Moto G im Test: Discount-Smartphone mit Ambitionen

Frank Ritter
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Mit dem Moto G wirft Googles Konzerntochter Motorola Mobility ein Smartphone auf den Markt, das brauchbare Technik zu einem konkurrenzlos günstigen Preis verspricht. Im Testbericht zum Moto G gehen wir der Frage nach, ob das Gerät dieses Versprechen einhalten kann.

Moto G im Test: Discount-Smartphone mit Ambitionen

Motorola hat sich rar gemacht in Europa, schaut man sich die jüngere Smartphone-Historie des US-Konzerns an. Natürlich gab es immer mal wieder Lebenszeichen, etwa 2011 mit dem Atrix und dem RAZR (Test), 2012 mit dem überraschend guten RAZR i (Test) und dem RAZR HD. Aber bewegt man sich durch die Öffentlichkeit und lässt seinen Blick schweifen, sieht man zwischen all den iPhones, Samsungs, Sonys und HTCs nahezu nie ein Moto-Smartphone. Keine Frage: Motorolas Kernmarkt sind die USA, was man nicht zuletzt an den zahlreichen Moto-Modellen in Verizons DROID-Serie sieht oder der zunächst US- und Lateinamerika-exklusiven Veröffentlichung des hochinteressanten Moto X. „Ein bisschen wichtig“ ist Europa Motorola dann aber mittlerweile aber doch wieder. Das Moto X wurde mit einem halben Jahr Verzug justamente unter anderem für Deutschland angekündigt, und das preiswerte Moto G, um das es hier gehen soll, kam gar in der alten Welt zuerst heraus, und erst dann in den USA.

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Ein bisschen unklar ist heute, Anfang 2014, wie das Verhältnis von Google zu Motorola ist. Einerseits spricht man von einer Firewall, die die beiden Konzerne voneinander trennt. Google solle Motorola nicht in die eigenen Geschäfte hineinreden, Motorola keine besonderen Forderungen an Google stellen können. Dieses Mantra ist wichtig, nicht zuletzt, um die fragilen Beziehungen zu OEMs wie HTC, LG und Samsung seitens Google nicht zu gefährden. Denn die setzten bekanntermaßen auf Android, weil das Ökosystem zu einem Sachzwang geworden ist – nicht etwa, weil man Google so mag.

Motorola hingegen ist „eine Google-Company“, wie man nicht zuletzt prominent auf der Motorola-Website lesen kann. Wenn Moto-Chef Dennis Woodside betont, dass man etwa für die Konzeption des Moto X eigenständig agiert hat und lediglich die Finanzierung von Google erhielt, ist das schon ausreichend, um die Mär von der Firewall einreißen zu lassen. Denn Motorola kann mit dieser Rückendeckung natürlich ganz anders agieren als Samsung und Co., muss sich keine (oder zumindest deutlich weniger) Gedanken um Umsatzziele machen, darf Experimente wagen – siehe Project Ara – und muss sich nicht um Differenzierung zu anderen Herstellern in Form einer eigenen Benutzeroberfläche scheren.

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Womit wir beim Kern für diesen Artikel wären. Denn das Moto G hat ein bemerkenswertes Konzept: Es möchte ein Smartphone sein, das alles wirklich Notwendige mitbringt, den Rest so brauchbar wie nötig macht, unnütze Extras wegrationalisiert und das Ganze zum bestmöglichen Preis verkauft. Zugegeben, ganz neu ist die Idee nicht, aber wohl noch nie so konsequent umgesetzt wie im Moto G. Aber wir wollen nicht vorweggreifen. Fangen wir mit unserem ersten Eindruck vom Moto G an, den wir in diesem Hands-On-Video festgehalten hatten:

Wie aus dem Video ersichtlich, ist das Moto G nicht gerade üppig ausgestattet, was Packungsbeilagen angeht. So fehlt neben dem Kopfhörer auch ein Steckdosenadapter für das mitgelieferte USB-Kabel. Den Strom-Adapter liefern jedoch manche Händler extern kostenfrei mit. Dass diese beiden Zubehör-Teile fehlen, ist aus unserer Sicht kein Beinbruch. Bei Smartphones mitgelieferte Kopfhörer sind fast immer mäßig und Steckdosen-Adapter hat man zumeist sowieso noch in der Schublade liegen. Falls nicht, mag es zwar für den Einzelnen ärgerlich sein, dass man noch einmal investieren muss, Motorola wendet hier aber eine im größeren Kontext nachvollziehbare Strategie zur Ressourcenschonung und Kostenreduzierung an.

