Moto E im Test: Wühltisch-Smartphone oder Weltrevolution?

Frank Ritter
6

Wer dachte, dass Motorola mit dem Moto G das Smartphone in seinem Sortiment auf den Markt wirft, das am untersten Ende der Preis und Leistungsspirale rotiert, hat sich geirrt: Das mit überraschend großen Werbetamtam vorgestellte Moto E ist noch einmal preiswerter und mit niedrigeren Spezifikationen ausgestattet. Zum Preis von knapp 120 Euro will Motorola damit ein Smartphone für jedermann anbieten. Ob dieses Versprechen eingehalten wird, klärt unser Testbericht zum Moto E.

Moto E im Test: Wühltisch-Smartphone oder Weltrevolution?

Vorweg: Wir haben ein Vorserienmodell des Motorola Moto E XT1021 getestet, das mit dem noch nicht finalen Firmware-Build KXC20.82-14 auf Basis von Android 4.4.2 ausgestattet war. Zum Ende des Testzeitraums wurde ein Update auf Android 4.4.4 ausgeliefert, Build-Nummer KXC21.5-40. Die ältere Firmware lief während des Testzeitraumes stabil, weswegen wir sie als Grundlage dieses Testberichtes verwenden, das Update brachte, abgesehen von einem verbesserten Dialer und der aktualisierten Betriebssystem-Basis, keine nennenswerten Neuerungen. Wir danken Motorola Mobility Deutschland für die Teststellung.

Optik, Haptik und Verarbeitung

Moto-E-liegend-Oberseite

Das Moto E ist für ein Smartphone mit 4,3 Zoll-Display relativ schwer – 140 Gramm bringt es auf die Waage. Mit Abmessungen von 124,8 x 64,8 x 12,3 Millimetern besitzt das Gerät aber noch eine angenehme Größe – insbesondere, weil die üppige Gerätedicke durch die Motorola-typische Bauform geschickt kaschiert wird.

Moto-E-Hand

Ergonomisch macht Motorola, wie schon beim Moto X und Moto G (Test), das Beste aus seinen Möglichkeiten: Auf der Rückseite ist das Gerät abgerundet und passt so hervorragend in Hände aller Größen. Einen Wiedererkennungswert besitzen vor allem das dort in einer Mulde eingeprägte Motorola-Logo und die „zusammengekniffene“ Form auf der Oberseite.

Samsung-Galaxy-S5-Moto-E-Huawei-Ascend-P7-Front

Samsung-Galaxy-S5-Moto-E-Huawei-Ascend-P7-liegend-Bauch

Das Moto E (Mitte) im Größen- und Breitenvergleich mit Samsung Galaxy S5 (links) und Huawei Ascend P7 (rechts)

An der Front hingegen sind deutliche Abweichungen zum Rest der Geräte-Familie sichtbar. In erster Linie meinen wir damit die zwei silberfarbenen Plastikstreifen, die die Hörermuschel oben und den Mono-Frontlautsprecher sowie das Mikrofon unten markieren. Der kürzere Streifen oben wird von Helligkeits- und Näherungssensor links und der lediglich weiß leuchtenden Benachrichtigungs-LED rechts gesäumt. Aufgrund der unterschiedlichen Länge und weil der untere Streifen nicht vertikal zentriert sondern etwas nach unten versetzt wurde, wirkt das Gerät im Landscape-Modus gehalten entsprechend asymmetrisch.

Moto-E-Front-schraeg-Unterseite-Speaker
Moto-E-Front-Oberseite

Die seitlichen Bezel (Ränder zwischen Display und Gehäuserand), der obere und insbesondere der untere Rand sind nach heutigen Maßstäben zwar recht breit, das aber noch in einem vertretbaren Rahmen. Die Front besteht durchgehend aus Gorilla Glass 3 und dürfte somit relativ kratzresistent sein – mehrere Ausflüge auf Kinderspielplätze sowie ins Strandbad und den damit zwangsweise einhergehenden Kontakt mit Sandkrümeln überstand das Gerät jedenfalls unbeschadet. Hardware-Buttons gibt es keine mehr; wie schon Moto X und Moto G, wird auch das Moto E mit Software-Tasten kontrolliert.

