Moto G4 Plus im Test: Klassiker, neu erfunden

Frank Ritter
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Lenovo beweist Größe, und das im wörtlichsten Sinne: Mit der vierten Generation des Moto G legt die populäre Serie an Mittelklasse-Smartphones einen Größensprung hin. Mit 5,5 Zoll Displaydiagonale sind das G4 und dessen Schwestergerät G4 Plus nun waschechte Phablets. Mittendrin im Zeitgeist oder sinnlos aufgebläht? Wir spüren dieser Frage nach – im Testbericht zum Moto G4 Plus.

Moto G4 Plus im Test: Klassiker, neu erfunden

Kurzfazit: Mit dem Moto G4 Plus hat Lenovo einen gelungenen Nachfolger für Motorolas Budget-Reihe vorgestellt. Das Gerät trumpft mit vielen gute Ideen wie dem Active Display und seinen Schüttelgesten auf, eine solide Verarbeitung und eine gute Kamera sowie das Stock-nahe Android sprechen ebenfalls fürs vierte Moto G. Probleme mit Kopfhörern, eine hakelige Kamera-App und der fehlende Kompass verhindern aber, dass das Gerät in dieser Preisklasse zur klaren Empfehlung wird. Was auch damit zu tun hat, dass die Konkurrenz in der Mittelklasse heute wesentlich stärker ist als in den vergangenen Jahren.

Pro

  • Gute Kamera
  • Solide Verarbeitung
  • Geniale Schüttelgesten
  • Dual-SIM
  • Fingerabdrucksensor
Kontra

  • Kein Kompass, kein NFC
  • Nur 16 GB Speicher in der Basis-Version
  • Kamera ohne OIS
  • Probleme mit externer Audio-Hardware

Die Wertung findet ihr unten im Text

Die Moto-G-Reihe ist vor allem in Indien und Brasilien eine höchst erfolgreiche Geräteserie, aber auch in Westeuropa konnte insbesondere das erste Modell beachtliche Marktanteile erringen. Das Rezept: Ein reines Android, schnelle Updates und ausreichende Spezifikationen zu einem seinerzeit verblüffend schmalen Preis von rund 170 Euro. Doch die Zeiten ändern sich: Motorola gehört nicht mehr zu Google, die Linien zwischen den vormals klar abgegrenzten Moto-Serien verwischen zusehends und die Konkurrenz im Preisbereich wird immer härter.

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Nein, einer gewissen Grundskepsis kann man sich nicht entziehen, wenn man zum ersten Mal das Moto G4 Plus in der Hand hält. Zum einen, weil es sich nun offiziell nicht mehr um ein Motorola-, respektive Google-Gerät, sondern um das neue Produkt einer Lenovo-Serie handelt. Das macht Lenovo überall deutlich: Der Markenname Motorola taucht auf der Packung nicht mehr auf, das Gerät ist jetzt ein Lenovo Moto G Plus. Natürlich hat Lenovo bereits belegt, unter anderem bei der von IBM übernommenen ThinkPad-Sparte, dass man die Eigenheiten einer ehrwürdigen Serie pfleglich zu behandeln imstande ist. Aber Motorola unter Google war eben auch einzigartig in Sachen Produktentwicklung und Softwarepolitik. Zwar hat der Markt das nur zum Teil in der Breite goutiert, für Android-Enthusiasten galt „Googorola“ aber als Vorzeige-Fabrikant für Android-Smartphones. An der Frage, ob Lenovo Motorola im Sinne dieser Enthusiasten weiterführen kann, steht also immer noch ein dickes Fragezeichen. Das Moto G4 Plus wird uns der Antwort sicher ein Stück näherbringen.