Optik, Haptik und Verarbeitung des Moto G

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Kommt man von einem Galaxy Note 3 (Test) und HTC One max (Test), wie der Tester des Geräts, kommt einem das Gerät unverhältnismäßig klein vor. Ist es aber gar nicht – mit Maßen von 130 x 66 x 11,6 mm und einem Gewicht von 143 Gramm liegt es absolut im Soll für ein 4,5 Zoll-Gerät, ist sogar etwas schwerer und tiefer als der Durchschnitt. Das nimmt man aber kaum wahr, da das Moto G aufgrund seiner abgerundeten Formen und der konvexen Rückseite geradezu unverschämt gut in der Hand liegt und man insbesondere die 11,6 mm an der dicksten Stelle kaum bemerkt.

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Die Formsprache des Moto G ist ein Zwischending aus dem Moto X und Googles Nexus-Geräten. Die dezente Front ohne kapazitive Tasten oder Hardware-Buttons erinnert in ihrer abgerundeten Silhouette stark an das Nexus 4 (Test). Außer der ins Glas eingefrästen Mulde für die Hörermuschel, die Frontkamera und das bei Nachrichteneingang auschließlich weiß pulsierende Benachrichtigungslicht (Tipp, falls die LED auf Anhieb nicht funktioniert: dieses Widget installieren, auf dem Homescreen platzieren und einschalten), ist nicht viel zu sehen.

Moto-G-Front-Display-Spiegelung

Allerdings macht das Display im Vergleich zu den Nexus-Geräten keinen allzu hohen Anteil an der Front aus, vor allem an deren Unterseite befindet sich relativ viel funktionslose Fläche. Das in Verbindung mit den Software-Buttons lässt das Moto G-Display vertikal leicht dezentriert erscheinen. Einsteiger werden das freilich zu schätzen wissen, denn der Daumen kann die Software-Buttons so deutlich besser erreichen.

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Dazu kommt die leicht abgeflachte Oberseite, in die mittig die Kopfhörerbuchse eingelassen ist und die rückseitige Mulde mit dem Motorola-Logo, die das Moto X referenzieren. Letztere ist dann auch eine willkommene Ablagefläche für den Zeigefinger bei Telefonaten und ein kleines Detail, das uns gut gefallen hat. Direkt über der Mulde findet man den LED-Blitz, die Kamera, links neben der Kamera schließlich den Lautsprecher.

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Zwar stellt sich das Moto G in Sachen Verarbeitung und Material nicht auf dasselbe Niveau wie Premium-Smartphones, andererseits wirkt es auch nicht wie eine Billig-Gurke mit einem Wackelgehäuse aus „glossy“ Plastik: Die Hartplastik-Rückseite wirkt zwar eher zweckmäßig, kann aber auch durch zusätzlich erhältliche – recht schwergängig – ausgetauscht werden, die Motorola ebenfalls anbietet. Der schwarze Deckel, mit dem unser Gerät ausgestattet ist, verhielt sich leider recht anfällig für Fingerabdrücke. Der Deckel knarzt aber weder, noch ist er in irgendeiner Weise wackelig – selbst nach Wochen der Nutzung. Spaltmaße sind kaum sichtbar, allenfalls in einer schmalen Spalte zwischen Displayglas und Gehäuse hat sich im Testzeitraum ein wenig Schmutz angesammelt, der dort auch leider kaum zu entfernen war.

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Wackelig, zumindest in geringem Ausmaß, sind die Tasten für Lautstärke und Power, die untereinander an der rechten Geräteseite positioniert sind. Das stört im Alltag jedoch kaum, immerhin bieten die Tasten auch recht gute Druckpunkte und sind ohne Sichtkontakt deutlich erfühlbar.

Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität des Moto G solide – sowohl im eigentlichen Wortsinne als auch im Sinne einer Bewertung. Mehr hätte man nicht erwarten können, Motorola hat sein Soll erfüllt.