Moto-E-Rueckseite

Der Rahmen des Moto E besteht an der vorderen Seite aus glattem Plastik und hebt sich an der Front ein wenig ab, sodass der Geräterand deutlich erfühlbar ist und das Display nicht plan auf einen Tisch aufliegt. Der Spalt zwischen Glas und Rahmen ist so klein, dass dort Schmutz kaum eine Chance hat einzudringen – die Einlassungen für Streifen für Ohrmuschel und Lautsprecher dürften jedoch etwas anfälliger sein. Auch das Spaltmaß zur rückwärtigen Gehäuseschale ist sehr schmal. Durch die Medien kursiert die Information, dass das Moto E wasserdicht sei, die offizielle Geräteseite von Motorola konstatiert hingegen nur, dass das Gerät spritzwassergeschützt sei. Wir gehen davon aus, dass Letzteres der Fall ist, da zumindest der microUSB-Anschluss auf der Unterseite frei liegt und damit anfällig für Korrosion sein dürfte. Trotzdem gut zu wissen, dass man das Gerät auch im Regen stehend aus der Tasche holen kann, ohne Schäden zu befürchten.

Moto-E-Unterseite

Kommen wir zu den Anschlüssen und Buttons: An der „zugekniffenen“ Oberseite findet sich zentriert der 3,5 mm-Klinkenausgang für Kopfhörer und Headset, rechts in der oberen Gerätehälfte die Buttons für Power und Lautstärke. Beide sind nicht optimal, da der Steg die Tasten sehr schmal ist, sie nur sehr schwergängig und ohne klaren Druckpunkt zu bedienen sind. Dazu kommt, dass sie für einen Rechtshänder nicht sehr gut positioniert sind. Um etwa im Gespräch die Lautstärke zu ändern, ist durchaus Daumenakrobatik vonnöten.

Moto-E-Lautstaerke-Power-Button

Wie schon beim Moto G ist die Rückseite des Moto E abnehmbar. Dieser Prozess ist freilich etwas hakelig, so kann man sein Gerät aber nach Gutdünken mit alternativen Rückenschalen in anderen Farben ausstatten, die Motorola ebenfalls in den Handel bringen wird. An der Unterseite mittig findet sich der bereits erwähnte microUSB-Anschluss zum Laden des Smartphones und Anschluss an den PC, die linke Seite bleibt frei.

Moto-E-halbschraeg-Seite

Die Rückseite des Moto E besteht aus einer Softtouch-Plastikoberfläche. Bei der uns vorliegenden weißen Version blieben darauf dankenswerterweise keine sichtbaren Fingerabdrücke zurück, bei der schwarzen Version dürfte das anders sein – zumindest, wenn wir nach unseren Erfahrungen mit dem Moto G gehen. Unter der Schale finden wir seitlich Einschübe für microSD-Karte und micro-SIM vor, der Akku ist nicht herausnehmbar. Das Material fühlt sich nicht unbedingt nach einem Premium-Smartphone an – das erwartet aber auch niemand. Positiv ist immerhin, dass Motorola lediglich an der Seite, nicht jedoch an der Rückseite glattes Plastik verwendet. Es sei an der Stelle erwähnt, dass die Rückenschale bei unserem Testgerät nach zweimaligem Abnehmen leichtes Spiel aufweist. Das führt zwar zu keinem Klappern, es ist aber im Alltag durchaus gelegentlich bemerkbar.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass das Moto E pragmatisch konstruiert und solide verarbeitet ist, mehr aber auch nicht. Dass es sich um ein Gerät der untersten Preiskategorie handelt, kann man ihm durchaus ansehen – Designpreise wird das Gerät aufgrund der klobigen Maße, der silbrigen Plastikstreifen und des glatten Plastikrahmens wohl nicht gewinnen. Das ist aber auch nicht der Anspruch des Moto E.