Und das Moto G4?
Lenovo hat uns das „bessere“ Moto G4 Plus zum Test zur Verfügung gestellt. Das reguläre Moto G4 besitzt eine schwächere 13-MP-Kamera, keinen Fingerabdrucksensor und wird mit einem nicht Quick-Charge-fähigen Ladegerät ausgeliefert, kostet aber auch etwa 50 Euro weniger. Abgesehen davon sind beide Geräte technisch und optisch identisch, selbst deren Rückschalen sind untereinander austauschbar. Sobald wir das Moto G4 erhalten, überprüfen wir in einem zusätzlichen Test die Unterschiede.

Ein anderer Grund zur Skepsis ist, dass das Moto G in der vierten Iteration einen Größensprung macht und mit einer Bildschirmdiagonale von 5,5 Zoll zu einem echten Phablet wird. Lenovo begründet das mit veränderten Mediennutzungsgewohnheiten der Zielgruppe: Dank steigender Datenvolumina, mehr konsumierten Games und mehr angeschautem Videocontent würden die Nutzer im Jahr 2016 größere Displays bevorzugen. Mag sein, allerdings glauben wir weiterhin, dass gerade das erste Moto G mit seinem 4,5-Zoll-Bildschirm die Käufer auch aufgrund seiner kompakten Ausmaße für sich einnehmen konnte. Die zweite und dritte Moto-G-Generation hatten 5-Zoll-Displays, nun findet also der nächste Riesenschritt statt.

Ich habe durchaus eine Schwäche für Geräte wie das Moto G4 Plus: Das OnePlus One ist für mich immer noch eines der schönsten und besten Smartphones überhaupt und das Moto G4 Plus drückt, wie man so schön sagt, dieselben Knöpfe bei mir. Ein wertiges Plastikgehäuse (ich mag’s robust, leicht und unprätentiös), ein großes Display, ein angemessen großer Akku, ein Stock-nahes und performantes Android-OS sprechen zumindest auf dem Papier für das Gerät. Na gut, die betörende Sandstone-Rückseite des One hat das G4 Plus nicht, und sonst?

Das Display des Moto G4 Plus

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An die Brillanz und Schärfe eines Galaxy-S7-AMOLED-Panels reicht das Full-HD-IPS-Display vom Moto G4 Plus natürlich nicht heran, trotzdem ist die Farbwiedergabe und der Kontrast in Ordnung, auch die Blickwinkelstabilität gibt wenig Anlass zur Klage – je spitzer der Winkel, desto grauer wird das Bild, bleibt aber lange erkennbar. Ein insbesondere bei niedriger Display-Helligkeit ins Graue tendierendes Weiß sowie ein dezenter, nach unten leicht zunehmender Gelbstich fiel dann aber doch negativ auf. Letzteres bei Weitem aber nicht auf dem Niveau des berüchtigten „Yellow Tint“ des OnePlus One. Zudem gab es am unteren Ende leichtes Backlight Bleeding – verschmerzbar. Sehr gut gefiel uns die Ablesbarkeit im Freien. Auch im hellen Licht des Berliner Sommers kann man den Bildschirminhalt gut erkennen.

Video: Hands-On zum Moto G4 Plus

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Moto G4 Plus im Hands-On: Erster Eindruck

Design und Handling

Das Handling und die Verarbeitung des Moto G4 Plus überzeugen ebenfalls. Dank der abgerundeten Ränder liegt das Gerät tatsächlich recht gut in der Hand und ermöglicht in vielen Situationen durchaus noch einhändige Bedienung – vor allem, wenn man dazu bereit ist, das Moto G4 Plus ein wenig in der Hand zu jonglieren.

Anders als die meisten High-End-Smartphones bestehen die Rückseiten des Moto G4 und G4 Plus nicht aus Glas oder Metall, wir haben es stattdessen mit einer abnehmbaren Rückseite aus geriffeltem Plastik zu tun. Nichts für die Vogue, ich mag's aber, weil ich damit keine Angst haben muss, dass mir das Telefon allzu leicht aus der Hand flutscht. Im Falle von Abnutzungserscheinungen und Kratzern auf der Rückseite – sofern ich diese nicht zu ertragen imstande sein sollte – oder wenn ich Lust auf eine neue Farbe habe, kann ich mir einfach eine neue Schale besorgen. Eine aus Wobbelplastik, klar, und nicht gerade der Ästhetik letzter Schluss – aber hey, immerhin ist es möglich.