Das Display des Moto G

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Ein Full-HD-Bildschirm wird erst ab Diagonalen von rund 5 Zoll sinnvoll, darunter ist selbst für geübte Augen kaum ein Schärfeunterschied feststellbar. Entsprechend hat sich Motorola beim 4,5 Zoll-Panel im Moto G für die technisch optimale Bildschirmauflösung entschieden: 1.280 x 720 Pixel. Mit einer Pixeldichte von 326 ppi ist das IPS-Display nicht nur ausreichend scharf, sondern sieht auch in jeder anderen Hinsicht hervorragend aus. Zum einen ist es sehr hell, was im (zum Testzeitpunkt denkbar weit entfernten) Sommer von Vorteil sein dürfte. Die Farben wirken naturgetreu und gleichzeitig angemessen intensiv, einen Grauschleier wie beispielsweise in einigen jüngeren Sony-Smartphones sucht man hier erfreulicherweise vergebens. Das Weiß schafft eine optimale Balance zwischen Warm und Kalt, das Schwarz mag nicht das Dunkelste sein, kann jedoch trotzdem überzeugen. Lichthöfe sind so gut wie nicht sichtbar, auch aus spitzer werdenden Blickwinkeln verliert das Display kaum an Qualität.

Fazit: Das Display des Moto G ist sehr gut, wenn nicht sogar seine beste Eigenschaft. Es kann sich mit den Displays von Branchenprimi wie dem iPhone oder dem LG G2 (Test) messen, subjektiv und im direkten Vergleich kam es dem Tester im Farbbild sogar noch einen Tick besser vor als das Nexus 5 – Schärfe ist eben nicht alles.

Die Kamera im Moto G

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Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Die größte Enttäuschung des Moto G ist dessen 5 MP-Kamera. Auch wenn zwei Firmware-Updates durchschnittliche Qualität der Bilder von katastrophal auf „nur noch“ mäßig änderte, bleibt das Kamera-Fazit deutlich unter Durchschnitt. Fotos sind bei optimalen Lichtverhältnissen zwar detailarm, aber mitunter noch brauchbar. Unter schlechten Bedingungen sind die Resultate in den meisten Fällen verrauscht, die Farben zu blass und rotstichig, „aus der Hüfte geschossene“ Fotos häufig verwackelt. Selbst der HDR-Modus kann nur selten noch etwas herausholen.

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Foto ohne HDR-Effekt

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Foto mit HDR-Effekt

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Ähnlich sieht es mit Videos aus, die in maximal 720p aufgenommen werden können, denn diese weisen ebenfalls ein starkes Rauschen und erratische Farbfehler auf. Der optionale Zeitlupen-Modus ist ein nettes Gimmick, die Ergebnisse sind aber fehlerhaft – in dem Sinne, dass die Videos zwar auf dem lokalen Rechner, nicht aber auf YouTube abgespielt werden können.

Zumindest unter Android 4.3 gab es immer wieder „Lag“ zu beobachten, also Situationen, in denen die Framerate der aufgenommenen Videos einzubrechen scheint – mit Android 4.4 scheint der Fehler aber beseitigt, weswegen er nicht in die Wertung einfließt. Lediglich zur Veranschaulichung hier noch ein Videosample, aufgenommen mit der Android 4.3-Firmware, zu Beginn des Clips ist das Framerate-Problem besonders deutlich:

Immerhin: Anders als in unserem ersten Eindruck statuiert, bessert sich die Bedienbarkeit der ziemlich minimalistischen Kamera-App nach einiger Zeit der Eingewöhnung durchaus, insbesondere, wenn man den Modus „Fokuskontrolle und Belichtung“ aktiviert.

Den Test zum Nachfolger findet ihr hier: Moto G2 Test

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Die Kamera-App im Moto G ist gewöhnungbedürftig, dann aber gut nutzbar

Dann erscheint auf dem Bildschirm ein per Drag & Drop verschiebbarer Cursor, anhand dessen Position sich die Belichtung und der Fokus ausrichten. Das kennt man in der Form am ehesten von der Drittanbieter-Kamera-App Focal und ist eine Art zu fotografieren, die Sinn ergibt: Entweder man verlässt sich auf die Automatik, oder man wählt im Bild den Punkt aus, der wichtig ist. Darüber hinaus muss man sich an die App eben gewöhnen. Eine Wischbewegung von links öffnet ein drehbares Rad mit den wichtigsten Einstellungen, eine Wischbewegung von rechts die Galerie. Ein Tap auf den Bildschirm, egal an welcher Stelle, löst eine Aufnahme aus. Hält man gedrückt, werden mehrere Fotos nacheinander angefertigt.