Display

Moto-E-Display

Moto-E-Display-Makro

Der IPS-Bildschirm des Moto E ist mit einer Diagonale von 4,3 Zoll bei qHD-Auflösung (960 x 540) nicht sonderlich scharf, die Pixeldichte beläuft sich auf 256 ppi. Im Alltag ist es zwar nicht unbedingt eine Augenweide, man kann das Display aber trotzdem gut ablesen – Probleme treten höchstens bei kleineren Schriften auf. Das Display weist eine angenehme Maximalhelligkeit auf und bietet eine gute Farbwiedergabe, die allerdings eher realistisch als satt ist. Problematisch ist hingegen die Ablesbarkeit von der Seite. Schon bei leicht von der Frontalperspektive abweichenden Blickwinkeln treten Farbverfälschungen auf und das Motiv wird deutlich dunkler. Auch die automatische Helligkeitsanpassung empfanden wir als unzureichend, im Regelfall sorgte diese für ein viel zu dunkles Bild.

Moto-E-liegend-rechts-Puttons-schraeg-Display

Wir halten fest: Konnte uns das Display des größeren Bruders Moto G noch rundherum überzeugen, schwächelt der Bildschirm im Moto E. Insbesondere die schwache Blickwinkelstabilität empfinden wir als kritikwürdig. Wir wissen nicht, ob ein besserer Bildschirm angesichts des geringen Gerätepreises möglich gewesen wäre, bedauern darf man den Umstand aber trotzdem.

Die Kamera des Moto E

Moto-E-Rueckseite-Oberseite-Kamera-Motorola-Logo

Motorola ist nicht unbedingt dafür bekannt, in seinen Smartphones die besten Kamera-Module zu verbauen. Stellt sich die Frage, warum das bei dem billigsten Moto-Smartphone anders sein sollte. Das ist es dann auch nicht: Die Resultate des rückseitigen 5 MP-Kameramoduls sind selbst bei optimalen Bildverhältnissen bestenfalls durchschnittlich, in der Regel aber wenig brauchbar:

Moto-E-Testfoto-2014-06-06-09-10-37

Moto-E-Testfoto-2014-06-05-09-01-27
Moto-E-Testfoto-2014-06-05-09-25-44

Zum einen liegt das an der allgemeinen Bildqualität: Die Farben sind eher blass und häufig verfälscht, Lichter wirken überzeichnet, Pixelmatsch ist auf den Fotos schon bei geringen Zoomstufen deutlich sichtbar. Zum anderen ist besonders fatal, dass die Kamera einen fest eingestellten Fokus besitzt. Somit sind Makroaufnahmen unmöglich, scharf wird es erst in einem Mindestabstand von rund 30 cm, manuell per Tap zu justieren ist grundsätzlich nicht möglich.

Moto-E-Kamera-App

Motorolas unkonventionelle, aber gute Kamera-App ermöglicht dem Nutzer immerhin, die Helligkeit des Fotos anhand eines selbst verschiebbaren Punktes festzulegen und einen HDR-Modus zu nutzen. Motive im Freien können dadurch ein wenig Dramatik erhalten – sofern der Fotograf die Hand stillhält, denn die Erstellung der HDR-Bilder erfolgt offenbar ohne Hardware-Support und dauert gefühlt 2 Sekunden. Hier noch einige weitere Beispielbilder:

Moto-E-Testfoto-2014-07-10-15-28-34
Moto-E-Testfoto-2014-07-10-15-28-22
Moto-E-Testfoto-2014-07-10-15-28-10
Moto-E-Testfoto-2014-06-11-19-04-56
Moto-E-Testfoto-2014-06-10-19-04-50
Moto-E-Testfoto-2014-06-10-19-03-23
Moto-E-Testfoto-2014-06-10-08-48-27
Moto-E-Testfoto-2014-06-10-08-48-15
Moto-E-Testfoto-2014-06-06-09-10-46
Moto-E-Testfoto-2014-06-06-09-10-31
Moto-E-Testfoto-2014-06-05-09-59-30
Moto-E-Testfoto-2014-06-05-09-25-33

Eine Frontkamera besitzt das Moto E nicht. Videos nimmt es in FWVGA auf, also der Auflösung von 864 x 480. Auch die Videos weisen nicht eben bemerkenswerte Qualität auf.