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Die Rückschale wird mit einem satten Klicken an mehreren Punkten an der Rückseite des Gehäuses befestigt, sitzt dabei dicht und fest. Fürs Abnehmen mit dem Fingernagel findet man an der Unterseite einen kleinen Schlitz. Das Gerät ist angeblich dicht bei Spritzwasser, eine Zertifizierung als Rückversicherung gibt’s jedoch nicht.

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Angenehm gebogen ist der Metallrahmen des Gerätes, der mich manchmal an das Samsung Galaxy S3 erinnert. An der rechten Seite findet man, praktischerweise auf Daumenhöhe, den geriffelten und gut drückenden Power-Button. Die schmale und kurze Lautstärkewippe ist ungewöhnlicher Weise direkt darunter platziert und hinterlässt aufgrund von Haptik und Position keinen so guten Eindruck. Im Alltag drückt man die Lautstärketasten oft aus Versehen.

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Das Moto G4 Plus ist flacher als seine Vorgänger. Nur an der Oberseite kommt wieder der Moto-typische Bogen mit der Klinkenbuchse zum Einsatz, während die Metallapplikation, die das Moto G3 auf der Rückseite zierten, einer designtechnisch weniger ausgefeilten simplen Mulde im Plastik weichen musste. Dafür macht die rückwärtige Kamera mit ihrem Dual-LED-Blitz und dem Laserfokus optisch durchaus etwas her.

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Zur Front sei noch erwähnt, dass die Hörermuschel in das Glas eingefräst und dort von einem optisch subtilen, aber hübschen metallischen Akzent gesäumt ist, der bei der (allgemein hübscheren) Version mit schwarzer Front aber besser zur Geltung kommt. Unten liegt mit dem Fingerabdrucksensor ein Alleinstellungsmerkmal der Plus-Variante vom Moto G4, direkt daneben ein ziemlich unsubtiles (lies: hässliches) Loch fürs Mikrofon. Rechts neben dem Sensor ist noch eine LED positioniert, die aber nicht für Benachrichtigungen verwendet wird, sondern lediglich als Indikator fürs Laden, wenn das Gerät ausgeschaltet ist – die hätte sich Lenovo auch sparen können.

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Separate Speaker-Öffnungen gibt es nicht, der Ton kommt auch beim Lautsprecher- oder Freisprech-Einsatz aus der Hörermuschel. Lenovo verwendet Software-Buttons im Moto G4 (Plus). Gewöhnungsbedürftig: Selbst der Fingerabdrucksensor fungiert, anders als beispielsweise bei HTC und OnePlus, nicht als Home-Button. Allerdings kann man mit einem Druck darauf in Vollbild-Apps zumindest die Software-Tasten einblenden lassen, was sich bei langen Spiele-Sessions im Testzeitraum doch als recht praktisch herausstellte.

Die Kamera des Moto G4 Plus im Test

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Lenovo rühmt sich, dass die Kamera im Moto G4 Plus besonders gut sei. An der Rückseite ist ein Bildsensor von Omnivision mit f/2.0-Blende platziert, der Bilder in 16 MP aufnehmen kann und auch schon im Nexus 6 verwendet wurde. Dank des Laser-Autofokus, in Kombination mit Phasenerkennung, soll die Kamera auf kurze Distanz und bei schlechten Lichtverhältnissen schnell scharfstellen – was wir bestätigen können. Dank Quick-Capture-Modus wird das Bild auch flink aufgenommen, nachdem man auf die entsprechende Auslösetaste gedrückt hat. Ein Dual-Tone-LED-Blitz ist dabei, optische Bildstabilisierung fehlt hingegen, was zumeist in etwas geringerer Bildschärfe resultiert – das merkt man aber erst beim Heranzoomen. Wir empfehlen trotzdem, das Smartphone zum Fotografieren ruhig zu halten und das Gerät mit der zweiten Hand zu stützen. Je ruhiger die Hand, desto besser das Ergebnis.