Die ungewöhnliche, aber praktische App ändert aber eben leider nichts am eigentlichen Problem: Dass die Bildqualität des Moto G bestenfalls mäßig ist. Schade, aber mehr ist in dem Preisrahmen mutmaßlich auch noch nicht drin gewesen.

Die Software im Moto G

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Auf unserem Moto G war beim Kauf Stock Android in Version 4.3 Jelly Bean vorinstalliert, das Update auf Android 4.4 KitKat kam bei uns zwar nicht per OTA-Meldung an, konnte aber nach dieser Anleitung bei den XDA-Developers manuell installiert werden.

Dank der flotten Updates ist das Moto G jedenfalls beinahe ein Nexus-Gerät. Das heißt: Android, so wie es Google sich vorstellt, mitsamt vieler Vor- und nur weniger Nachteile. Bei letzteren sind einige Komfortmängel zu nennen, die Benutzer von anderen Android-Varianten liebgewonnen haben mögen. Besonders schmerzlich abwesend in Stock Android ist für den Tester ein leichter zugänglicher Regler für die Display-Helligkeit in der Benachrichtigungsleiste und eine Option zum Neustarten des Gerätes bei Langdruck auf die Power-Taste.

Das Moto G ist deswegen „nur beinahe“ ein Nexus, weil die zeitnahe Versorgung mit Updates zwar wahrscheinlich, aber eben nicht in einem Maße gesichert ist wie bei „echten“ Nexus-Geräten – hier muss man Motorola zu einer qualifizierten Einschätzung über die nächsten Monate aufmerksam beobachten.

Daneben finden sich natürlich auch die gesammelten Google-Apps auf dem Gerät, von Google+ über Gmail und Maps bis hin zur Notizen-App Keep. Motorola erweitert den Funktionsumfang von Stock-Android jedoch um einige kleinere Features.

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Smartphone-Umzug leicht gemacht: Die App Motorola Migrate (deutsch: Migrieren) übernimmt Einstellungen und Daten vom alten Smartphone

So findet sich ein praktischer Migrationsassistent für Umsteiger von anderen Smartphones im App Drawer. Dazu muss man lediglich auf dem alten Android-Gerät (unterstützt werden Smartphones und Tablets aller Hersteller ab Android 2.2 Froyo und seit Neuestem auch das iPhone) dieselbe App aus dem Play Store herunterladen. Startet man die App auf beiden Geräten und scannt mit dem alten einen QR-Code auf dem neuen Gerät ein, kann man unter anderem SMS-Nachrichten, den Anrufverlauf, SIM-Kontakte und auf dem Gerät gespeicherte Medien wie Musik, Bilder und Videos übertragen – dies geschieht sogar per WLAN-Direktverbindung und ist deshalb sehr schnell. Einfacher kann man den Umzug auf ein neues Gerät nicht gestalten.

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Automatisierung im kleinen Stil: Assist stellt das Gerät leise, wenn man schläft oder sich in einer Besprechung befindet

Dazu kommt die gleichsam praktische App Assist, mit der man sein Moto G im kleinen Maßstab automatisieren kann. Momentan bietet die Anwendung auf Wunsch eine Nachtschaltungsfunktion an, die das Gerät zu selbst einstellbaren Stunden leise stellt und nur die Anrufe wichtiger Personen durchlässt. Außerdem ist ebenfalls eine Funktion integriert, dank der das Gerät still bleibt, wenn Kalenderereignisse im Gang sind – damit das Moto G etwa während eines Meetings nicht bimmelt.