Summa summarum: Das Moto E macht bei der Kamera noch ärgere Kompromisse als das Moto G und ist somit, man kann es leider nicht anders formulieren, für die meisten Zwecke unbrauchbar.

Android pur: Die Software des Moto E

Wie oben geschildert, lief auf unserem Moto E während des Testzeitraums Android 4.4.2, erst zum Schluss wurde das Update auf 4.4.4 ausgeliefert. Während das Android L-Update für Moto G und Moto X bereits bestätigt ist, steht allerdings in den Sternen, ob dieses auch für das Moto E erscheinen wird.

Moto-E-Screenshot-Lockscreen
Moto-E-Screenshot-Homescreen
Moto-E-Screenshot-App-Drawer

Die Software des Moto E ist praktisch identisch zu der des Moto G, das bedeutet: Stock Android ohne wesentliche Änderungen. Zur Google-Blaupause von Android gesellen sich einige wenige Apps von Motorola: Die App „Migrieren“ zum Übertragen von Einstellungen und Daten, „Assist“ zum Automatisieren des Geräts in bestimmten Situationen, eine eigene Galerie- und die oben schon erwähnte Kamera-App. Neu ist die App „Alert“, mit der man Personen festlegen kann, die in einem Notfall alarmiert werden. Mit dem Update auf Android 4.4.4 kam zudem der umgestaltete Stock-Dialer aus der jüngsten KitKat-Iteration hinzu, der schick aussieht und eine Sprachsuche integriert hat, aber sonst keine wesentlichen Vorteile besitzt.

Moto-E-Screenshot-Benachrichtigungen
Moto-E-Screenshot-Quick-Toggles
Moto-E-Screenshot-Settings

Außerdem werden einige Apps, die im Drawer nicht sichtbar und für Systemfunktionen zuständig sind, über den Play Store aktualisiert. Das sind beispielsweise die Motorola Startdienste, über die Motorola seine Smartphones regelmäßig mit neuen saisonalen Bootanimationen bedient, aktuell etwa zur gerade stattfindenden Fußball-WM. Wer mehr wissen möchte, liest unseren Test zum Moto G – seitdem hat sich nichts Signifikantes an der Software verändert. Zu erwähnen ist noch, dass man die nervige Provider-Anzeige in der Benachrichtigungsleiste abschalten kann – endlich.

Moto-E-Screenshot-Galerie
Moto-E-Screenshot-Assist
Moto-E-Screenshot-Alert

Trotz Stock-Android liefert Motorola einige eigene Apps mit, von links: die eigene Galerie-App, das Automatisierungstool Assist und die für Notfallsituationen gedachte App Alert

Ärgerlich: Wie schon das Moto G lässt sich auch das Moto E nicht über ein Headset mit Multimediakontrollen fernsteuern, etwa um ein Musikstück zu pausieren oder einen Anruf anzunehmen. Schade finden wir außerdem, dass der Launcher nicht das „OK Google“-Hotword unterstützt, um eine Google-Suche per Sprache zu initiieren – vielleicht kommt das aber ja noch mit einem Update. Außerdem fehlt uns noch die Einstellung zur Anzeige der verbliebenen Akkumenge in Prozent. Immerhin: Da das Gerät einen entsperrbaren Bootloader besitzt, kann das Gerät auf eigenes Risiko hin mit Custom Recoveries und Root versehen werden. Freunde von Custom ROMs dürften mit dem Gerät also auf ihre Kosten kommen.

Performance des Moto E

Moto-E-Front-Hand-schraeg

1 GB RAM sind in der Preis- und Leistungsklasse des Moto E zwar eine repektable Menge, mit seinem 1,2 GHz-Dual Core-Snapdragon 200 und der Adreno 302 Single Core-GPU macht das Smartphone aber, wie erwartet, keine großen Leistungssprünge. Das zeigt sich natürlich in den Benchmarks, hier im Vergleich zu einem Mittelklasse- (HTC One mini 2) und einem Oberklasse-Gerät (Samsung Galaxy S5).

