lieblose Design kann man streiten, nicht aber über die verhunzte Gestensteuerung. Das ist nicht revolutionär, das ist auch nicht die Zukunft – das ist der Grund, warum sich der arme Steve Jobs gerade im Grabe umdreht.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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