Besonderheit beim Moto G ist, dass die Motorola-Apps über den Play Store aktualisiert werden. Neben den regulären Apps für Kamera, Radio, den Migrationsassistenten und Assist beinhaltet das auch zwei Dienste-Frameworks. Die so genannten Motorola Bootdienste tauschen als saisonales Gimmick die Boot-Animation aus. Im Dezember kann man somit beispielsweise diese festliche Animation beim Hochfahren bestaunen:

Die so genannten Motorola-Kontextdienste bilden darüber hinaus die technische Grundlage für die Assist-App und erkennen beispielsweise, ob der Nutzer schläft oder gerade Auto fährt.

Erwähnenswert ist noch, dass man bei der ersten Aktivierung der Google Drive-App auf dem Moto G 50 GB Gratis-Speicherplatz für zwei Jahre auf den Google-Diensten Drive, Gmail und Google+ Fotos erhält. Kein schlechtes Angebot, wenn man bedenkt, dass die regulär kleinstmögliche Speicher-Aufstockung (85 GB) bei Google sonst knapp 90 Euro für 2 Jahre kostet.

Der einzige wirklich grobe Kritikpunkt an der Software, neben den genannten Schwächen in Stock Android, ist im Grunde genommen eine Kleinigkeit, die aber schnell nervt. So wird der komplette Providername in der Benachrichtigungsleiste angezeigt, was wiederum wertvollen Platz für Benachrichtigungen wegnimmt. Kein Negativpunkt im eigentlichen Sinne ist die Tatsache, dass die Active Display- und Active Notifications-Funktionen des Moto X vom Moto G nicht unterstützt werden. Dafür reicht eben die Hardware nicht aus.

Im Saldo bietet das Moto G eine relativ gute Software-Nutzererfahrung. Der wichtigste Grund ist Stock-Android. Dazu kommt, dass Motorola davon absieht, das Moto G mit Bloatware und unnützer Funktionalität zuzupfropfen, die wenigen Software-Ergänzungen sind tatsächlich allesamt sinnvoll.

Performance des Moto G

Als SoC kommt im Moto G ein ungewöhnlicher Chip zum Einsatz: Den Qualcomm MSM8226 Snapdragon 400 mit vier Cortex A7-Prozessorkernen in 28 nm-Fertigung, einem Maximaltakt von 1,2 GHz und Adreno 305-GPU. Ungewöhnlich deshalb, weil der Snapdragon 400 bislang überwiegend als Dual Core-Chip zu begutachten war: im Samsung Galaxy S4 mini (Test) und Galaxy Mega mit 1,7 GHz Offenbar hat Qualcomm diesen Chip als direkten Konkurrenten zu Mediateks MT8125 konzipiert, einem Quad Core-SoC, das 2013 in zahlreichen preiswerten Geräten zu finden war.

Benchmarks

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Wir haben das Moto G gegen das 2012 gelaunchte und immer noch verbreitete Samsung Galaxy S3 (Exynos 4412 mit 1,4 GHz) und das aktuelle High End-Gerät Galaxy Note 3 (Snapdragon 800 mit 2,3 GHz) antreten lassen, um dessen nominelle Leistungsfähigkeit einzuschätzen.

Ein Hinweis dazu: Das Note 3 performt aufgrund von Software-Tweaks von Samsung in Benchmarks stets unter Idealbedingungen – um das theoretische Leistungspotenzial der aktuellen High-End-Klasse zu illustrieren, sollten die Benchmark-Resultate des Note 3 aber genügen.

Benchmark Samsung Galaxy S3 Samsung Galaxy Note 3 Moto G
(Android 4.3/Dalvik)
Moto G
(Android 4.4/ART)
Antutu 4.1.1 Total 17684 35850 17669 17006
Antutu UX (Multitask/Dalvik) 3132/1108 6995/3565 3018/1108 2990/-
Antutu CPU (integer/float) 2239/1660 3362/4186 1819/1457 1812/1459
Antutu RAM (Operation/Speed) 1737/876 1689/2326 1107/1017 1104/1042
Antutu IO (Storage/Database) 1089/610 1669/680 841/635 643/625
CF-Bench 1.3 Overall 13569 37868 14603 11794
CF-Bench Java 6532 37039 10021 5792
CF-Bench Native 24125 39113 21476 20797
GFXBench 2.7.2
(2.7 T-Rex HD Offscreen)
231 Frames
4,1 fps
1480 Frames
26 fps
315 Frames
5.6 fps
317 Frames
5.7 fps
GFXBench 2.7
(2.5 Egypt HD Offscreen)
(Absturz) 7772 Frames
69 fps
1850 Frames
16 fps
1847 Frames
16 fps