Benchmark Moto E HTC One mini 2 Samsung Galaxy S5
Antutu 4.5.1 Total 12247 16795 34839
Antutu UX (Multitask/Runtime) 2087/1273 2962/1054 7231/3814
Antutu CPU (Integer/Float) 826/661 1796/1443 3503/3695
Antutu RAM (Operation/Speed) 502/802 1101/989 1552/2361
Antutu IO (Storage/Database) 762/605 757/625 1046/660
CF-Bench 1.3 Overall 6753 14271 37579
CF-Bench Java 4744 10130 35717
CF-Bench Native 9768 20484 40374
GFXBench v3.0.16
T-Rex Offscreen 1080p
252 Frames
4,5 fps
327 Frames
5,8 fps
1544 Frames
27,6 fps
GFXBench
Manhattan Offscreen 1080p
83 Frames
1,3 fps
104 Frames
1,7 fps
725 Frames
11,7 fps
GFXBench
T-Rex Onscreen
619 Frames
11 fps
613 Frames
11 fps
1566 Frames
28 fps
GFXBench
Manhattan Onscreen
311 Frames
5 fps
238 Frames
3,8 fps
725 Frames
11,7 fps

Auch im Regelbetrieb fällt auf, dass das Moto E nicht das performanteste Smartphone ist. Während Stock Android eigentlich relativ anspruchslos ist, wirkt das Moto E aber selbst mit Googles höchsteigener Variante des Mobil-OS latent überfordert – das nicht im Sinne von „unbenutzbar“, sondern eher in Bezug auf die wahrgenommene Geschwindigkeit. Am Anfang ist der Effekt kaum merklich, je voller der Homescreen, je mehr Apps sich auf dem internen Speicher tummeln und je länger das Gerät in Benutzung ist, desto augenscheinlicher wird das aber. Einen Einfluss auf die subjektive Performance hat auch der vergleichsweise hohe Input Lag – bewegt man ein Objekt, etwa ein Icon, mit dem Finger, zeigt das Display diese Bewegung mit deutlich höherer Verzögerung an als bei den meisten modernen Devices. Fairerweise muss man Motorola allerdings zugestehen, dass sich das Problem mit dem Update auf Android 4.4.4 etwas abgemildert hat. Außerdem geht das Surfen im Netz auf dem mitgelieferten Chrome-Browser leicht von der Hand, Zoomen und Herumscrollen funktioniert angenehm flüssig.

Anspruchsvolle Games auf dem Moto E zu spielen ist ein vergleichsweise schwieriges Unterfangen, was in erster Linie mit dem stark limitierten Platz im internen Speicher zusammenhängt. Die Grafikleistung reicht aber aus, um Spiele wie Dead Trigger 2 und Riptide GP2 mit stark reduzierten Details noch in spielbaren Frameraten auszuführen.

Konnektivität und Speicher

Die 4 GB an internem Speicher im Moto E sind knapp bemessen. Auch wenn Motorola dankenswerterweise darauf verzichtet hat, beispielsweise Google+ als System-App vorzuinstallieren, sind mit 2,16 GB kaum hinreichend Platz übrig, um das Gerät für mehr als Basis-Zwecke zu nutzen. Sobald man ein paar Apps oder gar Games installiert hat, ist der Platz voll, die Benachrichtigung, dass nicht ausreichend Speicher zur Verfügung steht, wird zum omnipräsenten Damoklesschwert. Es gibt hier nichts zu relativieren: 4 GB Speicher sind zu wenig, um im Jahr 2014 ein Android-Gerät vernünftig betreiben zu können.

Immerhin kann man den Speicher des Moto E per micro SD-Karte aufrüsten. Die offiziellen Spezifikationen sprechen von Karten bis 32 GB, wir konnten jedoch im Test problemlos auch eine 64 GB-Karte nutzen. Zwar nutzt nicht jede App externen Speicher, wenn man aber die per Google Play Music lokal gespeicherte Tracks und Fotos der Kamera auf der SD-Karte ablegt, ist schon einiges gewonnen. Auch die Zuschaltung von externem Speicher, etwa USB-Sticks, per USB-On-The-Go/USB-Host-Adapter klappte im Test übrigens reibungslos.