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Bildergalerie Moto G4 Plus - Bilder der Kamera

Uns haben die Fotos der Moto-G4-Plus-Kamera zumeist recht gut gefallen, insbesondere im Auto-HDR-Modus und bei den sommerlich-guten Lichtverhältnissen der letzten Wochen sind die Ergebnisse ansehnlich. Die Kontraste sind recht hoch, die Farben intensiv, die Bilder freilich gelegentlich etwas dunkel. Die Farben wirken im Farbbild mitunter einen Tick zu warm, aber das ist bei Smartphones heutzutage wohl auch erwünscht. Im Alltag nervte die Software ein wenig, denn Motorolas Kamera-Software ist nicht gerade intuitiv zu bedienen, von Foto auf Video-Aufnahme umzuschalten ist beispielsweise unnötig aufwändig. Die als Galerie verknüpfte Google-Fotos-App ist aktuell ebenfalls ziemlich fußlahm, vor allem wenn man in ein gerade geschossenes Bild hereinzoomen möchte. Immerhin gibt es einen Pro-Modus, in dem man die Foto-Parameter einstellen kann – allerdings keine RAW-Bilder speichern.

Videos nimmt das Moto G4 Plus in maximal 1080p30 auf. Die Qualität ist gut, der durch das integrierte Gyroskop gestützte digitale Bildstabilisator macht dabei einen guten Job, wenn das Bild dadurch manchmal auch leicht unscharf wirkt.

Auch die 5-MP-Frontkamera kann uns für ein Gerät in dieser Preisklasse überzeugen. Zwar sind die Bildresultate bei suboptimalem Licht etwas verrauscht, aber die Weitwinkel-Linse macht gerade für Gruppen-Selfies Spaß.

Unterm Strich ist die Kamera des Moto G4 Plus gut, insbesondere im Bereich der Bildqualität. Vielleicht nicht ganz auf dem Niveau, das die Kamera-Benchmarker und -Berater von DxOmark proklamieren, mit wenig Extras und einer etwas zu hakeligen Kamera-App, aber eben trotzdem absolut brauchbar für ein Produkt dieser Preisklasse.

Die Software des Moto G4 Plus

Ich bin froh, dass Lenovo mit dem weitgehend naturbelassenen Android eines der Alleinstellungsmerkmale der Moto-Geräte unangetastet gelassen hat, schließlich ist dieses ein Garant für eine hohe subjektive Leistung. Stock-Android mag nicht ganz perfekt sein – mir stößt zum Beispiel das Fehlen der Optionen „Neustart“ und „Flugzeug-Modus“ im Power-Menü immer wieder sauer auf. Trotzdem ist es, zusammen mit engen Verwandten wie CyanogenMod/OS aufgrund von Performance, Konsistenz und Eleganz die beste Betriebssystemvariante für Android-Smartphones.

Ähnlich wie zuletzt HTC beim 10 hat Lenovo sogar die Moto-eigenen Apps noch etwas zurückgefahren. So fiel die Galerie-App weg, stattdessen wird, wir erwähnten es, Google Fotos verwendet. Die App nervt zwar etwas, wenn man beim Fotografieren schnell Bilder betrachten will – siehe oben. Als Trost bekommt man immerhin unlimitierte Bilder-Uploads zu Google Fotos in der vollen Größe spendiert.

Bildergalerie Moto G4 Plus - Software

Ein paar Features fügt Motorola trotzdem hinzu. Neben einer Radio-App und der oben erwähnten eigenen Kamera-Anwendung ist das vor allem die App „Moto“, über die man die vormals nur von den Moto-X-Geräten bekannten Handgesten aktivieren kann. Damit lässt sich beispielsweise durch schnelles Schütteln des Geräts aus dem Handgelenk heraus die Kamera starten, mit zwei ruckartigen Bewegungen die Foto-LED einschalten und als Taschenlampe benutzen. Außerdem gibt es eine Active-Display-Funktion, die die Uhrzeit und eingegangene Benachrichtigungen angezeigt, wenn man das Smartphone anhebt.