Natürlich muss sich das Moto G den versammelten Boliden auf Snapdragon 800-Niveau wie dem hier aufgeführten Samsung Galaxy Note 3 geschlagen geben, in puncto Grafik noch deutlicher als in Bezug auf die Prozessorleistung. Bloß macht das in der Praxis nur selten einen Unterschied. Zum einen, weil das Moto G performant genug für alle Alltagsaufgaben ist, zum anderen, weil es zurzeit noch kaum Anwendungen (lies: Spiele) gibt, die von dem hohen Leistungsniveau der aktuellen Top-Geräte profitieren. Der Grund liegt auf der Hand: Spiele-Entwickler entwickeln selten für die Leistungs-Speerspitze der Android-Geräteschar, sondern in der Regel für die verbreitetsten Smartphones und Tablets. Darunter fallen immer noch Galaxy S3, Nexus 4 – und eben in Zukunft das Moto G, das auf einem vergleichbaren Leistungsniveau zu den beiden letztgenannten Geräten liegt. Zudem ist dank des 720p-Displays geringerer Grafik-Rechenaufwand nötig.

Interessant ist, dass das Moto G unter Android 4.4 mit aktivierter ART-Runtime etwas weniger leistungsfähig performt. In einigen Fällen mag das Messungenauigkeiten geschuldet sein, der CF-Bench im Bereich Java ist aber deutlich: Mit ART erreicht das Moto G dort nur etwas über die Hälfte an Leistung. Im Alltag spürt man den Unterschied nicht – im Gegenteil, subjektiv verringert ART gar den Lag in manchen Apps. Das ist ein weiterer Indikator dafür, dass Benchmarks mit der Alltagsleistung in etwa so viel zu tun haben wie die Abiturnote mit der Berufsqualifikation eines Angestellten – nämlich relativ wenig.

Kommen wir also zu den Anwendungen, die Alltag am meisten Performance benötigen: 3D-Games. Im Test machten Spiele wenig Probleme auf dem Moto G. Dead Trigger 2 und Riptide GP 2 liefen zwar nicht auf 60 FPS, aber spielbar. Mit dezent zurückgeschalteten Ansprüchen an die Grafik kann man gar Real [link id=2470163]Racing 3 und Anomaly 2 in brauchbarer Geschwindigkeit spielen. Angenehm beim Spielen ist übrigens der mit dem Android 4.4-eingeführte Immersive Mode, der die Software-Buttons in manchen Spielen wie Riptide GP 2 ausblendet und somit den versehentlichen Druck auf die Home-Taste unterbindet.

Im Alltagsbetrieb macht das Moto G ebenfalls Spaß: Kleinere Performanceprobleme wurden mit dem ersten OTA-Update und KitKat zumindest verringert, wiewohl trotzdem gelegentlich Verzögerungen spürbar sind, etwa beim Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste oder beim Scrollen durch einen längeren Text in der Pocket-App. Die Probleme sind aber nicht weltbewegend. Selbst mit aktiviertem Live Wallpaper und vielen Widgets scrollt das Moto G angenehm flüssig zwischen den Homescreens hin und her. Apps starten schnell und performen gut, vor allem dank der Arbeitsspeicher-Optimierungen in Android 4.4 und dem seit KitKat optional aktivierbaren ART Runtime Compiler macht die Benutzung Spaß.

Motorola hat den internen Speicher in Form einer mitsamt Controller auf das Mainbord gelöteten micro SD-Karte realisiert. Dass dem so ist, macht sich aber nicht bemerkbar. Selbst als in unserem Test der Speicher randvoll war (was bei 8 GB internem Speicher zugegebenermaßen schnell der Fall ist), war keinerlei Degradierung der Performance zu beobachten.