Das Moto E ist mit den wichtigsten Konnektivitätsoptionen ausgestattet. Das Smartphone unterstützt WLAN bis zum n-Standard, HSDPA allerdings nur bis zu Download-Geschwindigkeiten von 21 MBit/s. Bluetooth 4.0 LE ist dabei, LTE-Unterstützung ist hingegen genauso wenig integriert wie ein NFC-Modul. Die wichtigsten Sensoren (Lage, Helligkeit, Näherung) sind mit dabei, ein Gyroskop fehlt allerdings. Auch ein GPS-Chip ist enthalten. Gab es zuvor Probleme, schafft es das GPS mit dem Update auf Android 4.4.4 nun auch zuverlässig, ausreichend Satelliten zu orten, um einen Positionsfix zu erhalten.

Ein kleines Goodie soll nicht unerwähnt bleiben, weil es heutzutage nicht mehr Standard in allen Geräten ist: Das Moto E hat einen UKW-Radiochip an Bord und kann für Unterwegs-Bedudelung verwendet werden, indem man Kopfhörer einsteckt, die dann als Antenne fungieren. Apropos Kopfhörer: Wie schon das Moto G hat auch das Moto E Probleme mit Fernbedienungen an kabelgebundenen Headsets – die Tastendrücke funktionieren schlicht nicht.

Telefonie und Audio

Moto-E-Hand-gehalten-schraeg

Der vom Moto E übermittelte und empfangene Klang in der Telefonie war nicht auf dem Niveau von Top-Geräten. Er klang etwas dumpf, blieb dabei aber verständlich. Unter nicht optimalen Empfangsbedingungen kam es allerdings hin und wieder zu Störungen im Gespräch. Einen überraschend guten Eindruck machte hingegen der Mono-Lautsprecher an der Front, dessen Sound auch bei hohen Lautstärken brauchbar und angemessen voll klang – nicht auf dem Niveau von HTCs BoomSound-Lautsprechern, aber gut genug, um darauf hin und wieder ein YouTube-Video genießen zu können.

Akku

Herausragenden Laufzeiten wie das Moto G erreicht das Moto E zwar nicht, der nicht wechselbare 1.980 mAh-Akku brachte uns aber zumeist sicher über den Tag, und das selbst mit diversen eingeschalteten Hintergrunddiensten (Google+, Dropbox mit Foto-Upload, Hangouts, Pushbullet, WhatsApp und mehr) und einer Screen-on-Time von etwa 2 Stunden bei einer Bildschirmhelligkeit von rund 70 %. Auf der Habenseite lässt sich auch die Tatsache verbuchen, dass das Moto E über einen integrierten Energiesparmodus verfügt, den man in den Akkueinstellungen aktivieren kann – einen merklichen Einfluss auf die Verbrauchsstatistiken haben wir damit aber nicht feststellen können.

Fazit zum Moto E: Zu viele Abstriche

Moto-E-Hand-Rueckseite

Anderswo kann man zuweilen arg enthusiastische Lobeshymnnen auf das Moto E lesen, der Hype um das Gerät ist aber, das muss klar gesagt werden, nicht berechtigt. Um das zu illustrieren, zieht man am besten das größere Schwestergerät Moto G heran. Jenes findet ihn nämlich, den „Sweet Spot“ aus für ein modernes Smartphone notwendiger Leistung und Verzicht auf „Schnickschnack“. Das Moto G kann man in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis zweifelsohne als das beste Smartphone der letzten Jahre bezeichnen – das Moto E setzt hingegen den Rotstift zu oft an. Zu viele Kompromisse bei der Leistung, 4 GB Speicher und die zumeist unbrauchbare Kamera sind einfach zu wenig, um ein Smartphone für mehr als Messaging und ein paar wenige Apps unterwegs zu nutzen. Um das Bauchgefühl des Testers auf ein zugegeben subjektives Fazit herunter zu brechen: Das Moto G macht Spaß, das Moto E nicht.