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Letztere Funktion ist beim Moto G4 Plus wesentlich besser gelöst als bei Samsung, denn zum einen ist der Bildschirm nicht konstant aktiviert (was bei einem LC-Display freilich auch den Akku über Gebühr belasten würde), zum anderen werden Benachrichtigungen aller Apps angezeigt, über Wischgesten kann man sogar direkt in die entsprechenden Apps springen. All diese Extra-Features sind tatsächlich nützlich, ich habe mich im Test schnell an sie gewöhnt und sie häufig verwendet. Die App Motorola Assist, mit der man bei den Vorgängern das Gerät noch teil-automatisieren konnte, ist derweil gestrichen worden – aus meiner Sicht kein herber Verlust.

Die Plus-Version des Moto G4 besitzt auch einen Fingerabdrucksensor, dieser funktioniert gut und schnell. Da er das offizielle mit Android 6.0 eingeführte Fingerabdruck-API von Google unterstützt, kann man mit diesem nicht nur das Gerät flugs entsperren, Apps können ihn auch als Verifizierungsmethode verwenden. Perfekt ist der Sensor aber nicht: Die Auflegefläche ist verhältnismäßig klein und der Sensor funktioniert deutlich schlechter als beispielsweise die Sensoren von Huawei bei nassen Fingern. Trotzdem ist der Fingerabdrucksensor dank seiner Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit nicht nur auf dem Datenblatt ein „Plus“.

Leistung

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Mit einer Punktzahl von recht konstant 44.000 bis 45.000 im Antutu-Benchmark ist das Moto G4 Plus sicher nicht das performanteste derzeit erhältliche Gerät. Trotzdem reichen der mit 8 CPU-Kernen ausgestattete Snapdragon 617 nebst Adreno-405-GPU und 2 GB RAM in der von uns getesteten Version für ein flinkes Alltagsverhalten. Dafür ist zu einem Gutteil das von unnötigem Software- und Designkladderadatsch verschonte Stock-Android verantwortlich.

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Im Vorfeld gab es einige Stimmen und Berichte darüber, dass sich das Moto G4 (Plus) stark erhitzen und die Performance beim Abrufen von viel Leistung einbrechen würde. Diese Beobachtung können wir nicht bestätigen: Egal ob langer Benchmark-Parcours, exzessive Spiele-Sitzungen mit aufwändigen 3D-Games oder eine Full-HD-Videoaufnahme von mehr als 7 Minuten – das Gerät wurde im Berliner Frühsommer höchstens ein wenig warm, die per App ausgelesene Akku-Temperatur stieg selbst bei längeren Stresstests nicht über 47°C und ist damit bedeutend geringer als bei diversen aktuellen High-End-Geräten. Warum wir die Hitzeprobleme nicht haben, die anderswo durchaus häufiger berichtet werden, können wir nicht sagen; lediglich konstatieren, was ist: Unser Moto G4 Plus überhitzt nicht und bleibt auch in länger anhaltenden Belastungsszenarien responsiv.

Konnektivität und Speicher

16 GB Speicher besitzt die Basisversion von Moto G4 und Moto G4 Plus. Gegen Aufpreis kann man im Moto Maker auch eine Version mit 32 GB (G4) respektive 64 GB (G4 Plus) bekommen. Sofern das kein Loch ins Budget sprengt, würde ich jeweils zur größeren Variante raten. Natürlich kann man auch Speicherkarten einsetzen und diese seit Android 6.0 auf den internen Speicher mappen, aber im Zweifel ist mehr „echter“ interner Speicher aufgrund von Geschwindigkeit und Stabilität trotzdem die bessere Variante. Zumal in der 16-GB-Variante im Auslieferungszustand nur noch 10,82 GB zur freien Verfügung stehen.