Konnektivität und Speicher

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Wie schon erwähnt, testeten wir das Moto G in der Speichervariante mit 8 GB. Nach zwei Monaten der Nutzung empfehlen wir mit Nachdruck, zur 16 GB-Variante zu greifen. Denn die effektiv rund 5,5 GB, die dem Nutzer des Moto G mit 8 GB zur Verfügung stehen, sind schnell voll, wenn man sein Gerät wie ein Smartphone nutzen möchte. Apps, Spiele, Fotos, Videos, Musik, Podcasts, Hörbücher – alles zehrt am Speicher und macht nach wenigen Wochen ein ständiges Jonglieren mit Daten notwendig. Weil ein micro SD-Slot leider fehlt und man für einen Aufpreis von nur 30 Euro 16 statt 8 GB Speicher bekommt, ist der Fall eigentlich klar: Größere Version kaufen oder später ärgern. Und nein – externe Datenträger, die per USB Host/USB-OTG angeschlossen sind, stellen keine dauerhafte Alternative dar, auch wenn diese prinzipiell gut funktionieren.

Ansonsten erfüllt das Moto G die Standards, ohne allerdings großartige „Kinkerlitzchen“, sieht man mal vom verbauten UKW-Radio ab. Das heißt: kein LTE, kein NFC, kein ac-WLAN, kein Gyroskop. Die somit etwas eingeschränkten Konnektivitätsoptionen – HSPA (nur bis 21 MBit/s) und WLAN bis zum n-Standard – ein brauchbares GPS und die wichtigsten Standard-Sensoren entsprechen den Minimalanforderungen eines Smartphones Ende 2013/Anfang 2014. Das Moto G kann, was es können muss, mehr nicht, aber auch nicht weniger, liegt damit aber immer noch mitten im Anforderungsbereich eines hohen Anteils aller Smartphone-Nutzer in diesem Jahr. An dieser Stelle bitte den obligatorischen Verweis auf den Preis des Gerätes denken.

Telefonie und Audio

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Gespräche klingen, verglichen etwa mit einem Galaxy Note 3, weniger klar und ein wenig dumpf, aber noch gut verständlich. Der Mono-Lautsprecher auf der Rückseite kann sich leider ebenfalls nicht mit teureren Geräten messen, insbesondere bei hohen Lautstärken werden die Höhen überbetont, das Klangbild ist entsetzlich blechern-scheppernd. Immerhin sorgt die Positionierung des Lautsprechers dafür, dass man jenen mit der hohlen Hand nicht verdeckt, sondern einen passablen Klangkörper bildet. So lange man damit keine Räume zu beschallen plant, kann man mit der Klangqualität des Moto G durchaus leben. Apropos: Unter Android 4.3 gab es noch Probleme bei der Skalierung der Lautstärkeregelung – lag der Volumenregler in der ersten Hälfte des Lautstärke-Balkens, bleibt das Gerät praktisch unhörbar, dafür waren die Schritte in der zweiten Hälfte von Stufe zu Stufe zu groß. Mit Android 4.4 wurde das Problem deutlich verbessert. Ein kleiner Makel, der mit Android 4.4 nicht behoben wurde ist, dass Kabelfernbedienungen an Headsets nicht zuverlässig funktionieren, sodass man unterwegs das Gerät unnötig häufig aus der Hosentasche nehmen muss.

Akku

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Zwei beispielhafte Verbrauchsszenarien: Das Moto G verbraucht im Standby nahezu keine Akkuleistung, mit moderater Nutzung sind somit zwei oder gar drei Tage Nutzungsdauer möglich

Das Moto G hat uns in Sachen Ausdauer pro Akkuladung durchweg überzeugt. Schlüssel ist es, die Helligkeit manuell herunter zu regeln – rund 40 Prozent auf dem Regler entsprechen der Helligkeit, die viele andere Geräte bei etwa 70 Prozent aufweisen und reichen im Alltag nahezu immer aus. Danach erfreut man sich eines Gerätes, dessen 2.070 mAh-Akku bei moderater Nutzung (2 Stunden Display-On, aktive Synchronisierung von Facebook und Twitter, diversen Google-Diensten, aktivierter Location History, WhatsApp, Bilder-Backup per Dropbox im WLAN) durchaus zwei Arbeitstage durchzuhalten imstande ist. In einem Fall hielt das Gerät bei moderater Nutzung (knapp 3 Stunden aktives Display) gar 2 Tage und neun Stunden durch. Selbst wenn man das Gerät häufiger oder mit höherer Displayhelligkeit verwendet, ist ein ganzer Tag, also 24 Stunden eigentlich immer drin – man muss schon sehr lastintensive Spiele zocken, um diesen Wert zu unterschreiten. Besonderen Anteil an dieser guten Leistung hat der Verbrauch im Standby: in der Regel gönnte sich das Moto G bei ausgeschaltetem Bildschirm lediglich ein Prozent der Akkulaufzeit alle zwei Stunden, unabhängig davon ob man im heimischen WLAN oder unterwegs war – klasse.