Ist wenigstens der Preis ein Argument für das Moto E? Nun, wenn man definitiv nicht mehr als 120 Euro für ein Smartphone ausgeben möchte: ja, sicherlich. Zwar gibt es auch einige No-Name-Smartphones aus China in diesem Preisbereich, die zumindest auf dem Papier mit ähnlichen oder gar besseren Specs aufwarten, mit dem Moto E bekommt man aber die Sicherheit einer starken Marke und den besseren Support. Trotzdem empfehlen wir, falls das Limit es zulässt, lieber die rund 40 Euro mehr zu investieren und das Moto G in der günstigsten Ausführung zu kaufen – das Gerät ist einfach deutlich besser und auf lange Sicht hat man gewiss mehr Freude damit.

Bei aller Kritik – eine größere Bedeutung hat das Moto E dennoch, sowohl für Motorola als auch den Rest der Welt. Denn während bei uns diverse Abgaben, zum Beispiel für die GEMA, auf den Verkaufspreis aufgeschlagen werden müssen, kann das Gerät in Entwicklungs- und Schwellenländern für unter 100 Euro verkauft werden. In Indien kostet das Moto E zum Beispiel umgerechnet nur 85 Euro – zusammen mit Microsofts Nokia X-Smartphones und der Android One-Plattform von Google wird mit Geräten dieser Preisklasse ein ganz neuer Markt erschlossen und das mobile Internet Menschen zugänglich gemacht, die sich – ohne das despektierlich zu meinen – ein nach Maßstäben der Industrienationen „normal“ bepreistes Smartphone nie leisten könnten. Auch wenn das Moto E in unseren Augen kaum ein interessantes Smartphone darstellen mag, könnte diese Gerät ein wesentlicher Meilenstein sein, die „nächste Milliarde“ an die Welt der digitalen Kommunikation anzuschließen.

Unsere Wertung zum Moto E:

  • Display: 2/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 2/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Kamera: 1/5 *
  • Konnektivität und Speicher: 2/5
  • Akku und Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 2,8/5

Motorola-Moto-E-Test-Badge-androidnext

* 1 Punkt Abwertung wegen fehlender Frontkamera

Pro:

  • Günstiger Preis
  • Beinahe Stock Android
  • Solide Verarbeitung

Contra

  • Geringe Performance
  • Zu wenig interner Speicher
  • Miserable Kamera

Galerie zum Moto E

Samsung-Galaxy-S5-Moto-E-Huawei-Ascend-P7-liegend-Ruecken
Samsung-Galaxy-S5-Moto-E-Huawei-Ascend-P7-liegend-Bauch
Samsung-Galaxy-S5-Moto-E-Huawei-Ascend-P7-Front
Moto-E-Unterseite
Moto-E-schraeg-liegend-Front
Moto-E-Rueckseite-Oberseite-Kamera-Motorola-Logo
Moto-E-Rueckseite-liegend-schraeg
Moto-E-Rueckseite
Moto-E-Profil-Buttons
Moto-E-liegend-Seite-schraeg-Profil-links
Moto-E-liegend-schraeg-rechts
Moto-E-liegend-Rueckseite-links-schraeg
Moto-E-liegend-rechts-Puttons-schraeg-Display
Moto-E-liegend-Oberseite
Moto-E-Kamera-App
Moto-E-Hand-Rueckseite
Moto-E-Hand-Oberseite
Moto-E-Hand-gehalten-schraeg
Moto-E-Hand
Moto-E-halbschraeg-Seite
Moto-E-gehalten-schraeg-Kamera
Moto-E-Front-schraeg-Unterseite-Speaker
Moto-E-Front-Oberseite
Moto-E-Front-liegend
Moto-E-Front-Hand-schraeg
Moto-E-Front-Hand-gehalten
Moto-E-Display
Moto-E-Lautstaerke-Power-Button

Weitere Themen: Motorola Mobility

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz
}); });