Toll ist, dass beide in Deutschland verfügbaren Moto-G4-Varianten Dual-SIM-fähig sind, auf beiden Leitungen kann LTE verwendet werden. Die entsprechenden Slots sind außerdem keine Kombi-Slots, sodass man sich nicht, wie bei Geräten anderer Hersteller, für eine sekundäre SIM oder Speicherkarte entscheiden muss.

Kommen wir zu zwei großen Pferdefüßen des Moto G4 Plus. In puncto Sensorik hat Lenovo dem Moto G4 Plus auf dem Papier fast alles mitgegeben, was ein Mittelklasse-Smartphone braucht. Ein UKW-Radio ist verbaut, GPS und GLONASS funktionieren gut, der micro-USB-Anschluss fungiert als USB Host zum Anschluss von Peripherie, das WLAN-Modul unterstützt 2,4- und 5-GHz-Netz und läuft dabei stabil und schnell. NFC hat das Moto G4 Plus nicht, das dürfte für die meisten Interessierten aber kein „Dealbreaker“ sein. Bluetooth ist in Version 4.1 vorhanden. Wir hatten in unserem Test aber Probleme, das Smartphone mit unterschiedlichen externen Speakern zu verbinden – einer funktionierte, einer nur gelegentlich und einer überhaupt nicht. Und das ist leider nicht das einzige Problem, das unser Testgerät in Bezug auf die Wiedergabe von Audio hatte.

Auch Kopfhörer funktionierten nur erratisch. Ein Modell pausierte ständig die Wiedergabe – übrigens unabhängig von der verwendeten Player-App – andere Kopfhörer funktionierten überhaupt nicht, stattdessen fand die Wiedergabe nur über den integrierten Lautsprecher statt, gleiches galt für ein Klinke-auf-Klinke-Kabel, das ich mit einem externen Lautsprecher verbinden wollte. Im öffentlichen Personennahverkehr kann das schon mal peinlich werden, wenn alle mitbekommen, dass man sich Klassiker des Eurodance oder die vertonte Autobiographie von Boris Becker anhören möchte. Mit einem weiteren Kopfhörer ging es, trotzdem ist es ärgerlich, darauf hoffen zu müssen, dass der eigene Kopfhörer respektive die eigenen Bluetooth-Box kompatibel mit dem Moto G4 Plus ist. Lenovo muss hier, falls es sich um ein Software-Problem handelt, schleunigst nachbessern. Der integrierte Mono-Lautsprecher ist zwar nicht der Hi-Fi-Weisheit letzter Schluss, aber immerhin angemessen laut, dass man darüber Hörbücher, Podcasts und im Notfall auch das eine oder andere Musikstück genießen kann, ohne dass einem die Ohren bluten. Von Vorteil ist dabei definitiv die Ausrichtung des Speakers in Nutzerrichtung.

Und noch ein dickes Minus ist zu verzeichnen: Aus uns unerfindlichen Gründen verbaut Lenovo keinen Kompass im Moto G4 (Plus) – obwohl ein solcher schon seit einigen Jahren Standard selbst in der Smartphone-Einsteigerklasse ist. In der Praxis äußert sich das in erster Line in nicht funktionierenden AR-Apps sowie einer fehlenden Richtungsbestimmung in Google Maps. Zwar kann die Richtung interpoliert werden, wenn man sich mit dem Gerät in der Hand geradeaus bewegt, das ist aber keine wirkliche Lösung und macht das Moto G4 (Plus) als Navi-Ersatz untauglich.

Keine Probleme nahmen wir hingegen bei der Telefonie wahr, Gespräche waren störungsarm und besaßen eine gute, klare Klangqualität auf beiden Seiten.