Wer noch etwas mehr Saft benötigt, kann in den Akku-Einstellungen noch einen Energiesparmodus aktivieren – wir sahen dafür im Test aber keine Notwendigkeit. Kurzum: Das Moto G ordnet sich in puncto Akku ganz vorne ein und ist den oben genannten Top-Geräten des Vorjahres, Samsung Galaxy S3 und Nexus 4, sogar merklich überlegen.

Fazit: Das Moto G ist mehr als nur ein Schnäppchen

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Nach mehreren Wochen der Benutzung des Moto G kehre ich nun mit Freude zu meinem Galaxy Note 3 zurück. Das liegt nicht daran, dass das es ein schlechtes Smartphone wäre, ganz im Gegenteil. Das Moto G ist sogar ein in vielen Belangen überraschend gutes Smartphone, insbesondere in Relation zu seinem Preis. Das Gerät mag nichts für mich sein, einen Smartphone-Enthusiasten, aber es ist das Smartphone, das Enthusiasten Neulingen empfehlen; ein Gerät, das der Besitzer eines HTC One, Galaxy S4 oder LG G2 seinen Eltern, technisch wenig bewanderten Geschwistern oder seinen Kindern nahelegt.

Motorola hat mit dem Moto G eine Ernst zu nehmende Alternative zu Featurephones auf dem Markt, mit deutlich geringerer „Fallhöhe“ für den Kunden als bei teuren High-End-Devices. Es passt überdies perfekt in Googles Strategie, Internet-konnektierte Geräte mit Android für jedermann erschwinglich zu machen und damit neue Märkte zu erobern. Das ist die erste kleine Revolution, die sich das Moto G auf die Fahne schreiben kann: Es stellt einen wichtigen Schritt in der Demokratisierung des Smartphones dar.

Die Frage ist, wie der Markt reagiert. Sieht man mal davon ab, dass es auch vor dem Moto G bereits Geräte gab, die in eine ähnliche Kerbe geschnitzt haben – das Huawei Ascend G615, Samsung [link id=1828249]Galaxy Ace 3 und das HTC Desire 500 kommen da in den Sinn – ist das Moto G ein Gerät, das in der Unter-200-Euro-Klasse so viel Staub aufwirbelt wie kein Gerät zuvor. Die Konkurrenz wird darauf reagieren müssen und auch reagieren. Wir erwarten bereits in den nächsten Monaten Geräte, die bei einem ähnlichen Preispunkt die nicht wegzuleugnenden Schwächen des Moto G kompensieren – insbesondere die unterdurchschnittliche Kamera, das Fehlen von LTE und eines Speicherkarten-Slots. Ob andere Firmen dem Moto G mit seinem hochrepräsentablen Display, seiner durchaus vorhandenen visuellen Eleganz und seiner optischen Anpassbarkeit das Wasser reichen können, muss sich erst noch zeigen. Denn Motorolas „Volks-Smartphone“ – wir bitten die Inflation dieses Begriffes zu entschuldigen – versteht sich als ein selbstbewusstes Gerät. Das zeigen nicht zuletzt die knalligen Farben, mit denen man sein Moto G per Wechsel-Rückcover versehen kann. Und das ist die zweite Revolution, die das Gerät darstellt: Das Moto G ist zwar ein billiges Smartphone, aber eines, dessen man sich nicht schämen muss.

Unsere Wertung zum Moto G

  • Display: 5/5
  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Kamera: 2/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 2/5
  • Akku und Alltagstauglichkeit: 5/5
  • Bonus für ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis: +0,5

Gesamt: 3,7/5

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Pro

  • Hervorragendes Display
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra

  • Kamera unterdurchschnittlich
  • kein LTE
  • Extras wie Gyroskop, micro SD-Slot, NFC weggespart

Galerie zum Moto G

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