LG G4 im Test: Fotograf in Lederkutte

Amir Tamannai
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Mit Lederrücken gegen die Glas- und Alu-Modelle der Konkurrenz: Das LG G4 setzt optisch eher auf Hausmannskost und versucht statt mit vordergründig betörendem Design über technische Qualitäten zu überzeugen. Ob Quantum Display, Laser-Kamera mit Farbspektrumsensor, ein kühler Snapdragon 808 und 3.000 mAh-Akku den etwas hemdsärmeligen Look des 5,5-Zollers wett- oder das Gerät gar zur pragmatischeren Alternative zu Galaxy S6, One M9 und iPhone 6 machen, klären wir im LG G4-Testbericht.

Das LG G2 diente seinerzeit als Basis für das fantastische und bis heute von mir götzenhaft verehrte Nexus 5, das LG G3 war im vergangenen Jahr neben OnePlus One und HTC One M8 eines der komplettesten Android-Angebote, mit tollem Screen und guter Kamera. Wie können die Koreaner das 2015 steigern – oder wenigstens daran anknüpfen? Mit einem schnelleren Chipsatz? Mit umwerfendem Design? Oder einem größeren Screen? Nichts dergleichen: Das LG G4 besitzte ein Plaste-Gehäuse und eine (optionale) Lederrückseite, wegen der Probleme des Snapdragon 810 „nur“ einen sechskernigen Snapdragon 808. Und auch wenn das Display mit neuen, Marketing-Begrifflichkeiten beworben wird, bleibt es unterm Strich bei 5,5 Zoll mit WQHD-Auflösung. Und das ist gut so …

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Design, Haptik und Verarbeitung des LG G4

Leder! Mein erster Gedanke, als bekannt wurde, dass das LG G4 rückseitig mit Tierhaut bespannt sein würde, war: Hat zwar was, aber schon Motorola gelang es mit dem Moto X 2014 nicht, damit Staat zu machen. Warum also greift nun LG fürs neue Flaggschiff zu diesem „alten“ Trick, in Zeiten, in denen eben Glas und edle Metalle die Oberklasse ausmachen?

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Warum, das weiß ich bis heute nicht, auch wenn ich gewisse Ahnungen habe. Aber so, wie mir damals der Lederrücken des Moto X 2014 (Test) gefallen hat, so kann ich auch der Rückseite des G4 durchaus etwas abgewinnen: Es ist erfrischend, ein Topgerät in der Hand zu halten, das nicht gänzlich aus den genannten Edelmaterialien besteht, die zum einen so kratz- und bruchanfällig sind und zum anderen nach relativ kurzer Zeit der Benutzung ihren schönen Schein verlieren. Anders das Leder des G4: Das altert im positiven Sinne mit jeder Macke und der zunehmenden „Patina“. Ob die aufgesetzte und funktional völlig überflüssige Ziernaht auf dem Rücken dann doch in die Kategorie „Blender“ fällt oder die Optik insgesamt aufwertet, ist Ansichtssache. Fest steht aber: Für vegetarisch lebende Menschen ist das LG G4 aufgrund dieser Materialwahl nichts. Zumindest wenn sie nicht zur Variante mit Plastikrücken greifen.

Abseits vom Leder wird’s dann leider noch biederer: Ein Kunststoffrahmen, der durch Glanzeffekt irgendwie metallen wirken soll, ein gewölbter Querschnitt und eine Front die ob der leicht kurvigen Ober- und Unterkanten ein wenig anachronistisch wirkt, machen den 5,5-Zoller frontal und seitlich betrachtet zu keinem Hingucker. Dass die Koreaner die beim G Flex und G Flex 2 relativ spürbar vorhandene Längskrümmung des gesamten Gerätes in abgeschwächter Form auf das G4 portiert haben, macht das leider nicht besser – und vor allem nicht übermäßig viel Sinn.

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Abgesehen davon gibt es nichts zu meckern: Trotz seines gewaltigen Screens liegt das G4 mit Abmessungen von 148,9 x 76,1 x 6,3 – 9,8 Millimetern und einem Gewicht von 155 Gramm zwar nicht federleicht und ultradünn, aber kompakt und angenehm genug in der Hand – der abermals guten Display-zu-Korpus-Ratio von 72,5 Prozent sei Dank. Die Verarbeitung bietet keinen Grund zur Beanstandung – die abnehmbare Rückabdeckung, die unter dem dünnen Lederbezug aus biegsamem Kunststoff besteht, sitzt ohne nennenswerte Spaltmaße gleichmäßig auf dem Rahmen, die rückseitigen Power- und Lautstärkebuttons zwingen LG-Neulinge zwar zur Umgewöhnung, erweisen sich dann aber dort, wo sie sind, als durchaus praktisch.

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