Akku und Alltag

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Der 3.000-mAh-Akku hat in unserem Test solide bis gute Resultate zu Tage gefördert. Schade ist, dass der Akku nicht wechselbar ist, obwohl das aufgrund der abnehmbaren Rückseite technisch sicher machbar gewesen wäre. In der Regel kamen wir damit über den Tag – soll heißen eine Screen-on-Time von 3,5 Stunden bei 17 Stunden ohne Laden war möglich (siehe Screenshots oben), zum Teil sogar noch mit etwas Puffer zum Schluss. Es gab gerade am Anfang aber auch immer wieder Tage, an denen sich der Akku seltsamerweise schneller entleerte und frühzeitig nachgetankt werden musste (siehe unten), gegen Ende hatte sich das aber eingependelt. Tipp am Rande: Wenn man die Sonder-Features in der Moto-App deaktiviert, hält das Gerät merklich länger durch.

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Fazit zum Moto G4 Plus

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Aufatmen: Das Moto G4 Plus ist auch unter Lenovo-Ägide seinen Google-Wurzeln treu geblieben, wiewohl es aufgrund der Größe und der hinzugewonnenen Fähigkeiten eigentlich als Nachfolger des Moto X Play aus dem Sommer 2015 gewertet werden müsste – um die Kontinuität der etablierten Moto-Serien scheint sich Lenovo aber sowieso nicht allzu sehr zu scheren. Das Gerät ist ein solider Mittelklassler, das seine unprätentiöse, aber effiziente Benutzeroberfläche auszeichnet; es geht halt eben doch nichts über Stock Android. Die Leistung stimmt, die Kamera kann mitunter tolle Fotos machen und die Schüttelgesten sind tatsächlich sinnvoll. Was will man mehr für 300 Euro? Nun ja, die Auslassung von NFC und noch weitaus mehr des Kompasses sind dicke Wermutstropfen und für mich nicht nachvollziehbar. Die Probleme bei der Soundwiedergabe sind hoffentlich per Software-Update wegpatchbar, nerven aber ebenfalls. Und 16 GB Speicher in der Basisversion sind schon sehr knapp bemessen – wir empfehlen gleich zur 64-GB-Version im Moto Maker zu greifen, die hat dann mit 4 GB RAM auch gleich die doppelte Menge an Arbeitsspeicher. Dann ist man freilich auch schon in Preisbereichen, in denen die Oberklassegeräte des vergangenen Jahres liegen. Und für 50 Euro mehr bekommt man sogar mit dem unlängst vorgestellten OnePlus 3 einen Preis-Leistungs-Knaller der Oberklasse. Der sogar einen Kompass hat.

Und die Größe des Moto G4 Plus? Aus unserer Sicht geht sie in Ordnung, auch wenn sie tatsächlich ungewohnt für ein Gerät der Serie ist. 5,5 Zoll sind als Displaygrößen-Standard freilich gekommen, um zu bleiben – spätestens seit den „Plus“-iPhones kann man dagegen kaum noch argumentieren. Wir hoffen trotzdem, dass Lenovos Marktforscher auch die Nische für Geräte mit Displaygrößen unter 5 Zoll ausmachen – denn die gibt es. Uns gegenüber hat Lenovo angedeutet, dass es weitere Geräte der Moto-G-Serie mit anderen Schwerpunkten geben wird, ein „Moto G4 Mini“ läge da zumindest nah.

Test-Wertung zum Moto G4 Plus

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Kamera: 3/5

Gesamtwertung: 70 %

Disclosure: Das Moto G4 Plus wurde uns freundlicherweise von Lenovo zur Verfügung gestellt, wir konnten es über einen Zeitraum von drei Wochen testen. Auf dem Testgerät lief zunächst die auf Android 6.0.1 basierende Firmware MPJ24.139-13, diese wurde im Testzeitraum auf den Build MPJ24.139-23.4 (Android 6.0.1, Security-Patch-Ebene Mai) aktualisiert.

Bildergalerie Moto G4 Plus

bewertete "
Moto G4 Plus
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70 von 100 Punkten
(18. Juni 2016)

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